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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-03-03 · Heft 9 (3.3.1916) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 9 (3.3.1916)
Date
1916-03-03
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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30. Jahrgang Nr. 9 Berlin, 3. März 1916 n hm raten, ebhaft Prost, als Inter n be igerte Name vurde iteren ühen- , daß en es .legen Timer inen, rnem rum, men Der Gemeindevote. Vellage zur „Allgemelnrn Leitung de§ Judentums. Kriegsanleihe und Bonifikationen. Die Frage, ob die Vermittlungsstellen der Kriegsanleihen von der Vergütung, die sie als Entgelt für ihre Dienste bei der Unterbringung der Anleihen erhalten, einen Teil an ihre Zeichner weitergeben dürfen, hat bei der letzten. Kriegsanleihe zu Meinungsverschiedenheiten geführt und Verstimmungen hervorgerufen. Es galt bisher allgemein als zulässig, daß nicht nur an Weitervermittler, sondern auch an große Vermögensverwaltungen ein Teil der Vergütung weitergegeben werden dürfe. War dies bei den gewöhnlichen Friedensanleihen unbedenklich, so ist anläßlich der Kriegsanleihen von verschiedenen Seiten darauf hingewiesen worden, daß bei einer derartigen allgemeinen Volksanleihe eine verschiedenartige Behandlung der Zeichner zu vermeiden sei und es sich nicht rechtfertigen lasse, den großen Zeichnern günstigere Bedingungen als den kleinen zu gewähren. Die zuständigen Behörden haben die Berechtigung dieser Gründe anerkennen müssen und beschlossen, bei der bevorstehenden vierten Kriegsanleihe den Vermittlungsstellen jede Weiter-! gäbe der Vergütung außer an berufsmäßige Vermittler von Effektengeschäften strengstens zu untersagen. Es wird also kein Zeichner, auch nicht der größte, die vierte Kriegsanleihe unter dem amtlich festgesetzten und öffentlich bekanntgemachten Kurse erhalten, eine Anordnung, die ohne jeden Zweifel bei allen billig denkenden Zeichnern Verständnis und Zustimmung finden wird. Berlin, 29. Februar. Die Drauerfeier für Geheimrat Tr. Julius Blumen thal fand am 23. d. M. im Heim des Verstorbenen in der Regentenstraße statt, zu der eine große Zahl von Leidtragenden sich eingefunden hatte. (Line Fülle kostbarer Kränze mit Widmungen bedeckte den im Salon ausgebahrten Sarg. Der spanische Botschafter hatte einen prachtvollen Kranz mit Schleifen in den spanischen Farben übersandt. Weitere Kränze spendeten: der Borstand der jüdischen Gemeinde, das Institut für Krebsforschung an der Eharitv, Direktion und Aufsichtsrat der Viktoria, die Fürstin Elary, die Prinzessin Elisabeth Radziwill, der Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, die Repräsentantenversamlnlnng der jüdischen Gemeinde nitb viele andere. Die Gedächtnisrede hielt Rabbiner Dr. Weiße. Im Anschluß daran erfolgte die Uebersührnng der Leiche nach dem jüdischen Friedhose in der Schönhauser Allee zur Beisetzung. Berlin, 29. Februar. Wir erhalten mit der Bitte um Veröffentlichung folgenden Aufruf: Wiederum kommen Nachrichten aus Palästina, die alle Inden zur Hilsstütigteit aufrufen. Die jüdische Bevölkerung des Heiligen Landes hat in unaufhörlich steigendem Maße mit Mangel und Not zu kämpfen. Sie kämpft und leidet in dem Bewußtsein, daß ihr Ausharren Verständnis und Mitgefühl, aber auch tatkräftige Linderung bei -all denen auslösen wnrd, denen Erez Israel ein heiliges Wort und eine teuere Hoffnung ist. Die Arbeiter, die — zumal in der Kriegszeit — mit dem Geringsten sich bescheiden, leiden bittere Not. Einige Tage der Woche müssen Arbeiter, Handwerker, Schüler und jene Kreise, die auch sonst auf Unterstützungen angewiesen waren, hungern, weil die Mittel nicht reichen. Der Bericht, der dem Hilfswerk für Palästina erstattet worden ist, verlangt ungesäumtes und großzügiges Eingreifen Zugunsten unserer palästinensischen Brüder. Die Organisation des Hilfswerkes in Palästina ist vorhanden. Volksküchen, Darlehnskasfen bestehen, und' lange Zeit hindurch wurde eine Katastrophe vermieden, da Hilfsgelder aus Europa und aus Amerika vorhanden waren. In der letzten Zeit hat aber die Hifstätigteit versagt. Eine neue Aktion tut not. Wir hoffen, daß die Inden Deutschlands ihre Pflicht tun werden. Es geht um eine Hilfe, die den Hunger stillt und unsere Brüder und die Arbeit ihrer Hände künftigem Wirten bewahrt. Hilfswerk für Palästina. -- Geldsendungen sind zu richten an das Hilfswerk für Palästina, Berlin W 15, Postscheckkonto Dir. 4192. E. S. Berlin, 29. Februar. Am 21. d. M. hielt Schriftsteller Georg Hermann „zum Besten des Stipendiensonds der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums und der vom Kriege Betroffenen" eine „Vorlesung aus eigenen Werken". Hier wurde wieder ein leider zu wenig beachtetes Bildungsmittel geboten. Der Vortragende zeigte, wie Erzählungen verständnisvoll gelesen werdeu müssen, und wie sie dann erst wirtlich belehrend und erguickend auf den Leser wirken. Diese Erzählungen, dem heimatlichen Boden entstammend, behandelten teils die Zeit von 1848, teils die jüngste Zeit. Reizend und anschaulich kamen die Zustände der korrekte!! vormärzlichen Beamtenverhältnisse, das ländliche Stilleben der Adelskreise zum Ausdruck. Aber auch das Alltagsleben der mittleren Geschäftswelt fand in Georg Hermann einen überaus gemütvollen Schilderer von köstlichem Humor. Wie innig berührte sich da der spannende Erzähler mit dem heiteren LnstsPieldichter. Ohne es zu wollen, machte der ohne jede Pose in der wirklichen Alltagssprache redende Vortragskünstter für seine Werke Propaganda. Am Ende löste sich die spannende Aufmerksamkeit in allseitigen Beifall auf. E. S. Berlin, 29. Februar. Am 24. d. M. sprach Landtagsabgeord-neter Tr. Gottfried Draub im Verein für jüdische Geschichte und Literatur über das Thema: „Was kann uns Moses Mendelssohn für unsere Kriegszeit sagend" Rach kurzen einleitenden Worten über das Zeitalter Alendelssohns legte Redner dar, daß sich das hnmanistische und das nationale Ideal nicht ausschließen, sondern sich gegenseitig bedingen. Lessing. Mendelssohn, Herder, Goethe waren bei all ihrem Weltbürgertum doch warm empfindende tatkräftige Vaterlandssrennde. Mendelssohn, weit entfernt, ein weltabgewandter Philosoph zu sein, verfolgte mit reger Teilnahme die politischen Vorgänge. Höchst anschaulich schildert er in seinen Briefen die Einnahme Berlins durch die Russen (1701), wie sich ihre Herrschaft 'betätigte, wie der russische Oberbefehlshaberdie plündernden Sachsen und Oesterreicher zügelte, wie die Klugheit und der Opfermut des königlichen Kaufmanns Gvtztowsth großes Unheil von der Stadt abwaudtcn. Weniger der einsame Weltweise von Sanssouci als der kriegerische tatkräftige König Friedrich II. erfüllte den jüdischen Denker mit Bewunderung. Dies fällt um so mehr auf, als dieser und seine Glaubensgenossen sich in einer vielfach rechtlosen Lage um preußischen Staat befanden. Aus Mendelssohns Feder gingen zur Feier der Schlacht bei Rohbach und beim Friedensschlnß (1763) zwei anonyme Predigten hervor. Es ist zu beachten, daß Mendelssohn in seiner bahnbrechenden Bibelübersetzung die seitherige Uebersetznng des Gebotes „du sollst nicht töten" mit „du sollst nicht morden" wiedergibt. Wo das letztere, wo das erstere sich in diesem Kriege gezeigt hat, bedarf keiner Erklärung. Mendelssohn, ein genauer Kenner des zeitgenössischen Philosophen Shaftesbnry, hatte die Eigenart der Engländer wohl durchschaut. Hier ist die Glückseligkeit des einzelnen der Leitstern, während sie bei Kant und den Deutschen der großen sittlichen Idee, dem Wohl des Vaterlandes, untergeordnet wird. Feinsinnig wußte der jüdische Weltweise auf eine Schrift seines großen Königs zu entgegnen, wonach sich die Vorsehung nicht um den einzelnen, sondern nur um die Art kümmere. Englands unmilitärische Art gilt nicht als Vorzug, sondern als Schwache. Auch über die politische Stellung der Schweiz finden sich bei Mendelssohn treffende Bemerkungen. Als 1761 die Schrift von Thomas Abt „Vom Tod für das Vaterland" erschien, schrieb ein Schweizer an Mendelssohn, sie sei lvohl bestellte Arbeit von oben. Würdig lvies dies Mendelssohn zurück, herrlich darlegend, daß das Blutopfer fürs Vaterland die Verwirklichung der herrlichsten Ideale und das ganze preußische Volk davon durchdrungen sei. Eine tiefer ansholende Darstellung der sozialen und politischen Anschauungen Mendelssohns wäre eine

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