Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-03-03 · Heft 9 (3.3.1916) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 9 (3.3.1916)
Date
1916-03-03
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3229232-3229242--72051-3284470
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

3 er Dr lnsere^ In gftticfi wieder Hahn miteeö In meinen csonen tionen entlick dein erden, seiner stund it fiel tt der n Zn v. an inner erem e er en drei Toten, denen unsere Feier gilt, Kraft und gedeihliches Wirken gegeben hat, die unserer Gemeinde so viele Jahre hindurch zugute ^kommen ist. Sie sollen uns wie Leitsterne die Richtung angeben, in er wir alle in der Vertretung und Verwaltung unserer Gemeinde um Heil und Segen der Gemeinde wirken wollen." — Der allgemeinen Gedächtnisfeier schloß sich im Sitzungszimmer der Synagoge ein Festst an, in dem der Vorstand der Synagogengemeinde die Billder ^>er drei verstorbenen Vorsteher, ausgeführt von Wilhelm Granzow, lbernahm. Die Ansprache des Vorstehers der Gemeinde, Moritz lron, hatte folgenden Wortlaut: „Wir alle stehen noch inter dem Eindruck der würdevollen Gedächtnisfeier und >er Weihepredigt unseres Herrn Rabbiners für unsere verdienstvollen verstorbenen Vorsteher der Stolper Synagogen- ^meinde Raphael Wolfs, Jakob Wolffberg und Lazarus Golde. Wenn ch nun als derzeitiger erster Vorsteher die vor uns hängenden Bilder n den Schutz und Hort der Gemeinde übernehme, so habe ich die 'hrenvolle Pflicht, Ihnen zu sagen, was uns bewogen hat, das Andenken dieser drei Herren so zu ehren, daß dieselben uns und komnende Geschlechter bei dem Anblick ihrer Bilder anspornen sollen, hnen nachzueifern in den höheren Bürgertugenden, in Opferwilligkeit, öescheidenheit und UeberAeugungstreue, und da komme ich zuerst zu Raphael Wolfs, der im Jahre 1883 Mitglied unseres Vorstandes vurde, von 1887 bis.1892 erster Vorsitzender, und von 1891 bis zu einem am 4. Dezember 1900 erfolgten Tode Stadtverordneter von Stolp war. Wir sowohl wie die ganze Stadt verdanken ihm und einen Erben sehr viel. Ich erinnere nur an die Stiftung unserer Orgel, die uns an unseren Feiertagen unseren Gottesdienst verschönt, und an die Raphael-Wolff-Stiftung. Ihm lag stets daran, die Achtung und das Ansehen der Gemeinde zu wahren und vor allen Dingen Glaubensunterschiede zu unterlassen, wie das von ihm geprägte Stifmngsstatnt in der Raphael-Wolsf-Stiftnng beweist. Jakob Wolffo e r g gehörte seit dem Jahre 1878 dem Vorstande an und wurde nach Herrn Wolfs unser Vorsteher. Vom 1. Januar 1881 bis 31. Dezember 1897 war er Stadtverordneter von Stolp. Er war in seiner Schlichtheit einer der volkstümlichsten Männer in der Stadt wie in der Gemeinde, der sich die Hochachtung und Liebe von hoch und niedrig zu erwerben wußte; pflichttreu und gewissenhaft hat er sein Amt ausgeführt und hat seinen Nachkommen einen guten Ruf hinterlassen. Die erfolgreichste Arbeit im Vorstande hat der uns allen viel zu früh verstorbene Herr Golde geleistet, der Schöpfer unseres Gotteshauses, Beamtenhauses und der Leichenhalle, und als solcher hat er sich bei uns wie in der ganzen Stadt ein Denkmal aus Stein gesetzt; ein Denkinal im Herzen hat er sich bei allen gesetzt, die ihn kannten, liebten und verehrten. Er war von 1881 bis 1887 Vorstandsmitglied und dann von 1899 ab mit kleiner Unterbrechung bis zum Jahre 1913 Vorsitzender der Gemeinde. Von allen drei Herren kann ich mit Recht sagen: „Wer den Bestell seiner Zeit genug getan, der hat gelebt für alle Zeiten." Das sind die Gründe, weshalb sowohl der jetzige Vorstand sowie die jetzigen Repräsentanten den einstimmigen Entschluß gefaßt haben, die drei Herren durch Anfertigung ihrer Bilder zu ehren, zum ewigen Andenken an ihre Selbstlosigkeit im Dienste der Gemeinde. Bevor ich schließe, will ich den Angehörigen der drei Herren llnseren Dank für ihr Erscheinen an diesem Tage sagen. Auch dem Künstler, Herrn Wilhelm Granzow, spreche ich unseren Dank für die wohlgelungene Anfertigung der drei Bilder aus und besonders dafür, daß er aus Verehrung für Herrn Raphael Wolfs uns dessen Bild unentgeltlich überlassen hat. Nunmehr nehme ich die Bilder in ben Schutz der Gemeinde. Wir werden dieselben hüten und bewahren nach dem Wahlspruch: Ehre, dem Ehre gebührt." — Die neuen Bildnisse hängen an der Stirnwand des Sitzungszimmers und tragen in ihrer wohlgelnngenen Ausführung und Einrahmung zum Schmucke des Raumes wesentlich bei. Dresden, 25. Februar. Am 15. d. M. wurde auf dem israelitischen Friedhof der Fabrikant HirschBensky zu Grabe getragen, einer der edelsten Wohltäter, der immer in der Stille von seinem Ueberfluß spendete, ohne einen Unterschied in Glauben und Abstammung zu machen. Von russischer Abkunft, nahm er an deutscher Art und deutschem Leben regen Anteil. Alle Hilfswerke der Stadt für dm Krieg, u. a. die Kriegsorganisation Dresdener Vereine, Heimatdank, das Rote Kreuz usw., förderte er. Er unterstützte u. a. — und wieder ungenannt — in wahrhaft großherziger Weife jede Einrichtung der israelitischen Religionsgemeinde, aus i der an unbemittelte Angehörige der Gemeinde' unentgeltlich Lebensmittel gewährt werden. Zu seiner Beerdigung hatten sich Angehörige aller Gesellschaftsschichten eingefunden. Auf dem Friedhof sprach Rabbiner Professor Dr. Winter und für die Freunde des Verstorbenen Herr W e i n r e i ch. J. A. Nürnberg, 25. Februar. Das Eiserne Kreuz erster Klasse erhielt Joseph H e s s e l b e r g e r, z. Z. Oberleutnant bei der deutschen Militärmission in der Türkei. Ter Genannte, Mitinhaber der bedeutenden Hopfenfirma Gebr. Hesselberger in Nürnberg, hat sich schon in Friedenszeiten auf dem Gebiet des Reit- und Autosportes sowie durch ferne Löwenjagden in Afrika einen Namen gemacht. Herr Hesselberger, welcher als Vizewachtmeister d. L. beim bayerischen 7. Chev.-Regt. einrückte, erwarb sich nach kurzer Zeit das Eiserne Kreuz zweiter Klasse und den Leutnantsrang infolge erfolgreicher kühner Patrouillen. Nach seinem Eintritt in türkische Dienste wurde er zum Oberleutnant befördert. Das Eiserne Kreuz zweiter Klasse erhielten: Kriegsgerichtsrat Dr. Angerer in Nürnberg; prakt. Arzt Dr. Lißm a n n in München, Oberarzt in einem Landwehr-Infanterieregiment. Das bayerische Militärverdien st kreuz zweiter Klasse erhielten: Militärbeamtenstellvertreter Ernst Wilmersdörfer und Arnulf Steinberger. Den bayerischen Militärverdienstorden vierter Klasse erhielt: bayr. Major a. D. Siegfried L i s man n, Bankier in Frankfurt a. M. Landrat und Bankier Martin K o h n erhielt vom Großherzog von Oldenburg für Kriegsverdienste das Friedrich- August-Kreuz zweiter Klasse. Hosrat Dr. Frankenburger, prakt. Arzt in Nürnberg, der auf dem Gebiet der Tuberkulosefürsorge Hervorragendes leistete, erhielt die preußische Rote-Kreuz- Medaille dritter Klasse. Hattingen (Ruhr), 25. Februar. Schwere Trauer ist über die.hochgeschätzte Familie S a l. Gumperz dahier gekommen. Ihr 33jähriger Sohn Joseph, der im Aufträge der Heeresverwaltung in Bulgarien weilte, ist dort Plötzlich an einer Blinddarmoperation verstorben. Joseph G. g e h ö r te a l s L e u t n a n t dem Kaiserlich e n A u to rno bi l k o r P s a n, nahm an den Kämpfen trn Westen und Osten seit Ausbruch des Krieges teil und war schon vor längerer Zeit durch das Eiserne Kreuz und durch das O e st e r r e i ch i - s.che goldene V e r die nst kr e u z mit der Krone ausgezeichnet w o r de n. Der Verstorbene war ein tüchtiger Kaufmann und die Seele des väterlichen Geschäfts, das unter seiner zielbewussten Mitleitung eine gewaltige Ausdehnung genommen und Weltruf erlangt hat. Seine Freundlichkeit im Umgang mit jedermann, sein treuherziges Wesen und feine stets offene Hand, wenn es galt, fremdes Leid zu j killen oder einer edlen Sache zu dienen — und nicht zuletzt auch jüdischen Zwecken, sichern dem allzufrüh Verklärten ein dankbares Gedenken über das Grab hinaus. Nachdem die Leiche von Sofia hierher übergeführt worden war, fand am 18. d. M. hier unter außerordentlich zahlreicher Beteiligung die Beisetzung auf denr hiesigen ji'ldischen Friedhöfe statt. Sämtliche Krieger¬ und Militärvereine der Stadt mit der Kapelle des Ersatzbataillons des Infanterieregiments 144 an der Spitze, die gesamten städtischen Vertretungen, die Verwundeten des Lazaretts, die Bürgergesangvereine, unzählige Verwandte und Freunde aus der Nähe und Ferne folgten dem Leichenzuge. Am Grabe hielt der Kultusbeamte Herr Lehrer Andorn dem guten Sohne der Stadt, dem wackeren Helden die ergreifende Gedenkrede, die bei der nach Tausenden zählenden Trauergemeinde einen ungemein tiefen Eindruck hervorrief. Er schilderte besonders die Herzensgute dieses Joseph — im Vergleich mit dem biblischen — und erinnerte zum Schluß an die Legende von den beiden Särgen, die Israel einst auf seiner Wüstenwanderung voranzogen. Der in dieser Lade ruhe, habe auch befolgt, was die andere gebietet: durch eine edle Lebensführung, durch seine warme Teilnahme an allem Menschenwohl und Menfchenweh, durch feine Tapferkeit . . . durch seinen Heldentod. Mendelssohn-Bartholdys: „Etz ist bestimmt in Gottes Rat", die Ehrensalve des Kriegervereins, die üblichen liturgischen Gebete schlossen die ernste, würdige Feier am Grabe eines unvergeßlichen deutschen Heldenjünglings jüdischen Glaubens. Grsttrreich-Angarn. K. Wien, 25. Februar. Am 18. d. M. fand unter überaus großer Beteiligung die Beerdigung des am 16. d. M. nach langer, schwerer

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.