Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 80 (1916)
- Issue
- Heft 6 (11.2.1916)
- Date
- 1916-02-11
- Page
- Seite 63 (sequence 3)
- Language
- German
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63 dankbarsten Teiles ihrer Tätigkeit, ihrer Einwirkung aus die fugend, berauben würden. Was der Rabbiner, -er statt der Kanzel die Schule wählt, D. bet gewinnen wird, wenn er seinen wohlerworbenen Titel „ tabbiner" mit dem des „Oberlehrers" vertauschen wird, habe in trotz langen Nachdenkens nicht ergründen können. Ich glaubte bisher, daß der „Raw" -er wahre Magister, d. h. Oberlehrer, schon immer gewesen sei. Aber ich bescheide mich ,! id verlasse mich in dieser Frage auf das Urteil des Herrn Ir. Gelles. Dir Mache. Berlin, den 8. Februar 1916. on den Kriegsschauplätzen ist verhältnismäßig wenig zu melden. Das Bedeutendste ist, daß unsere und die ä terreichische L n f tsch i f ffl o t t e und unsere Unterseeboote c »e erhöhte und außerordentliche Tätigkeit zu verzeichnen l; itten. Paris ist zweimal (nach anderen Berichten dreimal) H it Bomben belegt worden; dabei wurden Brände konstatiert ii id viele Menschen getötet; durch starke Angriffe ans englische .! affenplätze ist großer Schaden an Material hervorgernfen r orden. Oesterreichische Lustschifferangriffe haben im Lager r 'n Saloniki und in den Hafenstädten Durazzv und Balvna uIgeheureu Schrecken verbreitet und viele Beschädigungen e ranlaßt. Ebenso glücklich Urte die Luftschiffe haben die Unterseeboote operiert. An der Themsemündung, sind i' cht weniger als fünf Schisse versenkt worden. Der kleine 1 ntsche Dampfer „Möwe" hat im Laufe des Januar eine o öftere Anzahl von englischen Schiffen torpediert, ein großes l hi ff, „Appam", nach Amerika transportiert, wo es von den I rutschen als gute Prise erklärt wurde. Die unvergleichlichen rstdentaten des deutschen Schiffes veranlaßten selbst die Englmtder, „den frischen Blut und den Unternehmungsgeist der Rutschen Seeleute" anztterkennen. Alle diese wiederholten Schäden werden wohl den stolzen Engländern, die sich als . >bedingte und einzige Beherrscher der Meere betrachten, viel;! denken geben, wenn auch leider die volle und ganze Eini ht in die ungeheuren Verluste, die sie drirch ihre Frevel i raufbeschworeii haben, sie erst ganz allmählich zur Einsicht l ingen wird. Die Engländer haben sich bei der Gelegenheit n«8 Unglücks eines Zeppelin-Luftschiffes als die schlimmsten l arbaren bewiesen. Wenigstens berichtet eine Version, daß d e Beinannung eines Fischdampsers, die von dem finkenden l chisse zit Hilfe angerufen wurde, die Bitte um Rettung d r Schiffbrüchigen mit dem Vorgeben abgeschlagen habe, daß >i re Besatzung schwächer sei als die des Luftschiffes. Ist diese ') achricht zutreffend, so wäre das eine Unqcheuerlichkeit, wie fi ‘ in der Weltgeschichte wohl noch, nicht vorgekommen ist, u.id würde dem menschlichen Verfahren dieser Barbaren, die ii h rühmen, die wahrhaften Kulturträger zu sein, die Krone R ifsetzen. Durch diese und ähnliche Taten verdient England t e exemplarischste Bestrafung, die überhaupt zu ersinnen ist. i öffentlich wird die Gerechtigkeit hier triumphieren. Auch die österreichische Flotte hat sich in einem - orstoß gegen die italienische Ostküste mannhaft und crfolg- > ich gezeigt; ebenso sind die Kämpfe am Tolmeiner Brücken- > Pf für unsere Derbündeten gut verlaufen, die Italiener l >ben sich fluchtartig zurückgezogen. Unser Verhältnis zu Amerika ist immer noch nicht getirt. Eine Zeitlang stand es so, daß (freilich englische) l uellen von einem Abbruch der Beziehungen zwischen den bereinigten Staaten und Deutschland sprachen. Jetzt weht, uie es scheint, eine mildere Lust, um so mehr, als sich sowohl de Deutschamerikaner wacker rühren als auch amerikanische Politiker das Verfahren des Präsidenten keineswegs billigen. > ndern in sehr starker Weise über die Eingriffe seitens der Engländer sich beschweren und die Munitionslieferungen mit hohen'Steuern belegen wollen. In Rußland hat Goremykin, einer der vielen Staatsmänner, die diesem ungeheuren Kriege zum Opfer gefallen sind, sein Amt niederlegen müssen; an seiner Statt ist der Minister Stürmer — also der Träger eines echt deutschen Namens — zinn Vorsitzenden des Ministerrats ernannt worden. Aber von den Hoffnungen, die man etwa auf diese Wahl setzen konnte, hat sich nichts erfüllt. Denn nicht bloß französische Blätter verkünden, daß er die Politik seines Vorgängers fortsetzen werde, sondern er selbst hat als sein Programm ausgesprochen, den Krieg zu einem guten Ende zu führen, und dazu bemerkt: „Ein Sonderfriede könne keine Lösung der großen Probleme bringen, die durch den Weltkrieg entstanden find-" Der Vollständigkeit wegen soll erwähnt werden, daß der türkische Thronfolger Jnffiif Izzedin sein Leben durch Selbstmord geendet hat; da der Prinz dem Irrsinn verfallen ivar, so ist dies kein Ereignis, das auf die Entwicklung der -Verhältnisse irgendwelchen Einfluß üben kann. Wie die Neutralität der nordischen Länder und Griechenlands, welches letztere Land vollkommen ein Spielball in den Händen itnserer Feinde ist, immer aufs neue bedroht wird, so neuerdings auch diejenige Spaniens. Die Engländer verlangen, daß die aus unserem Schutzgebiet Kamernn auf spanisches Gebiet etwa flüchtenden (und nun nürklich geflüchteten) deutschen Truppen von ihnen weiter verfolgt werden dürfen. Wie lange werden unsere Feinde dieses verbrecherische Treiben noch fortsetzen? # In diesen Tagen, am 2. Februar, hätte man den hundertsten Geburtstag von I a e o b H e r z, eines wahrhaft große» Menschenfreundes, feiern können, eines der wenigen Juden, dem in Deutschland ein öffentliches Denkmal errichtet worden ist, vielleicht dem einzigen außer Moses Mendelssohn. Der „Fränkische Kurier" in Nürnberg widmet dem ausgezeichneten Manne einen längeren Artikel, ans dem wir hervorheben, daß Jacob, eigentlich Koppel Herz, nach Erlangen kam. trotz des für die Juden geltenden Verbotes, in Erlangen zu wohnen, ja zu übernachten, daß er von Professor Strohmeher zum Assistenten gemacht wurde und bis zrl seinem Tode in Erlangen lebte. Er wurde dort ordentlicher Professor der Medizin, hat zwar als akademischer Lehrer und als Mann der Wissenschaft nichts Bedeutendes geleistet, aber um so Hervorragenderes als Arzt und als Mensch. Heber sein äußeres und fein inneres Leben berichtet der Artikel folgendes: Herz, nm 2. Februar 1816 tit Bayrcnth geboren, wnr als Student der Medizin Mitte der 86er Jahre nach Erlangen gekommen. Sein Pater, ursprünglich ein varmögendec Mann, dessen Sinnen und Trachten aber nicht ans Geld und Gut gerichtet war ler war mit Jean Panl befreundet), hatte sein Vermögen verloren, und der reichbegabte Student, der als Erster vom Bayreuther Gymnasium abgeganaen. war oft von verzweiflungsvoller Not bedrängt. Nach Vollendung seiner Studien ließ sich Herz in Erlangen als Arzt nieder, war nebenbei Assistent, wurde Professor und — nachdem man ihm 1854 noch die Zulassung zur Habilitation verweigert hatte — im 22. Jahre seiner akademischen Laufbahn außerordentlicher und zwei Jahre vor seinem Tod ordentlicher Professor. Anerbietungen ans einkömmliche Stellungen nach auswärts schlug er ans-das war sein ganzer äußerer Lebenslauf bis zum 27. September 1871, wo er starb. Ans dem jüdischen Friedhof in Baiersdorf liegt er begraben. Sein, inneres Leben war überreich au Tragik, der Tragik eines dem Glauben seiner Väter treuen Sohnes, der helden-haft unterlag. Nicht allein, daß sein Judentum die akademische Laufbahn behinderte, auch sein Gemütsleben wurde beschattet von dem Konflikt zwischen Bekenntnis und Neigung. Herz blieb gläubiger Jude. Viele Jahre hindurch ging er z. B. täglich nach dem nahen Bruck, um dort in jüdischen Familien rituell essen zu können. Jahrelang bestand eine