Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 80 (1916)
- Issue
- Heft 6 (11.2.1916)
- Date
- 1916-02-11
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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80. Jahrgang Nr. 6 Berlin, II. Februar 1916 Der Gemelndeüote. Beilage zur „Allgemeinen Leitung des 'Judentums". korrelponVrnHM und Mchrichtm. Lmtschland. E. R. Berlin, 6. Februar. Tie heutig Sitzung der Dl e p r ä s c u - taut e n v c r s a m m I u n 1*5 mlief oi)nc erhebliche Erörterungen. Ver Eintritt in die Tagesordnung teilte der Vorsitzende, Herr Direktor Tr. Minden, mit, daß die Gattin des der. stvrbenen Herrn Louis Sachs, Frau Rosa Sachs, der Gemeinde MO Mark zur Verfügung gestellt und ihm die Disposition darüber überlassen habe. Jetzt, wo so viel Leid und Elend vorhanden-, bestimme er das Geld für die Kriegsfnrsorgekvuunission. Die von Frau Rosa Sachs gestifteten königlichen Büsten seien modelliert fertig geworden, die Ausführung muffe bis zum Friedensschluß bleiben. Zur Beratung des Etats find der Kommission die Herren Dr. Minden und Benas Levy zuerteilt worden. Der Beginn der Repräseutautensitzungeu wird in ^ittarnt um 10 Uhr stattfinden. Bon Herrn N. Landsberger ist die Errichtung einer Hans-Landsberger-iStiftung für das II. Waisenhaus in Summa von 1000 Mark zur Verteilung an ei uzusegnende Zöglinge gemacht worden. - - Hierauf berichtet Herr Siegfried S a ch s über den Rechnungsabschluß des Krankenhauses. Das Resultat ist im ganzen durch verbesserte Einnahmen und verminderte Ausgaben ein erfreuliches. Er monierte die Ausgaben für den H-eizungs- und Ataschineubetrieb. Von seiten des Vorstandes erklärte Herr Sanitätsrat Tr. Fe i l che n f e l d, daß sehr bald Abhilfe geschaffen werden wird. Für folgende Verwaltungskommissionen finden NeuNmhlen statt. In die Festgottesdienstkommission vom Vorstand der Synagoge Pestalozzistraße abgeordnet, wird Herr Hermann A r 0 n gelvählt, als Mitglied der Versammlung in die Kommission zur Durchsicht des Gebetbuches der Synagoge Kaiserstraße Herr Aron H i r s ch. Au die Wahl des letzteren knüpft sich eine Debatte über eventuelle Stellvertreter in Kommissionen, deren Resultat aber einer anderweitigen Beratung Vorbehalten wird. In die Armenkommission werden gewählt die Herren Dr. Ernst Gebe r t, Adolf Böhme, Siegfried Sachs, Georg Katz, in die Friedhofskommission Herr Konsul John M. Wiener, in den Vorstand des Krankenhauses Herr Verlngsb 1rchhändler S. Karger. - Die Versammlung bewilligt folgende Ausgaben: Für Veranstaltung einer Feier ans Anlaß der 500jährigen Herrschertätigkeit des Hohenzotlernhauses 1366 Mark, für rituelle Verpflegung der jüdischen Al an lisch asten der Marine in Kiel znm Pesachfeste 150 Mark. Hieraus referierte Herr Benas Levy über die Schützlingsgemeinden Neidenburg und Soldan. Die Zerstörungen ----- führte er ans - die mit dem zweimaligen Einfall der Russen in Ostpreußen verbunden geivesen sind, haben in den vernichteten Ortschaften auch arge Schädigungen der dortigen jüdischen Gemeinden herbeigeführt. Der Verband der Synagogengemeindeu Ostpreußens hat sich an die jüdischen Gemeinden Deutschlands gewandt und gebeten, daß in ähnlicher Weise, wie dies seitens der Stadtgemeinden für zerstörte ostpreußische Ortschaften geschieht, von den unversehrt gebliebenen jüdischen Gemeinden des Deutschen Reiches die Patenschaft über zerstörte jüdische Gemeinden Ostpreußens übernommen wird und ihnen die Mittel zur Wiederherstellung gewährt werden. Es ist dabei ein Mindestbeitrag von 1000 Mark seitens der Patengemeinden in Aussicht genommen, deren Ramen ans einer Tafel als Kriegshilfsgemeiuden vereinigt 10erden sollen. Gemeinden, die unter 300 Maxi zahlen, sollen als Hilfs-- gemeinden bezeichnet werden. Unser Vorstand hat sich mit obigem Verband verständigt, der ihm vorschlägt, die Gemeinden Reidenburg -und Soldan als Schützlingsgemeinden zu übernehmen-. In Soldan ist die Synagoge erheblich beschädigt worden, ebenso der Friedhof und das Gemeindegebände. Thorarollen sind verschwunden, zwei geraubt, mehrere zerschnittenworden. Der Kriegsschaden beträgt etlva <>000 Mark. Infolge der Vermögens- und Erlverbsschädignng der Gelueiudemitglieder ist ein größerer Ausfall zu befürchten. Die Soldauer jüdische Gemeinde zählte vor Kriegsbeginn zirka 164 Seelen, hakte einen Rabbiner und Lehrer, der Etat betrug 6578 Mark. Es bestand dort auch ein Greuzbnrean für jüdische Wanderarlnenfürforge. Reidenburg hat gleichfalls schwere Zerstörungen anfznweisen. Die Synagoge ist verunreinigt, der Friedhofszaun und die Gröber sind zerstört. Vorhänge, Gebetmäntel und Gebetbücher sind verschwunden. Der Kriegsschaden beträgt zirka 4000 Mark. Es ist Einbuße durch Vermögensverlnsk der Mitglieder und Skenerrückgang zu befürchten. Auch steht der Wegzug einiger Mitglieder in Aussicht. In Noidenburg gab -es 09 Inden. Die Gemeinde unterhielt einen Knlknsbeamteu, der Etat betrug 2567 Mark. Der Syuagvgenverband glaubt, daß für die nächsten vier bis fünf Jahre in Soldan und Reidenburg außer allen Entschädigungen, die für abgebrannte Gebäude, Synagogen nstv. gezahlt werden sollen, noch für Zwecke des Religionsunterrichts, für Aufrechterhalknng des ganzen Kultus ungefähr 1500 Mark jährlich nötig sein werden. Die Synagogengemeinde Breslau hat die Gewährung von 3000 Mark jährlich ans fünf Jahre für eine ostprenßijche Schützlingsgemeinde beschlossen. Die Gemeinde Frankfurt a. M. hat den Schatz über die Gemeinden Lötzen und Johannisburg übernommen und fii-v sie je 1000 Mark für die' nächsten drei Jahre bewilligt. Herr Benas Levy bittet, für Soldan und Reidenburg einen Beitrag von jährlich 3000 Mark für die Dauer der kommenden Etatsperiode unter der Bedingung 31t bewilligen, daß dem Vorstand eine Kontrolle für die richtige Ausführung der Aiuplegeuheit eingeränmk wird. Nachdem Herr Kommerzienrat N e 11 e r erklärt hatte, daß die Kontrolle gesichert sei, beschließt die Versammlung die Bewilligung. Für die Synagoge Kottbuser User, welche spätestens zum Wochenfeste eröffnet werden soll, liegt ein abgeänderter Plätzetarif vor. Herr Gewerberak P l 0 t k e warnt dringend vor zu hohen Preisen. Das tonnte zur Folge haben, daß viele Plätze unvermietet bleiben und dann zu den hohen Feiertagen umsonst abgegeben lverden müßten. In der Synagoge befinden sich 938 Herrenplätze im Werte von 6150 Mark, 885 Damenplätze im Werte von 5751 Mark, im ganzen 1823 Plätze im Werte von 11901 Mark. — Alles andere wurde der geheimen Sitzung überwiesen. &&& Berlin, 8. Januar. Tie diesjährige Generalversammlung des Vereins für jüdische Geschichte und Literatur fand am 30. v. M. im Franziskaner-Leistbrän, Kurfürstendamm 31, statt. Der Vorsitzende, Professor Dr. Martin Philippson, stellte nach Eröffnung der Versammlung deren Beschlußfähigkeit fest und berichtete über die Tätigkeit des Vereins im abgelaufenen Geschäftsjahre. Er konstatierte mit Befriedigung, .daß der Verein auch im zweiten Kriegsjahre sich auf der Höhe feiner Ausgabe gezeigt, rühmte das rege Interesse der Mitglieder für die bisher getroffenen Veranstaltungen und schloß mit der Versicherung, daß der Vorstand auch ferner bestrebt sein werde, durch gediegene belehrende Vorträge, den Zielen des Vereins entsprechend, für die Verbreitung der Kenntnisse des Judentums zu wirken. Sodann berichtete Herr Be n a § L e v y als Schatzmeister über die Kassenverhältnisse des Vereins, teilte unter anderem mit, daß die Mitgliederzahl trotz der schweren Zeit, in der wir leben, um zirka 100 zugenommen habe, und sprach den Wunsch ans, daß die auswärtigen Literaturvereine, die nach Ausbruch des Krieges ihre Tätigkeit eingestellt, sie recht bald wieder anfnehmeu mögen. Hierauf verlas Herr Gustav Spiewkowski den Kassenbericht: die Einnahmen betrugen 14 348 Mark, die Ausgaben 10 998,88, der Kassenbestand 3342,12 Mark. Er beantragte namens der Revisionskommission die Entlastung, die auch einstimmig erfolgte, wobei dem Schatzmeister für seine Mühewaltung der Dank des Vereins ausgesprochen wurde. Bei den sodann vollzogenen Wahlen wurden durch Zuruf in besonderen Wahlgängen Professor Dr. Ph i lipp son znm ersten, Dozent Tr. I. Ellbogen znm zweiten sowie der Gesamtvorstand und die Revisionskonmüssion wiedergewählt. Znm Schluß erfolgte die Festsetzung des Haushalts für das Jahr 1910 mit 14 500 Mark und die Bewilligung verschiedener Subventionen. M. Memel, 4. Februar. Am 30. v. M. fand hier die ordentliche Hauptversammlung des Hilfsvereins für jüdische Arme Zedokoh Gedauloh e. V., Memel, statt. Der stellvertretende Vorsitzende Herr S. Eh. Bernstein widmete vor Eintritt in die Tagesordnung einen eindrucksvollen Nachruf dein verstorbenen Vorsitzenden Rabbiner Tr. Isaak Stein, dessen Ableben in der Blüte der Jahre eine unersetzliche Lücke tu die Entwicklung des Vereins gerissen hat. Auf Antrag des ersten Schriftführers Herrn Scheint) ans beschloß die Versammlung, zn Ehren des verstorbenen Rabbiners, als größten Förderers des Vereins, seinen frei gewordenen Sitz im Vorstände unbesetzt zn lassen, bis nach dem Kriege ein würdiger Nachfolger zum Rabbiner