Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 80 (1916)
- Issue
- Heft 6 (11.2.1916)
- Date
- 1916-02-11
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
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3 . esellschaft „Ohel Jakob" und Oberbuchhalter ä i e i n für die Direk-! on und das Personal der Saphir-Werke. Seesen a. H., 4. Februar. K a i s e r s geb u r L stag s - ' eier in der Iacobsohn- Schule. Dem Ernste der Zeit i utsprechend hat man in diesem Jahre überall von großen . estlichkeiten abgesehen. Damit folgte man auch einen: Wunsche a'§ Kaisers selbst. So stand auch die Feier der Jacobsohn-Schule t iesnral im Zeichen der Kriegshilse. Zu Beginn fang der chülerchor, nachdem der gemeinschaftliche Choral Verklungen, das Niederländische Dankgebet" und „Freiheit, die ich meine". Dann eri rtff der Direktor Professor Dr. Friedland das Wort. Zunächst ^'dachte er derer, die in diesem Kriege von ehemaligen Schülern . e fallen, leider eine nur allzu große Zahl meist junger blühender Leben,! er letzte ein junger Kriegsfreiwilliger. Ferner gedachte er des überl ns schmerzlichen Verlustes, den die Schule mit dem Heldentod r. H. F ü s e r s erlitten. Vier Kriegsteilnehmer aus dem Lehrer-! allegium, Herr Oberlehrer Harke, Herr Strauß, Herr Bode i nd Herr Dr. Marcus, waren bei der Feier anwesend. Der Redner * ing dann auf die Forderungen ein, die der Krieg an die Schule geellt hat, und wies darauf hin, wie die geschlossene Einheit des Volkes! ach einer Einheitsschule verlangt, wie das Erstarken unseres Nationalefühls nach der „Vaterlandsschule" verlangt, deren Mittelpunkt 'eder Hellas und Rom noch Paris und London ist, sondern deutsches nhafsen und Schauen. Rach einen: Gedichtvortrag eines Sextaners hing der Herr Direktor dann den ersten Nagel in das Kriegswahrichen der Schule, ein Relief, das das Schulwappen, die verschlungenen ände, das Sinnbild der Einigkeit, darstellt. Vertreter von Stadt, l >arnrson und Vereinen folgten. Zun: Schluß begann ein lustiges ämmern der gebefreudigen Schüler, das über eine Stunde dauerte, 'er Ertrag der Nagelung beträgt zurzeit 355 M. Noch Abzug eines '.einen Betrages für Abschaffung von Nägeln usw. (etwa 30 M.) wird ie Restsnmlne der Ingendspende für Kriegerlvaisen unter Leitung des -erru Lehrers Josef R e i n i r ke n s in Essen zugeführt. L. Frankfurt a. M., 4. Februar. Hier verstarb in: Alter von ' 4 Jahren Herr Stadtverordneter Joseph Fromm. Der Berorbeire )var der älteste Sohn des früheren Rabbiners zu Hornburg . d. H. Dr. Fromm, der später lange Jahre hindurch als Privathrer des Barons Wilhelm v. Rothschild zu Frankfurt a. M. tätig 'ar, Stadtverordneter Fromm war der würdige Sohn seines Vaters, eberall, rvo es galt, für das Judentum einzutreten, war er mit Leib nd Seele dabei, und namentlich die folgende Sache mag ihm unveressen sein. Der armen Bevölkerung irr: bayerischm Spessartgebirge berrso wie irr: badischen Schrvarzlvalde brachte er große Verdienstrnögchkeiten und infolgedessen Hebung ihrer Wirtschaftsstellung, indem er e irr: Walde Schwarzbeeren fannneln ließ, die er durch Begründung an Heidelbeerweinfabriken viel höher, als dies früher möglich war, erwerter: konnte. Durch diese Tätigkeit kan: er häufig mit dem im pessart an:tierenden Pfarrer Frank, späteren bayerischen Land- .rgsabgeordneten, in Berührung, r:nd enge Freundschaft verband die ei den hochgesinnter: Männer. Als daru: während der Hochflut des irrtisernitismus auf derer: schmutzigen Wogen auch, das Blutmärchen ustauchte, schrieb Pfarrer Frank auf Frorrrms Anregung eir: Buch egen diese unsinniger: Beschuldigungen, das namentlich in katholischer: weisen sehr gute Wirkung hatte. War es doch gerade die Zeit, da :r Kanonikus Rohling in Prag mit seinen grauenvoller: und lügerrasten Anklagen hervortrat. Auch die Frankfurter Bürgerschaft verert in Fromm einen ihrer fleißigsten' und hingehendsten Sachwalter, eine Verdienste um die soziale Hebung der armer: Spessartbevölkerung lulle der König von Bayern durch den St.-Michael-Orden, außerdem alte Fromm den Preußische:: Kronenorder: und viele Order: auWn- :scher Staaten. — Von «der Beliebtheit und Wertschätzru:g es Verstorbenen zeugte die große Schar -der Leidtragenm, die Josef Fromm das letzte Geleit zur Ruhestätte aber:. Bon den städtischen Behörden waren Oberbürgermeister Dr. Voigt, Bürgermeister Dr. Luppe, Stadtrat uehen, die Borstände des Jugendamtes und zahlreicher gerneiniitziger und Fürsorgeorganisationen erschienen, denen der Verstorbene ngehört hatte. Der Vorstand der Stadtverordnetenversarrunlung er- 'ies mit den meisten Stadtverordneten dem Toten die letzte Ehre, lle Trauerfeier fand in der Halle des israelitischen Friedhofs statt; ie Grabrede hielt Rabbiner Dr. Nobel, der das tiefe soziale Errrpnrder: des Verstorbenen, seine stete Hilfsbereitschaft und sein Aufiehen in den Werken der Gemeinnützigkeit und dex Nächstenliebe schilderte. Geheimer Justizrat Dr. Fried leben, der Vorsitzende des Stadtverordnetenkollegiurns, schilderte in bewegten Worten die warmherzige Persönlichkeit Fromms, sein unermüdliches Interesse in: Dierrste der Bürgerschaft, die Biederkeit seines Charakters ur:d seine glanzende Beredsamkeit. Durch seinen Tod sei eine weite Lücke in die Körperschaft der Stadtverordneten gerissen, die ihren: lieben treuen Kollegen ein ehrendes Andenken bewahren werde. Stadtverordneter Bern c ck e r widmete dem verstorbenen Freunde und Parteigenossen herzliche Worte der Anerkennung und Dankbarkeit für die Fortschrittspartei und die Fortschrittsfraktron des Stadtv.erordr:etenkollegimr:s. Auch er Hob rühmend die lautere Persönlichkeit des Heimgegangenen und dessen Hingabe an die Interessen der Bürgerschaft hervor, die in Fromm einen ihrer besten Vertreter verloren habe. Zahlreiche Wohltätigkeitsanstalten und Vereirre legten an der Bahre Kränze nieder. Gesterrrich-Ängartt. Z. Wien, 4. Februar. Frau Sophie Grün selb, Präsidentin des Kaiser-Franz-Josef-Ferienheims in Tischnowitz und des österreichischen Seehospizes, erhielt das Ehrenzeichen zweiter Klasse vom Roten Kreuz mit der Kriegsdekoratiou. Es ist dies nicht die erste Anerkennung, welche der edlen Frau zuteil wird, da ihr vor einiger: Jahren für ihre bedeutenden Leistungen aus dein philanthropischer: Gebiete der Elisabethorden zweiter Klasse verliehen wurde. Ir: ganz besonders hervorragender Weise hat diese Frau sich stets als Helferin der Notleidenden erwiesen, als geniale Schöpferin oder getreue Mitarbeiterin großzügiger Aktionen, und die Kriegszeit, die an alle warmfühlenden Herzen die Pflicht, zrr Helfer: und die Not zu -lindern, nahe gerückt, hat sie wiederrrrr: ans ihren: Platz gefunden. Selbst von Herbern Leide getroffen, geht sie völlig in ihren menschenfreundlichen Bemühungen aus. Gerade ihre letzte Schöpfung, die Wiener Schuhzentrale, hat mit den denkbar geringsten Kosten bis heute schon viele Hunderte der Armer: Wiens, darunter eine große Zahl von Kindern, die gänzlich zerrissenes oder auch gar kein Schuhwerk trugen, mit Schuhen beteilt und so vor Frost und Krankheit, wenn nicht A.ergerern, bewahrt. — Die Gräfin Coudenhove, Gemahlin des Statthalters, stattete vor kurzem dem israelitischen M ä d che n f r e i t i s ch v e r e i n in Prag einen Besuch ob. Ter Präses des Vereins, kaiserlicher Rat David T r o l - ler, empfing die Frau Gräfin und gab seiner großen Freude über den den Verein nuszeichrrenden Besuch Ausdruck. Gräfin Coudenhove erwiderte, daß sie gern der Einladung des Vereinsvorstandes gefolgt und freudig überrascht sei von der schönen Humanitären Wirksamkeit dieser Wohlfahrtsemrichtnug. Sodann erkundigte sie sich nach den Verhältnissen des Vereins, riach dem Stande der Mittel usw. Gräfin Coudenhove kostete jede einzelne Speise und sprach sich über die Qualität sehr lobend aus. Einige Kostzöglinge redete sie in 'liebenswürdiger Weise an, erkundigte sich auch nach der Zahl der Flüchtlingslinder, die gespeist werden, und stellte die Frage, ob wohl die Mädchen auch das Tischgebet verrichten, worauf Emilie Stein dieses in hebräischer Sprache vortrug. Es wurden 103 Mädchen gespeist. Nach beendeter Mahlzeit verabschiedete sich Frau Gräfin Coudenhove von der: Kostzöglingeu, empfahl sich jedem Anwesenden in -liebenswürdiger Weife, dankte für den überaus schönen Empfang und versprach, bald wiederzukorrnnen. — Ein Komitee vor: Wiener Kantorei: wendet sich in einem eindringlichen Aufruf ar: die Juden der neutralen Länder, besonders an diejenigen ir: Arnerita, zur Unterstützung der Kantoren und Tempelsänger aus Galizien und aus der Bukowina, die infolge des unseligen Krieges brot- und stellenlos geworden sind. Der Aufruf verdient große Beachtung. Spender: für dieser: Zweck sind ar: der: Obmann des Komitees, Oberkantor Don Fachs in Wie:: (Postgasse 15), zu richten. — Dank der: Bemühungen eines um. die Befriedigung der religiöser: und auch der sozialen Bedürfnisse unserer Krieger eifrigst besorgten Glaubensbruders, des Herru Korporals Willi n ge r , hat das hohe Militärkommando die Einrichtung einer Militärsynagoge in der Nofsauer Kaserne genehmigt. Herr Willinger hat sich den: Korrnrmndo gegenüber verpflichtet, die Kosten der Einrichtung aufzubringen. Dies ist ihn: auch bereits bis auf einen Restbetrag von etwa 3000 Kronen gelungen. Es bedarf nicht erst eines Hinweises darauf, welche Bedeutung für die Hebung des religiöser: Sirrnes und des jüdischen Bewußtseins unter unserer: jüdischer: Soldaten dieser verdienstlichen Gründung beizmnessen ist. — In der bedeutungsvollen Ansprache, welche Erzherzog Karl Stephan