Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 80 (1916)
- Issue
- Heft 6 (11.2.1916)
- Date
- 1916-02-11
- Page
- Seite 68 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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68 Armseliger, dummbiblischer Fluch das! Viel schwerer lastet ein späterer Fluch: „Im Schweiße deiner Seele sollst du" usw- — Ich grüße Sie herzlichst, Ihnen mit wahrer Höchlich tu np ergeben L. A. Frankl." Ein anderer Brief vom 12. April 1884 lautet: „Geehrter Freund! Meinem Versprechen gemäß habe ich Sie dem Regierungsrat v. Weilen als geeignetsten Schriftsteller genannt, der über die Juden in Galizien für das bezeichnete kronprinzliche Werk zu schreiben verstünde. Er ersucht mich demzufolge. Ihnen mitzuteilen. Sie möchten an ihn ein Schreiben richten, in welchem Sie sich erbieten, die genannte Arbeit, falls sie Ihnen zugeteilt würde, zu übernehmen. Dieses Schreiben soll nur kurz gehalten sein, jedoch Ihre bisherigen Publikationen anführen. Ich freue mich. Ihnen diesen ganz kleinen Dienst, der hoffentlich die erwünschte Folge haben wird, erwiesen zu haben und Sie freundlichst grüßend zeichne mit vorzüglicher Hochachtung und langher teilnahmsvoller Gesinnung Ihnen ergeben L. A. Frankl." Der berühmte Politiker Dr. Adolf F i s ch h o f schreibt aus Emmersdorf die folgenden drei Briese vom 25. Dezember 1876, 27. April 1888 und 28. November 1891: „Hochgeehrter Herr! Daß Sie, früherer Tage eingedenk, mir aus dem Osten des Reiches ein freundliches Wort zuriefen, hat mich wahrhaft gefreut. Sie üben zweifelsohne mit gewohntem Fleiße die Pflichten Ihres Amtes und finden dabei noch Muße zu literarischer Tätigkeit. Auch zu Hymens Fahne haben Sie geschworen und wohl auch schon dafür gesorgt, daß Ihr Name nicht ohne Zukunftsträger sei. — Empfangen Sie für die Teilnahme, welche Sie mir bekundeten, meinen wärmsten Dank und mit diesem den Ausdruck der vorzüglichen Hochachtung, mit der ich bin Ihr altergebener Dr. Fischhof." „Hochgeehrter Herr! Längst schon hätte ich Ihnen für den Besuch gedankt, mit dem Sie mich so angenehm überraschten, und für die freundlichst gespendete Schrift, in der Sie sich als scharfer Beobachter und geistvoller Erzähler präsentieren; aber ich wollte Ihnen zugleich mit meinem Dankbriefe meine in den Händen des Verlegers befindliche Schrift zusenden. Leider verzögert sich der Druck in ganz unerwarteter Weise, so daß ich mit meinem Dank nicht länger im Rückstände bleiben will. Hoffentlich hat Ihnen der Ausflug nach dem Süden wohlgetan und sind Sie wieder in voller Tätigkeit. Vielleicht erfreuen Sie mich im Laufe dieses Sommers, von Ihrer Frau Gemahlin begleitet, mit Ihrem Besuch. Auch Ihre leiblichen und geistigen Kinder werden mir stets willkommen sein. In hochachtungsvollcr Ergebenheit Ihr Dr. Fischhos." „Hochverehrter Herr und Freund! Entschuldigen Sie die verspätete Antlvort. Ich war einige Tage unwohl und konnte nicht schreiben. Sie finden beiliegend einen Empfehlungsbrief an Ziemialkowski. Ich wünsche sehr, daß er Ihrem Herrn Sohn nütze. Große Hoffnung hege ich nicht, denn Gautsch') ist, wie sein Vorgehen gegenüber den Professoren Jellinek und Mayer bewies, ein in der Wolle gefärbter Antisemit. Auch von Ziemialkowski weiß ich nicht mit Bestimmtheit, ob er vorurteilsfrei genug ist, um einen Juden und") zu empfehlen. Doch tentare iieet, der Einsatz ist ein geringer, der inögliche Gewinn ein großer. Wie geht es Ihnen? Mir geht es so so. Man wird nicht ungestraft 75 Jahre alt. Günstigen Erfolg unserer Bestrebungen herzlich wünschend, bin ich in freundschaftlicher Ergebenheit Ihr Dr. Fischhof." Ter Dichter Sigmund Herzl, der unter dem Namen „Alfred Teniers" schrieb, wandte sich aus Roznau in Mähren am 18. Juli 1888 mit folgenden Zeilen an Leo Herzberg- Fraenkel: ') Zu jener Zeit österreichischer Kultus- und llnterrichtsminister. -) Tns fehlende Wort ist unleserlich. „Hochverehrter Herr! Ich sandte gestern ein Heft der „Gesellschaft" an Sie, welches meine A. T. gezeichnete Besprechung Ihrer trefflichen Skizzen „Polnische Juden" enthält. Gestatten Sie mir. Ihnen meinen Dank für den hohen geistigen Genuß abzustatten, den Ihr inniges großes Talent mir verschaffte. Gleich Ihnen bin ich auch Jude mit allen Fasern meiner Seele. Sie sind ein berühmter, ich ein literarisch verschollener Mann, aber Gutes und Menschliches findet Widerhall in meiner Brust, so auch Ihr Wort. Ich verweile zur Kur bis September hier, drücke Ihnen im Geiste verehrungsvoll die Hand und bin Ihr ergebenster Sigmund Herzl (Alfred Teniers)." Lin interessantes Uktenttück aus dem vorigen Jahrhundert. Non S. R othschild, Worms a. Rh. in Blick in die Vergangenheit fördert manches Interessante zutage, das, mit dem Maßstabe der Gegenwart gemessen, diese in einer eigentümlichen Beleuchtung erscheinen Läßt. Vergleichen wir nun den Antisemitismus der letzten Jahre mit dem Inhalt des Schriftstücks G r o ß h. K r eis - a m t s Wor m s vom I a h r e 1 8 4 0. Betr. die Förderung des Vereins zur Verbesserung des Zustandes der Israeliten. An die Großh. Bürgermeister des Kreises. Nach höchstem Ministerial-Evlasse vom 22. September d. I. hat der geringe Fortgang, welchen in neuester Zeit der obige im Jahre 1833 gegründete Verein genommen und insbesondere die immer größere Abnahme von Sllbskriptionsbeiträgen es dem Provinzialvorstande des Vereins unmöglich gemacht, dessen Zweck gehörig zu erfüllen, was höchste Stelle veranlaßt hat, den Verwaltungsbehörden die möglichste Beförderung und Um terstützung der Vereinszwecke mit dem Anfügen anzuempfehlen, daß Höchstdieselbe selbst nichts dabei zu erinnern finde, wenn die Vorstände der israelitischen Religionsgemeinde, sowie die politischen Gemeinden mit den Kräften der reg. Gemeindekassen im Verhältniß stehende Beiträge zu dem fraglichen Verein alljährlich bewilligen wollen. Indem ich mich dieses höchsten Auftrages entledige, lade ich Sie ein, den Gemeinderat, wo israel. Vorstände bestehen, auch diesen zu vernehmen, welchen Beitrag derselbe aus seiner Gemeindekasse zu dem obigen Verein leisten wolle und das Protokoll anher zu senden. Auch wollen Sie die bemittelteren israel. Bürger Ihrer Gemeinden zur Subskription aufmuntern und die Namen der Subskribenten ilnd subskribirten Beiträge anher vorlegen. gez. Städel. Natürlich haben fast alle Israeliten von Worms ihrem Vermögen entsprechend Beiträge gezeichnet. Was aber für jene Zeit am wohltuendsten berührt, das sind die manchmal recht ansehnlichen Zeichnungen der ch r i st l i ch e n Mitbürger. Nicht nur Private und Kaufleute haben gezeichnet, sondern auch der Kreisrat, der Bürgermeister mit seinen Adjunkten, der Ghmnasialdirektor, Schulinspektor, hier in Garnison liegende Offiziere, sämtliche evangelische und katholische Geistliche. Man vergleiche hierzu die Gegenwart! Werden die gegenwärtigen politischen Umwälzungen auch hier Wandel schassen? Wir hoffen es!