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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-02-25 · Heft 8 (25.2.1916) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 8 (25.2.1916)
Date
1916-02-25
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 für die Kriegshilfe. In beredten Worten schilderte der Vortragende die gewaltige Not, die durch den Krieg über viele Mitglieder der Gemeinde sowie über die ans dem Auslande, besonders aus Rußland, hier weilenden Glaubensgenossen herein gebrochen war. Der Vorstand der Gemeinde half sofort durch direkte Zuwendungen großer Geldsummen an staatliche Institute wie auch an Kommunen. Aber die Hauptarbeit leistete die durch das Vorstandsmitglied Herrn Justizrat Breslauer ins Leben gerufene, von diesem musterhaft organisierte und geleitete Kriegshilfskommission, die ein ganzes Heer von Helfern und Helferinnen in Bewegung setzte und unendlichen Segen gestiftet hat, indem all den Unglücklichen, die in der ersten Zeit des Krieges die Korridore des Gemeindehauses füllten, alsbald geholfen und während der ganzen Kriegszeit für alle Hilfesuchenden ausreichend gesorgt werden konnte. Dies geschah durch Zuwendungen au Geld oder Nahrungsmitteln oder durch Beschaffung von Arbeit. Der Referent konnte aus eigener Erfahrung ein anschauliches Bild von den ungeheuren Schwierigkeiten, mit denen die Kommission zu kämpfen hatte, geben, da er selber Leiter der Abteilung für Stellenvermittlung und der Abteilung für Männerfürsorge ist. Alle Achtung verdienen die Geldsummen, die beschafft und verausgabt wurden. Besonders haben sich die Frauen der Berliner Gemeinde durch ihre aufopferungsvolle und erfolgreiche Mitarbeit hervorgetan. Aber nicht nur den Einheimischen, sondern auch den von den Russen zerstörten ostpreußischen Gemeinden wurde geholfen. Soldau und Neidenburg wurden als Schutzgemeinden angenommen. Für die Verwundeten wurden 48 Betten im Krankenhanse zur Verfügung gestellt und auf dem Friedhöfe eine Ehrentafel für die Gefallenen geschaffen. Auch zehn von den zwölf Feldgeistlichen unterhält die Gemeinde. Den Beamten der Geineinde wurden Teuerungszulagen gewährt, den Eingezogenen die Gehälter ganz oder teilweise weitergezahlt, trotzdem eine große Anzahl von Ersatzkräften eingestellt werden mußte. Der Redner schloß mit seinem Hinweis auf die vorbildliche Pflichterfüllung Gottfried Senders und mit der Versicherung, daß die Gemeinde in ihrer Sorge für die Daheimgebliebenen die gleiche Pflichterfüllung gegen das Vaterland übt. — Tie einstündigen interessanien Ausführungen machten auf die zahlreich erschienenen Damen und Herren einen tiefen Eindruck und riefen begeisterten Beifall hervor. Der Vorsitzende des Vereins, Herr Gott schalt, dankte dem langjährigen bewährten und verdienstvollen Gemeindevertreter, der auf allen Gebieten jüdischen Gemeindelebens erfolgreich wirke. — Mit einem längeren Referat über Gemeindeangelegenheiten erösfnete sodann Herr Gottschalk die Diskussion, an der sich u. a. die Herren Benas Levy, Friedländer, Inspektor Friedberger beteiligten und die einen sachlichen und würdigen Verlauf nahm. Herr Benas Levy versprach, dafür einzutreten, daß die berechtigten Wunsche des Vereins, soweit dies möglich sei, von der Gemeinde erfüllt werden würden. Die Anwesenden dankten durch lauten Beifall. W. Posen, 18. Februar. Ter V erei n der wohltätigen Freunde hielt seine diesjährige ordentliche Generalversammlung ab, die zahlreich besucht war. Den Vorsitz führte für den zur Fahne einberusenen Herrn A. Fischer fein Stellvertreter Herr Js. Br oh. Vor Eintritt in die eigentliche Tagesordnung widmete er den im vergangenen Jahre verstorbenen Mitgliedern herzliche Worte des Nachrufes, ganz besonders dem dahingeschiedenen Borstandsmitgliede Bernhard Lachmann, und stellte fest, daß die Anwesenden sich den Heimgegangenen zu Ehren von den Sitzen erhoben haben. — Nach erstattetem Jahres¬ und Kassenbericht wurde die von der Prüfungskommission anempfohlene Entlastung für den Kassenführer erteilt. Der Haushaltsetat für das kommende Jahr wurde durchberaten und nach unwesentlichen Abänderungen festgesetzt. — In den Vorstand wurden die laut Turnus ausscheidenden Mitglieder A. Fischer, Js. Broh, M. Fla tau und Louis Witkowski. wiedergewählt. An Stelle des verstorbenen Vorstandsmitgliedes B. Lachmann tritt Herr Leo Kiwy. Zu Nachprüfern für das nächste Jahr wurden die bisherigen Mitglieder wiedergewühlt. Zum Schluffe gelangten noch einige von den Versammelten gestellte Anträge zur Besprechung und daun zur Annahme. — Ter Verein besteht seit nunmehr 100 Jahren und zählt über 60 Mitglieder. Der Seelsorger dieser Synagoge ist Herr Rabbiner Dr. Silberberg. Die im Borstande verbliebenen Herren sind: Abraham Gutmann, Siegfried Königsbe r g c r , Georg Lanffer, Ad. Levy, L. Placzek und Sam. Swarsenski. 8. Kletzko, 18. Februar. Einer der angesehensten Bürger unserer Stadt, Herr Rentier Hei mann L ö w e n st e i n, beging fernen achtzigsten Geburtstag. Aus Anlaß des Jubeltages erwies ihm die Einwohnerschaft große Ehrungen. Auch von auswärts liefen viele Glückwünsche ein. Herr Löwenstein war längere Zeit hindurch Stadtverordneter, Vorsteher der Synagogengemeinde und Vorstandsmitglied der öffentlichen Volksschule und bekleidete noch andere Ehrenämter innerhalb der Gemeinde. Sein Bestreben war und ist noch jetzt, Menschlichkeit zu üben. In seiner Hilfsbereitschaft gegen die Nebenmenschen kennt er keinen Unterschied der Nationalität und Glaubensgemeinschaft. Daher ist der Geburtstag' des Herrn Löwenstein ein Festtag für die Gesamtbürgerschaft gewesen. x. Kiffa i. P., 18. Februar. Unter großer Beteiligung fand in Breslau auf dem Ehrenfriedhof die Beerdigung des auf dem Felde der Ehre gefallenen Leutnants L e o Per l statt, der der Schwiegersohn unseres Gemeindevorstandsmitgliedes S t a d t r a t S ch r e y e r war. Auf dem östlichen Kriegsschauplätze war seine Truppe in schwere Bedrängnis geraten. Leutnant Perl übernahm es trotz größter Gefahr, ihr Hilfe zu schaffen. Dies gelang ihn: auch, aber auf dem Rückwege, als er schon bis kurz vor die Schützengräben der Seinen gelangt war, ereilte ihn eine feindliche Kugel, und in treuer Pflichterfüllung fand er den Heldentod. Die Leiche wurde nach Breslau, wo der Verblichene Rechtsanwalt gewesen war, überführt, und zu der Beisetzung erschienen fast sämtliche Rechtsanwälte des Breslauer Oberlandes- und Landgerichtsbezirks sowie der Bataillonskommandeur mit de in Offizierkorps des Ersatzbataillons, beut der Verstorbene angehört hatte. Rabbiner Professor Dr. G u t t - m a n n schilderte in warmen, eindrucksvollen Worten die vaterländische Gesinnung Leo Perls. Justizrat A r m e r widmete dem Freunde einen längeren Nachruf, indem er seine hervorragenden Eigenschaften als Mensch, Berufsgenosse und Krieger pries, und rührende Worte sprach zum Lobe des Verstorbenen auch sein Bataill-onskommandeur Hauptmann B. Das Andenken Leo Perls aber wird neben dem eines Gottfried Sender und anderer jüdischer Offiziere, die sich für ihre Leute und ihr Vaterland geopfert haben, in der ruhmreichen Geschichte des jetzigen Weltkrieges weiterleben. M. Hamburg, 18. Februar. Herr Eduard L ö w e n t h a l, Seniorchef der bedeutenden Butter-Import- und Exportfirma L. J^ Löwenthal, ist nach kurzer Krankheit aus dem Leben geschieden. Ter Verblichene, der zu den ältesten Besuchern der Hamburger Börse zählte, erfreute sich in der Handelst und Finanzwelt hoher Achtung und Wertschätzung. Die Bestattung fand am 15. d. M. unter großer Beteiligung weitester Kreise vom Sterbehause aus statt. Außer der Familie und den Freunden hatten sich zahlreiche Vertreter unserer ersten Kaufmannshäuser eingefunden. Nachdem die Kinder und Enkel sowie die übrigen Anverwandten vor dem mit einer Fülle von Blumen geschmückten Sarg ihre Plätze eingenommen hatten, wurde die Trauerfeier mit dem vom Tempelchor unter Leitung des Herrn Musikdirektors D. Beit gesungenen „Seele, was betrübst du dich?" eröffnet. Hierauf hielt Herr Rabbiner und Prediger Dr. Leimdörser die Trauerrede, der anknüpfend an einen Psalmvers ein getreues Lebensbild des Verstorbenen entwarf. Der Verblichene hatte sich während seines langen, arbeitsreichen Lebens nicht nur als treusorgender Gatte und Vater gezeigt, sondern sei auch seinen vielen Angestellten ein liebevoller Berater gewesen. In geschäftlicher Beziehung habe er den Grundsatz verfolgt: „Raste ich, so roste ich", und so habe er es durch Fleiß und Tatkraft verstanden, sein Kaufmannshaus zu einem der ersten und angesehensten emporzuschwingen. Mit Gebet und Trostesworten an die Hinterbliebenen schloß die wirkungsvolle Rede. Nachdem der Tempelchor „Stille deinen bitteren Kummer" gesungen, wurde der Sarg aus den Leichenwagen gehoben-. Die Beisetzung fand aus dem Israelitischen Friedhof in Ohlsdorf statt. An der Seite seiner vor Jahresfrist verstorbenen Gattin fand hier Herr Löwenthal seine letzte Ruhestatt. — Friedrichstabt, 18. Februar. Vor kurzem wurde von Herrn Rabbiner Du keß aus Altona für die jüdischen Mannschaften aus den Garnisonen Friedrichstadt, Heide und Husum ein Gottesdienst abgehalten. Nach dem Minchagebete hielt der Rabbiner eine Ansprache an die Soldaten, die einen tiefen Eindruck auf alle Hörer machte. Der Besuch seitens der Gemeindemitglieder und der

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