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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-02-25 · Heft 8 (25.2.1916) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 8 (25.2.1916)
Date
1916-02-25
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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8 übrigen Bürgerschaft war gut, so daß die Synagoge in allen Teilen, auch in dem Damenraum, voll besetzt war. Auch Herr Hauptmann 11 r st ad L von der hiesigen Garnison wohnte der Feier bei und dankte in einer Ansprache dem Herrn Rabbiner und dem Kultusbeamten Lubinski in herzlichen Worten. Nach der Feier wurde eine Sammlung für die verwundeten Krieger veranstaltet, die einen Ertrag von 21,66 Mark ergab. Ein Kafseetisch wurde dann noch für die jüdischen Soldaten im Hause des Vorstehers der Gemeinde, Herrn N. D. Levy, veranstaltet, womit das Ganze einen schönen Abschluß fand. — Lübeck, 18. Februar. Der LazarettZug der Deutschen U. O. B. B.-Logen ist vor einigen Tagen in Lübeck eingetroffen, nachdem er in den mecklenburgischen Städten und Mölln seine Verwundeten untergebracht hatte. Chefarzt des Zuges ist Herr Sanitätsrat Dr. Staub aus Breslau. Der Zug saßt 250 Betten und ist mit allen uro der neu sanitären Einrichtungen aufs beste ausgestattet. Von hier ans tritt der Zug in den nächsten Tagen seine 25. Reise nach dern Osten an. Er ist eine Gründung und Stiftung der Deutschen Vno-Vrith-Logen, die auch hier in Lübeck in der Esra-Loge ihre Vertretung hat. Der Zug steht auf den: hiesigen Güterbahnhof absahrtbereit und ist letzten Sonntag von sehr vielen Familien, die zahlreiche Liebesgaben nritgebracht, besichtigt worden. — München, 18. Februar. Der am 12. d. M. infolge eines Schlaganfalles verstorbene Major a. D. Maximilian Marx, ein Bruder des seinerzeit sehr bekannten, ebenfalls bereits verstorbenen Justizrats Marx, wurde 1842 zu München als Sohn eines Hauptmanns geboren, widmete sich dem Studium des Berg- und Hüttenwesens und trat 1864 als Freiwilliger in das Genieregiment cm. Im Juni 1866 wurde er Unterleutnant im Geniestab und nach einer Kommandierung zur Artillerie- und Ingenieurschule im Januar 1868 zur Stadt- und Festungskommandantur Ingolstadt verseht. Bei Ausbruch des Krieges 1870/71 gehörte er dem Festungsgouvernement Germersheim an, das ihn einige Zeit zum Einfchließungskorps vor Bitsch beorderte. Nach dem Kriege war er Adjutant beim Etappenkommando Würzburg, dann Platzgenieoffizier hi Nürnberg, kam April 1872 zum 2. Pionierbataillon, in dein er 1876 zum Oberleutnant vorrückte, und 1880 zur 1. Jngenieurdirektion; in dieser Stellung wurde er 1882 Hauptmann. Im Februar 1886 wurde er pensioniert und im März 1911 mit dem Charakter als Major ausgezeichnet. Die Beerdigung fand am 14. d. M. unter militärischen Ehren und großer Beteiligung weiter Kreise im nördlichen Israelitischen Friedhof (Ungercrstraße) statt. Gkstrrrrich-Angara. K. Wien, 18. Februar. Ende Januar hat das k. k. Ministerium des Innern eine Ausstellung in Wien veranstaltet, die einen Ueberblick über die bisherige staatliche und private Kriegshilfe bietei. Diese Ausstellung, in der die Nüchtlingsfürsorge den breitesten Raum einnimmt, repräsentiert sich in Wahrheit als ein Tätigkeitsbericht großen Stiles, als ein Tätigkeitsbericht, der an Klarheit und Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig läßt und mit dem sich der künftige Historiker noch näher befassen wird. Die Ausstellung „Die Kriegshilfe" bildet das schönste Denkmal, das die österreichische Regierung und— die österreichische Judenschaft sich selbst errichtet haben, ein Denkmal der Zivilisation, der Humanität, der Güte und Milde in einer Zeit, da alle Leidenschaften entfesselt waren, die Waffen klirrten, die Kanonen donnerten und Blut in Strömen floß. Von der Ausstellung „Die Kriegshilfe" soll in einem späteren Artikel die Rede sein. Im folgenden soll auf einen anderen Tätigkeitsbericht verwiesen werden, der nicht minder interessant und lehrreich ist. Fast einen Monat vor Eröffnung der Ausstellung „Die Kriegshilfe" veröffentlichte das Zentralbureau zum Schutze der galizischen Flüchtlinge in Brünn, welches seine Entstehung der Anregung der Bn6-Brith-Loge „Moravia" in Brünn verdankt, seinen ersten Tätigkeitsbericht, der die Zeit vom 15. Dezember 1914 bis 1. November 1915 umfaßt. Die segensreiche Tätigkeit dieses Zentralbureaus und seines unermüdlichen Präsidenten, des Brünner Ehrenbürgers Jonas Löw-Beer, wird am besten durch die geradezu trostlose Lage der Flüchtlinge in Brünn vor Jnkrafttretung dieses Zentralbureaus illustriert. Um es kurz heranszusagen: die galizischen Flüchtlinge, von denen der größte Teil dern jüdischen Glauben angehörte, erfreuten sich in Brünn anfangs keiner besonderen Liebe und keines Entgegenkommens seitens der Bevölkerung der Hauptstadt Mährens. Als im Herbst 1914 die Zuwanderung der „polnischen Juden" begann, spielte sich in den Straßen Brünns manch häßliche Szene ab. Nicht allein, daß die langbärtigen, schläfengelockten, mit langem Kaftan j bekleideten Männer von der Jugend vielfach belästigt und bespöttelt | wurden, es kam sogar einigemal zu Tätlichkeiten gegen die vom Schicksale schwer geprüften Flüchtlinge, welchen Roheitsakten der damalige Statthalter von Mähren und gegenwärtige Minister des Innern Freiherr v. Bl eh leben sehr bald und sehr energisch ein Ende machte. Das war die äußere Seite des Elends. Schrecklicher aber war jenes Elend, das sich nach innen kehrt, das sich den Blicken der Außenstehenden nicht enthüllt. Viele Familien hatten nicht einmal ein Dach über dem Kopse, geschweige denn ein Heim, und so lagen Männer, Frauen und Kinder nächtelang in Hausfluren itub halbgedeckten Schuppen, wenn sie es nicht vorzogen, die Straße zum Nachtquartier zu machen. Wer noch einiges Geld hatte, mietete mit jeden Preis eine Wohnung, die dann die Herberge von Massen wurde, denen der nackte Boden Tisch, Sessel und Bett zugleich war. Ein solcher Zustand heischte Abhilfe, und Abhilfe konnte nur werden, wenn die private Wohlfahrtspflege — die Brünner Kultusgemeinde war natürlich eifrig bemüht, den Hilfsbedürftigen durch milde Gaben beizuftehen, die aber nicht ausreichten, auch nur die allerschlinunste und grimmigste Not einigermaßen zu lindern -- Hand in Hand mit der staatlichen eine planmäßig aufgebaute Hilfsaktion einleitete. , Eure Grundbedingung für diese Aktion war in einem Fonds gegeben, j den ein privates Komitee für Zwecke der Fürsorge für galizische! Flüchtlinge gesammelt hatte und der auf etwa eine Viertelmillivn? Kronen herangewachsen war. Die Erfahrung aber lehrte bald, daß! selbst dieser scheinbar hohe Betrag viel zu niedrig war und daß erst ' die staatliche Hilfe der ganzen Aktion das Rückgrat gab. j (Schluß folgt.) 22 Innsbruck, 18. Februar. Es ist eine nicht wogzuleugnende Tatsache, daß der Krieg hinsichtlich der physischen Widerstandsfähigkeit! der Kämpfer alle Theorien des Friedens über den Hausen geworfen j hat. Aber auch die Taheilugeblicbenen haben sich selbst übertroffen, und die Opferwilligkeit hat Triumphe gefeiert, wie sie der größte Optimist kaum geahnt hätte. Es zeigt sich hier wieder, daß Menschen; nicht nur mit der Größe der Ausgaben wachsen, sond^en daß sie auch! leichter, als man gemeiniglich denkt, in den Dienst einer guten und! edlen Sache gestellt werden können. Was auf dem Gebiete der Kriegsfürsorge geleistet wurde und welchen Anteil insbesondere Glaubensgenossen an dieser haben, dies sestzustellen bleibt einer berufeneren Feder überlassen. Hier sei bloß auf die Fürsorgetäti.gkeit der jüdischen Seelsorge der Kultusgemeinde in Innsbruck während des Krieges hingewiesen. Die israelitische Kultusgemeinde in Innsbruck — als einzige : Kultusgemeinde in Tirol mit dem Sitze des Landesrabbinates für Tirol und Vorarlberg — war bereits in den ersten Tagen des Krieges vor Aufgaben gestellt, die nur mit Anspannung aller Kräfte einer ge- : deihlichen Lösung zugeführt werden konnten. Fast täglich kamen Hunderte von Glaubensgenossen, meist Handwerker, mit ihren Familien, die plötzlich, oft fluchtartig, unter Zurücklassung ihrer Habe das Feindesland verlassen mußten, in unser Armenamt, wo für ihre Labung und Weiterbeförderung die nötigen Vorkehrungen getroffen wurden. Es haben hier Rabbinat, Gemeinde und Frauenverein wohl mit geteilten Rollen, doch in innigem Zusammenwirken eine Leistung vollbracht, die über alles Lob erhaben bleibt. Inzwischen sind der Seelsorge neue Aufgaben erwachsen. Die hier etablierten k. u. k. Spitäler hatten sich mit Verwundeten gefüllt, und es galt für nicht weniger als fünfzig Sanitätsabteilungen einer: geregelten Seelsorge- und Fürsorgedienst zu schaffen und überdies unseren in auswärtigen Spitälern befindlichen jüdischen Soldaten feelsorgerischen Beistand zu sichern. Allein dank dem verständnisvollen Entgegenkommen des k. u. k. Militärkommandos in Innsbruck gelang es unserem Landesrabbiner Herrn Dr. Link, im Einvernehmen mit den: 'wackeren,, stets arbeitsfrendigeu Kultus- Vorsteher Wilhelm D a n n h a u f c r und dem langjährigen Präsidenten des Armenamtes Lrris B a u c r, eine Organisation zu schaffen, die sich nach jeder Richtung hin vortrefflich bewährt. Jeden Sonntagnachmittag laufen ans alle:: k. u. k. Sanitätsanstalten die Listen der jüdischen verwundeten und kranken Soldaten bei der Militarseetsorge ein, und schon in den nächsten Tagen wird der Patient ausgesucht und auf Wunsch seinen Angehörigen Mitteilung gemacht. Die Militärseelsorge versieht jeden jüdischen Soldaten mit einem Gebetbuche, und ist to Verwundete bedürftig, erhält er von der

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