Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 80 (1916)
- Issue
- Heft 5 (4.2.1916)
- Date
- 1916-02-04
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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3 Mitglieder wurde der Antrag des Gemeindevorstandes ans Nach^- bewilligung von 6000 Mark an die Kommission für das Armenwesen für das Jahr 1915 einstimmig angenommen, ebenso der Antrag des Vorstandes aus Bewilligung von 500 Mark für die kriegsbeschädigten Glaubensgenossen in Elsaß-Lothringen. Die Abrechnungen der Gemeindekasse und der Depositenkasse für das Jahr 1914 werden zurückgestellt, da die Zur Prüfung eingesetzte Kommission ihre Arbeiten noch nicht beendet hat. Sodann geht dem Kollegium ein dringlicher Antrag des Gemeindevorstandes zu: Der Gew.eindevorstand beantragt: Das Repräsentantenkollegium wolle es mitgenehmigen, daß die Gemeinde Hamburg die Patenschaft über die durch den Krieg fast ganz zerstörte G e m e i n d e L h ck in O st - Preußen ü b e r n i m m t u n d der Shnagogengemein.de Lyck auf fünf Jahre je 1000 Mark von der Gemeinde H a m bürg zur Verfügung gestellt w e r d e n. Ueber diesen Antrag entspinnt sich eine lebhafte Debatte, an der sich die Herren Kimmelstiel, Lisser, Oettinger, Bachrach und Cäsar Wolfs beteiligen. Es herrschte allgemein das Bestreben, dem Gemeindevorstand die gewünschten Mittel zur Verfügung zu stellen-, doch erachtet das Repräsentantenkollegium es für notwendig, eine genügende Kontrolle über die Verwendung der Mittel zu besitzen. Das Ergebnis der Aussprache war die Annahme des folgenden Antrages Lisser: „Das Reprüsentantenkollegium erklärt sich mit der Annahme der Patenschaft des Gemeindevorstandes über die Synagogengemeinde Lhck einverstanden und bewilligt dem Gemeindevorstand auf fünf Jahre bis zu 1000 Mark für das Jahr, ersucht jedoch den Vorstand, ihm nach zwei Jahren einen Bericht über die Verhältnisse der Patengemeinde zu erstatten." — In gemeinschaftlicher geheimer Sitzung des Vorstandes und der Repräsentanten wurden dann die Herren Dr. Max Cohen und Alfred Levy zu Mitgliedern des Gemeindevorstandes wiedergewählt. — München, 28. Januar. Die Königin von B a y e r n besuchte am 17. d. M. mit Prinzessin Wiltrud und Gefolge während der Mittagszeit die von Herrn und Iran Kommerzienrat Joseph S ch ü l e i n in München errichtete Kriegsvolksküche im Münchener Kindlkeller, in der täglich über 500 Kinder und Erwachsene gespeist werden. Während ihres nahezu einstündigen Aufenthalts nahm die Königin von sämtlichen Einrichtungen genau Augenschein und äußerte sich bei ihrem Verlassen in höchst anerkennender Weise über das Gesehene. Herr Kommerzienrat Schulen» übergab auch kürzlich dem hiesigen Stadtmagistrate 8000 Mark mit der Bestimmung, diesen Betrag dazu zu verwenden. daß den Armen der Stadt.München 8000- Zentner Kartoffeln um je eine Mark billiger abgegeben werden können. H. R. Bad Kreuznach, 28. Januar. Am Sonntag, den 16. d. M., veranstaltete der hiesige Jüdische I u g e n d v e r e i n ,,M o s e s Mendelssohn" zu Ehren der in unserer Stadt weilenden jüdischen Krieger in seinem Vereinslokal Hotel Levy eine Nachmittagsunterhaltung, die äußerst gemütlich verlies. Die jüdischen Soldaten aus den Lazaretten, soweit ihnen das Ausgehen gestattet war, unsere Glaubensgenossen bei der hiesigen Artillerie und dem Landsturinbataillon sowie die hier anwesenden Urlauber waren alle gern der Einladung des Vereins gefolgt, und ihren frohen Mienen konnte man anmerken, daß ihnen der Nachmittag eine recht angenehme Abwechselung gebracht hatte. An den von einigen Damen des Vereins geschmackvoll hergerichteten Tischen, die reich mit allerhand Gebäck, Konfekt und Früchten bestellt waren, hatte in zwanglos bunter Reihe eine stattliche Anzahl Gäste und Mitglieder Platz genommen. Herr Rabbiner Dr. Tawrogi, als Ehrenvorsitzender der Veranstaltung, begrüßte die Anwesenden und hauptsächlich die Ehrengäste in einer herzlichen Ansprache. Nachdem die jüngsten Damen des Vereins den Kaffee herumgereicht hatten, kam das Vergnügungskemitee zu Wort, das für den Nachmittag ein der ernsten Zeit entsprechend zwar schlichtes, aber trotzdem recht ansprechendes Programm zusammengestellt hatte. Deklamatorische und musikalische Vorträge folgten abwechselnd aufeinander, und alle mitwirkenden Damen und Herren leisteten ihr Bestes. Auch allerhand. Ueberraschungen waren den Soldatengästen zugedacht. Eine Bowle war ihnen zu Ehren gebraut; bei schäumendem Wein wurden patriotische Lieder gesungen, schwurngvolle Reden gehalten und ein Kaiserhoch ausgebracht. Bis zur letzten Minute nutzten die Krieger den diesmal für sie länger erwirkten Urlaub aus und verabschiedeten sich dann mit warmen Dankesworten für die gemütlichen Stunden. £/£ Karlsruhe, 28. Januar. Wie der G r o ß h e r z v g - liche Ober rat der Israeliten dem Vorstand des Landesvereins israelitischer Religionslehrer des Großherzvgtums Baden mitgeteilt hat, sind für das Jahr 1915 neben den bisherigen Aufbesserungen denjenigen Religionslehrern und Kantoren, deren feste Bezüge den Betrag von 3060 Atark jährlich nicht übersteigen, Teuerungszulagen aus der israelitischen Zentralkasse bewilligt worden, und zwar den Verheirateten tut Betrage von je 300 Mark, den ledigen im Betrage von je 150 Mark, ferner den zurruhegesetzten Neligionslehrern und Kantoren sowie den Religionsteh rer- und Kantorenwi'twen zu ihren Ruhe- und Bersorgungsgehältern Teuerungszulagen von je 200 Mark. Die Auszahlung erfolgte gegen Ende des vorigen Jahres und erforderte eine Gesamtsumme von gegen 30 000 Mark. tzollsnd. 22 Den Haag, 28. Januar. Die weitverzweigte Organisation des Jüdischen N a t i o n a l f o n d s hat sich auch im Kriegsjahre 1915 gut bewährt, wie aus der nachfolgenden Aufzählung der Spendenbeiträge der verschiedenen Länder hervorgeht. Tie G e - s a m t e i n n a h m e des Nationalfonds im Jahre 1915 betrug 509 478 Mark. Daran waren beteiligt: Nordamerika mit 233 283 Mark, Oesterreich 85 730 Mark, Deutschland 61 013 Mark, Rußland 24 097 Mark, Rumänien 19 199 Mark, Kanada 18 504 Mark, Südafrika 17 525 Mark, Holland 11179 Mark, England 9700 Mark, Ungarn 6044 Mark, Griechenland 3637 Mark, Argentinien 3468 Mark, Südslawiscke Länder 3367 Mark, Schweiz 2999 Mark, Italien 2113 Mark, Bulgarien 1496 Mark, Frankreich 1490 Mark, Brasilien 866 Mark, Australien 864 Mark, Dänemark 701 Mark, Schweden 671 Mark, Aegypten 667 Mark, Türkei 417 Mark, Ostasien 224 Mark, Portugal 224 Mark. Bemerkenswert ist das günstige Ergebnis der Sammelarbeit in A m e r i k a , wo die Freunde des Nationalfonds bemüht gewesen sind, einen Teil des Ausfalls an Spenden in den vom Kriege am schwersten he im gesuchten osteuropäischen Gebieten wettznmachen. Die Eingänge aus Rußland sind gegenüber der Einnahme im Jahre 1913 (23 7 000 Mark) natürlich gering, aber das Ergebnis darf mit großer Genugtuung verzeichnet werden. Tie Spenden sind inmitten der gewaltigsten jüdischen Katastrophe gesammelt und wurden ans vielen i Ortschaften unmittelbar vor der Evakuierung an den Jüdische»» j Nationalsonds abgeführt. Ebenso erfreulich ist das in Oester-! reich erzielte Resultat, wo trotz der Kriegslage in Galizien iu»b der j Inanspruchnahme aller Kräfte im Westen für die Linderung der! Notlage der Flüchtlinge ans Galizien und der Bukowina dennoch die stattliche Summe von über 100 000 Kronen gesammelt wurde. Etwa die Hälfte dieses Betrages entfällt auf die Kriegslandspende" des Jüdischen Nationalfonds, zu der Inden aller Richtungen beisteuerten. Bon den übrigen Ländern ist Deut s ch fand hervorzuheben, wo die Anhänger des Nationalsonds immerhin gegen 60 Prozent der Spenden des letzten Friedensjahres sammelten. Dank der Opserwilligkeit der Freunde des Nationalsonds ist es diesem gelungen, alle seine Wirtschaften in Palästina in vollem Betrieb zu erhalten und damit Hunderten jüdischen Arbeitern lohnende Beschäftigung zu geben. Mik den Getreidevorräten seiner Farmen ist der Nationalfonds der städtischen wie ländlichen Bevölkern»ng Palästinas zu Hilfe gekommen und hat viel zur Linderung der durch den Krieg hervorgerufenen Notlage beigetragen. Für ,,N o t - st a n d s a x b e i i e n", wie Assanierung sumpfiger Gegenden, Wege- und Häuserbauten, vermochte der Nationalfonds leider nur den Betrag von 40 000 Francs zur Verfügung zu stellen. Da aber nach den letzten Berichten aus Palästina die Arbeitslosigkeit infolge allgemeiner wirtschaftlicher Störungen, Requisitionen nsw. stark Angenommen hat, so wurde nunmehr von der Verwaltung des Nationalfonds ein Plan zur Ausführung von Nokstandsarbeiten auf breiterer Grundlage entworfen. Zur finanziellen D u r ch - f ü h r u n g dieser Aktion im I a h re 1916 wendet s i ch der I ü d i s ch e Nationalsonds an alle j ü d i s ch e n K r e i s e und erhofft hierbei a l l s e i t i g e § V c r st änd - n i s u m so m ehr, a l s die geplanten N o t standsarbeiten allen jüdischen Schi ch t e n Pal ä st i n a s zugute kommen sollen. Spenden werden von den Landessammelstellen des Jüdischen Nationalfonds oder von seiner Zentrale: Keren Kajemeth, Den Haag (Holland), Pierkade 8«, entgegengenommen.