Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 80 (1916)
- Issue
- Heft 6 (11.2.1916)
- Date
- 1916-02-11
- Page
- Seite 65 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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wn denen, die sich als Kulturträger rühmen, als Bundes- , genösse betrachtet und verehrt und in seinem Treiben in einer Weise gehindert. * Endlich wiederholen wir hier aus dem „Berliner Lokalmzeiger" folgenden Artikel: „Du s v l l st nicht e i n h e r g e h e n als Verl e u m d e r." Unter dieser Ueberschrist hat die „New Jorker StantsZeitnug" inen schlichten Appell aus der Feder des Geheimen Negierungsrats Professor Dr. Hermann Cohen veröffentlicht, ans dem hier einige; n d i e Juden Amerikas gerichtete Stellen hervorgehoben sein aögen: „Wer in Belgien Greuel verübt hat, ob die Bevölkerung, die nrch ihre Regierung von der allgemeinen Schulpflicht abgehalten wrde und daher Zu einem großen Teil nicht lesen und nicht schreiben -um, oder die deutschen Truppen mit ihrer normalen Volksbildung, i as werden später die Gerichte Zu Prüfen haben." „Alan nennt drüben : nsere „Gemütsverfassung" überhaupt „barbarisch". Kein europäischer chriftsteller kann diesen Satz mit gutem Gewissen aussprecheu. Es t bekannt, daß keine andere Sprache ein Wort hat, welches sich mit i cm deutschen Worte Gemüt vollständig deckt. Tie Sprache hätte ns das Wort geschenkt, und in unserer Seele wäre kein Echo für das bsonderliche Wort?" Das deutsche Gemüt hat die deutsche Lyrik . elchaffen. Das deutsche Gemüt hat iu seiner Dichterseele den Zauber cs deutschen Liedes, der deutschen Liebe und der deutschen Landschaft erweckt ... Wenn anders die deutsche Dichtung in Verbindung mit Philosophie Zu den allerintimsten Kennzeichen des deutschen Geistes ehört, so erklärt sich hieraus vielleicht das Rätsel, mit dem der Plötzche Völkerhaß gegen Deutschland uns überrascht und erschüttert hat. solange das deutsche Gemüt ein Geheimnis bleibt, so lange kennt man ns nicht. Wem aber das deutsche Wesen in den Mysterien seiner wesie und in den Tiefen seiner Philosophie aufgeht, der wird uns «eben, tute nur selbst seit Herder die Liebe Zu allen Völkern als die eutsche Humanität gepflegt haben ... Wir haben mit dieser Parole icht Kriege und Eroberungen gemacht, sondern unsere eigene Lrteatur mit diesen Blättern ans der Fremde, die wir sorgsam als ckimmen der Völker zusammentrugen, als ihrem höchsten Ruhm, eschmückt. Das war das klassische Zeitalter unserer Literatur. In ieser friedlichen Arbeit wurden Nur durch die Veränderung unterbrochen, die das Genie Napoleons herbeiführte. An das Humauitätseitalter unseres klassischen Weltbürgertums schloß sich das Zeitalter er Befreiungskriege an... Und während Denker und Dichter die Begeisterung für Deutschlaitd wachrtefen, standen im Zusammenhang nt ihnen Denker der Schlachten auf, Männer, die in ihrem ganzen lenschlichen Wesen, in ihrem wissenschaftlichen und ihrem sittlichen -»eiste echte, große Deuker waren, teils unmittelbare, teils mittelbare rchüler und Freunde des großen Weisen von Königsberg. Diese »lärmet sind die Urheber der Heeresverfassung, welche Preußen wehrähig gemacht hat und die durch Männer gleicher Geistesart, wie tellmut v. Moltke, in das deutsche Reich eingesührt worden ist...?-ir Liberale und Demokraten haben allezeit die Ausschreitungen des Rilitärgeistes bekämpft und wir werden uns auch künftighin die Pflicht der Kritik nicht beschränken lassen. Aber das Feldgeschrei gegen en deutschen „Militarismus" gehört in das Kapitel der Hinterlist md der Schamlosigkeit, mit dem von Anfang an journalistisch dieser wieg gegen uns geführt worden ist. Welches Volk befleißigt sich icht guter Rüstung und guter Züchte Solange man nicht beweisen .um, daß es nicht als die höchste Sittlichkeit eines Volkes zu gelten abe, alle seine Wehrhaftigkeit wirklich und lebendig zil machen für en Schutz und die Freiheit, für die Ehre des Vaterlandes, so lange eeisen wir es als einen unwürdigen Schimpf Zurück, wenn man nufere rationale Heeresverfassung, die allgeuteine Volksschule unseres Heeres, >icht anerkennt als die Erzieherin Zum Heldentum für den deutschen?taat." Leo hersberg-Frsenkkl. Von Dr. Adolph Kohut. ie haben einen guten Mann begraben, aber mir war er mehr! Der am 5. Juni v. I. in Teplitz-Schöna» im 8. Lebensjahre gestorbene langjährige Sekretär der Handelsand Gewerbekammer in Brody, Leo Herzberg-Fraen- ' e l, zählte als Dichter und Schriftsteller zu der älteren Garde der Ghettodichtcr, die sich durch ihre Poetische Gestaltungskraft, die Wahrheit und Feinheit ihrer Charakteristik und die Liebe zu ihrem Volksstamm auszcichnete. Seine berühmt genwrdene Novellensammlung auf ethnographischer Grundlage, betitelt: „Polnische Juden", Geschichten und Bilder enthaltend (1866), erschien in zahlreichen Auflagen, wurde in viele Sprachen übersetzt und lenkte die Aufmerksamkeit weitester Kreise auf den Verfasser, der dadurch mit einem Schlage zu einem der berufensten Romanziers der Judengasse wurde. Bereits vorher trat er mit prächtig geschriebenen lind höchst anschaulichen, lehrreichen „Bildern aus Rußland und Beßarabien" hervor, die die literarische Frucht seines Aufenthalts im Jahre 1849 in den Steppen Beßarabieus, zwischen den dort zerstreut liegenden deutschen Kolonien, bildeten. Doch nicht allein als Dichter und Schriftsteller, sondern auch durch seine Persönlichkeit erwarb er sich einen großen Kreis von Freunden und Verehrern, die dem charaktervollen, echt deutsch gesinnten, ungemein rührigen Manne ihre vollen Sympathien cntgegenbrachten. In jüngeren Jahren war er als Schriftführer und als Führer des Deutschtums in Galizien eine weit bekannte Persönlichkeit. Mit den namhaftesten österreichischen Schriftstellern, Denkern und Politikern stand er in regem brieflichen und persönlichen Verkehr. An der Seite des bekannten österreichischen Politikers Dr. Adolf Fischhof machte er im Jahre 1848 die Freiheitsbewegung in Wien mit und war mit ihm bis zu dessen Tode kameradschaftlich verbunden. Er trat in freundschaftlichen und literarischen Verkehr zu Ludwig August Frankl, Leopold Kompert, Ignaz Kuranda, Franz Schuselka, Baron Simon Winterstein, Josef Ritter v. Wertheimer und zu den Redakteuren der „Neuen Freien Presse" Max Friedländer und Michael Etienne. Auf Veranlassung der letzteren war er viele Jahrzehnte lang Berichterstatter der „Neuen Freien Presse" aus Galizien. Ebenso zählte er zu den eifrigsten Mitarbeitern an dem von weiland Kronprinz Rudolph geschaffenen nnd herausgegebenen großen illustrierten Werke „Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild". Leo Herzberg-Fraenkel genoß in seiner Vaterstadt Brody einen sorgfältigen Privatunterricht und zeigte schon frühzeitig Begabung für die Publizistik. Ein geistig überaus beweglicher, kenntnisreicher und vornehm gesinnter Tagesschriftsteller, schrieb er für zahlreiche namhafte Blätter jener Zeit, so für Bäuerles „ Wiener Theaterzeitung", für Saphirs „Humorist" und für verschiedene andere. 1849 trat er in die Redaktion der von dem damaligen österreichischen Ministerpräsidenten Fürsten Felix v. Schwarzenberg gegründeten „Reichszeitung", später in den „Oesterreichischen Lloyd" ein und war gleichzeitig für ausländische Blätter als politischer Korrespondent tätig. 1896 trat er in den Ruhestand und wählte Teplitz zu seinem Aufenthalt. Seine 1894 erschienenen Skizzen und Erzählungen „Geheime Wege" fanden allgemeine Beachtung. Sie befassen sich hauptsächlich mit dem Leben und Treiben der Nihilisten in Rußland. Eine spätere geschichtlich-ethnographische Studie „Die Juden in Polen" befindet sich in dem schon erwähnten kronprinzlichen Werke. Mit zärtlicher Liebe hing er an seinen beiden Söhnen, dem Hof- und Gerichtadvokaten Dr. Ludwig Herzberg-Fraenkel in Wien und dem ordentlichen Professor der Geschichte an der Universität in Czernowitz, dem namhaften Historiker Dr. Sigmund Herzberg-Fraenkel. Als letzterer zum Rektor der Universität erwählt wurde, war er darüber sehr stolz und schrieb mir jubelnd über diese Auszeichnung, erfreute mich auch durch ein Bild des neuen Rektors im Amtskleide. Man kann sich daher den ungeheuren Schmerz des Vaterherzens vvrstellen, als Prof. Dr. Sigmund Herzberg-Fraenkel während der Tagung der 13. Versammlung der deutschen Historiker in Wien am