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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-02-04 · Heft 5 (4.2.1916) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 5 (4.2.1916)
Date
1916-02-04
Page
– (sequence 13)
Language
German
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80. Jahrgang Nr. 5 Berlin, 4. Februar 1916 Der Gemeindevote. Beilage zur „Allgemeinen Leitung drK Judentums". Lorrrlpondrn?m und Kschrichten. Seutlchland. Sch. Berlin, 1. Februar. Der Liberale Verein für dir Angelegenheiten der j ü di fche n Gem e i n de zu Berlin veranstaltete in Gemeinschaft mit der Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland am 25. v. M. inr Festsaale des Logenhauses in der Joachimsthaler Straße einen Vortragsabend. Herr Justizrat Plonsker, der Vorsitzende des Liberalen Vereins, begrüßte die Versammlung und den Redner des Abends, Herrn Rabbiner Dr. Cäsar Seliigm-ann aus Frankfurt a. M., und berichtete über die Tätigkeit des Vereins. Sodann erteilte er Herrn Dr. Seligmann das Wort zu seinem Vortrage: „Der Krieg und die göttliche Weltordnung". Der Redner behandelte die Frage: Wie ist das große Unglück, welches durch den Krieg über die Bleu scheu und Völker gekommen ist, mit der göttlichen Weltregiernng in Einklang zu bringen? An einer Reihe trefflicher Beispiele zeigte der Vortragende, wie dieses Problem schon in der Bibel behandelt worden ist und wie es zu lösen versucht lvurde, ohne daß es gelungen ist, eine restlose Lösung zu finden. Eine solche werde auch von keinem der Propheten gefunden. Die naivste Lösung finde sich in den Geschichten vom Untergang Sodoms und Gomorrhas und von der Sintflut, in welchen die katastrophalen Ereignisse als von den Menschen selber verschuldete göttliche Strafen für schwere Sünden angesehen werden. Eine erhabene, zugleich aber and) niederschmetternde Lösung enthalte das Buch Hiob. In späterer Zeit habe man die Lehre von Lohn und Strafe im Jenseits aufgestellt, die jedoch den Menschen mit | moderner Bildung nicht befriedigen könne. Göttliche Weltregierung j und irdisches Geschehen sind nur dann dem Verständnis des Brenschen näher zu bringen, wenn man sich zu der Anschauung durchringe, daß zwei Welten, und zwar jede mit ihren eigenen von Gott ausgestellten, unabänderlichen Gesetzen nebeneinander bestehen: eine natürliche oder sinnliche mit ihren mechanischen Gesetzen und eine sittliche oder geistige mit ihren Sittengesetzen. Ein Irrtum der Menschen sei es, Vorgänge der einen, z. B. der natürlichen Welt als Wirkungen von Ursachen anznseheu, die der anderen, der sittlichen Welt angehören. Die Aufgabe des Menschen sei es, wie die Welt der Natur auch die sittliche Welt in sich selbst zu beherrschen und dem Guten dienstbar zu machen. Diese Aufgabe sei zwar gewaltig, aber nicht unausführbar. Sie sei jedenfalls geeignet, die einzelnen Menschen über manche Widersprüche in ihren Geschicken zu trösten und die Menschheit den: von den Propheten gesetzten Ziele des ewigen Friedens näher zu bringen. Mit der Zuversicht, daß, ebenso wie es wieder Frühling, so auch wieder Frieden werden müsse, schloß der Redner seine geistreichen Darlegnugen. Die zahlreichen Zuhörer lauschten dem anderthalbstündigen inkressauten Vortrage mit gespannter Aufmerksamkeit und zollten dem Redner für seine fesselnden, in überaus glänzender Form gebotenen Ausführungen begeisterten Beifall. Der Vorsitzende dankte dem Redner in warmen Worten. E. S. Berlin, 1. Februar. Am 10. v. M. begannen die von der Lehranstalt für die Wissenschaft des Indent u m s veranstalteten M o n t a g s v o r l e s u n g c n. Die erste Vorlesung hielt Professor Emil M i l a n : „Rezitationen ans der Bibel". Zum Vortrag kamen: „Die Schöpfung von Himmel und Erde" (Moses I, 1), „Die Ehre Gottes in der Natur" (Psalm 104), „Der Auszug der Kinder Israel aus Aegypten und Moses Siegeslied", „Elias" Taten und seine Himmelfahrt", „Von der Nichtigkeit des Menschen" (Psalm 60), „Also sprach Jesaja, der Sohn Amoz" (aus dem gleichnamigen Propheten). Der Vortragende, mit einem wunderbar klangvollen Organ begabt, verstand, den unvergleichlich erhabenen biblischen Stoff in tief empfundener Weise dem Verständnis und den Herzen der Hörer näher zu bringen. Es war wohl eine Stimme, daß so eine weihevolle Stunde seltener Art geboren wurde. — Am 24. v. M. sprach Privatdozent Dr. Harry T o r c z vn e r aus Wien über den „Ideengehalt der hebräischen Sprache". Der gelehrte Redner ging von den Uranfängen der Sprache aus, erörterte die Wechselwirkung von Sprache und Denkern die Ansichten über den Ursprung der Sprache, wie die Ausdrücke von konkreten Bezeichnungen Herkommen und sich allmählich auf abstrakte Begriffe Übertragern So bedeutet das hebräische schamajim — Himmel, lateinisch coelum, ursprünglich hoch, Bezah — Ei — rund, Kesef — Silber — weiß, schulchan — Tisch — ansgestreckt, niedrige Platte, Negew — Süden, trocken, dürr. Dann ging der Vortragende auf die Eigenart des hebräischen Zeitworts ein, ließ die Bindewörter fehlen und zeigte, wie sie ersetzt werden. Gar interessant waren die Beispiele, nnc sich die abstrakten Begriffe ans konkreten Bezeichnungen entwickelt haben: dabei fehlte es nicht an interessanten Bergleichungen mit den antiken und nwdcrnen Sprachen. Welche Wandlungen in den Bezeichnungen für die Tierwelt! Allerlei uns bekannte Redensarten, z. 33. daß ein Kamel durch ein Nadelöhr geht, wurden auf ihren Ursprung zurückgeführt. Die zahlreiche Zuhörerschaft spendete dem Redner für seine geistvollen Ausführungen lebhaften Beifall. 22 Berlin, 1. Februar. F rauInlie N e u m a n n, Gattin des verstorbenen Begründers der bekannten Zigarren- und Tabakfabrik I. N e u m a n n und Mutter des berühmten Kinderarztes Professor Dr. Hugo Neu mann, der 1912 verstorben ist, wurde am letzten Sonntag aus dem Friedhof in Weißensee zur letzten Ruhe bestattet. Professor Dr. Neumann, ein Mitbegründer der Deutschen Gesellschaft für.Hygiene und Acedizinalstatistik, hat aus eigenen Mitteln in der Blumenstraße zu Berlin ein Kinderhans errichtet, das von seiner nun in fast vollendetem 80. Lebensjahre verstorbenen Mutter geleitet wurde. Tie Entschlafene hat auch testamentarisch die Weiterführung dieser Stiftung sichergestellt. Mit ihr ist eine der edelsten jüdischer! Frauen Alt-Berlins für immer von dannen geschieden. Die jüdischen Wohlsahrtsvereine verlieren in ihr eine bei nährte Stütze, auf deren Hilfe und Mitarbeit sie allezeit bauen durften. Jahrzehnte lang wirkte sie opferfreudig als Ehrendame der Waisenkommission und der Mädchenschule unserer Gemeinde. Besonders hart trifft ihr Heimgang das K o m i t e e s ü r E h a n u k a b e s ch e r u n g, das seit 31 Jahren unter ihrer Leitung außerordentlich segensreich gewirkt hat. Ein großer Kreis von Verwandten, Bekannten und Freunden, zahlreiche Militärärzte, Stadtverorduete, städtische Ehrenbeamte und Borstandsmitglieder der jüdischen Gemeinde zu Berlin wohnten der Trauerfeier bei. Rabbiner Dr. P e t u ch o w s k i hielt die Gedächtnisrede. g/a> Berlin, 1. Februar. Am 28. d. M. findet im Bli'tthner- Saäle das diesjährige Konzert des Vereins zur Pflege hebräischer G e s ä n g e (Dirigent Kapellmeister A. Kellerm a n n) statt. Als Solist, wirkt der Baritonist unseres Königlichen Opernhauses. Herr Joseph Schwarz, mit, der sich in der kurzen Zeit seines hiesigen Wirkens bereits die höchste Anerkennung bei Publikum und Presse erworben hak, ferner der Cellist Felix Robert M e n d e l s s o h n. Ter Kartenverkauf bei Bote u. Bock sowie Tietz und A. Wertheim hat bereits begonnen. 2XD Berlin, 1. Februar. Am 12. v. M. beging der emeritierte Kantor und Lehrer der Leipziger Gemeinde, Herr Bernhard Jakobsohn in Friedenau, seinen siebzigsten Geburtstag, über dessen Verlauf uns folgendes mitgeteilt wird: Neben zahlreichen Freunden und Verehrern des Jubilars waren Deputationen der Groß-Loge „Bne-Brith", deren Sekretär er einst gewesen, sowie solche des Lehrerverbandes erschienen, um dem verehrten Alaune ihre Glückwünsche zum Ausdruck zu bringen. Die Kantorenwelt war offiziell durch drei Deputationen vertreten. Hauptknntor S. Neustadt, als Vertreter der Kollegenschaft, würdigte in einer Ansprache die Verdienste des Jubilars um das Kantorat sowie um die Gründung des Allgemeinen deutschen Kantorenverbandes im Jahre 1905 in Berlin. Im Namen des Allgemeinen deutschen Kantorenverbandes gratulierte Oberkantor M. Tavidsohn, der die Verdienste des Jubilars während seiner segensreichen Tätigkeit im Ausschuß betonte. Oberkantor W. Klein überbrachte die Glückwünsche der Kantvrenhilfskasse, deren außerordentliches Mitglied der Jubilar seit seiner Uebersiedelung von Leipzig nach Berlin-Friedenan ist, Die vielen Sympathiekundgebungen, die den ganzen Tag andanerten, zeugen von der Wertschätzung und Beliebtheit, deren der Jubilar sich erfreut. Mögen ihm noch viele glückliche Lebensjahre beschieden sein. $$$- Berlin, 1. Februar. Das Eiserne Kreuz zweiter Klasse erhielten: Musketier Julian Weinstein, Obermaschinistenmaat d. R.

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