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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-03-03 · Heft 9 (3.3.1916) · p. Seite 100

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 9 (3.3.1916)
Date
1916-03-03
Page
Seite 100 (sequence 4)
Language
German
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100 Handelsflotte usw. sei reiner Uns: u n. Eine bedingungslose Unterwerfung wäre die schlechteste Vorbereitung auf de» Frieden. Wenn Deutschland zerschmettert wäre, würde auch der Zusammenhang des Bündnisses gegen Deutschland zu Ende sein, und dann wäre ein neuer großer Krieg nnr eine Frage der Zeit. Noch ein anderer englischer Staatsmann, T r e v e 1 h a n, sprach in demselben Geiste. Er bedauerte, daß, U'ährend der englische Ministerpräsident und der deutsche Reichskanzler sich bereit erklärten, Friedensvorschläge zu erwägen, keiner von beiden den ersten Schritt tun wolle. Solange Deutschland überzeugt sei, daß wir aus Eroberung und Drohung ausgehen, sei ein Frieden unmöglich. Darum wünscht Trevelyan an Stelle unbestimmter Redensarten bestimmte Friedensvorschläge. In neutralen Ländern heiße es, Deutschland sei bereit, die besetzten Gebiete in Belgien und Nordfrankrcich aufzrigebcn. Das ist vielleicht nicht wahr, aber möge unsere Negierung ihre eigenen Borschlüge in bestimmter Form machen. Es heiße, der Krieg müsse' fortgeführt werden, sonst werde Deutschland von neuem anfangen. Redner sei aber überzeugt, daß, wenn der Friede käme, keine Nation imstande wäre, neue Rüstungen zu beginnen. Während unsere Gegner ihre Kraft hauptsächlich in Reden zeigen, beweisen die Deutschen und ihre Verbündeten ihre Stärke in Taten. Freilich die große allgemeine Offensive im Westen ist nicht eingetreten, aber Teilangriffe an manchen Orten sind erfolgt. Unsere Erfolge in diesen Angriffen müssen außerordentlich groß sein. Nicht bloß weil unsere Oberste Heeresleitung dies verkündet, deren Angaben wir unbedingten Glauben beizumessen seit l'A Jahren gewohnt sind, sondern weil auch die Gegner trotz mancher Bemäntelungsversuche dies zugestehen. Die Zahl der von unseren Truppen in der Nähe von Verdun eingenommenen Dörfer ist sehr groß; die Menge der von uns eingebrachten Gefangenen übersteigt die stattliche Zahl von 15 000; das von uns erbeutete Material scheint außerordentlich groß zu sein. Allerdings weisen die gegnerischen Berichte darauf hin, daß es sich nicht um einen vollkommen gelungenen Durchbruch handele, daß Paris nicht bedroht, daß Verdun nicht eingenommen, ja nicht einmal angegriffen sei, und sie fügen hinzu, daß die Deutschen nicht weiter Vordringen können, ja daß sie nicht imstande seien, eine entscheidende Schlacht zu gewinnen. Sie prahlen mit ihrer Stärke, weisen höhnend auf unsere Schwäche hin; wir aber leben der Hoffnung, das; alle die, selbst von den Franzosen eingestandenen Ereignisse gewiß kein Zeugnis von Schwäche, sondern ein gewisses Anzeichen des nahenden Triumphes sind. Unterdessen wird die Nachricht verbreitet, daß ein Fort von Verdun eingenommen ist. Gerüchte über den Kampf gegen diese Festung waren schon lange in Berlin und anderwärts verbreitet; man legte ihnen kein sonderliches Gewicht bei, da derartiges schon häufig genug verkündet worden war. Um so freudiger registrieren wir die amtliche Nachricht und sehen in ihr nur einen Vorläufer baldiger großer Ereignisse. Auch ein zweites Fort ist genommen, und der ganze Erfolg stellt sich immer mehr als ein großartiger heraus. Es wird natürlich nicht an Stimmen fehlen, die dieses wunderbare Fortschreiten verkleinern werden. Dieselben Franzosen, welche auf die Uneinnehmbarkeit der stolzen Feste hinwiesen und die Ohnmacht der Deutschen höhnten, werden bald die Festung als eine veraltete erklären — wir wissen, was wir von solchen Redereien zu halten haben. Gewiß können die Siege nicht in rasender Eile erfolgen, sicherlich können sie nicht ohne schwere Verluste unsererseits errungen werden, aber die schönen, in den letzten Tagen errungenen Teilerfolge stärken unser Vertrauen, beweisen uns, daß es vorwärts geht, und berechtigen uns zu der Hoffnung auf einen endgültigen Erfolg. Ebenso wie auf dem westlichen sind auf dem s ü d ö st - l i ch e n Kriegsschauplatz in Albanien manche Fortschritts zu verzeichnen: die Italiener mit ihren Hilfstruppen haben in der Nähe von Durazzo eine schwere Niederlage erlitten, der eiserne Ring um Durazzo ist geschlossen, die Einnahme Durazzos ist erfolgt und eine stattliche Kriegsbeute in die Hände unserer Verbündeten gefallen. Auf den übrigen Kriegsschauplätzen ist es sehr still. Von Italien und von Rußland, sowohl aus Beßarabien als aus der Gegend von Dünaburg, hört man so gut wie nichts. Der kleine deutsche Kreuzer „Möwe" hat wieder wackere Taten verrichtet, eine ganze Anzahl englische Schisse in Grund gebohrt und viele Gefangene von ihnen heimgebracht. Während so von unserer Seite gerechter Krieg, freilich mit allen Schrecknissen des Krieges, geführt wird, herrscht aus der gegnerischen Seite Hinterlist und Verräterei. Neue Zeugnisse für die unerhörten Verletzungen des Völkerrechts, die von unseren Gegnern begangen werden und von den Völkern, die keine Kraft haben, sich dem gewalttätigen Einflüsse unserer Gegner zu entziehen, sind die Beschlagnahmen deutscher Schiffe seitens Portugals und Italiens. Deutsche Handelsschiffe - denn nur um solche handelt es sich —, die seit Anfang des Krieges in portugiesischen und italienischen Häfen lagen, sind nach neuesten Nachrichten von den Regierungen der betreffenden Länder requiriert worden. Der Gewaltstreich Portugals wird zwar mit allen Künsten diplomatischer Verstcllungskunst nicht als Kriegshandlung erklärt; der Laie kann dagegen in dieser Handlung nichts sehen, als eine offene Verletzung des Völkerrechts. Die Handlungsweise Italiens, eines Staates, der sich bisher trotz aller Liebeswerbungen der Ententemächte noch nicht dazu hat entschließen können, Deutschland den Krieg zu erklären, erscheint wie ein grimmiger Hohn und wie eine frevelhafte Provokation, als legte es Italien darauf an, Deutschland zur Kriegserklärung zu reizen, um dann vor der Welt den gekränkten, angegriffenen Staat zu spielen, der nur zu seiner Verteidigung die Waffen ergreifen mußte, während in Wirklichkeit doch Italien es war, welches das bestehende Bündnis gebrochen und alles getan hat, nur den Krieg heraufzubeschwören, zu dem Deutschland Italien gegenüber nicht die mindeste Veranlassung hatte. * Ueber deutsche Verhältnisse ist folgendes zu melden: Unser bayerischer ^.-Berichterstatter schreibt uns: Tie israelitische Religion in; bayerischen Landtag. Am letzten Tage der wochenlangen Beratung des Kultusctats vor dem Finanzausschuß der Abgeordnetenkammer desbayerischen Landtags (71. Sitzung vom 17. Februar) berichtete der bekannte Zentrumsführer Abgeordneter Dr. v. Pichler, Domkapitular in Passau, über die Ausgaben für kirchliche Zwecke, wobei unter den übrigen auch diejenigen für den jüdischen Kultus genehmigt wurden. Bei dieser Beratung sprach der Kultusminister die dankbare Anerkennung der Tätigkeit der Geistlichkeit der anerkannten christlichen sowie des i sra eli ti sch en Beken ntnisse s aus. Die gesamte Geistlichkeit habe während des Krieges in einmütiger vaterländischer Begeisterung in der eigentlichen Seelsorge, dann aber besonders auf dem Gebiete der Charitas, in der Schule, in der Wohlfahrtspflege und bei gemeinnützigen Unternehmungen jeder Art sich betätigt . . . Den Schluß der gesamten Beratung über den Kultusetat bildete eine kurze Aussprache über die seit Jahren vielumstrittene brennende Revision des Judenedikts von 1813. Auf die bezügliche Frage des Mitberichterstatters Oberbürgermeister von Bayreuth, Abgeordneter Dr. v. Casselmann, des Vorsitzenden der liberalen Fraktion, erklärte der Kultusminister, daß die schwebende Revision des Judenedikts längere Zeit beanspruchen werde, als er in der vorigen Session angenommen

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