Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 80 (1916)
- Issue
- Heft 8 (25.2.1916)
- Date
- 1916-02-25
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/3224737-3229232-3229241--72032-3284450- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Berlin, 25. Pebmar M ÜÖ. Jahrgäng Nr. Der Gemeindeüote. Vellase zur „Allsrmetnen Trttung de^ Judentums". korrrlpondtnren und Kachrichten. Deutschland. h. Ü. ifeerUn* 22. Februar. A u s Ö e m B e r i ch t des Bibliat h e k a r s Dr. S t e r n über die Bibliothek der Jüdischen Gemeinde. Berlin, ist zu entnehmendaß diese sich m einer chlten Entwicklung befindet. Die Frestuenzziffer war 1914/15 13 056, ivährend sie in den vertzantzeken vier Iahtest, t»pit 1910 an, 9047, 10 946; 12 885 ustd 12 636 betragen hatten. Die Bibliothek war 301 Tage geöffnet. Der Tagesbesuch betrug durchschnittlich 43 Personen. Verliehen wurden 11 455 Werke. Die Bibliothek wurde im Lesesaal außerordentlich benutzt (6347 Werke): in Berlin und außerhalb Berlins, in ganz Deutschland, sandelt eifrige BeMttzUngen statt: Fast alte preußische Provinzenaber auch Baheril uüd Oesterreich sind aü dieser BenUtzUnh beteiligt. Fm ganzen 43 Orte; doch hat hier allerdings ein kleiner Nückhanh gehest die früheren Fahre stattgefmiden; ein UilNstalid; der bei den schloierigen postalischen Verhältnissen nicht auffällig genannt werden kann. Der Gesamtbestand der Bibliothek au Druckwerken stieg voll 26 173 Werkell in 33 *284 Bänden auf 27 101 Werke tu 34 550 Banden. Das Wachstum der Bibliothek in den letzten Fahren zeigt folgende Uebersicht: 1909/10:16 633 Werke ill 21 357 Bänden, 1910/11: 18 326 Werke in 23 398 Bänden. 1911/12: 20 333 Werke in 26 395 Bänden, 1912/13: 23 073 Werke in 29 858 Banden, 1913/14: 26 173 Werke in 33 284 Bänden- 1914/15:! 27 101 Werke in 34 550 Bandem Die Haüdschristenabteiliing zählt! 430 NttlllMertt gegen 412 des Vorjahres. Tie Abteilung für Zestuugs-! obschnitte umfaßt 335 MaPpeU. Tie MuseUmsabteilling llmsaßt! 2J6 Münzen, 665 Medailleli, 83 Küustgegenstände und Altertümei',! 2476 Bilder (Stiche, Zeichnungen, Photographien usw.), 24 illrl-! strierte Handschriften. Die Bibliothek erhielt viele Schentüngeu und! Zuwendungen von Berlin UNS auswärts. Bei dieser gedeihlichen I EntwicktNNg, die durch den Krieg nicht Unterbrochen, kaum im- - günstig berührt worden ist, könUte man sich mit der Konstatierung | dieser erfreulichen Tatsache begnügen, und doch sei ein kurzes Wört! hinzügefügt. Wir haben die Empfindung würden uns aber sreuenwenn wir eines Irrtums belehrt lvürdell , daß die segensreiche; Einrichtung unserer Bibliothek, die schon so viel Nutzen gestiftet hast noch immer nicht genügend bekannt ist. Tie Arbeitenden sind wohl davon unterrichtest so daß die Annahme, einer, der sich mit der Wissen- ■ schaft des Judentums beschäftige, wisse llichts von dieser Bibliothek,! ausgeschlossen erscheint. Aber altd) Unter den Eemeindemitgliedern, namentlich den Angehörigen alter Familien, gibt es gewiß noch j gar viele, die alte Bücher, Handschriften, Bilder verwahren und j die mit den Dingen kein besonderes Interesse verknüpfen, namcntltcl) wenn sie in einer Schrift und Sprache abgefaßt silld, die sie selbst; nicht mehr verstehen. Sie wollen die Dinge nicht gerade einer Der-! mchtung anheimfallen Lassen, möchten sich mich nicht gern voll ihnen I trennen, weil sie trotz allem ein gewisses Pietätsverhaltuis mit ihllen i verbindet. Alle solche Personen mögen aufs dringendste ans unsere; Bibliothek hingewiesen werden: sie mit ihrer Kunstsammlung ist gewiß keine Aufbewahrungsstätte alten Gerümpels und zerschlissener j Druckblätter, aber eine Stätte, in der manch einzelnes wertvolles Stück, manche Handschrift und manches Buch, das in den Familien; verstaubt und verkümmert, in sicheres Gewahrsam genommen werden; und zu ganz anderem Segen gereichen kann als ein einzelnes i Stück in der Privatsammlung. Darum ergeht an alle Mitglieder j unserer Gemeinde und an alle Freunde unseres Blattes die dringende Mahnung, Umschau nach w e r t v o l l e n Büchern, H a n d - j Idjriften, Briefen, Bildern, Geräten zu halten,! die ihnen s e l b st eher eine Last als ein G e w i n n sind,! n n d s t ch solcher einzelner S t ü ck e z n g lt u st cn u n s c r e r - G emeindebi b l i o t h e k zu e n t ä uhe r n. Durch solche Zu- > Wendungen, namentlich wenn sie in großem Maßstabe erfolgen! könnten, würde unserer Sammlung viel Heil geschehen. I Berlin, 22. Februar. Bon Herrn Arnold Lev in, Berlin C, Burgstraße 2, erhalten wir folgende Zuschrift: Mein Bruder Rechtspraktikant Dr. Jsai Levi n, Sohn des verstorbenen Bezirks- und Konferenzrabbiners Dr. Lev in aus Freiburg i. B., ist am 25. September!9l5 in der großen Ehampagneschlacht als Leutnant der Reserve im 5. Badischen Fnsantevieteglment Nt. 113 auf dem Fel§e der Ehre gefallen. Illiter den vielen Beileidskundgebnngen ist meiner Mutter beifolgender Brief des ersten Staatsministers Frest Herrn v. Dusch aus Karlsruhe zngegangen: Euer Hochwohlgeboren lwehke ich mich davon in Kenntnis zu setzen, daß Seine Königliche Hoheit der Großherzog mir gnädigst den Auftrag zu erteilen geruht haben. Ihnen und Ihren Angehörigen Allerhöchst sein herzlichstes Beileid an dem schweren Verluste, den Sie durch den Tod Ihres ans dem Felde der Ehre gefallenen Lohnes, des Rechtsprattikanten Dr. Fsai .Levin, erlitten staben, zu übermitteln. Ich spreche Fstnen gleichzeitig auch nustne wärmste Teilnahme an Ihrem Schmerze aus. Das Justizministerium wird dem hoffnungsvollen jungen Beamtett biit ehrendes Andenken bewahren. Mit vollkommener Hochacht llng gez. b. D ii 1 ch: Sch. Berlin, 22. Februar., Am 14. d. $Ö!. sprach im F ü d i s ch - l i b e r a l e n F u g e n d verein der Shnditus des Hilfsvereius det Deutschen Juden, Herr Dr. B. K a h n , über das Thema „Ter Krieg und die Ostjnden". Redner gab zunächst eine Uebersicht über die Ansiedllingsgeschichte der Juden in Polen und Rußland und bezeichnete naher ihre heutige Stellung zur russischen und polnischen Bolksmasse. Wiewohl die Jndenpolitit Olllßlands es mit sich brachte, daß ein gewaltiger Auswaudererstrom sich in der zuzeiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts nach Amerika ergoß, verringerte sich nicht die Millionenanzahl der jüdischen Bevölkerung, da sie sich durch starke Vermehrung immer wieder ergänzte. Mt der Scholle verwachsen, wandten sich die Juden allen Berufsarten zu, vom Packträger und Handwerker bis zum Großindustriellen. Der Krieg au der Ostfront, der in den meist von Juden bewohnten Gebieten geführt wird, hat die Juden der bittersten Rot preisgegeben. Rur wenige tonnten sich die Kosten und Verluste einer Flucht leisten, die Maffe wurde von der Kriegsfurie gepeinigt und ist heilte größtenteils den Siegerm ausgeliefert. Die deutsche Hilfsaktion, der sich diejenige der neutralen Staaten den Verhältnissen nach würdig anschließt, behandelte der 'Redner als hervorragender Kellner und Mitarbeiter auf dem Gebiete der sozialen Fürsorge besonders ausführlich. Er legte dar, daß die gewaltigen Slnnmen, die bisher aufgebracht sind, nicht int ent fern testen Hill reichen, um die großen Wunden zu heilen. Die deutsche Heeresverwaltung uiullnt sich der Hilfsbedürftigen mit bester Fürsorge an und zeigt sich der großeil Kultnrausgabe lvürdia, den geknechteten Inden zum Ncenschentum zu verhelfen. Das Ostjudenprvblem, eines der schwierigsten, das der Krieg aufstellt, wird erst daun gelöst werden können, lvenn der Waffen lärm schweigt. Aus der Seele des Ostjnden aber sind Wünsche laut geworden, denen volle Besriedigullg lviderfahr-en dürste. Für Lichte persönlicher Freiheit lind Gleichberechtigung will er in dem Lande bleiben, tu dem Eltern und Großeltern begraben sind, nnt auf der Stufe des vollen Staatsbürgertnms als nützliches Glied der nleuschlichen Gesellschaft anftreten zu können. Wie auch die politischeil Nntwälznngen im Osten sich gestalten mögen, der Wunsch der Ostjuden wird davon nicht betroffen werden. — Lebhafte Erörterungen schlosseil sich den sachkundigen Ausführungen des Bortrageudell au, der sich auch all dieser Stelle als bester Kenner der ostjüdischen Verhältnisse erwies. Herr Dr. Bruno Lange, der den Vorsitz führte, dankte dem Referenten in loarnien Worten iuib gab der Hoffnung Ausdimck, daß die Zeit ilicht mehr fern sein möge, die den unglücklichen Glaubensgenossen die Freiheit und lms allen einen siegreichen Frieden bringen werde. In begeisterten Worten lvies. er ans die Einmütigkeit und friedliche Zusammenarbeit aller delltschell Juden hin, um de'.u Eleild und der Rot nicht mit' in unserem Baterlande, sondern darüber hinaus in den eroberten feindlichen Gebieten zu steuern. Er wünsche lind hoffe, daß auch nach dem Kriege Einmütigkeit im Streben nach dem Guten herrschen lind Taten echter Atenschenliebe hervorbriugeu möge. Die zahlreich erschienenell Damen lind Herren zollten diesen Ausführungen begeisterten Beifall. Seit. Berlin, 22. Februar. Im R e l i g i o n s v e r e i n Friedenau-Steglitz sprach am 15. d. Nt. auf Einladung des Bereinsvorstandes der Repräsentant der Berliner jüdischen Gemeinde Herr Benas Lebst über die Leistungen der jüdischen Gemeind?