Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 80 (1916)
- Issue
- Heft 6 (11.2.1916)
- Date
- 1916-02-11
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
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~ J ti'i: d'r (viüffnuiu\ Schiffs bautechnischelt Bersnchsaustalt hielt, sagte er nach warmen Worten der Anerkennung für die Leistungen unserer heimischen Industrie inörtlidj: „Diese Leistllngen Hoden das Feindesland beunruhigt. Dos ist die schönste Anerkennung! Nicht genug, vom Auslände aus wurde vor Jahren der Versuch gemacht, den Konstrukteur unserer neuen Schiffstypen für eine dortige Werst zu gewinnen. Er zerschellte am Felsen der Vaterlandsliebe." Die „Korrespondenz Wilhelm" dringt nun den Namen des in so warmen Worten geehrten Mannes in Erinnerung: Generalingenieur Siegfried Popper erhielt noch seinem Austritt ous österreichischen Staatsdiensten von der englischen Negierung die glänzendsten Anerbieten, die er aber zurückwies. Spanien. — Madrid, un Januar. Durch die bereits gemeldete Ernennung des Dr. Nah uda zum Professor der rabbinischen Literatur und Wissenschaft an der Universität Madrid ist dos Edikt des Jahres 1492 aufgehoben lvorden, das unter anderen harten gegen die Juden ge> richteten Bestinnnuugen auch ihren ewigen Ausschluß vorr ollen Aemternin Spanien verfügte. Diese Ernennung, die von Körrig Alfons XIII. persönlich vollzogen.wurde, gelvinut noch eine besondere Bedeutung dadurch das; zu ihren wärmsten BefüNvvrteru der Jesuit Didal Fita, der Vorsitzende der Königlichen Akademie der Geschichtswisfenschost ui Madrid, gehörte, der Pahuda seit 'vielen Jahren ans loissenschostlichen Arbeiten kannte imd bou seiner Berufung an diese hervorragende Stelle große Vorteile für die Geschichte der "spanischen Fudeu im Mittelalter und eine wirksame Förderung der altspanischeu Literatur und Philosophie erwartet. In Uebereinstimmung mit Fita betonte der Dekan der philosophischen Fakultät in der Rede, die er bei der Aufnahme des ersten Inden in den Lehrkörper der in ihrem Mutigen Zustande 150s gegründeten und 1886 erneuerten Universität Madrid hielt, daß er selbst ein überzeuaungstreuer und glaubenseisriger Katholik sei, daß er aber trotzdem der Freude Ausdruck gebe, daß nunmehr die seit mehr als vierhundert Jahren unterbrochenen Beziehungen zlvischen Spanien und dem Judentum wieder angeknüpft ieieir. Der letzte Jude an einer spanischen Hochschule war der berühmte Astrouom Abraham Lacuto, ein Freund und Gefährte des Kolumbus, der zu den bedeutendsten Gelehrten seiner Zeit gehörte. Von Mh und ssern. Der Jüdisch-liberale Jugendvereiu hält am Montag, dem 14. d. Nt., abends 8X> Uhr, im Lokal „Zmu Heidelberger" am Bahnhof Friedrichstraße einen Vortragsabend ab. Herr Dr. B. K a h n, Syndikus des „Hilssvereins der deutschen Juden", wird nach eigenen Ermittlungen über das Thema sprechen: „Der K r i e g u n d die £ sk j it d e n ". Bei Paul E a s s i r e r rvurde vorigen Donnerstag eine neue Ausstellung „Map Lieber mann als Zeichner" eröffnet. Sie zeigt das zeichnerische Gesamtwert Mar Liebermanns voll feinen frühen Studien ans dem Anfang der siebziger Jahre bis zu den großen landwirtschaftlichen Zeichnungen der letzten Jahre. Stadtverordneter Bildhauer Adolf Gottheim er, ein Veteran von 1866 und 1870/71, beging seinen 70. Ge-, bnrtstag. -- Kommerzienrat Julius E a s s i r e r , Mitglied der Handelskammer und Senivrchef der Berliner Firma Dr. Eassirer u. Eo., feierte am 2. Februar seinen 75. Geburtstag. -?lus K önigsberg i. P r. wird lins geschrieben: Ein j ü d i s ch e s K r i e g s k i n d e r h e i m zur Versorgung armer jüdischer Kinder aus Ostpreußen während der Kriegszeit ist hier eingerichtet worden. Die Synagogengemeinde hat dazu Räume im Gemeindehause kostenlos zur Verfügung gestellt. Das Institut ist eine Gründung des Herrn Waisenhansdirettors Peritz und lvird von ihm und seiner Gattin geleitet. Deu 60. Geburtstag beging am 4. d. M. Rabbiner Dr. Wilhelm Münz in G lei nutz. 1856 zu Darnow als Sohn eines österreichischen Rabbiners (des späteren Rabbiners in Kempen) geboren, studierte er am Jüdisch-theologischen Seminar und an den Universitäten Breslau und Berlin Philosophie und Theologie. Seit Beendigung seiner Studien amtiert er über 80 Jahre in Gleiwitz als Rabbiner, als Kanzelredner wie als Schriftsteller geschätzt weit über den Kreis seiner Gemeinde. Ans seine Anregung wurde 1890 die israelitische Kinderheilstätte im Solbade Königsdorf-Jastrzemb begründet. - Geheimer Justizrat, Stadtverordlleteuvorsteher Friedma n n in Glogau beging seinen 75. Geburtstag. - - In K it st r i u verschied nach kurzem schoerem Leiden Herr Rentner Gustav Schlvarz im 75. Lebensjahre. Wie ihm Borstand und Repräsentanten Nachrufen, hat er stets reges Interesse für die Gemeinde bewiesen, der er in langjähriger Mitarbeit in den verschiedenen Körperschaften seine bewährte Kraft zur Verfügung gestellt hat. — Ans Leipzig wird uns geschrieben: Zum Nachfolger des vor kurzem verstorbenen ersten Vorsitzenden der hiesigen- Jsraelitischen'Neligionsgemeinde wurde in der letzten Gemeindevertretersitzung der Studiendirektor der hiesigen Handelshochschlle Herr Professor Dr. Abrah a m A d l e r geloählt. Ter Neuge-loählte gehört dem Borstande seit Jahren an und hat sich bereits um die Gemeinde sehr verdient gemacht. — Nach der amtlichen Statistik von Bayern gibt es dort 55 065 jüdische Seelen (0,8 Prozent der Gesamtbevölternng). Die meisten jüdischen Personen wohnen in Unter- und Mittelfranteu, in der Pfalz und Oberbayern. — Professor Tr. Robert Davidsohn, der berühmte Erforscher der Florentiner Geschichte, ist zum ordentlichen AUtgliede der Münchener Akademie der Wissenschaften geloählt worden, nachdein er ihr als korrespondierendes Mitglied angehört hat. Ans Frankfurt a. M. wird uns geschrieben: Wie bereits mitaeteilt, hat die A g u d a s - I i s r o e l - Jngendorganisation, Frankfurt a. M., Am Tiergarten 8, in einer Reihe von Gruppen Lehrstellenvermittluuaen eingerichtet. Bon dieser Woche ab gibt die Lehr stelle u- Vermittlung der A. I. I. O. eine Bakanzenliste der bei ihr -gemeldeten offenen Stellen heraus. Jeder Stellensuchende kann dieselbe kostenlos durch das Frankfurter Bureau beziehen. -- Denn außerordentlichen Professor für Mathematik Dr. Phil. Alfred Löwy an der Universität Freiburg i. B. ist der Titel ordentlicher Honorarprofessor verliehen worden. Dr. Löwy, geboren im Jahre 1878 in Rawitsch, erwarb l894 . in München den Doktorgrad und habilitierte sich drei Jahre später in Freiburg für das Fach der Atathematik. Im Jahre 1902 erhielt Löwy den Charakter als außerordentlicher Professor und 1907 einen Lehrauftrag für Versicherungswesen. - Dr. I o Hannes H o r o w i tz, der langjährige Präsident des Wiener Verbandes der auswärtigen Presse, ist, loie gemeldet wird, vor kurzem gestorben. Er vertrat lange einige große englische Tageszeitungen. Der Krieg hatte den ehedem engtaildgläubigen Mann schwermütig gemacht. --- Dem vor dem Feinde ge falle neu Fähnrich des . . . Tragonerregiments Rafael Kuranda, Sohn des Reichsralsabgeordneten Camill Kuranda, der bereits mit der kleinen silbernen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet war, ist nach dem jüngst erschienenen Militärverordnungsblatte auch die große silberne Tapserkeltslnedaille verliehen lvorden. -- Ans Blldapest lvird gemeldet: Der König hat den 'Staatssekretär im Justizministerium, Leopold B a d a {3 , mit dem Komturkreuz des Leopoldordens ausgezeichnet. Es ist dies der höchste Orden, der einem ungarischen Inden verliehen ist. -- Tie jüdische Bevölkerung Rumäniens betrug Ende 1912 im ganzen 239 967 Seelen, davon 115 308 Männer und 124 659 Fraueu. Darunter sind 30 000 bis 40 000 Juden fremder Staatsangehörigkeit. — Die neue griechische Kammer hat fünf jüdische Abgeordnete: Dr. und. Coffinas ans Volo, Haimaki Cohen ans Trikola, Leo Gotte g n 0 ans Saloniki, Peppo Mall a h ans Saloniki, Salomon Meir, Bankdirektor aus Trikola; alle Deputierten gehören der Gunaris - Partei an. — Als zweiter englischer Minister ist ernannt worden Sir Edwin M 0 n t a g u. Dieser ist ein Sohn von Lord Swaithling und zugleich ein naher Verwandter des Ministers Herbert Samuel. - - Die Vorsteher der jüdischen Gemein de in Petersburg wandten sich an die Negierung mit der Bitte, die jüdischen Rabbiner vom Militärdienst an der Front zu befreien. Bekanntlich wurden in Rußland die christlichen Geistlichen nur als Feldprediger eingezogen. Ein jüdisches Feldrabbineraint gibt es aber vorläufig in Rußland nicht, und die jüdischen Rabbiner wurden als gemeine Soldaten verwendet. Die Gesnchunkerbreiter erblicken darin einen Verstoß gegen die Ehre der jhdischen Religion. —- Zahlreiche jüdische Flüchtlinge aus der russischen Kriegszone sind in Seattle, an der Westküste der Bereinigten Staaten, eingetroffen. Wie die „New Yorker Staatszeitung" mitteilt, ist die Zahl der Heimatlosen, die in Amerika Zuflucht suchen, ständig im Wachsen begriffen; jeder aus Japan eintressende Dampfer bringt neue Wus-- wanderer. Die Auswandererkonmnssion ist bestrebt, die Flüchtlinge an der Pazifikküste anzusiedeln, um ihre Weiterreise nach den Oststaaten zu verhindern. Verantwortlicher Redakteur: Albert K a tz in Berlin-Pankow, Florastratze 58. Verantwortlich Kr den Anzeigenteil: Max Junge. Berlin-Friedenan. Druck und Verlag von Rudolf- Mosse.