Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 80 (1916)
- Issue
- Heft 3 (21.1.1916)
- Date
- 1916-01-21
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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— Breslau, 14. Januar. Zu einer stattlichen Trauerkundgebung gestaltete sich die Beerdigung des langjährigen NUtgliedes unseres Gemeindevorstandes, Herrn Emil Sachs, der nach schwerem Leiden am 7. d. M. im 69. Lebensjahre verschieden ist. Außer einer überaus großen Schar von Freunden und Bekannten, namentlich Rechtsanwalte, Aerzte mtb angesehene Angehörige des Kaufmannsstandes, hatten sich die Vertreter der einzelnen Verwaltungen der Synagogengemeinde nnfc zahlreiche Abgeordnete der verschiedensten wohltätigen und gemeinnützigen Veranstaltungen, in denen der Entschlafene Ehrenämter bekleidet hatte, in der reich mit Blumen und Pslauzengewächsen geschmückten, schwarzausgeschlagenen Leichenhalle des israelitischen Friedhofes an der Lohestraße eingefunden. Die Totenbahre war reich mit kostbaren Blumen spenden bedeckt, während durch die bunten Scheiben des Kapellenranmes ein trüber Winterhimmol hineinblickte. Hier widmete nach einleitendem Ehorgesange Rabbiner Professor Tr. G n t t m a n n dem Freunde ergreifende rmi> ehrende Worte der Erinnerung. Nie habe sich jemand vergebens an ihn gewandt, der ihn brauchte. Spuren reichen Segens habe sein Wirken und Können in allen Zweigen der Verwaltung unter seinen Glaubeusangehbrigcn zurückgelassen. Ihm, dem edlen Wohltäter der. Menschheit, der immer eine offene Hand gehabt zur Linderung von Leid und Armut, meinen heute viele Unglückliche und Arme Tränen des aufrichtigen Schmerzes nach. Die Fürsorge für die Jugenderziehung verliert in dem Verstorbenen einen warmen Freund. Im Namen des Vorstandes des Israelitischen Mädchenheimes rief Rabbiner Dr. Rosenthal dem entschlafenen Gründer des benannten Vereins herzliche Worte des Dankes und des Abschieds nach. Während der 24jährigen Tätigkeit des Vereins blieb der Verewigte stets rastlos bemüht, immer bedacht auf das Wohl der heranreifenden Jugend, eine Stätte zu schaffen, die einen Schutz gegen die Gefahren der-Großstadt bietet. Nach dem Totenfeierlied „Herr, was ist der Mensch", das Obkrkantor E e v i n i sang, und einem nochmaligen Ehorgesang und Gebet wurde daun die sterbliche Hülle des Heimgegangenen unter dem üblichen religiösen Zeremoniell der letzten Ruhestätte übergeben. — München, 14. Januar. In den „Münchener Neuesten Nachrich'- ten" veröffentlicht Herr Sigm. Frä n k e l einen Artikel „Zum hundertjäh eigen Geburtstag der israelitischen Kultusgemeinde". Schon im Anfang des vorigen Jahrhunderts hatten 30 bis 40 jüdische Fami-lien das Recht erhalten, sich in München niederzulassen. Das Judenedikt von 1813 gab dieser Niederlassung die rechtliche Grundlage und ermöglichte die Gründung der Gemeinde. Im Jahre 1815 wurde der Friedhof errichtet, 1814 die erste Synagoge an der Westenrieder Straße cingeweiht in Gegenwart des Königs, der prächtige Säulen für das Gotteshaus gestiftet hatte. Damals bestand die Gemeinde aus 60 Familien, heute sind es 3000 geworden. Die jetzige große Synagoge an der Herzog-Max-Straße wurde 1886 eingeweiht. Als Rabbiner fungierten bis 1824 Rabbi Hef sel, bis 1871 Rabbiner A ub, bis 1894 Dr. P >e r l e s und seitdem ist Dr. Werner im Amt. Von den Gemeindevorstehern sind hervorzuheben: Hermann Müller (1883 bis 1891), Louis Schwab (1894 bis 1896) und Justizrat Ofner, noch jetzt an der Spitze der Gemeinde. Eine große Reihe von Wohltätig,keitsvereinen und -anstalten zeugt von dem regen jüdischen Geist, der in der großen Gemeinde herrscht. Der Artikel ermähnt auch die religiösen Differenzen in der Gemeinde, die indes immer noch friedlich beigelegt wurden. Don einer Feier ihres hundertjährigen Bestehens hat die Gemeinde in Rücksicht auf die Kriegslage Abstand genommen, Es wird lediglich eine Festschrift erscheinen, die der Geschichte und Entwicklung der Gemeinde gewidmet -ist. — Schlüchtern i. B., 14. Januar. In der nahen Residenz Karlsruhe ist vor kurzem der Religionslehrer Herr Elias S chw ar z- Wälder, 80 Jahre alt, verschieden. Der Verstorbene hat nahezu fünfzig Jahre in Schlüchtern gewirkt und war eine .Zierde seines Standes. Er besaß reiche Kenntnisse, hatte ein. heiliges Pflichtgefühl, . er war ein Mann von praktischer Lebenserfahrung und von tadellosem Charäkter. Die Beerdigung, die am Orte seines Wirkens stattfand, gestaltete sich zu zu einem imposanten Akt treuer Verehrung und inniger Dankbarkeit. -Herr Rabbiner Tr. G r z y m i s ch (Bruchsal) schilderte warm und begeisternd die Lebensarbeit des Dahingeschiedenen und brachte auch im speziellen Auftrag des G rotzherzoglichen Oberrates den Dank der Landesshnagoge für das hingebungsvolle, selbstlose Wirken zum Ausdruck. Herr Lehrer Samuel B r a v m a n n aus Eppingen sprach als Nachfolger im Aufträge des Synagogenrates. 22 Karlsruhe i. B., M. Januar. Bezirksrabbiner Leopold Schlesinger in Brettcu ist wegen Krankheit beurlaubt worden; Kandidat der Theologie Hugo Hahn aus Wolldorf ist Zum Rabbinatsverweser des Bezirkes Ofsenburg ernannt worden. — Zum Bezirksältesten der Bezirkssynagoge Bruchsal wurde Herr Rudolf Schloß b erg er daselbst ernannt. An Stelle des verstorbenen Vorstehers S. Ettliuger in Eppingen ist Shnagogenrat Gustav Hoch Herr zum Bezirksältesten für den Synagogenbezirk Vretten ernannt worden. — Die Tngendpreise aus der Stiftung der Michel Weilschen Eheleute aus Straßburg erhielten die Witwe des gefallenen Religionslehrers Elias Ha usmann in Eubigheim, die Witwe des gefallenen Wilhelm Gutmann in Rohrbach, die Witwe Helene Werth ei nur in Ettenheidem, deren einziger Sohn auf dem Felde der Ehre gefallen ist, und die Witwe Jeanette Kurz in Gailingen, deren Sohn im Felde steht. Ans der Gnftav-und-Dr.-Robert- Weil-Stiftung in Freiburg sind 400 Mark für Lungenleidende zu vergeben. Anmeldungen sind an bat Shnagogenrat in Freiburg zu richten. GrsterrNch-Angarn. z. Wien, 14. Januar. Unter dem Vorsitz des Herrn Präsidenten Dr. Alfred Stern fand in der Plenarsitzung des Kultusvorstandes vom 6. d. M. die Wahl der beiden Bizepräsideuteu und der Mitglieder des Bertreterlollegiums statt. Gewählt wurden: 1. Vizepräsident: Hofrat Dr. Benjamin Rappaport; 2. Vizepräsident: Dr. Leopold Ko hu; Vertreter: Salo Eohn, Moriz B. Eißler, kaiserl. Rat Siegmund Ka uders, Tr. Wilhelm Pappen he im, Pros. Tr. Josef Poll a k-, Kommerzialrat Leopold S i m o n , Eduard E. Schwarz, Dr. Markus Spitzer. — Wie von t>eu Tagesblättern bereits gemeldet, ist dieser Tage in der siebenbürgischen Gemeinde Bozodujsalu der letzte Sabbatäer namens Joseph Saltos gestorben. Es ist mm bezeichnend, bemerkt die „Oest. Wochenschrift", daß der römisch-katholische Pfarrer der Gemeinde, da er wußte, daß der Sabbatäer nur formell der katholischen Kirche angehörte, die Beerdigung desselben erst daun vornahm, nachdem der Ortsrabbiner Isaak H i r s ch die schriftliche Erklärung abgab, daß er auf den Leichnam keinen Anspruch erhebt. Saltos war im Besitze dreier alter handschriftlicher Sabdatäcrbücher. Jetzt nach seinem Tode erhielt eines derselben, welches im Jahre 1810 geschrieben wurde, über letztwillige Verfügung des Sallos der Rabbiner der Gemeinde, während die anderen zwei seinem Wunsche gemäß ihm in den Sarg mitgegeben wurden. —- Der Konteradmiral d. R. Gez-r delll Adami v. Tarczal gab in eirier Zuschrift au die „Neue Freie Presse" die Allreguug zur -Herausgabe eines Werkes, betitelt „Die Juden Oesterreich-Ungarns im jetzigen Weltkrieg". Das Werk soll alle Materialien hinsichtlich der Beteiligung der österreichisch-llngarischen Jlldeu am Kriege systematisch sammeln und würde so „nicht nur ein historisches Denkmal und für die kommenden Generationen eil! Ansporn sein, gleiches zu tun, sondern auch für die Stellung itnb. das Ansehen der gesamten Judenheit der Monarchie von großer Tragweite". tjtaiint. — Rom, im Januar. Im israelitischen Tempel wurde diese Wach' eine große Gedenkfeier für die gefallenen Offiziere und Soldaten abgehalten. An der Hauptpforte der Synagoge stand in großen Lettern folgendes Epigraph: Den Gefallenen, die ihr Blut für das Vaterland geopfert, sei Ehre und Rllhm! Das Innere war vollständig mit schwarzen Tüchern bekleidet imb über dem Altar wehte die italienische Fahne. Beim Eintritt des rabbinischen Kollegiums erloahnte Oberrabbiner Angelo Sacerdoti unter großer Bewegung aller Anwesenden die Namen der Gefallenen. Besonders gedachte er der Hauptlente Angelo A st r o l o g o , Decio P o n t e c o r v o , Gualtiero Becchio und der Leutnants Jppolito Segre, Giorgio Levi, Alesfandro di B e r o l i, des Korporals Adolf G a i und der Soldaten Angelo S P i s z ich i m und Cefa re Ben e ziani, welche durch ihren großen Mut in den Schlachten sich auszeichneten und für ihr Vaterland und für die Ehre der israelitischen Gemeinde Roms gefallen sind. In bewegten Worten sprach der Redner seine große Bewunderung den Familien aus, deren Söhne sich so tapfer benommen haben, und schloß mit einigen Gebeten für die - Gefallenen. Unter den Anwesenden war. der Gesamtvorstand -der Gemeinde mit ihrem Präsidenten, Herrn Angelo S e r e n i, vertreten.