Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 80 (1916)
- Issue
- Heft 9 (3.3.1916)
- Date
- 1916-03-03
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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würdige Zukunstsaufgabe. Am Schluß seiner Ausführungen fragt Traub, warum die griechisch-römische Geschichte interessanter als die der letzten Jahrhunderte ist. Weil diese Völker eine gemeinsame Denkungsart gehabt und sie in den Tagen schwerer Not bekundet hätten.' Bei uns aber herrscht große geistige Zerrissenheit, es mangelt an geschlossenen Persönlichkeiten. Deutschland wird und muß siegen, wenn der einzelne sich freudig, opfermütig, bedingungslos für das Ganze hingibt nach dem Schriftwort: Die Liebe ist stärker als der Tod. 22 Berlin, 2s». Februar. Ter Berliner Akademische Vere i n für jüdische Geschichte und Literatur, von dem zurzeit 26 Aktive und 36 Alte Herren unter den Fahnen stehen, hat bereits vier seiner Mitglieder durch den Krieg verloren. Das vierte Opfer des Krieges, cand. arch. Ottmar Wilinski (Sohn des Herrn M. Max Wilinski) aus Pankow, der einer im Felde sich zugezogenen heimtückischen Krankheit erlegen ist, wurde am 22. d. Nt. unter überaus großer Beteiligung auf dem Friedhof in Weißensee zu Grabe getragen. Das Lehrerkollegium des Pankower Realgymnasiums, dessen Schüler der Verstorbene gewesen, war fast vollzählig erschienen. Der Akademische Verein für jüdische Geschichte und Literatur war durch drei Chargierte in Wichs, die hier anwesenden und eine Reihe auswärtiger Bundesbrüder vertreten, die herbeigeeilt waren, um dem allgemein beliebten Kameraden das letzte Geleit zu geben. Die Gedächtnisrede hielt Rabbiner Dr. Blumenthal. Im Namen der Aktiven und des Verbandes alter Herren des A. I. G. V. widmete Oberlehrer Dr. Cohn dem treuen, aufrichtigen Freunde, dem idealgesinnten, tatfrohen und zielbewußten Jünger der Wissenschaft Worte des Dankes und des Abschieds. Der hoffnungsvolle, vorwärtsstrebende junge Mann hat ein Alter von nur 23 Jahren erreicht. Er ruhe an Frieden. ### Berlin, 29. Februar. Das Eiserne Kreuz zweiter Klasse erhielten: Bataillonsarzt Dr. Max L i s s a u e r, Feldzahnarzt Fritz Lesser, Unteroffizier Harry Steinitz, Bankvorsteher Martin Höxter, Bataillonsarzt Dr. Kurt Heilborn, Dr. med. Alfred Alexander, Ofsizierstellvertreter Albert Breslauer, Bizewachtmeister d. R. Max Lesser, Unteroffizier Max Joseph, Vizewachtmeister Leo Abrahamsohn, Gefreiter Bruno Jacob, Leutnant d. L. Fabrikbesitzer W o l f f e n st e t n, Kunstmaler Gustav Wolf, Oberarzt Tr. Walter L e v y, Assistenzarzt Tr. Jsmar Sokolowski, Unteroffizier Referendar Leo P i n c u s, Unteroffizier Kaufmann Fritz Türk, Cand. med. Leo B a r c z i n s k i. Tr. Willy Alexander, Abteilungsarzt Dr. Henry Cohn, Einjähriger Kriegsfreiwilliger Unteroffizier Alfred Jakob I a r o t s ch i n, Oberapotheker d. R. Hugo D e s s a u e r, Gefreiter Hans Adle r, Offizierstellvertreter Edmund H i r s ch, Landsturmmann Hermann Jacob, Frauenarzt Dr. Georg L i s s a u e r, Unteroffizier Kammergerichtsreferendar Paul Heinemann, Schiffahrtsdirektor Jakob Hecht, Offizierstellvertreter Tr. Leonhard Frank, Feldzahlmeister Kurt Mandowsky, Kriegsfreiwilliger Unteroffizier Georg Hirschberg, Kriegsfreiwilliger Cäsar Baumann (Groß-Berlin). Die gleiche Auszeichnung erhielten: Unteroffizier d. R. Hans Herr mann (Königsberg i. Pr.), Gefreiter d. R. Siegfried Arndt (Prenzlau), Feldunterarzt Hans L i b u w i c z, Sohn der Kaufmannswitwe Libuwicz (Hohensalza), Oberjäger Siegfried B e n a r i o , Sohn des Hoflieferanten A. Benario (Bückeburg), Veterinär Norbert G o l d b e r g (Fehden a. O.), Gefreiter Siegfried Beruh ei m (Baiertal bei Heidelberg), Oberarzt bei der Bugarmee Dr. Jakob Fenchtwanger, Bataillonsarzt Dr. Hugo Meyer, Offizierstellvertreter Artur Rosenheimer, Max R eißn er, Dr. Erich S t a m m, Gefreiter Architekt Richard K a u f f m a n n (Frankfurt a. M.), Gefreiter Rechtsanwalt Manfred Frank (Essen-Ruhr), Offizierstellvertreter Rechtsanwalt S. Simon (Gelsenkirchen), Leutnant Viktor L o e b (Speyer a. Rh.), Unteroffizier Max Strauß (Gelnhausen), Bataillonsarzt- Dr. Arthur Koblenzer (Konstanz), Unteroffizier Myrtel U r h (Großblittersdorf), Unteroffizier Moritz ■Df iedzwinski (Kattowitz), Oberapotheker Paul W a ch s n e r (Myslowitz), Unteroffizier Herbert Hirsch (Liegnitz), Kriegsfreiwilliger Gefreiter Oberprimaner Beerwald (Königsberg i. Pr.), Offizierstellvertreter G. Dobrin (Graudenz), Assistenzarzt d. R. Joseph Eisenstädt (Putzig), Feldgeistlicher Rabbiner Dr. I a l i e n e r - Darmstadt. S2 Ostrowo, 25. Februar. In dieser Woche ging der dritte größere Transport von gebrauchten Kleidungs- und Wäschestücken während des Krieges nach Kalisch und Umgegend. Wiederum war es ein Bahnwagen mit 5000 Kilogramm, den unser Rabbiner Dr Neuhaus infolge der tatkräftigen Unterstützung seitens unserem deutschen Glaubensgenossen nach Russtsch^Polen senden konnte. Irr ganzen sind bisher von hier aus 15 000 Kilogramm Kleidungsstücke usw. nach Polen gesandt worden. Auch diesesmal sind sie wieder an den Kroischef von Kalisch, Herrn Geheimen Regierungsrat Hahn, geschickt worden und sind dann vermittels des Kalischer Komitees zur Verteilung an die Aermsten der Armen gebracht worden. In der nunmehr seit Kriegsanfang in Kalisch bestehenden allgemeinen jüdischen Volksküche, in der anfangs jeden Mittag 400 Personen gespeist worden, werden gegenwärtig über 3000 Mittagsportionen verabfolgt. Gegenwärtig geht hier wiederum eine außerordentlick große Anzahl jüdisch-polnischer Arbeiter durch, welche sämtlich beim hiesigen Grenzamt der deutschen Arbeiterzentrale legitimiert, werden. Hier ist auch eine ärztliche Prüfungsstelle eingerichtet. Vor seiner Weiterreise nach Deutschland wird jeder Arbeiter aus-seinen Gesund heitszustand ärztlich untersucht. Der jüdischen Arbeiter nimmt fiel mit Rat und Tat Herr Rabbiner Dr. Neuhaus an. In dem der Seelsorge unseres Rabbiners unterstehenden Gefangenenlager zu Skalmierzyce, in dem sich zurzeit 1000 Juden befinden, wird der Mangel an Tefillin, Siddurim und Tallesim sehr lebhaft von den Gefangenen empfunden. Herr Rabbiner Dr. Neuhaus bittet deshalb herzlichst um freundliche Zusendung von Tefillin ufw. an seine Adresse. §2 Stolp t. P., 25. Februar. Am Sonntag, den 20. d. M., vormittags, fand in der hiesigen Synagoge eine Gedächtnisfeier für die verstorbenen Vorsteher unserer Gemeinde Raphael Wolfs, Jakob Wolffberg und Lazarus Golde statt. Rabbiner Dr. Joseph hielt die Gedächtnisrede und legte seinen Worten den 50. Psalm zugrunde: „Wer Dank opfert, der ehret mich, und wer den Weg richtet, den will ich das Heil Gottes schauen lassen." Er führte n. a. etwa folgendes aus: „Das höchste Wachstum unserer jüdischen Gemeinde ist in den letzten drei Jahrzehnten zu verzeichnen gewesen. In dieser Zeit galt es, neue große Aufgaben zu lösen. Ende 1842 wurde an Stelle der bisherigen schlichten Betstätte ein erstes, würdiges Gotteshaus für die jüdische Gemeinde in der Shnagogenstraße errichtet und gleichzeitig erstmalig ein Rabbiner berufen. Dies war die erste Blüte unserer Gemeinde. Eine neue, erhöhte Gemeindetätrgkeit regte sich seit dem Jahre, da infolge des zu eng gewordenen Raumes die Errichtung eines neuen Gotteshauses geplant und in die Wege geleitet wurde. Diesem Neubau folgte das neue Gemeindehaus und mehrere Jahre später die neue Leichenhalle. Dies war eine Zeit, in der es in unserer Verwaltung galt, mit Weisheit und Einsicht die neugestellten Aufgaben einer gedeihlichen Lösung entgegenzuführen. Gerade in dieser Zeit wurden an die Spitze der Verwaltung nacheinander die Männer berufen, deren Andenken unsere heutige Feier gilt: Raphael Wolfs, Jakob Wolffberg und Lazarus Golde, diese drei Männer, deren hingebender, erfolgreicher, treuer und fruchtbringender Tätigkeit unsere Gemeinde ein dauerndes Andenken im Herzen bewahrt. Raphael Wolfs hat sich große Verdienste um unsere Gemeinde erworben. Die Tüchtigkeit, Zielbewußtheit und Zuverlässigkeit, die ihn im Berufsleben auszeichncte, hat gleicherweise auch seiner Gemeindetätigkeit gegolten. Durch die Gründung des nach seinem Namen benannten Stiftes hat er sich in der Gemenrde und in der Stadt Stolp ein dauerndes dankbares Andenken gesichert. Mit seinem Namen verknüpft sich auch die Schenkung der Orgel für unser Gotteshaus. Jakob Wolffberg fühlte sich der Stadt Stolp und unserer Gemeinde innigst verbunden. Lange Jahre hindurch war er als Stadtverordneter tätig und widmete allein öffentlichen Angelegenheiten sein lebhaftes Interesse. Mit hingebendem Eifer, mit Freudigkeit und Selbstlosigkeit widmete er sich aber auch dem Dienste unserer Gemeinde. Um Lazarus Golde, der erst im vorigen Jahre aus unserer Mitte schied, ist die Trauer in unserem -Herzen noch nicht gewichen. Lebendig ist in uns noch die Erinnerung an seine ersprießliche Tätigkeit in unserer Gemeinde. Was durch feine Vorgänger vorbereitet worden war, ist von ihm zu glücklicher Durchführung gebracht worden. Zum Segen für die Gemeinde hatte er seine Berufstätigkeit bereits niedergelegt, als er die Leitung unserer Gemeinde übernahm. Mit welcher Liebe, unvergleichlichem Eifer, Sorgfalt und großem Erfolg er seinem Amte Vorstand, empfinden wir alle als eine besondere Gunst des Schicksals. Sein Gedächtnis wird alle Zeit in unserer Mitte fortleben. Wir danken heute Gott, daß er