Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 80 (1916)
- Issue
- Heft 3 (21.1.1916)
- Date
- 1916-01-21
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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80. Jahrgang Nr. 3 Berlin, 21. Januar 1916 Der Gemeindeüote. Bellsgr zur „Allgemeinen Leitung de§ IudentumK". korrelponl>kn?en und Aachrichten. Smtlchlsnd. E. R. Berlin, 16. Iaiurar. Tor Vorsitzende, Direktor Tr. SM i n b c n, cröffncte die heutige Sitzung der Repräsentantenversammlung mit folgender Ansprache: ,,Bei unserer ersten Sitzung im neuen Jahre begrüße ich Sie ans das herzlichste und wünsche, daß unsere Beratungen fegenbringeude sein mögen. Unser Volk hat vieles erduldet, hat aber alle Opfer freudig gebracht; unsere Heere dringen überall siegreich vor. Unsere Glaubensgenossen sind durch den Krieg sehr in Mitleidenschaft gezogen worden, da er sich bisher gerade dort abgespielt hat, wo sie in Mehrzahl leben, so wie auch jetzt in Saloniki. Aber wir leben in der Hoffnung ans einen siegreichen Fortgang, so daß auch ihre Lage eine bessere werden wird. lieber wichtige Vorgänge -in unserer Gemeinde habe ich heute folgendes zu berichten: Am 17. Januar v. I. haben wir Louis Sachs zu seinem 25. Nepräsentantenjubiläinn begrüßt, nach Schluß unserer Sitzung erhielten wir die Nachricht vom Tode unseres Gemeindevorsitzeudeu Julius Jacoby. Während Louis Sachs sich zu einem Nachruf für den Verstorbenen vorbereitete, ereilte ihn selbst der Tod. Tiefes Zusammentreffen war ein tiefer Schmerz für uns. Es starben ferner Dr. Alfred Metzenberg, Direktor Isidor Sachs und Geheimrat Professor Dr. Landsberg. Eine Freude war es für uns, Herrn Moritz Manheim er zur diamantenen Hochzeit gratulieren zu können. Eine erhebende Feier fand in der Neuen Synagoge statt. Ein Dankschreiben von ihm und seiner Gattin ist eingegangen, worin mitgeteilt wird, daß das Jubelpaar von der Rede des Vorsitzenden ergriffen war, daß ihm aber noch vieles zutun übrigbleibe. (Herr Manheimer tritt gerade in den Saal, von allen Seiten freudig enrpsangen.) Ende Dezember h at Herr Rabbiner Tr. Stie r sein 25jähriges Amtsjubiläum begehen können. Ten Glückivünschen des Vorstandes haben wir uns angeschlossen. Herr Lehrer Abraham Le v y, ein Veteran von 1870/71, beging seinen siebzigsten Geburtstag; er hat fünf Söhne im Felde, und auch ihm gratulierte ich im Namen der Versammlung. -- Wir treten jetzt in die Tagesordnung ein, die mit der Wahl des Vorsitzenden, der Schriftführer, der Allsschüsse 1, R und III und der Nevisionskoinmission gesetzlich beginnen muß." — In der darauf vollzogenen Wahl wurden zum Vorsitzenden Herr Direktor Tr. Minden, zll dessen Stellvertreter Herr Geheimrat Bl u ment hat, zum ersten Schriftführer Herr Justizrat Tr. Ignaz E o h 11, zu dessen Stellvertreter Herr Professor Türk gewählt. Ter Ausschuß I besteht ans den Herren 'Manheimer, Gerson Simon, Tr. G i n s b e r g, S. Weile, Tr. I. L e v y, L ü w c n b e r g, P i n c u s, W -e i g e r t. Ausschuß II: Aron H i r s ch, L e w i n s k i, S. S a ch s, L ö lu e n - b e r g, Plotke, Gerson Simon, Weile, Cohn. Ausschuß III: B l 11 m e n t h a l, B l a s ch t e, T ü r k, Tr. C o h n, H i r s ch, Kalischer, Minden, P i n c u s, Tietz, Emil Cohn. Tr. I. L e v y. Die Revisionskommission behält ihre bisherige Znsammensetznng. Tie Versammlung beschließt hierauf die Annahme folgender Zuwendungen: Herr Josef G a r b a t y - R o s e n t h a l hat zur Begründung einer Jose s-u nd-Ros a - Ga r b n ty - Ro s en th a l - S t i f t m ig beim zweiten Waisenhaus 25 000 Mark gespendet. Herr Alfred Glaserfe l d 500 M-ark zur Verteilung au zehn hilfsbedürftige jüdische Familien und 500 Mark für die Alterversor-gunasanstalt. Heer Ehr. Marc use 20 000 Mark zur Errichtung einer Stiftung zum Wöhle unehelicher Kinder, 5000 Mjark für Grabpflege. Frau Jda R ö h m a n n 10 000 Mark für die Alterversorgnugsanstalt. Herr Sauitätsrat Tr. Karl Bloch 500 Mark ohne Auslage (wird dem Fonds zur Unterstützung Kriegsbeschädigter überwiesen). Frau Klara H i r s e t o r n und Frau- Dorothea B i e l s ch o w s k y (Stiftung Hans Hirsekorn) 10 000 Mark. Frau Jeanette N adel m a il n gob. Hirschfeld 1000 Mark. Am Todestage soll in der Mterversorgungsanstalt das Kaddischgebet verrichtet werden. — Bei Punkt 15: Vornahme von Amtshandlungen du''ch die Rabbiner subventionierter Religionsvereine, entsteht eine sehr lebhafte Debatte. Es war seit Jahren Gesetz, daß solche Rabbiner ans den Gemeindesriedhöfen nur mit Erlaubnis des Gemeindevorstandes und ohne Amtstra-cht Reden hatten durften. Es tunr durchaus nicht der Fall, wie man meinte, daß den Predigern der Reformgerneinde ein Vorrecht eingeränmt wurde. Herr Sauitätsrat Tr. Feilchen-- s e l d hegt gegen eine Abänderilng dieses Gesetzes große Vedeilken, weil der Vorstand die Verantwortung für die Redner tragen muß mti) der Gemeinde besondere Verpflichtungen auferlegt würden. Herr Lewinski kann diese Bedenken nicht begreifen, er erklärt, daß in den kleinen Gemeinden ein innigeres Verhältnis zwischen Rabbiner und Gemeiudemitgliedern herrscht als in der Hanptgemeiude: die Amtstracht gehöre zilin Amt. Auch Herr Professor Tn rk tritt mit großer Wärme für die Abänderung ein. Tie Rabbiner seien nicht nur für die Toten, soildern auch für die Lebeildeil; unsere Rabbiner seien mit Kasualien belastet. Es wäre sehr zu wünschen, wenn ihre Zahl vermehrt uud sie sich dem Unterricht widmen könnten. Es beteiligen sich noch an der Debatte die Herren Justizrat Tr. C o h il und Professor Kalischer, bis man übereinkommt, alle diese Fragen in gemischter Deputation zil beraten. Herr Professor Kalischer verliest hierauf den Bericht des Bibliothekars der Gemeindebibliothek, Herrn Tr. Stern, nnd weist auf die erfreuliche Entwicklung der Bibliothek und des Museums hin. — Tie Einrichtung eines Jngendgottesdienstes nach altem Ritus an den hohen Feiertagen 1915 hat sich ans verschiedenen Gründen nicht bewährt. Herr Jnstizrat Tr. Cohn bittet, an den hohen Feiertagen des Jahres 1916 noch einmal Versuchsiveise einen solchen zu veranstalten. -- Es folgen Wahlen von Genwindemitgliederu für verschiedene Kommissionen. In die Rabbinerwahlkommission wurden gewählt: Herr Verthold Israel und Direktor Tr. '1H. H o l z m a n , in den Schul- und Talinud-Thora- Vorstand Herr Beirat Tr. Freund, in die Waisenkommission die Herren Justizrat Tr. Adam, Sauitätsrat Tr. Friedeberg, Direktor G r u n wald und Jakob S karg a r d t, in die Armenkoumiission Tr. Isaak K l o tz e r , Mar A s ch e r , Leopold B i e b e r , Paul B ö r u st ein, Bernhard 6 a s p a r i u s , Zahnarzt Jakob E h a s kel, Professor Tr. C z e m p i n , Tr. Alfred T e n t s ch, Rechtsanwalt Tr. E i s e n st ä d t, Ludlvig G i n s b e r g , Tr. Hugo G o ß - m a n n , Sauitätsrat Tr. A. G u t t m a n n , Atoses H e i m a n u , Isidor Hirsch, Max Holz, Siegfried Jacob, Norbert Lächln a n n, Tr. Fritz Lamm, Guido Levi, Kommerzienrat Maud e l b a u m , Geheimrat Nt a r e tz k i, Alfred M e y e r , Hugo 'A o s e n t h a l, Sanitätsrat S a m t e r , Paul S ch l o ch n u e r , Sauitätsrat Tr. B. W o l f f, Sauitätsrat W re s ch n e r , in die Diirchreisendeutommission Kaiserlicher Rat Wi lisch eck, in die Kaschrnth-Konimissiou Alex Be r g, Tr. M. S a l o m o n ski, Zahnarzt Ad. C aro, die Rabbiner Tr. E s che l b a ch e r und Tr. P e t u ch o w f k i, für das Krankenhaus Robert K e i 1 c r , Jnstizrat O b >e r n e ck, Theodor P i n c u s. Ten 'Mitgliedern der Synagogenchvre ward eine monatliche Teuerungszulage von je 6 M. gewährt, der Jüdischen Bereinigung Teinpethos-Rtariendorj zur Einrichtung von Rchligionsiinterricht eine Subvention von 100 Mart, dem Retigionctvcrein Westen zur teitweisen Deckung des Defizits ein einmaliger Zuschuß von 8000 Mark, dem Gesamtarchiv der deutschen Inden für 1916/17 eine Subvention von 2500 Mark, zur 'Anschaffung von Sachsschen Gebetbüchern 690 'Mark, zur Anschaffung von Auerbachschen S-chnlbibeln, 8700 'Mark, zur Anschaffung von Auerbachschen Schulnnd Hausbibetn 8700 'Mark, zur Anschaffung von 500 Exemplaren der Tr. Spanierschen Schrift ,,Leutnant Sender" 800 Mark, zur Unterstützung der durch den Krieg in Not geratenen elsaß-lothringischeu Inden 1000 Mart. 2£2 Berlin, 18. Januar. Ta§ I ü d i s che 65 e n e s u n g s h e i m in Lehnitz bei Oranienburg, das für erhvlnngsbedürftige Frauen nnd Alädchen bestimmt ist, wird bereits am 1. 'März d. I. wieder eröffnet. Ta es anzunehmen ist, daß in diesem Jahre besonders viele sich um den Aufenthalt bewerben iverden und im letzten Jahre ivegeu Ueberfüllung des Heims eine Anzahl von Gesuchen abgelehnt werden mußte, ist es zu empfehlen, Eingaben sofort bei dem Bureau des Vereins Jüdisches Genesungsheim, Berlin C, Rosenstraße 2/4, unter Angabe des Nationale einzusendeu. Berlin, 18. Januar. Unter inniger 'Anteilnahme eines intimen Kreises von Verloandten, Bekannten nnd Freunden wurde