Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 80 (1916)
- Issue
- Heft 9 (3.3.1916)
- Date
- 1916-03-03
- Page
- Seite 105 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Auf den Krieg beziehen sich, wenigstens teilweise, auch die Blätter >er Agudas Jisroel'"). Die in dem Hefte enthaltenen Berichte über >ie Vereinigung selbst sollen -hier nicht wiedergegeben werden. Aber vas Heft bringt auch einen Feldpostbrief, der ein sinniges Gedenken an den Neujahrstag enthält, und eine Betrachtung von Dr. A. Cohn in Basel, die die Stimmung eines Neutralen wiedergibt und die Mopien des ewigen Friedens erörtert und wenigstens eine gewisse, wenn auch nicht übermäßig laute Sympathie für die Deutschen bezeugt. Zur Charakteristik unserer Bundesgenossen, der Bulgaren, ist ein Schriftchen^) wichtig, das zwar über die Verhältnisse der dortigen Juden keine Kunde gibt, aber hübsche Beiträge zur Charakteristik des Landes von hervorragenden Männern: Rudolf Eucken, Otto Hoetzsch, E. v. Hasse-Wartegg und Joses Köhler, enthält, die über den Fürsten und seine Gemahlin, über die Staatsmänner, die deutsch-bulgarische Kulturgemeinschaft, über bulgarische Volksgebrüuche und Musik und über das bulgarische Schrifttum handeln. Die ganze Schrift ist wohl geeignet, uns einen Begriff des wenig gekannten Landes zu geben. Die schon mehrfach erwähnte Lchrist des französischen Gelehrten Josephe Bedier, der aus Urkunden (Tagesbefehlen und Briefen deutscher Soldaten) die Grausamkeiten und Unmenschlichkeiten -des deutschen Heeres Nachweisen null, wird von Larssen") sehr gut abgefertigt. Ter dänische Schriftsteller beweist, wie der Franzose unvollkommen zitiert, wie er falsch liest, ja sogar absichtlich fälscht, oder, lvie Larssen sich vorsichtig ansdrückt, willkürlich konstruiert. Cr schließt mit den sehr richtigen Worten: „Nichts empört mich mehr als die hysterische Lynchjustiz, die in der erregten Nlassellsuggestion wurzelt. Wer dazu beiträgt, die Wildheit in den Massen zu erregen oder zu steigern, hat iiadj' unserer Auffassung eine um so schwerere Verantwortung, je größer seine Geltung auf wissenschaftlichem oder anderen Gebieten ist." In diesem Zusammenhang mag einer kleinen Schrift gedacht sein"'), welche die Grenelberichte unserer Feinde nicht als eine Augenblickserscheinung gelten lassen will, sondern erklärt: „Dieses Kampsgeschrei gegen uns ist nur eine Ausnutzung bereits längst vorhandener dichterischer Probleme zu kriegshetzerischen Zwecken und keine Crscheinilug von hellte und gestern." Zu diesem Zwecke lverdell nach einem kurzen Hinblick ans D'Anunuziv und Ata-eterLinck die tonangebenden Schriftsteller von Pierre Loti an durchgeuonnnen und gezeigt, wie diese in Nomanen, andere in Bühnettstücken, die dritten in Kabaretts, wieder andere in Kinodrainen, endlich solche in Volksbühnen den Haß gegen Deutschland predigten, die Verhetzung Frankreichs systematisch betrieben. Die Berfasserin, die selbst längere Zeit in Paris gelebt hat und die französische Literatur genau kennt, gibt durch ihre Zusammenstellung einen interessanten Beitrag, und man wird ihr durchaus zustimmen, lvenn sie am Schluß ihrer Schrift sagt: „Diese Seeleuoerhetzung einer ganzen Welt gegen ein Volk, das, eiugekreist von seinen Feinden, abgeschnitten von aller Nahrungszusuyr, mit unerhörtem Heldenmut um seine Existenz kämpft, wird einzig dastehen in der Weltgeschichte. Spätere Geschlechter lverden sich erstaunt fragen, lvelche Begriffsverwirrung es möglich machte, daß die neutralen Staaten diese Cntrüstungspsychose gegen Deutschland gehorsam wie eine Julpfreaktion durchmachten und zu der Tatsache still loa reu, daß Mongolen, Kalmücken und Neger von Germanen und Lateinern zur Vernichtung der deutschen Nasse und ihrer hohen Kultur nach Europa geschickt werden. Die Weltgeschichte wird darüber richten. Den „Zengenaussagen" aber möchte dieses unwiderlegliche -.Akten - material" sorgsam gebrauter Greuel einer ausgesprochen sadistischen Literatnrvariante aktenmäßig 'entgegengestellt sein." Die Patriotische Lyrik erscheint in Sammlungen und Betrachtungen. 16) Blätter, herausgegeben von der Aglidas Jisroel Jugendorganisation, Bund gesetzestreuer jüdischer Jugendvereine, unter Mitwirkung des Grupperrverbandes der Aglldas Jisroel für Deutschland. 17) Bulgarien, was es ist und was es sein wird. Herausgegeben vom königlich bulgarischen Konsulat in Berlin. Verlag von Georg Stille. Berlin NW 7, Hvfbnchhändler Seiner königlichen lind kaiserlichen Hoheit des Kronprinzen. 18) Josephe Bedier und die Tagebücher deutscher Soldaten. Von Professor- Karl Larssen. Aus dem Dänischen von Alfons Fedvr Cohn. Berlin. Georg Reimer. 60 Pfennig. 19) Ein Beitrag zur Aufklärung der feindlichen Grenelberichte. Bon Marie Luise Becker. Berlin SW 11. Concvrdia, Deutsche Verlags-Anstalt. 1915. Preis 59 Pfennig. V e r n'-'") steckt sich das Ziel sehr weit; er bringt nicht bloß Kriegsgedichtc aus dem großen Jahre, sondern vieles ait§ 1870 und 1871, manches aus km 18. Jahrhundert und den Befreiungskriegen, so daß zum Beispiel Matthias Claudius, Schiller, Uhland, Rückert, Geibel und andere in hervorragender Weise berücksichtigt werden. Auch werden manche Gedichte mitgeteilt, in denen deutsche Poeten verherrlicht sind, und solche, in denen im allgemeinen deutsche Treue, deutscher Ernst und Vaterlandsliebe gefeiert werden. Speziell aus den gegenwärtigen Krieg geht eine Sammlung ein"'), die auf über 300 Seiten Hunderte von Gedichten zusanunenstellt, Spreu und Weizen, ein bischen bunt durcheinander gentischt. Die rechte Ordnung wird vermißt; sie läßt sich wohl auch bei Kriegsliedern von einerlei Inhalt nur schwer durchführen, da man den chronologischen Inhalt und den sachlichen Zusammenhang nicht genau zu wahren vermag; aber unsere hervorragendsten Poeten sind durch gute Sprüche vertreten, und int ganzen bietet die Zusamntenstellung ein ungefähres Bild der reichen, lvenn auch nicht immer übermäßig klangvollen Dichtertätigkeit. Ein drittes, aber sehr gehaltvolles Liederbüchlein22), speziell für unsere Soldaten bestimmt, ist gleichfalls jüngst erschienen. Das vorliegende Heftchen, 40 Seiten im kleinsten Format, ist als das neunte Hunderttausend bezeichnet; man kann sich also einen Begriff von der ungeheuren Verbreitung dieses Heftchen machen. Es enthält alte Gesänge, Volkslieder, Verse aus dem Siebenjährigen und dem Freiheitskriege, das Gedicht auf Prinz Eugen, das niederländische Daukgebet, patriotische Klänge aus dem 18. Jahrhundert, auch Schillers Gedicht „Wohlauf Kameraden" und .eilt paar humoristische Soldatengesänge, ist also das echte und rechte Soldakenfeldliederbnch, wie es jeden: Krieger tu die Hand gegeben werden kann. Hier sei auch das siebente Heft einer schon mehrfach angeführten Sammlung von unserem Julius Bab"3) genannt, „Soldatenleben". Es enthält humoristische Gedichte, die ans dem Felde und nach den: Felde gesandt worden sind, z. B. Liebesgabengrüße ttnd Antwortet: auf solche. Unter den Dichtern sind auch mehrere jüdischen Ursprungs oder noch dem Judentum ungehörige vertreten, so der kürzlich verstorbene Amtsgerichtsrat Friedländer, Mar Bernstein. Grete Meisel-Heß. Das Gedicht der letzteren mag als Probe mitgeteilt sein doch will ich damit nicht sagen, daß es, olnvohl ganz anmutig, das beste der großen Sammlung ist. Es lautet: A n m e in. S t r i cf z e n g . Du liebes ungewohntes Ding, In meiner nicht für dich gesthasfenett Hand, Tn grauer Läppert, der steh dehnt zu nt Schal, Bist jetzt mir ruhiger Lebensspannen Unterpsattd. Wo sonst in leeren Intervallen Die Hand zur Zigarette griff, Mit Dunst ttnd Ranch zu überhüllett Die ganze schwere Fracht auf meinem Schiff, Da saßt sie jetzt, du gutes Ding, nach dir Und schont das tnüde Herz und stärkt es obendrein. Schlingt sich mein Schal erst um den Hals den: Grertadier, Werk ich tticht wenig stolz ans meine Strickkunst sein. In diesem Zusammenhang mag attch auf Richard Müllers Stachel- Verse^) hingewiesen werden. Es sind gutgemeinte Verse für Deutschland gegen die „Miesmacher", die Verräter, die Feinde, hauptsächlich 20) Deutschland, Deutschland über alles. Ein vaterländisches Hatlsbuch für jung und alt zur Verherrlichung deutscher Heldenkrast und Herzensgute, deutscher Kultur und Wesensart. Herausgegeben von Marimilian Bern. Berlin. 1916. Ottv Elsner, Verlagsgesellschast m. b. H. 2J) Siegrnnen. Kriegsgesäuge aus Deutschlands größter Zeit 1914/15. Ausgewählt und herausgegeben von Heinz Humperland und Kvurad Köhler. Zweite, vermehrte Auslage. Verlag des Bundes deutscher Forscher. Georg Grote. Hannover 1915. 22) Kriegsliederbuch für das deutsche Heer. 1911. Herausgegeben von der Kommission für das kaiserliche Vvlksliederbuch. Verlag von Trvwitzsch n. Sohn, Berlin. 23) 1914. Ter deutsche Krieg im deutschen Gedicht. Svldateulachen. 'Ausgewählt von Julius Bab. Verlag Mvrawe u. Scheffelt, Berlin. 2*) Fliegerpfeile aus unsere Feinde. Stachelverse von Richard Müller. Eoneordia. Deutsche Verlagsanstalt, Berlin SW 11. 1915.