Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-01-21 · Heft 3 (21.1.1916) · p. Seite 35

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 3 (21.1.1916)
Date
1916-01-21
Page
Seite 35 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3224737-3229232-3229236--71945-3284358
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

35 Wolsele wollte der Sache ein Ende machen, und mit fürchterlichem Ernst suchte er die Frnu aufzuklären. „Sie müssen wissen, Frau Udele, korrespondierendes Mitglied ist mehr. >Das bedeutet beinahe so viel wie Rascheko?)." „Und was macht so ein korrespondierendes Mitglied?" „Es schreibt Briefe." „Freilich, freilich. Er schreibt Briefe, und wer einen so schönen Brief schreibt, den wählt man. Und mein Sohn weiß zu schreiben, nicht wahr, Wolsele?" Wolsele bejaht und eilt grüßend davon. Frau Udele aber begibt sich zur Ruhe. Sie träumt vom Frühling und vom Mumendust. Nur ab und zu trübt ein Wölkchen ihren Horizont. „Wer warum hat man ihn denn nicht zum Gabbe gemacht? Er hätte auch Gabbe werden können. . ." Mchrremlauk. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurücksendung der Bücher findet in keinem Falle statt. Der Krieg, kommt, um das gebeugte und gekränkte Recht herzustellen. Predigt, gehalten bei der Chanukafeier 1915 von Dr. Emanuel Schwartz, Prediger am Prager Tempel. Selbstverlag zugunsten der Flüchtlinge. Deutschland, Deutschland über alles. Ein vaterländisches Buch für jung und alt von Maximilian Berit. Otto Elsner Berlagsgesellschaft m. b. H. Berlin 1916. Jüdische Kriegstrophäen. Von Judäus. Leipzig, Verlag von M. W. Kaufmann. Max Brod, Tycho Brahes Weg zu Gott. Verlag Kurt Wolfs, Leipzig 1916. Herman Cohen, Begriff der Religion im System der Philosophie. Verlag Alfred Töpelmann, Gießen 1916. Wl. Kossowsky, Les persecutions des «links en Russie. Verlag Carl Moor, Bern 1915. Clara Stern, Gedichte. Verlag von Rascher & Cie., Zürich und Leipzig. Dr. Felix Goldmann, Deutschland und die Ostjudenfrage. Verlag des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Berlin. Mitteilungen der jüdischen Volkskunde. Herausgegeben von Dr. M. Grunwald, Rabbiner der israelitischen Kultusgemeinde in Wien. 18. Jahrgang. 3. u. 4. Heft. Wien 1915. Dr. Erich Zechlin, Die Bevölkerungs- und Grundbesitzverteilung im Zartum Polen. Verlag von Georg Reimer, Berlin 1916. Bulgarien. Was es ist und was es wird. Herausgegeben vom Königl. Bulgarischen Konsulat zu Berlin. Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums. Begründet von Z. Frankel. Organ der Gesellschaft zur Förderung des Judentums. Herausgegeben von Prof. Dr. M. Braun. 59. Jahrgang. Neue Folge, 23. Jahrgang. Juli—Oktober 1915. Breslau, Koebner'sche Verlagsbuchhandlung. Predigt, gehalten am Sabbat-Chanuka 5676 (4. Dezember 1915) in der Synagoge zu Mannheim von Dr. M. Steckelmacher, Stadt- und Konferenzrabbiner. Daniel Jacoby. Kriegsxenien und andere Gedichte zum Völkerkampf. 1916. Im Xenien-Verlag zu Leipzig. Vom Judentum. Ein Sammelbuch. Herausgegeben vom Verein jüdischer Hochschüler Bar Kochbn in Prag. Kurt Wolf Verlag, Leipzig 1913. La Georgie et la Guerre actuelle. Orient-Verlag, Zürich 1915. Paul Eberhardt. Blätter für Suchende aller Bekenntnisse. Erste Folge. Verlag Friedrich Andreas Perthes, Gotha 1916. Die Juden im Kriege. Denkschrift des Jüdischen Sozialistischen Arbeiterverbandes Poale-Zion an das Internationale Sozialistische Bureau. Herausgegeben vorn Verbandsbureau. Den Haag 1915. Walter Harlan. In Kanaan. Ein frohes Mysterium. Egon Fleischel & Co., Berlin 1915. 2) Gemeindevorsteher. LUerarilche Mitteilungen. — Bon Leutnant Sender, lätter Oer Erinnerung fü x seine Freunde", herausgegeben von Dr. M. Spanier, diesem schönen und ergreifenden Buche, ist soeben die dritte, erweiterte Auflage erschienen. Trotz der Vermehrung des Umfangs ist der Preis (1 Mark für das geheftete, 2 Mark für das gebundene Exemplar) nicht erhöht. Walter Harlan. In Kanaan. Ein frohes Mysterium. Egon Fleischel u. Co., Berlin 1915. Ein eigenartiger Versuch, der, wenn auch jüdischen Inhalts, ziemlich deutlich verrät, daß er mit voller Freiheit, vielleicht mit absichtlicher Veränderung des Inhalts der geschichtlichen Berichte geschrieben ist. Der Inhalt des Dramas ist kurz folgender: Tamar, eine Witwe, hat zwei Söhne des Herdenbesitzers und Neumoudrichters Juda hintereinander geheiratet, ist kinderlos geblieben und. vermag den dritten Sohn des Genannten, Schela, den sie verlangt, nicht zu erhalten, da dieser ein anderes Weib genommen hat. Schließlich bringt sie es durch List und durch die Kraft ihrer Schönheit, auch unterstützt von der Göttin Astarte, der sie sich ergeben hat, dahin, daß Juda selbst, der vorher die deutlichen Anträge, die sie ihm gemacht, zurückgewiesen, nun, da er sie nicht erkennt, eine Kosestunde mit ihr verlebt und ihr seinen Stab zum Pfände gibt. Nach einem Jahre mit ihren Kindern, Zwillingen, zwei Söhnen, die sie geboren, zurückgekehrt, soll sie zunächst in Gemeinschaft mit Juda kraft eines kürzlich erlassenen Gesetzes aus dem Scheiterhaufen sterben, wird aber durch eine künstliche Auslegung dieses Gesetzes, der auch der Prophet Amon zustimmt, befreit und von Juda zu seiner rechtmäßigen Frau erkoren. Dieses bunte Spiel, ein frohes „Mysterium", in der es an Scherz und Spott, au lustigen Trinkszenen und an Verhöhnung der Besserwisser und Tugendnarreu nicht fehlt, wird mit halbgeschichtlichen, teils der Bibel entnommenen, teils der freien Phantasie entquollenen Erzählungen von dem Astarte- Kültus und jüdischen Gesetzesvorschriften verbrämt; Volks- und Gerichtsszenen, Austritte in Krämer- und Handwerkerläden, schwülstige Badeauftritte und mystische Vorgänge fehlen nicht. Man mag dem Dichter schon seine Widmung glauben: „Dem Erklärer der Genesis Hermann Gunkel, der mir den lieblichen Wundergarten endlich zugänglich machte", aber so recht zustimmen vermag man ihm nicht, 'denn das Biblische ist mit Unbiblischem, der Dichtervorstellung Entkeimtem gar zu stark gemischt. Aber es ist des Dichters Borrecht, mit seiner Quelle frei zu schalten, und da es sich nicht um eine Verspottung biblischen Geistes, sondern nur um eine etwas willkürliche Ausgestaltung biblischer Erzählungen handelt, so kann mau das Ganze als eine Verklärung altjüdischer Vorstellungen vou dem Kindersegen, wenn er auch mt* halbem oder ganzem Unrecht entsprießt, und als einen Triumph von Weiberlist und Frauenschönheit über die sich s-preizende Gerechtigkeit und Philisterhaftigkeit wohlmeinend, wenn auch etwas kopfschüttelnd, froh begrüßen. L. G. * — Heinrich Schön juck. Roman von Georg Hermann. Egon Fleischel u. Co., Berlin 1915. Nach wenig gelungenen Ausflügen aus das moderne Gebiet in dem Barbier „Knbinke" und in der „Nacht des Doktor Herzfeld" ist Georg Hermann wieder in die Biedermeierzeit eingerückt, die er meisterhaft beherrscht. Es ist nicht Vasselbe Milien, dos er in den beiden Gebert-Romanen behandelt hatte, obwohl er diesen Kreis au einer Stelle (S. 219) erwähnt. Es ist auch nicht Berlin, das uns diesmal vorgesührt wird, sondern Potsdam; und es ist auch keine jüdische Familie, mit der wir es zu tun haben, sondern eine solche, die ans dem Judentum ausgetreten ist. Denn Eduard Schön, Besitzer einer Seidensabrik, ist, man weiß nicht aus welchen Gründen, ziemlich früh zum Christentum übergegangen, obgleich er diesem neuen Glauben nur äußerlich zugetan zu sein scheint. Man ist freilich geneigt, eine solche Darstellung als einen Fehler zu bezeichnen, denn in den 40er Jahren des vorigen Jahrhunderts, in denen der Roman spielt, dürste die evangelische Geistlichkeit, namentlich in einer kleinen Stadt, eine etwas stärkere Beteiligung eines Proselyten gefordert haben. Der genannte Eduard Schön hat sich ziemlich spät, Mitte der 50er, nach längerer Mtwenschast, mit Antonie Arnstein aus Berlin, der Tochter eines verkrachten Konkurrenten, vermählt; die junge Frau entzündet in dem- Sohne

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.