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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-03-03 · Heft 9 (3.3.1916) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 9 (3.3.1916)
Date
1916-03-03
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 Krankheit im 70. Lebensjahre verstorbenen Rabbiners Herrn Dr. F r a n k I - G r u n statt. Ter Verblichene, ein bedeutender Schriftsteller, amtierte einige Jahrzehnte als Rabbiner und Religionsprosessor in Kremsier in Mähren, wv er der Liebe und Wertschätzung nicht nur seiner Glaubensgenossen und seiner zahlreichen Schüler, sondern auch der weitesten Kreise der historisch berühmten Stadt Kremsier in hohem Maße sich erfreute. Nach mehr als vierzigjährigen treuen Diensten trat Tr. Frankl-Grun infolge eines schweren körperlichen Leidens vor einigen Jahren von seinem Amte zurück und übersiedelte nach Wien zu seinen Kindern, die sich dort in geachteten sozialen Stellungen befinden. Rabbiner Tr. Frankl-Grun entfaltete eine fruchtbare schriftstellerische Tätigkeit. Am bekanntesten ist sein historisches Werk „Geschichte der Inden in Kremsier", welches voll Berufshistorikern als eine sehr interessante, gediegene und fleißige Arbeit bezeichnet wird; ferner seine Psalmübersetznngen zum Schulunterricht und viele Predigten, die von ihnr im Truck erschienen sind. Der Verblichene war eiil wahrhaft treuer und edler Priester, ein Mann, „der den Frieden liebte und nach Frieden strebte", hilfreich und gut gegen jedermann und vor allem ein vorzüglicher Pädagoge. Tie zahlreichen Trauergäste, die dem, einfachen, schmucklosen Sarg folgten, legten beredtes Zeugnis ab, daß der Verblichene es lneisterhaft verstanden hat, sich auch in der Hauptstadt der Monarchie trotz seines kurzen hiesigen Aufenthaltes zahlreiche Frenrlde und Verehrer zu erwerben. Er ruhe sanft. Von Aah und Lern. — Geheimer Medizinalrat Professor Dr. A u g u st v. W a s s e r - m a n n, ordentlicher Honorarprofessor in der Berliner medizinischen Fakultät und Direktor des Kaiser-Wilhelm-Jnstituts für experimentelle Therapie in Dahlem, vollendete am 21. Februar das 70. Lebensjahr. - Der Herzog von Anhalt hat den Professor M a recll Salzer für Verdienste im Kriege mit dein Friedrichskreuz am grün-weißen Bande ansgezeichnet, das bisher nur Militärpersonen verliehen worden war. — Geheimer Sanitätsrat Tr. M. K r o n e r, der als Stabsarzt ein Lazarett leitet, erhielt an seinem 75. Geburtstage die silberne Spange zum Eisernen Kreuz von 1870. - - Herr Jsmar Michaelis, langjähriger Einzelprokurist des Bankhauses Abraham Schlesinger, feierte am 14. d. M. seinen 90. Geburtstag. Er ist bereits im Jahre 1839 bei der Stammfirma in Hirschberg eingetreten. Ter in Bankltnb Börsenkreifen bekannte und beliebte Jubilar hat sich von seiner eigentlichen Tätigkeit schon seit einer Reihe von Jahren zurückgezogen. — Der Mitinhaber der Firma H c r r m a n n G e r s o n , Herr Siegfried Frendenberg, ist am 24. d. M. an den Folgen einer Operation in einer Privatklinik im Alter von 44 Jahren gestorben. Er war seit etwa 20 Jahren mit seinem Vater Geheimen Kommerzienrat Frendenberg und drei Brüdern Mitinhaber der Firma Herrmann Gerson. Ein schweres Leiden hinderte ihn an der völligen Ausübung seiner Tätigkeit und führte jetzt seinen Tod herbei. —- Auf de ui jüdischen Friedhof in Weißensee fand die Beerdigung des am 21. Februar verstorbenen Kaufmanns Ludwig Landau statt. Ter Verstorbene hat eine ganze Reihe von Unternehmungen gegründet, die sich ans kleinen Anfängen heraus entwickelt haben, unter anderem eine Eisenexportfirma, die in allen Ländern, auch in Uebersee, festen Fuß gefaßt hat und heute eine Firma von Weltruf ist, ferner mehrere chemische Werke. Sein rastloser Fleiß drängte ihn auch zur Betätigung in den verschiedenen Berliner Kommunalinstitutionen und Wohltätigkeitsvereinen. Der älteste Inhaber des Kaufhauses Nath-an Sternfeld in Danzig-Königsberg, David Vall-entin, spendete anläßlich seines 70. Geburtstages 100 000 Mark für wohltätige Zwecke. — Herr Tr. Salomon Frankfurter, Rabbiner der Adaß-Jisroel-Gemeinde in Königsberg i. Pr., ist beim dortigen österreichisch-ungarischen Konsul im Aufträge des Landesverteidigungsministeriums als k. u. k. Feldgeistlicher in der Reserve vereidigt worden. — Ans Nikolai (Oberschlesien) wird geschrieben: Einen herben Verlust hat unsere Synagogengem-einde erlitten, Herr Rentner Louis Brauer ist gestorben. Jahrelang bekleidete er in der Synagogengemeinde das Amt eines Vorstehers. Dem israelitischen Kranken- und Beerdigungsverein gehörte er fast drei Jahrzehnte als Vorstandsmitglied an. Anläßlich seines 25jährigen Vorsteherjubilänms wurde er in Anerkennung seiner aufopfernden Tätigkeit im Dienste der Nächstenliebe von dem Vereine zum Ehrenmitgliede ernannt. A»läßlich seines 60. Geburtstages stiftete u. hochherziger Weise der Stadtverordnete Kaufmann Herr M a i L e w i n , Mitinhaber der Firma Zadek Lewin Söhne, der Stad: Mogilno zehntausend Mark zugunsten unterstützungsbedürftiger Kriegsbeschädigter sowie der voll Kriegsteilnehmern hinter, bliebenen Witwen und Waisen aller Konfessionen. Gleichzeitig, spendete er der dortigen jüdischen Gemeinde 3000 Mark zu wohltätigen Zwecken. -. In Leipzig wurde am 17. d. M. Frau Julie Blumenthäl zur letzten Ruhe gebettet. Tie Verstorbene hat sich jahrelang als Vorstandsmitglied zahlreicher Wohlfahrtseinrichtungen in aufopferndster Weise der Armenpflege und Kinderfürsorge angenommen und ans diesen Gebieten viel Gutes gewirkt. Nach einleitenden! Ehorgesang und Gebet hielt Rabbiner Professor Dr. Porges die Trauerrede. — Das „Israelitische Gemeindeblatt" zu Köln berichtet: Bei der am 23. Februar stattgefundenen Vorstandswahl wurden einstimmig gewählt als Vorstandsmitglieder aus die Dauer von sechs Jahren die Herren Siegfried S i m o n , Emil B l u m e n a u , Engen Sternb e r g und Sal. Linz, als Stellvertreter ans die Dauer von drei Jahren die Herren Sanitätsrat Dr. Al a st b a u m , Moritz Falken st e i n und Leo H i r s ch. - - Aus dem Bureau der „F r e i e n Bereinig» n g für die I n t e ressen des o r k h o d o x e n I u denk u m s" wird uns geschrieben: Es hat sich gelegentlich der Gottesdienste an den letzten Feiertagen im Felde als ein fühlbarer Mangel herausgestellt, daß nicht genügend Machsorim vorhanden waren, so daß die Mannschaften vielfach dem Gottesdienste nicht folgen konnten. Wir bitten unsere Glaubensgenossen, uns entbehrliche P e s such- M a ch fort m umgehend geschenkweise oder leihweise zu übersenden. In letzterem Falle werden wir die Rückgabe den Empfängern zur Pflicht machen, ohne natürlich jedoch dafür eine Verantwortung übernehmen zn können. Ferner bitten wir um Ueberlassung brauchbarer Exemplar,' Volt At e g i l l a t h E st e r zur Verwendung bei Gottesdiensten im Felde und in Gefangenenlagern. — Das H aager K o m i t e e f ü r die j ü d i s ch e n F l ü ch t l i n g e schreibt uns: Der Strom der jüdischen Flüchtlinge nach Holland wird so überaus groß, daß die holländischen Komitees außerstande sind, die nötige Hilfe zn leisten. Es muß bekanntgegeben werden, daß die Reise nach Holland in den meisten Fällen zwecklos ist, da hier keine Arbeitsmöglichkeiten vorhanden sind, und die Flüchtlingskomitees, wenn sich der Strom der Flüchtlinge in diesem Maße vergrößert, nicht länger imstande sein werden, Hilfe zu leisten. — Die „Wiener Zeitung" meldet: „Der Kaiser hat drn Hof- und Gerichtsadvokaten Tr. Markus Spitzer in Wien zum Mitgliede des niederösterreichischen Landesschulrates für die restliche Dauer der laufenden Funktionsperiode ernannt." — In der Budapester „Allgemeinen Indischen Zeitung" wird die Anlegung einer Statistik der jüdischen Kriegsteilnehmer angeregt. Einige Daten, die einzelne Dezirksrabbiner über die jüdische Teilnahme in ihren Bezirken veröffentlichen, zeigen, wie ungemein groß die jüdische Blutsteuer zu diesem Kriege ist. — Aus Paris wird der tragische Tod des früheren Oberrabbiners von Lille, Herrn Emile Ca heu, gemeldet. Durch ein Automobil wurde er auf dem Boulevard Nouvelle überfahren, und nachdem er in ein Spital gebracht worden war, verschied er kurz nachher. Er hat ein Alter von 76 Jahren erreicht. — Aus Petersburg wird gemeldet: S. M. Dubnow, der bekannte jüdische Geschichtsschreiber, der seit zehn Jahren hier wirkt, ist plötzlich ausgewiesen worden und hat Petersburg bereits verlassen. — Ter bekannte amerikanische Bankier Nathan Strauß hat, wie der „Nieuwe Rotterdamsche Courant" mitteilt, für den unter der jüdischen Bevölkerung der Bereinigten Staaten gesammelten Hilfsfonds 1 Million Mark für die jüdischen Opfer des Krieges gespendet. Seine Frau hat für den gleichen Zweck ebenfalls 400 000 Mark gegeben. Das Ergebnis der von dem bekannten polnischen Klaviervirtuosen Ignatz Paderewski zugunsten der notleidenden polnischen Bevölkerung durch die Bereinigten Staaten veranstalteten Tournee hat nach den Angaben des Künstlers bisher 220 000 Dollar ergeben. Das Geld soll zum Anfalls von Lebensmitteln und Kleidungsstücken für die in den besetzten Gebieten ansässigen Polen verwandt werden. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastratze 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Junge. Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Mosse.

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