Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 80 (1916)
- Issue
- Heft 6 (11.2.1916)
- Date
- 1916-02-11
- Page
- Seite 67 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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67 Schriften historischen Inhaltes sind zu nennen: „Moderne Geschichtsauffassung", „Rudolf von Habsburg", „Bestechung und Pfründenjagd am deutschen Königshofe im 13. und 14. Jahrhundert", „Johannis Wyclif" (englisch), „Kaiserurkunden 1246 bis 1313" und eine große Zahl vielfach anerkannter Arbeiten in den „Monumenta Germaniae" sowie in der „Wiener Zeitung" und in der „Augsburger Allgemeinen Zeitung"." Von den mir von Leo Herzberg-Fraenkel dedizierten Briefen seien nur die nachstehenden in chronologischer Folge wiedergegeben: Albert Cohn, der große Philantrop, schreibt unter dein 8. November 1860 aus Paris: „Hochgeehrter Herr! Ihre geehrten Zeilen sowie der Band „Polnische Juden", den Sie so freundlich waren, mir zu übersenden, kamen mir erst gegen die Mitte Oktober zu, wo ich eben mit der Verheiratung meiner lieben Tochter beschäftigt war. Sie werden also die Verspätung meiner Antwort, die den . Ausdruck meiner aufrichtigsten Erkenntlichkeit enthält, entschuldigen wollen. Land und Art der Erzählung sind bei Ihnen, hochgeehrter Herr, wesentlich von dem äußerst geistreichen Kompert verschieden; um mich eines in Frankreich gang und gäben Ausdrucks zu bedienen, ist Kompert romantisch, Sie sind Realist. Sie sehen Land und Leute, Menschen und Sitten, wie sie sind, halten den Spiegel vor und hoffen, daß dadurch gar manches anders und besser werde. „Jentele" hat besonders gut gefallen; daraus gab ich's meiner Frau zu lesen. Darf ich Sie bitten, hochgeehrter Herr, für den kleinen beifolgenden Betrag von 40 Fransen eine kleine Anzahl Exemplare dort zu verbreiten, wo eine ähnliche Lektüre nützlich werden könnte, wodurch ich Ihrem edlen Streben wenigstens ein schwaches Zeichen meiner wahren Teilnahme geben möchte. Mit allen Zeichen wahrer Hochachtung und Erkenntlichkeit ergebenst Albert Cohn." S. S z ä n t 6, der einst berühmte und scharfsinnige Redakteur der „Neuzeit" in Wien, richtete am 22. Juni 1866 aus Wien folgende Zeilen an Leo Herzberg-Fraenkel: „Sie kennen gewiß die Art, wie einst Marquis dÄrgens für Mendelssohn bei Friedrich II. supplizierte. Er schrieb: Ich, der katholische Philosoph, bitte für den jüdischen Weisen bei dem protestantischen Weisen. Ich befinde mich Ihnen gegenüber in der gleichen Lage. Ich, der theoIogisch-pubIizistische Federführer, suppliziere bei Ihnen, dem poetischen Wortbewältiger, für eine pädagogische Kapazität. Ich halte Sie aber für größer als Friedrich II. und hoffe daher Erhörung und Gewährung. Der sogenannte Kasus ist folgender: Die Gemeinde Brodh hat in meiner „Neuzeit" einen Ende Dezember fällig werdenden Konkurs zur Besetzung einer Direktorstelle, verbunden mit der Funktion deS Religionsunterrichtes am dortigen Realgymnasium, ausgeschrieben. Nun ist mir eine sehr achtbare Akquisition bekannt, die für Brodh gewonnen werden sollte. Die Partie wäre für beide Teile eine sehr günstige, doch sind mir die Normen und Formen, namentlich was die offiziellen Belege des Werblustigen anbelangt, unbekannte Mein Kandidat ist in der Lage, sich behufs des Kompetierens in den Besitz der Urkunden im Wege des Examens zu setzen, die ihm etwa fehlen sollten. Ich bitte Sie daher im Interesse eines fähigen Menschen wie im Interesse der Jugendbildung, mir über diese Stelle an dortiger Mädchenschule Belehrung zukommen zu lassen, und zwar: 1. Wer besetzt die Stelle definitiv? Gemeindevorstand oder Regierung? 2. Welches sind die unerläßlichen Dokumente und welches die bloß wünschenswerten, die der Kandidat beizubringen hätte? 3. Wie lange hat mein Empfohlener noch Zeit, um seinen in der Welt nicht unbekannten Namen ganz offen an die Bewerbung zu wagen? Ich halte mich gern versichert, daß Sie mir so viel Gewogenheit bewahrt haben, mich nicht länger als nötig ist, auf Ihre schätzbare Belehrung warten zu lassen, und brauche nicht hinzuzufügen, daß ich auch Ihnen 31t allen Gegendiensten stets erbötig bin. Ebenso halte ich es für selbstverständlich, daß ich Ihnen die schönsten Erinnerungen an Ihre literarischen Leistungen bewahre und mit aller vorzüglichen Hochachtung verharre Ihr ergebener S. Szäntö." Ludwig August Frankl, der spätere Ritter von Hochwart und bekannte Dichter und langjährige Sekretär der Wiener israelitischen Kultusgemeinde, schrieb am 15. März 1872: „Geehrter Herr und Freund! So mußte denn ein grammatikalischer Streit entstehen, um wieder einmal ein Lebenszeichen von Ihnen zu erhalten. Sie fragen, der deutsche Schriftsteller, ob es richtiger sei zu sagen: „Seit Sie in den Dienst der Humanität getreten sind? oder h a den?" Natürlich sind! Man kann richtig sagen: „I ch habe z. B. das Recht oder die Grammatik mit Füßen getreten" oder ich „habe die Bühne betreten". Als vorbnm neutrur» wird treten mit sein unabänderlich konstruiert. — Nun diese philologisch merkwürdige Abhandlung vollendet ist, gelange ich dazu, Sie zu fragen, wie es Ihnen geht? Schreiben oder sammeln Sie ein neues Buch? Sie schweigen lange. Sind Sie von materiellen Arbeiten überhäuft? Dann geht es Ihnen wie mir selbst. Waren Sie schon zur See? Man hat die Seekrankheit, man wünscht zu sterben, aber auf hoher See! Man kann nicht aussteigen. Das ist meine Situation; es ist mir moralisch übel, aber ich kann das Begonnene nicht liegenlassen, an sich nicht, weil es kein anderer, wenigstens so gut nicht, zu Ende führen könnte, und dann, weil die persönliche Ehre daran geknüpft ist. Das wird, wenn ich leben bleibe, noch drei bis vier Jahre so fortgehen, dann hoffe ich ein User zu erreichen;! ich steige aus, um dann für immer hinabzusteigen. Ich b i n | vom Leben getreten worden und habe sein Mühlrad getreten, 1 redlich zwar, aber mit Unlust, wohl auch knirschend. „Im! Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot erwerben!" Leo Herzberg-Lraenkel gestorben am Juni ^5.