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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-02-18 · Heft 7 (18.2.1916) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 7 (18.2.1916)
Date
1916-02-18
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 A\nci]cvn die Wege bahnen. Gar schnell' könnet! sie sich miteinander verständigen. Schon 1861) wies R. Hildebrand, der große Leipziger Germanist, ans die Polnischen Inden als Lichtbringer der deutschen Alitfhir in slawischer Unknltnr hin. Mit der Behauptung, daß die Anzahl der Inden vor ihrer Vertreibung ans Deutschland größer als jetzt gewesen sei, dürfte der Redner ans allgemeine Zustimmung nicht rechnen, schon deshalb nicht, weil keine der damaligen Großstädte an eine Einwohnerzahl von 50 000 heranreichte. Das Indendeutsch wird mit hebräischen Luchstaben geschrieben.. Noch lange ist es nicht zum Anssterben verurteilt, mehrt sich doch in ihm die Zahl der Bücher und Zeitungen, und erklingt es sogar in der Alten und Neuen Welt ans der Bühne. Leider harrt das Iudendeutsch immer noch eines kundigen Bearbeiters. -- In temperamentvoller, anschaulicher Weite wußte der Redner die Hörer anzuregen, so daß gewiß mancher zum Zweck tieferer Belehrung zu der 1011 erschienenen Schrift von H. Lvewe „Die Sprachen der Inden" greisen lvird. Berlin, 15. Februar. G e h e i in e r .0 o m m e r z i e n - r a t (5 d m n n d H e l s s t beging am 14. d. Bl. in körperlicher und geistiger Irische seinen 80. Geburtstag. Abgeordnete des Magistrats, der Handelskannner und der Aeltesten der .Kaufmannschaft brachten dem Jubilar die Glückwünsche ihrer 'Korporationen. Aus allen Teilen Deutschlands liefen Telegramme und Blumenspenden ein. Die Minister S h d o w, v. L o e b e l l, v. S ch o r l e m e r- L i e s e r und der inecklenburgische Staatsminister Bössart übermittelten telegraphisch ihre Glückwünsche. Der Großherzog von Mecklenburg sandte dem Jubilar, seinem Hofbankier, sein Bild mit einem Handschreiben, die Großherzogin schickte ein Telegramm. Wie wir hören, hat Kommerzienrat -Helfft anläßlich dieses Tages namhafte Beträge für wohltätige Zwecke gespendet. Z. Berlin, 15. Februar. Zugunsten des H i l f s k o m i t e e s d e r B e r l i n e r Z i o n i st i s ch e u B e r e i n i g n n g f ü r Deutschland fand am 0. d. M. ein stark besuchtes Konzert im ANindloorth-Scharloenka-Saat statt. Das mit vielem Verständnis zusammeugestellte Programm bot in seiner Ausführung teilweise weit das übliche Wohltätigteitsuiveau überragende Leistungen, besonders die meistert)rfte Handhabung der Violine durch Herrn Alfred Wittenberg und das warm empfundene Eeltospiel des -Herrn Felix Robert Mendelssohn. Auch die übrigen Mitwirkenden, insbesondere -Herr G o l l a n i n, gaben ihr Bestes und bekundeten in ihrer Art künstlerisches Empfinden unb zugleich innige Hingabe an den guten Zweck. Ersreulicherlveise wurden nicht mehr, wie es früher bei ähnlichen Veranstaltungen geschah, Jargonlieder zur Wiedergabe gebracht, sondern hauptsächlich Lieder jüdischen Inhalts in deutscher Sprache, die dem Verständnis des Publikums angepaßt waren. Angenehm berührte auch der Vorkrag des Liedes „Bet Slam." in hebräischer Sprache, ans die als Denkmal unserer alten -Kultur jeder gebildete Jude, ob Zionist oder nicht, stolz sein darf. Den Künstlern wurde reicher, wohlverdienter Beifall gespendet. W. Posen, 11. Februar. Die mit Genehmigung des -Herrn Regierungspräsidenten vom Rabbinat und dem Vorstande der Synagogengemeinde im Bereiche der G e m e i n d e s h n a g o g e A veranstaltete Sammlung zugunsten der Kriegsbeschädigten der Posener Regimenter hatte einen Reinertrag von 3150 Mark. Diese Summe ist als Liebesgabe zum Geburtstage Seiner Majestät des Kaisers und Königs zur Verfügung des Kommandanten und stellvertretenden Gouverneurs, -Herrn Generalmajor v. Loeben, für den gedachten Zweck abgesührt worden. Der namhafte Betrag und die große Zahl der daran beteiligten Geber legen erneutes Zeugnis ab von dern vaterländischen Geiste der Gemeinde und dem mildtätigen Sinn ihrer Mitglieder, denen der Wohlfahrtsausschuß und seine Schützlinge ansrichtigen Dank wissen. - Das von der S h n a g o g e B B r ü d e r g e in e i n d e, veranstaltete Konzert hat einen Reinertrag von 2100 Mark ergeben, wovon die eine -Hälfte an den Wohlfahrtsausschuß und die andere an das Rote Kreuz abgeführt wurden. München, 11. Februar. Der hier verstorbene Privatier Simon -Herrmann hat die 'letztwillige Verfügung getroffen, daß sein Gesamtvermögen einer Stiftung Zufällen soll, die den Namen „Israelitische Siechenaustalt für Bayern" führt. Einen bestimmten Ort, au dem die Anstalt errichtet werden soll, hat der Erblasser nicht bezeichnet, vielmehr die Wahl des Ortes dern Testamentsvollstrecker in Gemeinschaft mit einem Kuratorium überlassen. Als einen für diese Siechenanstalt in jeder Beziehung geeigneten Sri schlägt die Verwaltung der israelitischen Kultusgemeinde Buttenwiesen ihre Stadt vor. Sowohl die Ortsgenwinde, wie auch insbesonderedie israelitische Kultusgeineinde Bnttenwiesen wollen sich zu weitestgehenden Opfern gern verstehen. So ist zum Beispiel die israelitische Kultusgemeinde Buttenwiesen schon heute in der Lage, die kostenfreie Ileberlassnug eines für die Errichtung des Siechen hei ms geeigneten Grundstücks anbieten zu können. §2 Nürnberg, 11. Februar. Ein Mann, der in weiten Kreisen als ein tatkräftiger und unentwegter Förderer des Judentums bekannt und geschätzt ist, Herr Schuldirektor M o r i h Go m b r i ch , feierte am 7. d. M. das Fest seines 70. Geburtstages. Ter Jubilar, am 7. Februar 1840 in Jhriugeu in Baden als Sohn eines jüdischen Lehrers geboren, widmete sich bau Berufe seines Vaters. Ec übernahm im Jahre 1873 die Lehmannsche Uuterrichtsanstalt in Nürnberg und brachte die kleine Schule durch Fleiß und Tatkraft zu einer bedenkenden llnterrichtsanskalt, welche sich im Inwie im Aus lande eines großen Rufes erfreut. Die vielseitige Bildung Gombrichs in den mathematischen, realen wie handelswissenschaftlichen Fächern befähigten ihn ganz besonders zum Leiter einer Handelsrealschnle. Aus dieser Schute ist auch eine große Anzahl Männer hervorgegangen, welch: im Leben eine bedeutende Stellung eingenommen haben. Ebenso hervorragend wie als Lehrer war Gombrich in seinem Wirken in der Oessentlichkeit, auf sozialem wie idealem Gebiete. Im Bayerischen Turnerbund, im Tierschutzvcrein, im Verein für öffentliche Gesundheitspflege, im Verein für Ferienkolonien, überall stand Gombrich in erster Reihe. Wo es zu raten und zu Helsen galt, wurden sein Rat und seine Mitarbeit überall geschätzt und dankbar empfunden. Ganz besonders aber widmete sich Gombrich mit unermüdlichem Eifer und aus innerster Herzensbefriedigung den -Angelegenheiten des Judentums. Ter israelitischen K u l t u s v e r w a l t u n g gehört er seit 25 Jahren an, 17 Jahre als Mitglied des Ausschusses und 8 Jahre als Mitglied des Vorstandes. Die Gemeindeverwaltung, deren zweiter Vorsitzender Gombrich ist, schätzt ihn als einen ihrer besten und bedeutendsten Männer. Ausgestattet mit reicher Lebenserfahrung, seinem Taktgefühl und genauer Kenntnis des Judentums wußte er oft in schwierigen Fragen den rechten Weg zu weisen. Gombrich ist erster Vorsitzender des Israelitischen Mädchenstistes seit dessen Gründung und widmete sich der Leitung dieser schönen, sozialen Einrichtung mit ganz besonderer Liebe und Wärme. Als vor fünf Jahren der V e r e i n s ü r d i e I u t e r e s s e n des l i b e r a l e n Judent u m s gegründet wurde, fand man wiederum in Gombrich einen ausgezeichneten Mitarbeiter für die Organisation und für die Verbreitung der liberalen Ideen. Daß in Nürnberg eine der größten und rührigsten Ortsgruppen des liberalen Judentums entstand und daß ferner vor vier Jahren die Jahresversammlung hier in Nürnberg mit großem Erfolg tagte, ist nicht zum wenigsten dem unermüdlichen Schaffen Gombrichs zu verdanken. Im „Verein für die Interessen des liberalen Judentums" bewies Gombrich ganz besonders viel Geschick und Takt. Er verstand es, einen weiten Kreis von bisher gleichgültig beiseite Stehenden für das liberale Judentum zu interessieren, ohne durch ungestümes Vorwärtsdrängen bei dem konservativen Teil der Gemeinde Anstoß zu erregen. Die weise Mäßigung, die Gombrich als Führer der liberalen Bewegung bei den oft hochgehenden Wogen zu bewahren wußte, wird ihn in beiden Lagern besonders hoch angerechnet. Die Wertschätzung, welcher der vortreffliche Mann sich hier in allen Kreisen und bei allen Konfessionen erfreut, kam bei dem Geburtstagsfeste naturgemäß ganz besonders zur Geltung. Bon feiten der Kultusverwaltung wie von seiten des „Mädchenstifts" wurden künstlerisch ausgestattete Adressen übersandt. Der Verein für die Interessen des liberalen Judentums in Deutschland ließ durch die Herren Justizrat Ofner und Albert Landauer in München ein prachtvolles Blumenarrangement im Namen des Vorstandes überreichen. Die Ortsgruppe Nürnberg des Vereins für die liberalen Interessen des Judentums übersandte ihrem Gründer und Vorsitzenden ein prachtvolles Gemälde von Ritters Meisterhand. Der Bayerische Turnerbund übersandte ein künstlerisch ausgeführtes Ehrendiplom seinem langjährigen ersten Schatzmeister. Möge dem Jubilar noch ein langes und glückliches Lebensalter beschieden sein, um auch weiterhin für die Menschheit und für das Judentum beglückend, für sich selber befriedigend wirken zu können.

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