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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-03-03 · Heft 9 (3.3.1916) · p. Seite 107

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 9 (3.3.1916)
Date
1916-03-03
Page
Seite 107 (sequence 11)
Language
German
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107 akn*tt\ di-o von Ludwig Haas (S. 47 u. 48) nntgebeilt sind, hier Zu wiederholen; sie sind gewiß jedem von uns aus der Seele gesprochen. Arei Schriften beschäftigen sich ausschließlich mit unseren Gegnern. Ire eine33) enthält Bilder und biographische kritische Artikel über engische Fürsten und Parlamentarier, russische gekrönte Häupter, Schrift- -teller und Minister, Franzosen, Serben und Italiener. Besonders interessant sind die Artikel über Aikitas Töchter und über den Telegraphenkönig, Baron Reuter. Die Bilder sind ganz vortrefflich, nicht etwa Karikaturen, wie man aus dem schauderhaften Titelbilde vermuten könnte, sondern ausgezeichnete Porträts; es ist schade, daß dem einzigen Manne jüdischen- Ursprungs, der hier gewürdigt wird, dem Baron Reuter, kein Bild beigegeben ist. (Merkwürdigerweise wird der jüdische Ursprung Reuters nicht erwähnt.) Auch in der Biographie des russischen Kaisers wird über sein Verhältnis zu den Juden keine Andeutung gemacht. Ich hebe das hervor, ohne damit einen Tadel gegen das Buch aussprechen zu wollen, denn der Autor, der doch wohl Jude oder jüdischen Ursprungs ist, wollte sein Buch nicht mit Rücksicht auf seine gegenwärtige oder ehemalige Glaubensgemeinschaft schreiben, sondern nur die Anstifter des Krieges geißeln; die Biographien sind daher nicht als historische Skizzen, sondern als politische Darlegungen anfzufassen, doch wird im ganzen der ruhige geschichtliche Ton gewahrt. Ferdinand Tönnies33) stellt Briefe von Johnston, seinem Gegner Morel und einem Franzosen zusammen. Johnston möchte beweisen, daß England Deutschland nicht im Wege stehe, daß also der Krieg Deutschland nicht aufgezwungen worden sei. Morel tut dagegen dar, daß England, wo es konnte, Deutschland gehindert habe und daß es wirklich stets die Absicht hatte, die deutsche Einheit zu zerstören und die deutsche Energie auf den europäischen Kontinent zu beschränken. Der Anglo-French, also der französische Engländer oder der englische Franzose, ist Deutschland gegenüber nicht geradezu begeistert, aber doch ziemlich unparteiisch und zeigt einerseits, daß Deutschland kaum anders handeln konnte, wie es wirklich verfahren ist, und daß andererseits seine westlichen Gegner dem Panslawismus in die Hände gearbeitet haben. Tie hier zusammengestellten Briese sind interessante Aktenstücke, die uns wenigstens Zeigen, daß es auch in England und Frankreich einzelne gescheite und nnverblendete 'Menschen gibt. Eine ähnliche Tendenz wie das vorhin beurteilte Loebsche Brich verfolgt Salvator 37). Die bei dem Titel angeführten Ramm zeiget!, daß es sich hier um Charakteristiken unserer hauptsächlichen Gegner handelt. Man erkennt leicht: hier spricht ein Mann, der Menschen und Verhältnisse kennt. Gelegentlich tritt er, wie er ausdrücklich bei idem Marchese di San Guilia.no hervorhebt, der herkömmlichen deutschen Auffassung entgegen. Er bemüht sich im ganzen ruhig zu bleiben, wird aber bei der Schilderung der Königin Elena und des russischen Zaren erregt und ausfallend. Als die Hauptkriegshetzer unter den Zeitungen des Auslandes werden die „Dimes", „Nowoje-Wremja" und der „Matin" angegeben. Den letzteren kenne ich aus eigener Anschauung; schon im Jahre 1913, da ich in Paris mich einige Zeit aufhielt, konnte man keine Nummer des französischen Blattes lesen, ohne gehässigen und aufreizenden Bemerkungen gegen die Deutschen zu begegnen. Die ganze Schrift ist sehr lesenswert und bietet beachtenswertes, geschichtliches Material. Anton Fendrich33) beschreibt frisch und lebendig seine Erlebnisse mit dem Auto an der Front. Georg Wegener39) weiß viele Einzelheiten zu erzählen, und man würde sein frisch geschriebenes Buch noch lieber lesen, wenn man nicht 35) Eduards unselige Erben. Die Kriegshetzer. Vvn Moritz Loeb. Augsburg 1915. Haas u. Grabherr Verlag. 33) Deutschlands Platz an der Sonne. Ein Briefwechsel englischer Politiker aus dem Jahre 1915. Herausgegeben von Ferdinand Tönnies, ordentlicher Professor, Berlin. Verlag von Julius Springer, 1915. 37) Die Kriegsverschwörung und die Kriegsverschwörer. Von Salvator. Jswolskh, Poincarö, Greh, Nikolaus der Große, Nikolaus der Kleine, Delcassö, Victor Emanuel, Jl Gran Oriente, Italiens Verrat, Salandra und Sonnino, San Guiliano, Die Entente der Presse. Berlin W 57, C. A. Schwetschke u. Sohn. 3b) Mit dem Auto an der Front. Von Anton Fendrich. Franckhsche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart. 30) Der Wall von Eisen und Feuer. Ein Jahr an der Westfront. Von Professor Dr. Georg Wegener, Kriegsberichterstatter im Großen Hauptquartier. Leipzig, F. A. Brockhaus, 1915. fürchten müßte, daß jeder berufene und unberufene Kriegsberichterstatter bald oder später seine Erlebnisse in dicken Bänden vorführen würde, jeder mit der Einbildung, ein Fontane zu sein. Ueber Montenegro und Serbien unterrichtet uns ein österreichischer Offizier*"). Ein schwäbischer Vbusketier"), der dreimal, das dritte Mal, nachdem er von seiner mehrfachen Verwundung geheilt worden war, an die Front zurückkehrte, weiß recht anschaulich von seinem Aufenthalt im Schützengraben und von der großen Offensive im Osten zu erzählen. Ich muß mich damit begnügen, diese letzten eigentlichen Kriegsbücher nur kurz zu nennen, und tue es, da ich kein Urteil darüber zu fällen vermag, nur, um die Freundlichkeit der Verleger zu vergelten, die mir ohne Verlangen meinerseits diese Bücher zugeschickt haben. Aber ich bin überzeugt, das; sie alle dem Leser manches Beachtenswerte erzählen. LdL! fiif Auge um puge. Russischer Sozialroman von 50t. Pulver m n n u. (Fortsetzung.) ©icherlich spann sich jetzt der staden ihrer Erinnerungen auch dis zu jenem glücklichen Zufall hin, wo sie bald nach ihrer Einkunft in Odessa, halbtot vor Hunger und Kälte, vvn einem älteren Herrn aufgefunden wurden, der sie voller Mitleid bei sich ausgenommen hatte und der ihnen auch den Besuch eines Gymnasiums ermöglichte. Freilich hatte der Tod ihres Wohltäters sie baldwieder in Nacht und Grauen zurückgeschleudert; allein sie waren nicht durch Leckerbissen ilnd Eiderdaunenbetten verwöhnt worden, und Hunger und Kälte waren nicht imstande, sie vom Ziel ihres Strebens abzmvenden. Mit ungebrochener Kraft arbeiteten sie weiter, und ungeachtet aller Entbehrungen erkämpften sie eine Klasse nach der anderen. Aber -auch einige freundliche Erinnerungen gemeinsam verleorer, erhebender Stunden tauchten jetzt im Geiste der Jünglinge auf; besonders damals, als sie ihr Abiturium glänzend bestanden und die Berechtigung zum Universitätsbejuch erlangt hatten. Freilich war damals auch eine gewisse Trennung etngetreten, da sie verschiedenen Gebieten des Wissens sich hingegeben hatten: Gabriel begann Medizin zu studieren, während Baruch sich für die Laufbahn eines Ingenieurs entschied, aber es bestand doch ein stilles Uebereinkommen, auf der Höhe des Erfolges, am Ziele des Strebens wieder zusammenzutrefsen, um gemeinsam ihre Jugendideale zu verwirklichen. Und wenn sie die bisherigen Errungenschaften überblickten, wenn sie daran dachten, wie sie angefangen und was sie bereits erreicht, daß jedes Hindernis ein Sprungbreti, jedes Hemmnis eine neue Steigleiter geworden, da brauchten sie an dem endlichen Gelingen ihres großen Vorhabens durchaus nicht mehr zu zweifeln. Mit einem schmerzlichen Seufzer richtete sich Baruch auf. „Gott, o Gott!" murmelte er. „Nein, jetzt wird kein Zweifel uns mehr schrecken. Jetzt liegt die traurige Gewißheit vor uns." — Ja, die Luftschlösser ihrer Jugend haben sich in eitlen Dunst aufgelöst und alles ist verloren; noch mehr als alles: Die Blütezeit der Jugendkraft war nutzlos vergeudet, war einem Phantom geopfert. — Jugend! Waren sie denn überhaupt jemals jung gewesen? Nein! Niemals! Bisher hatten sie gern darauf verzichtet, weil die Erfüllung im Mannesälter ein Ersatz 40) Im blutigen Karst. Erinnerungen eines österreichischen OjsizierS aus dem Kriegsjahr 1914. Don Rifat Sozdovic Pascha. K. Thicncmanns Verlag in Stuttgart. 4K Albert Leopold: Im Schützengraben. Erlebnisse eines schwäbischen Musketiers auf der Wacht und beim Angriff in Polen. K. Thienemanns Verlag, Stuttgart.

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