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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-01-21 · Heft 3 (21.1.1916) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 3 (21.1.1916)
Date
1916-01-21
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 Lutzlkmd. z. Lodz, 12. iuuiar. Xic billigen Kirchen mcrbcu von der bedürft is-en Bevölkerung unserer Stadt stark in Anspruch genommen. Tie Zahl von 30 000 Mittagessen, die in den von der Stadt unterstützten Volksküchen täglich ansgegeben werden, ist bereits um ein Erhebliches überschritten lvorden. und sie steigt ständig. Tie Armendeputation des Magistrats hat sich daher auch genötigt gesehen, die. Zuschüsse, die die Küchen erhalten, zu erhöhen, 'damit mehr Arme gespeist werden können. Wie umfangreich die Tätigkeit der Küchen ist, geht ans den Berichten hervor, die sie halbmonatlich veröffentlicht. <yih‘ die letzte Hälfte des Monats Tezentber liegen heute Berichte von felgenden jüdischen Küchen vor, denen wir nachstehende Ziffern entnehmen: Tie Küche des Vereins „Esras-Achim", Brzezinska 4, verabreichte 817-3 bezahlte und 838 unbezahlte Mittage; Einnahmen 269 Rbl. 96 Kop und Ausgaben 547 Rbl. 51 Kop.; Küche der T a l m n d- T h o r a des Rabbiners Maisel, Jakobstraße 10, 7052 bezahlte und 688 unbezahlte Mittage: Einnahmen 217 Rbl. 61 Kop., Allsgaben 427 Rbl. 25 Kop.; Küche bei der 1. Jüdischen K i n d e r b e w a h r a n st alt, Smugvwa 4, 4235 bezahlte mld 403 unbezahlte; Einnahmen 84 Rbl. 70 Kop., Ausgaben 265 Rbl. 74 Kop. — Tie Tätigkeit des I ü d i s che n K r a n k e n p s l e g e v e r eins „B i k u r - E h o t i m" gestaltete sich iin Laufe des Dezember wie folgt: in der Stadt lvnrden 407 ärztliche Besllche abgestattet, 190 Kranken wurde hu Ambulatorium ärztliche Hilfe erteilt; verabfolgt wurden: 602 verschiedene Heilmittel, 345 Quart Milch, 15 Pfund Zucker, 29 Lot Tee, 6% Korzec Kohlen. Im Genesmrgsheim des Vereins befinden sich 29 kranke grauen. Ter Verein rammt jetzt Allmeldungen von genesenen Männern entgegen, die iur Heim ausgenommen zu werden wünschen. — Ter Jüdische S ch n e i d e r n r b e i t e r v e r e i n hat dieser Tage in seinem Lokale, Wntczanskastraße 2, für seine 500 Mitglieder eine Teehalle -eröffnet. Ein Glas Tee mit Zucker kostet dort 2 Kop. Tie Teehalle Ist täglich von 6 Uhr früh bis 10 Uhr abends geöffnet. Ter Verein beabsichtigt demnächst wissenschaftliche Vorlesungen zu veranstalten. Von MH und Fern. - Vor einigen Monaten lvurde P r v f e s s o r I s r n e l, der bekannte Berliner Ehirurg, nach Konstantinopel berufen, um an Sultan Mahmed eine Gallensteinoperalion vorznnehmen. Tie schwierige Lperation gelang anss beste, und der 65jährige Patient lonrde vollständig wiederhergestellt. Jetzt hat der Sultan, lvie das „B. T." berichtet, seinem Tanke für die Genesung einen besonderen Ausdruck gegeben, indem er Professor Israel sein Bildnis mit eigenhändiger Unterschrift übersandte. Um die Ehrung doppelt eindrucksvoll zu gestalten, beauftragte der Sultan einen Sonderkurier mit der Ueberreichnng des Bildes, die in feierlicher Weise stattfand. Tabei konnte der Kurier iln Aufträge des Sultans Professor Israel Mitteilen, daß der Beherrscher der Qsmanen seine vollständige Wiederherstellung als ein lvahres Wunder betrachte mld das; er nicht müde werde, die unauslöschliche Tankbarkeit zn betonen, die er seinem Arzte gegenüber hege. Tem Lberlehrer Tr. Alfred Wolfs in Berlin ist für seine Arbeit über Ethik und Politik ein Preis voll der Moritz-Manheimer-Stiftnng verliehen lvorden. Ter Magistrat von Berlin hat dem Konsul a. T. Julius Friedenl a ll n für seine 30jährige Tätigkeit als Bürgerdepntierter nlld Bezirksvorsteher bei der Ueberreichnng einer Adresse seinen Tank mit dem Wunsch anssprechen lassen, das; er znm Besten der Bürgerschaft noch lange seines Amtes walten möge. Am 4. d. M. starb in Berlin der emeritierte Lehrer Louis Walter, fast 85 Jahre alt. Bon seinen Söhnen ist der eine Rabbiner in Bromberg, der andere Rechtsanlvalt. - Ter QffizierstellVertreter und Inhaber des Eisernen Kreuzes Louis Abelmann in Meinet, Sohn des dortigeil Stadtverordneten und Vorstehers der Indischen Gemeinde, Herrn Joseph Abelmann, ist zürn preußischen Offizier befördert lvorden. Bon ruchloser Hand ist ans dem jüdi s ch e n I riet» h o f e in Arg eilau eine A ll z a h l Grabsteine und eiserne Gitter z e r t r ü m m e r t worden, Für die Ermittlung der Täter ist seitens der Behörde eine Belohnung ausgefetzt worden. Tie Jüdische Bibliothek uild Lesehalle in Hamburg wurde im Jahre 1915 von 3671 Personen besucht; alls der Bücherei wurden 2026 Bände entliehen, lieber die Benntznngszeit gibt das Hamburger Adreßblich Auskunft. - Am Sonnabend, den 15. d. M., verschied nach kurzenl, schwerem Leiden mitten im reichsten Schaffell im 42. Lebensjahre der zweite Rabbiner der hiesigen Israeli tischen Religionsgemeiuschaft, Tr. Leopold Stein. - Herr Tistriktsrabbiner Tr. Pinchas K o h ll (Ansbach) und Herr Kommerzienrat Siegmnnd Fränkel (Akunchen) sind von Deiner Majestät dem König Ludwig von Bayern mit denl Orden des Lndwigskreuzes ausgezeichnet lvorden. Ter neue Orden, der -- lvie die Tageszeitungen melden - - vom König anläßlich feines 70. Geburtstages gestiftet wurde, wird für die in der Heimat erworbenen Kriegsverdienste verliehen. — Mit dem bayerischen Lndwigsvrden wurden Tr. rned. Leopold Lau deck er und Stabsarzt Tr. Adolf S i l b e r st e i n (Berlin) allsgezeichnet. -- Herr Richard K a n f f m a im , Sohn des Herrn Synagvgenrates Hermann Kanfsmc.nn in Mannheim, der bisher Qffizierstellvertreter im Reservedragonerregiment Nr. 8 war, wurde zum Leutnant der Landwehr befördert. Herr Richard Kansfmaun wurde schon vor längerer Zeit mit dem Eisernen Kreuz und der badischen Verdienstmedaille am Bande und der militari s ch e n K a r t - F r i e d r i ch s - Bl e d a i l t e an s - g e z e i ch n e t. Herrn Tr. Heinrich F a st in Wien wurde von einem jüdischen Großgrundbesitzer in Bosnien der Vorschlag, gemacht, durch den Krieg um ihre Existenz gebrachte jüdische Familien aus Galizien in Bosnien anznsiedeln. Ter Initiator dieser Idee erklärte sich selbst bereit, 50 bis 60 jüdische Familien auf seinem Besitze in Bosnien landwirtschaftlich zu beschäftigen. Jede Familie würde fünf bis sechs Hektar Grund und die 'Mittel zur Bewirtschaftung desselben erhalten. Tie Erwerbung des Eigentumsrechtes wird im Vertrage in Aussicht gestellt; in Betracht kommen natürlich nur Familien, die sich freudig der Landwirtschaft widmen wollen. -. Ans Budapest wird berichtet: Tie unter der Leitung des Ministerialrats a. T. Tr. Alex Lederer stehende Palästina-Kommission ist erlist bemüht, ihre Aufgabe, die Not im Heiligen Lande tunlichst zn lindern, zn erfüllen. Sie sammelt unentwegt ili allen Kreisen für diesen guten Zlveck, wobei sie bei der Uebernnttlnng der Gelder durch das Ministerium des Aenßern warm unterstützt wird. Tie Herausgabe eines Palästina-Almanachs, dessen Redaktion bereits zusammengesetzt ist, soll die Idee propagandistisch verbreiten und popularisieren. Tie amerikanische Regierung hat einen jüdischen Tiplomaken, Herrn Einstein, znm Gesandten in Sofia ernannt. Eine Trauerfeier wurde in Paris vorletzten Tonnerstag in der Ecole normale orientale zum Andenken an den verstorbenen Präsidenten der Alliance Israel ite universelle, Narcisse Leven, abgehalten. Einen schweren Verlust hat die englischeJudenheit durch den Tod des Kapitäns -Robert M. S e b a g - AI o n t e s i o r e erlitten, der infolge B-erwllndnng an den Dardanellen eintrat. Er war Rechtsanwalt von Berns, Rat der spanivlischen Gemeinde, Ehrensekretär der Erziehnngs - Hilfsgesellschaft, Mitglied des Rates ,,Jto", gehörte der konservativen Partei Englands an und war Mitglied des Londoner Grafschaftsrates. Kapitän Robert M. Sebag-Montefiore war der Sohn vom verstorbenen Arthur Sebag-Montefiore und der Enkelsohn von Baron Joseph Sebag-Montefiore und dilrch seine Großmutter verwandt mit Moses Mvntefiore. Er starb in Alexandrien (Aegypten) und lvurde auch dort beerdigt. Ter „Nieuwe Rotterdamsche Courant" meldet aus London: Das Gericht fällte in einem von Sir Georges Makgill angestrengten Verfahren, in dem entschieden lverden sollte, ob Sir Edward S p e i e r und Dir Ernest E ass e l das Recht haben, Mitglieder des Geheimen Staatsrats zn sein, das Urteil, daß beide, obwohl sie Ausländer von Geburt seien, der Würde nicht entkleidet zn werden brauchen. Tie „Morning Post" bedauert dieses Urteil und spricht die Erwartung aus, daß die Angelegenheit vor eine höhere Instanz gebracht und diese eine andere Entscheidung fällen wird. — Antisemitische Zeitungen in London haben Anklagen gegen die dortigen Inden gerichtet betreffend die Mmderbeteiligung anläßlich der Rekrutiernng. Darauf antwortete Lord Rothschild durch einen „offenen Brief", in welchem er nachweist, daß gerade die Juden prozentual die meisten Soldaten liefern. — Tie Acndernng der politischen Verhältnisse in Polen übt auch religiösen Einfluß aus. In Warschau sind im Jahre 1914 sieben getaufte Indem znm Judentum zurückgekehrt, nämlich vier Männer und drei Frauen; zwei waren katholisch, zwei evangelisch und drei russisch-orthodox. Im Jahre 1915 sind bisher acht zurückgekehrt, vier Männer und vier Frauen; fünf waren katholisch und drei russisch-orthodox; unter ihnen befindet sich ein Militärarzt. Verantwortlicher Redakteur: Alberst Katz in Berlin-Pankow, Florastraße 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Junge, Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Mosfe.

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