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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-03-03 · Heft 9 (3.3.1916) · p. Seite 103

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 9 (3.3.1916)
Date
1916-03-03
Page
Seite 103 (sequence 7)
Language
German
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103 krirgslitrratur. Von Ludwig Geiger. IX. (Vgl. Jahrgang 1915, S. 571.) diesmalige Ueberficht — könnten wir doch sagen, es wäre die letzte — soll mit einer Fülle von Schriften aufräumen. Den Vortritt sollen solche einnehmen, die von Juden herrühren oder sich auf jüdische Verhältnisse beziehen. Den Anfang mache eine lehrreiche Zusammenstellung von Louis L a m m?) DaS Verzeichnis ist nach Büchern, Abhandlungen, Predigten, Zeitschriften eingetellt; die Ordnung innerhalb der Einzelabteilungen ist alphabetisch. Dem Verfasser, der als Buchhändler das ungeheure Material am leichtesten übersehen kann, ist vieles ist die Hand gekommen; ob absolute Vollständigkeit von ihm erreicht worden ist, vermag ich nicht zu sagen. Jedenfalls ist die Sammlung sehr reichhaltig. Besonders interessant ist der Schlnßabschnitt, der Bilder und Postkarten in sich begreift. Ein Sonderheft der Zeitschrift „Der Orient"* 2 *), Organ der Allgemeinen jüdischen Koloniilorganisation, enthält amtliche Schriftstücke, Berichte von Empfängen u. dgl. und gibt hauptsächlich Aufklärung über die Deutsch-Jsraelitisch- Osmanische Union. Von Kriegspredigten seien folgende genannt: eine von E. Schwach?) die in ihrem Titel schon ihre Tendenz und ihren Inhalt darlegt, welcher, dem Tage entsprechend, an dem die Rede gehalten worden ist, sehr ausführlich auf die Makkabäer eingeht, aber auch die gegenwärtige große Zeit gebührend zu würdigen sucht. Von dem schon genannten Prediger E. Schwach rührt eine Büßpredigt für die Chewra Kaddischa4 * 6 *) her, die dem Andenken seines Schwagers, des Rechtsanwalts Mühlfelder in Chemnitz, gewidmet ist, über den Schwach im vorigen Jahre in unserer Zeitung einen warmempfundenen Nachruf veröffentlicht hat. Es ist eine Predigt, die, am Bußtag der frommen Brüderschaft gehalten, auch auf die Toten des Jahres im einzelnen eingeht, die große Zeit, in der wir leben, ausführlich zu charakterisieren bemüht ist und ernste, fromme Gedanken in würdiger Weise ausspricht. Steckelmachers8) Chanukapredigt, auf Wunsch des Synagogenrats dem Druck übergeben, bekundet die Hoffnung auf Sieg und legt dar, wie nicht durch die äußere, sondern durch die innere Kraft der Sieg errungen werden kann, daß nicht kriegerischer Eroberungsgeist, Ruhm, Begier, Rache und Krämergeist den Sieg erringen können, sondern der göttliche Geist der Gerechtigkeit, Wahrheit und Pflichttreue. Im Anschluß an diese Predigten soll auch der Festbericht, den der Feldprediger Emil Levy4) erstattet hat, kurz erwähnt sein. Heinrich Tischler: Abschnitt aus einem großen Bilde „versöhnungstag". *) Verzeichnis jüdischer Kriegsschristen, zusammengestellt von Louis Lamm. Erstes Heft. 1916. Verlag von Louis Lamm, Berlin C 2. 2) „Der Orient". Zeitschrift für die wirtschaftliche Erschließung des Orients. Organ der Allgemeinen iüd. Kolonisationsorganisation. 3. Jahrg. L. Stewer Verl. 1915. o) Der Krieg kommt, um das gebeugte und getränkte Recht herzustellen. Predigt, gehalten bei der Chanukafeier 1915 von Dr. Emanuel Schwartz, Prediger am Prager Tempel. Selbstverlag zugunsten der Flüchtlinge. Preis 60 Heller. 4) Büßpredigt für die Chewra Kaddischa, gehalten von Dr. Emanuel Schwartz, Prediger am Prager Tempel. Selbstverlag zugunsten der Flüchtlinge. Preis 80 Heller. ö) Predigt, gehalten am Sabbat-Chanuka 5676 (4. Dezember 1915) in der Synagoge zu Mannheim von Dr. M. Steckelmacher. 6) Festbericht über die hohen jüdische« Feiertage im A. H. Or. 1915, erstattet von Dr. Emil Levh, Feldrabbiner der 2. Armee. Die jüdischen Kriegstrophäen, von denen Judaus^) redet, sind nicht Kanonen und Fahnen, sondern die Speisegesetze, die Wahrung jüdischer Eigenart und Nationalität, die messtanischen Hoffnungen, -die Hebung des religiösen Moments. Eine wunderliche Zusammenstellung, bei der Grundlehren des Judentums mit Äußerlichkeiten unlogisch verknüpft sind. Der Verfasser steht, wie schon aus der Widmung seiner Schrift an den Rabbiner Carlebach in Lübeck hervorgeht, durchaus auf orthodoxem Standpunkt und spricht manches böse Wort gegen die liberalen Juden, die er einmal recht geschmacklos als Modejuden bezeichnet. In manchem magman ihm beistimmen; seine Hoffnung dagegen, daß der Antisemitismus nach dem Kriege sich abschwächen oder gar schwinden wird, vermögen wir ebensowenig zu teilen wie seine Verherrlichung einer starren und aller Entwicklung sich verschließenden Orthodoxie. Die Ostjlldenfrage, die noch immer im Vordergründe des Interesses steht, kann hier nur so weit behandelt werden, als es in selbständigen Schriften geschehen ist. Simonsohn8) wendet sich gegen Harms und vertritt den zionistischen Standpunkt, der ein besonderes jüdisches Staatswesen für die Juden in Polen gewahrt wissen will und der — wenn er auch eine Lanze für das Jiddische einlegt — das Hebräische als Nationalsprache festzuhalten wünscht. Dagegen bemüht sich Georg Fritz^), der freilich nicht etwa aus jüdischer, sondern aus antisemitischer Gesinnung heraus für einen jüdischen Staat plädiert, den Untergang der deutschen Juden zu konstatierenden er auf die Autorität Theilhabers hin, dessen Angaben wir nicht zu kontrollieren vermögen, in Jahrzehnten erwartet, und schon jetzt strenge Maßregeln gegen die Einwanderung polnischer Juden in Deutschland zu fordern, als wüßte er genau, daß Millionen polnischer Juden nur darauf warteten, nach Deutschland auszuwandern, während gerade das Gegenteil der Fall ist. Daher können die deutschen gebildeten Juden, an die er sich mit beweglichen Worten wendet, den ihnen angeblich drohenden Gefahren seitens dieser polnischen Einwanderer ruhig entgegensehen; wir haben bisher ohne solche wohlgemeinten Ratschläge unsere Angelegenheiten besorgt und werden auch in Zukunft ohne solche auskommen. Im Namen des Rechts und der Freiheit muß man daher gegen die Forderung des Verfassers protestieren, die er selbst in folgender Weise ausspricht: „Um wirksam der Gefahr zu begegnen, ist nur ein Einwanderungsgesetz geeignet, das wie das australische die Rassen- und Volks- und ergänzend die Staatsangehörigkeit der Beurteilung, ob der Eiulahbege-yrende erwünscht oder unerwnnsckft sei, zugrunde legt. Der schleunige Erlaß eines solchen Gesetzes ist angesichts der drohenden, sich häufenden, einer Katastrophe zutreibenden Judenverfolgungen in Rußland ein Gebot der Selbsterhaltung. Gewähren wir deshalb dem armen, bedrängten Ostjuden jeden möglichen Schuh und Förderung seiner Siedlungsbestrebungen, dem deutschen Volke aber Schutz gegen die Ostjuden!" In sehr verständiger Weise saßt Felix ©olbmann10) das Problem. Seine Schrift, ursprünglich ein Aufsatz in der Zeitschrift 7) Jüdische Kriegstrophäen. Von Judäus. Leipzig. Verlag von M. W. Kaufmann. 8) Das jüdischcholnische Problem. Don Dr. Emil Simonsohn. Berlin, Verlag von Louis Lamm 1916. 0) Die Ostjudenfrage. Zionismus und Grenzschluß. Von Georg Fritz, Kaiserl. Geh. Negierungsrat. I. F. Lehmanns Verlag. München. 1915. 10) Deutschland und die Ostjudenfrage. Von Dr. Felix Goldmann, Oppeln. Verlag -des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens.

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