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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-03-03 · Heft 9 (3.3.1916) · p. Seite 104

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 9 (3.3.1916)
Date
1916-03-03
Page
Seite 104 (sequence 8)
Language
German
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104 „Int Deutschen -Ae ich", richtet sich geradezu gegen die Fritzsche Arbeit. Er verwirft,. wie natürlich, ein derartig ungeheuerliches Ausnahmegesetz, warnt vor dem Liebäugeln deutscher Staatsbürger und Regierungsbeamter mit dem Zionismus, ein Liebäugeln, das niemals wirkliche Sympathie für die Juden bekundet, und getätigt zu folgendem Ergebnis: „Wer das ganze Problem reiflich durchdacht hat, wer -außerdem - - das ist ganz gewiß unerläßlich — eine gewisse Kenntnis des Ostens und Verständnis für die Seele des Inden besitzt, kann zu keinem anderen Ergebnis kommen als zn dem dieser Ausführungen, das wir kurz zuf-ammensassen: Dem Ostjuden muß, falls er deutscher Untertan werden sollte, volle Freizügigkeit gewährt werden, und sollte er staatsrechtlich einem anderen Schicksal anheimsallen, darf man ihm die (Kreuze nicht sperren. Er wird aber, von den so gebotenen (Gelegenheiten Gebrauch zu machen, keinerlei Veranlassung haben, rncrui ihm auf feinem Heimatboden Licht und Luft gegeben, wenn ihm Freiheit und Recht gewährt werden. Das ist die gerechteste, beste und auch einfachste Lösung, und in diesem Falle ist das Einfache nicht einmal das Schwerste!" Eine sehr wichtige, freilich tendenziöse Schrift ist die Denkschrift des sozialistischen Arbeiterverbandesn). Uns interessieren hauptsächlich die Dokumente, die folgende Gegenstände besprechen: „Rußland und die Inden; Polen und Juden; die Türkei und die Juden; das jüdische Proletariat int Kampfe um die nationale Emanzipation." Sie gehen allerdings, ebenso wie die Darstellung selbst, vom Standpunkt der Internationale aus, die wir bekämpfen, und von einer Fiktion des jüdischen Volkes, von der wir nichts wissen wollen. Aber über die Greuel, die von den Russen an den Inden begangen worden sind, und über die Berichte der mrerträglicheu - Zustände, wie sie in Polen nnd zum Teile in Galizien herrschen, werden hier wichtige, wenn auch nicht ganz unbekannte Tatsachen mitgeteilt itni> Wünsche ausgedrückt, deren teilweise Berechtigung man nicht wird leugnen können. Das Schristchen von Kossowsty '-) teilt int Anhang die mutige nnd wuchtige Rede Friedmanns, die am 2. August 1915 in der Duma gehalten worden ist, mit. Der Hauptteil der Schrift enthält furchtbare Einzelheiten über die Verfolgungen in Rußland. Gelegentlich wird die Zahl der unter den russischen Fahnen dienenden Inden aus 250 000 angegeben. Es werden schauderhafte Einzelheiten über die Anklagen berichtet, die von den Russen gegen die sogenannte Vaterlandsverräterei der Inden erhoben worden sind, es ward Kunde gegeben von den Märchen, die mau in Rußland verbreitet, als erfreuten sich jüdische Gefangene in Deutschland besonderer Begünstigungen, es werden haarsträubende Berichte abgedruckt über die Vertreibung der Juden aus russischem Gebiete. Die Zahl der ruinierten Familien in Polen und in den nordwestlichen Provinzen Rußlands wird auf 600 000 normiert. (S. 21.) Wenn man z. B. liest, daß ein jüdischer Bäcker in Petersburg nach Sibirien transportiert wurde, weil er in deutscher Sprache telephoniert hatte (S. 35), so kann man daraus einen Schluß ziehen, welche Ungeheuerlichkeiten geschehen sind. Die meisten der in dem Heftchen gernachten Angaben werden mit sicheren Zeugnissen aus authentischen O.uellen belegt, und lvenn es auch wohl an einzelnen Uebertreibungen nicht fehlen umg, so ist das Schristchen geeignet, ein Bild des granenhaften Elends und der urunenschlichcn Behandlung der Juden seitens der russischen Soldaten Heerführer, Beamten und der Volksmenge zu gestalten. Das Buch von Segel") hatte ich schon früher besprochen mtb nicht anzuerkenuen vermocht. Da aber hochangesehene Männer, darunter auch Inden, sich günstig über die Schrift allsgesprochen haben, so halte ") Die Inden im Kriege. Denkschrift des Jüdisch-sozialistischen Arbeiterverbandes Poale-Zwu an das Internationale Sozialistische Bureau. Heran sgegeben vom Verbandsbureau. Den Haag 1915. rJ) Parti Ouvrier Social-Denioeratc .Kusse. IPUnion generale des < uvriers juifs en Lithuanie, Pnlogno et Kussie (,,Pmund4t). W J. Ko s s xv s k y : Le s p e r s e e u t i o n s des Juifs en Kussie. Pascieule premier: Les Expulsions. Public par le Comito pour Petranger du ..Bound“. Prix 50 Centimes. Berne 1915. Editeur: (Jarl Moor, depute, representant la Suisse au Bureau sneia.li.ste international de Bruxelles a la Haye. J:<) Der Weltkrieg nnd das Schicksal der Juden. Von Benjamin Tegel. -1. Auslage (10. bis 1*2. Tausend). Verlag von Georg Stille, Berlin NW 7, Hosbnchhändler Seiner Kaiserlichen . und Königlichen Hoheit. des Kronprinzen. 1915. ich -es für eine Pflicht der Gerechtigkeit, hier die kurze Würdigung folgen zu lassen, die der Buchhändler der neuen Auflage beigibt: „Das Buch ist nicht einseitig jüdisch, sondern behandelt das überwältigende Problem des Weltkrieges von sehr hohem Gesichtspunkte. Gleichwohl hat es für die Juden noch ein besonderes Interesse, denn es legt dar, was die Inden der ganzen Welt, nicht nur Rußlands, von einem Sieg der Enteilte zu erwarten hätten. Das ist wichtig angesichts der unermüdlichen Agitation Englands und Rußlands, die Juden der neutralen Welt für ihre Sache zn gewinnen, eine Agitation, in deren Dienst sich unlängst sogar das hochangesehene Zentralkonsistorium der französischen Israeliten gestellt hat, dessen Aufruf an die Juden der neutralen Länder zugunsten des Vierverbandes so peinliches Aufsehen gemacht hat, daß die deutschen Inden sich gezwungen sahen, dagegen Protest einzulegen. Der wirksamste Protest jedoch würde eine energische Verbreitung der Segelschen Schrift sein." Sehr wichtig ist die Schrift Zechlins"), über die folgendes zn sagen ist: Bei der L-ösung der Probleme, die durch den Krieg an unserer Ostgrenze aufgerollt sind, wird neben den rein politischen Erwägungen vor allem die Frage eine Rolle spielen, wie diese östlich der Reichsgrenze liegenden Bezirke bevölkert sind und in welchem Verhältnis dort Kronland nnd Großgrundbesitz zum Bauernland stehen. Diese Frage untersucht für Kongreßpolen die vorliegende Schrift und bringt darüber ein wertvolles und umfassendes statistisches Material bei. Wir erfahren, wie weit die Industrialisierung Russisch-Polens die einzelnen Kreise ergriffen und die Bevölkerungsdichte erhöht hat und wie sich die einzelnen Nationalitäten in dem Lande räumlich verteilen; die Bodenverhältnisse werden besprochen nnd schließlich die Verteilung des Kroulandes, des Groß-grundbesitzes, des Kleinbesitzes sowie die Größen- Verhältnisse der -Bauernstellen eingehend behandelt. Für unsere Zwecke besonders interessant ist die Anlage 1, in welcher die jüdische Bevölkerung in allen Kreisen Rußlands ganz genau zusammengestellt wird. Es ergibt sich daraus, daß diese jüdische Bevölkerung in manchen Bezirken über 60 Prozent der Gesamtbeöolkerung betrügt. Ter Schlußsatz' der Abhandlung ist für uns von großer Bedeutung, er lautet folgendermaßen: „So ist das Zartmn Polen heute ein Gebiet, mit dem verglichen unsere Ostprovinzen dünn bevölkert erscheinen; es ist bewohnt von einer dichten ländlichen Bevölkerung; namentlich im Weichselbogen ist freilich die Industrialisierung bereits weit vorgeschritten. Es ist bewohnt von einer kompakten, nur von Juden stärker durchsetzten polnischen Bevölkerung, die heute auch in ihren breiten Schichten durchaus nicht als politischindifferent zu bezeichnen ist lind die kulturell und wirtschaftlich zwar hinter dem preußischen Polentum weit zurücksteht, die aber in Rußland im allgemeinen sicher an dritter Stelle, hinter Deutschen und Finnen, folgt und atlch das galizische Polen tu nt in mancher Hinsicht überflügelt hat." An diese -statistischen Notizen mag eine kleine Gedichtsammlung angeschlossen werden "), heransgegeben von einem trefflichen Manne, einem feinsinnigen Gelehrten, der sich gern der Muse hingibt. Eines seiner Gedichte, das einzige jüdischen Inhalts, haben wir bereits früher in diesen Blättern veröffentlicht; die übrigen wenden sich gegen Elchland, Frankreich, Rußland, gegen einzelne Persönlichkeiten, wie Karl Spitteler, Eleonore Düse, Gabriele d'Annunzio. Nicht alle dieser Verse sind poetisch bedeutsam. Manche überaus scharf, so daß der poetische Ausdruck darunter leidet. Aber den ehrlichen Zorn des wackeren Mannes wird man überall erkennen. Lieber als diesen Wutausbrüchen lauschen wir beit Klängen, in welchen großen Männern nnd heldenmütigen Kämpfern lvie Hindenbnrg Dank gesagt wird, oder der Lobpreisung des deutschen Frühlings, und stimmen gern in das Gelöbnis ein, das der Dichter unserem Kaiser zürnst: U n s e r e m K -et i f c r. Du hast, o Herr, in schwerster Zeit Das rechte Wort gefunden: Iu jeder Not durch Einigkeit Wird unser Volk gesunden. Der Feinde niedrig Schmähen kann Dein Bild uns nicht versehren; Den Fürsten werden wir, den Mann Allzeit in dir verehren. ") Tr. Erich Zechliu, Tie Bcvölkerungs- und Grundbesihverteilung int Zartum Polen. Verlag von Georg Reimer. Berlin 1916. 15) Daniel Jacobh. Kriegsxenien und andere Gedichte zum Völkerkamps. 1915. Im Lenien-Verllrg ztt Leipzig. . .

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