Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 80 (1916)
- Issue
- Heft 4 (28.1.1916)
- Date
- 1916-01-28
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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2 ,'.ur Seite standen und an dem Fortschritt der Anstalt, die gegenwärtig 250 Schüler zähle, regen Anteil nahmen. Möge es dem Jubilar vergönnt sein, seine segensreiche Tätigkeit zum Wöhle seiner Gemeinde in ungeschwächter Kraft noch recht viele Jahre ausüben zu können! W. Posen, 21. Januar. Unter Vorsitz des Herrn Polizeirats G o e h r k e fanden im Nepräsentantensitzungssaale die Wahlen zur Repräsentantenversammlung statt. Ter Ernst der Gegenwart und die Sorge um die Zukunst veranlaßten unter Zurückstellung alles Trennenden, einen Wahlkampf zu vermeiden und gemeinschaftliche Kandidaten ailfzustellen. Bon den 956 eingeschriebenen Wühlern stimmten 124. Gewühlt wurden zu Repräsentanten die Herren Wolfs Brandt, Sally H a m b u r g e r, Geheimer Kommerzienrat Michael Herz, Justizrat Dr. Felix Kaempser, Benno K r a y n , Stadtrat Za tob S ch l e y e r , Manasse W e r n e r und Bankdirektor Tr. Wilhelm Wolfs. Zu Reprüsentantenstellvertretern die Herren David G e l l e r t, Michael H erzog, Rechtsanwalt Tr. Rlax Köllen s ch e r , Siegfried ii e s s e r und Rechtsanwalt Leo Rech ab. — Wie dem soeben erschienenen Verwaltungsbericht für das Jahr 1914/15 des jüdischen Krankenm u d Sie ch e n Hauses (Abrabahm und Henriette R o h r sche Stistung) zu entnehmen ist, hat der Weltkrieg mul) hierher seine Schatten gervvrsen. Bei Anbruch des Krieges erließ ein Teil der Patienten die Anstalt, das Personal erfuhr eine Einschränkung und die andauernde Steigerung der Lebensmittelpreise hat den Wirtschaftsbetrieb belastet. Im allgemeinen schließt jedoch die Zahresrechnung nicht ungünstig ab. Es wurden 560 (602) Patienten — die in Klammern eingestellte!: Ziffern bedeuten die des Vorjahres - - ausgenommen, von denen auf die innere Station 429 (464) und auf die chirurgische 131 (168) entfallen. Tie Gesamtverpflegungstage verteilen sich aus Kranke ans der Stadt Posen mit 9001 (12 340), des auswärtigen Inlandes, zumeist der Provinz Posen, mit 5132 (4938), aus Rußland mit 2628 (3550). Von den behandelten Krauten waren 401 (523) Juden und 159 (79) Richtjuden. Entlassen wurden 479 (498) Patienten, gestorben sind 49 (51), so daß am 1. April 1915 32 (53) Personen verblieben. Das Siechenhaus beherbergt fünf Frauen. Tie Gesarnttoster: für Kopf und Tag eines Kranken und Siechen beziffern sich auf 7,40 Mart gegen 7,07 Mark in: Vorjahre. Insgesamt belaufen sich in: Berichtsjahre die Ausgaben auf 136 051,70 Mart. (162 241,22 Mark), die Einnahmen auf 128 608,93 Mart (152 722,87 Mark). Gestorben ist das Mitglied der Verwaltungstommission Salomo Fr ie denk hat. Leitende Aerzte sind für die innere Station Sanitütsrat Tr. E a r o, für die chirurgische Station Sanitütsrat Tr. R o s'e n st e i u. Infolge des Mangels an Sanitärsärzteu übernahm vom 1. Mürz 1915 ab der prakt. Arzt.Dr. Reum a r k neben seiner Privatpraxis den ärztlichen Dienst im Krankenhause. 22 Nakel, 20. Januar. Au: jüngst verflossenen Freitag ist hierunter sehr großer Beteiligung der Gelneindemitglieder Herr Isidor Zacharias, der eine lauge Reihe von Jahren Mitglied des Reprüsentantenkollegiinns war und in vielen Wohltütigkeitsvereinen Ehrenämter bekleidete, zur letzten Ruhe bestattet worden. Einige Wochen vorher hat er sein fünfzigjähriges Ehejubiläummit seiner würdiger: Gattin gefeiert, wobei dem Jubelpaare die ihm von Sr. Majestät den: Kaiser verliehene Ehejubiläumsmedaille nebst begleitendem Gratulationsschreiben in feierlicher Weise ausgehüudigt und die herzlichsten Segenswünsche im Namen der Gemeinde und der in ihr bestehender: Be reine von deren Vorständen dargebracht rvurden. Mögen die dem nun Verblichenen errviesenen Ehrungen der tiefgebeugteu Witwe zum Tröste gereichen. bl. F. Hamburg, 21. Januar. Tie St.-Pauli-Kirchengemeinde hatte am zweiten Todestage ihres Pastors C l e rn e n s S ch u l tz, am 13. d. M., die Gemeindemitglieder und alle Freunde und Verehrer des Verstorbenen zu einer schlichter: Gedächtnisfeier irr: Gemeindevereiuslotal, Heinestraße 12, eingeladen, wo der Rabbiner Dr. D. Leirndörf e r Erinnerungsworte sprach. Ter Redner entrollte ein liebevoll gezeichnetes Bild von dem Menschen und Priesterpädagegen Clemens Schultz, dessen Wirken nicht nur in Hamburgs Mauern unvergeßlich sein wird, sondern dessen unermüdliche Schaffenskraft arrch weithin in: deutscher: Baterlande Werke ins Leben gerufen hat, die der Menschheit reichen Segen spenden. „Der Name Clemens Schultz lebt unvergeßlich im Herzen aller, die ihr: kenuenlernten, vor allem im Kreise der St.-Pauli- Kirchengerneinde. Zwar ist „zerrissen das Band", aber die Kraft und Lauterkeit seiner Liebe wirkt über das Grab hinaus. Die Blume kann welken, die Sonne kann untergehen, eines aber ist, was nicht welken und untergehen, kann: die Liebe. Lebt die Liebe zu dem Token in uns, so lebt der Tote selbst, mit allen seinen Wünschen und Zielen in uns. Er war ein großer Bolkserzieher, und in bezug auf seinen idealer: Glauben, auf sein Wirken in: praktischen Leben und ans sein sittliches Wollen machte er Gottes Wort wahr: „Mein Bund war mit ihm, das Leber: und der Friede." Er war en: "Streiter für hohe Ideale in einer Zeit, in der sie aus der Wett zu schwinden begannen; er war kein Hocker in der Studier-- stube: das Leben der Religion galt ihm mehr als das Wissen der Religion. Er kannte das Leben und suchte auch Die Hütten des Elends auf, um den Sinkenden oder Gesunkenen die Hand zu reichen, an der sie sich wieder erheben konnten. Mit.ihm war der Friede, denn der Zweck seines pflichttreuer: Schaffens war, jeden Menscher: init den Tautropfen des inneren Friedens zu erlaben." Tie trefflichen Worte ehren den Redner nicht minder als den verstorbener: Freund, dem sie gatten. ^2. Dresden, 21. Januar. Au: 18. d. M., nachmittags nur 3 Uhr, lvnrde der stellvertretende Rabbiner der israelitischer: Religio nsge me in de zu Dresden und Lehrer an der israelitischen Religionsschule Dr. Leopold S t e i n zu Grabe getragen. Die Beteiligung war überaus zahlreich und legte Zeugnis ab von der Wertschätzung, der sich der Verblichene, der irr: besten Mannesalter d ah irr ge schieden ist, erfreute. Die Schulbehörde vertrat Oberschulrat Dr. Prietzel. Der gesamte Vorstand und die Vertreter der Gemeinde, zahlreiche Mitglieder der Fraternitasloge, der der Verstorbene angehört hatte, die Schüler und Schülerinnen der israelitischen Religionsschule, die israelitischen Schüler des Freimaurerinstituts unter Führung von Professor Dr. S ch i l l r n g rvareu erschienen. Die Nachbargemeiudeu Bautzen und Chemnitz hatten Vertreter entsendet. Der Rabbiner der Dresdener Gemeinde, Professor Dr. Winter, schilderte ergreifend die Herzensei gen schäften des Verstorbenen und rühmte seine Schlichtheit, die ihn überall beliebt gemacht hatte. In: Namen des Vorstandes zeichnete Herr Kommerzienrat Max Elb den Studien- und Evtwicklungsgang Tr. Steins, schilderte sein Wirken an der hiesigen Gemeinde, die er besonders als Lehrer, Bibliothekar und als A5:tarbeiter im V e r e i n für jüdische Geschichte und Literatur förderte. Im Namen seiner Studienkollegen sprach Rabbiner Tr. B a r o n aus Kolberg warme Worte des Gedenkens. Namens der Fraternitasloge nahm Direktor Gl ander in bewegten Worten von den: Verstorbenen Abschied. 3. A. Nürnberg, 21. Januar. Köni g Ludwig III. von Bayern hat zu seinem Geburtstag einer: neuer: Orden, das Körrig- Ludwig-Kreuz, gestiftet, mit welchem Personen, die sich um das Heer sowie die allgemeine Wohlfahrt verdient gemacht haben, ausgezeichnet werden. Das König^Ludwig-Kreuz wurde an folgende Personen verliehen: Geheimer Kommerzienrat Ludwig v. Gerngros, Ehrenbürger der Stadt Nürnberg; Oberamtsrichter Rindskopf; Großkaufmanu und Magistratsrat Hans Hopf und dessen Gattin Frau Elise Hops; Justizrat Emil Iosephthal; Rechtsanwalt Dr. Michael Erlanger; Rechtsanwalt Dr. G e i e r s h ö se r; Privatier und Armenpslogschaftsrat Paul F r a n k e n t h a l; Fabrikdirektor Jakob Koh n; Frau Isäbella Heim, Vorsteherin desIsralitischer: Frauenvereins; Frau Paula Erlanger; Frau Jda W e r: d r i r: e r; Karl R o s e n w a l d, Staatsanwalt und Haupt--- maur: beirr: Generalkommando des 3. bayerischen Arrneekorps; Stabsarzt Dr. Silber stein; Prakt. Arzt Dr. Goldenberg; Frau Lilly Hopf, Großhaudlersgattin (Nürnberg). Die gleiche Auszeichnung erhielten: Fabrikbesitzer und Gemeindebevollmächtigter Dr. Ri o r g e rr st e r r:; Fabrikbesitzer S ch w a r z e n b e r g e r; Kommerzienrat und Hauptmann d. L. Albert Rosen seid er, Großkaufmann B i e r rn nun; Kommerzienrat 9JI ailänder; Großkaufruann E r d rn a r: r: und dessen Gemahlin; Kommerzienratswitwe Luise U l lrr: a n u : Gehein:er Hofrat N a t h a r:; Kommerzienrat Heinrich M o r g e r: st cm; Kommerzienrat Th. Löwenf o h n (Fürth). Rechtsaruvalt Dr. K i tz i n g e r; Justizrat Ofner, 1. Vorsitzender der israelitischer: Kultnsgemeinde; Justizrat Dr. Kahn, Syndikus der Handelskammer; Alfons Landauer; Kommerzienrat F ranket; Kommerzienrat und Brauereibirektor S ch ü l e i n;