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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-01-21 · Heft 3 (21.1.1916) · p. Seite 30

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 3 (21.1.1916)
Date
1916-01-21
Page
Seite 30 (sequence 6)
Language
German
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alle Orte aufgesucht hat, wo er zu sehen war. Dagegen wurde sie von dem lüsternen Adonia entdeckt, begehrt, schließlich gewaltsam hinweggeführt in der Absicht, von ihm mißbraucht zu werden. Aber auch David hat sie, da er in der Nähe der Hütte ein Opfer brachte, bemerkt, und der alte, kranke, halbblinde und an seinem Gehör leidende König, der freilich Kraft genug besitzt, die Empörung seines Sohnes Adonia niederzuschlagen, er, der ewig Frierende, der es in den öden kalten Mauern seines Palastes nicht aushalten kann und dem die weichsten und schützendsten Decken das schlotternde Gebein nicht warm zu machen vermögen, verlangt die erblühende Jungfrau, damit sie seine letzten Augenblicke versüße, und gibt in ihrem Schoße fernen Geist auf. Salomo, der die ihm von dem Vater versprochene Krone aufs Haupt setzt, weigert seinem zurückgesetzten Bruder Adonia, der halb gezwungen auf die Krone verzichtet, seinen einzigen Wunsch, nämlich den Besitz des von ihm geraubten Mädchens, ja, verurteilt ihn zum Tode. Aber auch er kann sich des Besitzes der Abijag, die in ihnr, dem bisher Weibfremden, wahnsinnige Leidenschaft erregt hat, nicht erfreuen, er findet sie am Morgen nach dem Tode seines Vaters David ermordet an der Tür seines Palastes. Dieser Berlust deucht ihm ein schlimmeres Weh als das Unglück der Verbrecher, die er unmittelbar, nachdem er in den Besitz der Krone gelangt ist, in dem finsteren Keller aussucht, wohin sie gesperrt waren, um entweder ohne Urteil zu vermodern oder ihre Bestrafung zu erwarten. Unter ihnen verurteilt er außer einer schlimmen Buhlerin, die gleichfalls ihre Bestrafung erwartete, nur den Joab, der schon von seinem Vater verdammt war, läßt aber die anderen frei und entschließt sich crüs das Drängen seiner Ratgeber, sich dem Volke zu zeigen, befiehlt statt der hundert Frauen, die die Aeltesten ihm zuführen wollen, tausend Weiber aus aller Welt zu versammeln und zu untersuchen, „ob alle sie zusammen einen Schimmer von Licht der einen bergen, die ich heute begrub". Neben Abisag steht Mephiboseth, ein Enkel Sauls, im Vordergründe, ein mißgestalteter Alaun, der auch von David geduldet worden war, und der in losen Reden gegen alle seine Feinde sich gefällt, der David ungeschminkt die Wahrheit sagt, der Adonia mißachtet und ihm alle möglichen Ungelegenheiten bereitet und der auch die Gnade Salomos, den er gleichfalls bespöttelte, nicht in Demut, sondern mit hochmütigem Trotze entgegennimmt. Das Drama ist von nicht geringer dichterischer Bedeutung, obgleich ihin die wirkliche Einheit fehlt. Denn Abisag, obgleich die Hauptperson, ist doch nicht Trägerin des Ganzen; statt eines Liebesdranias, das man erwartet, empfangen wir ein hochpolitisches Stück. In diesem wird die Partei Sauls lebensvoll geschildert, sowohl durch seinen schon erwähnten Enkel als durch eine ganze Anzahl Inden, die, wenn sie auch den verstorbenen König rühmen und ihre Treue gegen diesen ihren Wohltäter mit starken Worten zum Ausdruck bringen, doch nicht die Kraft besitzen, gegen das ihnen ausgedrungene Regiment wirklich Partei zu ergreifen. Auch König David wird gut geschildert. In seinem Selbstbewußtsein bei aller lebhaften Erinnerung an seine ärmliche Vergangenheit. In seinem krankhaften Lebenshunger, der gerade durch die Erkenntnis, daß seine Tage gezählt sind, immer mächtiger wird; ebenso Adonia in seiner Herrschgier und in seinem Untergang und endlich Salomo selbst als'Dichter und Kuuftbeflissener in seiner Welwergessenheit und in seinen poetischen Träumen. Das Erwachen Salomos aus kindlicher Unbefangenheit zu jünglingshafter Begehrlichkeit ist mehr angedeutet als wirklich dargestellt. Und seine schnelle Umkehr, die ihn veranlaßt, seinen eben getanen Ausspruch: . . . Von deinem Haupt Soll nicht ein Haar zu Boden fallen, Bruder! zurückzunehmen und dem nach Abisag die Hände streckenden Bruder die Worte entgegenzuschleudernr Gott helfe mir, schleppt ihn vors Tor und schlagt ihn tot . ist nicht recht wahrscheinlich. Aber trotz mancher Fehler, zu denen auch an einigen Stellen die Uebertreibung der Sprache gehört, obgleich diese im ganzen dem Moment angemessen und durchaus frei von dem Streben ist, die biblische oder spezifisch-jüdische Sprache nachzuahmen, muß das Drama als eine wohlgelungene Dichtung und eine angemessene Versenkung in den Geist der Bibel bezeichnet werden. ILsndesrabbmkr Dr. G. Mlk in Lramilchweis von dessen tragischem Ende während einer Amtshandlung im „Gemeindeboten" die Rede war, wurde geboren am 3. Dezember 1851 in Rauisch-Hvlzhausen, Kreis Marburg; dort besuchte er vom 6. bis 13. Jahre die jüdische Elementarschule. 1865 bis 1867 bereitete er sich in Marburg aus das Lehrerseminar privatim vor. Von 1867 bis 1870 besuchte er in Hannover das Lehrerseminar, das damals unter der Leitung von Direktor Frennsdorff stand. 1870 wurde er Lehrer der jüdischen Elementarschule in Gleidingen (Provinz Hannover). 1874 gab er den Lehrerberuf auf und bezog die Universität Marburg, wo er sich bis 1877 jüdisch-theologischen Studien widmete. In dieser Zeit erwarb er sich zugleich die Maturität. Von 1877 bis 1882 studierte er am jüdisch-theologischen Seminar in Breslau und an der dortigen Universität orientalische Sprachen. Im Mai 1879 promovierte er in Leipzig. 1882 bestand er das Rabbinatsexamen; in demselben Jahre wurde er nach Braunschweig als Adjunkt des Professors Dr. Herzfeld berufen, dem er nach dessen Tode 1884 im Amte folgte. Seine Vermählung fand im Jahre 1886 statt. Der Verstorbene verwaltete sein Amt in höchst gewissenhafter Weise, bekümmerte sich vielfach um soziale Dinge, war bei den Gemeinden im Herzogtums sehr beliebt und erfreute sich auch in christlichen Kreisen in Braunschweig großer Achtung. Er war ein gelehrter Mann, der mannigfache Anregung gab und auch als Redner einen trefflichen Eindruck hervorrief. Der ungarische LanLesrsbbinrroerrm hielt nm 2. November 1915 in Budapest unter Beteiligung von über fünfzig Rabbinern aus allen Gegenden des Landes eine außerordentliche Generalversamnilnug ab. Biele aktuelle Fragen, .die mit dem Kriege Zusammenhängen einerseits, anderseits das vor einiger Zeit erfolgte Ableben des ersten Vorsitzenden, Oberrabbiuers Dr. Armin Schnitzer, machten die Einberufung 'der Versammlung dringend notwendig. Ihr Verlauf war außerordentlich würdig und feierlich. Zum Vorsitzenden wurde einstimmig Dr. Eduard Neumaun, Oberrabbiner in Nagykanisza, gewählt, der sich auch bisher schon als geschäftsfnhrender zweiter Vorsitzender mit seinem unermüdlichen Eifer und seiner rastlosen Tätigkeit unvergängliche Verdienste um den Rabbinerverein erwarb. In den Vorstand wurden noch gewählt: zu stellvertretenden Vorsitzenden Dr. Julius Fischer und Dr. Simon Hevesi (Budapest), Dr. Jakob Steinherz (Szekesfehervär). Schriftführer: Dr. Ludwig Venetiauer (Ujpest) und Dr. Franz Lövy (Marosväsärhelh). Schatzlneister: Dr. Berthold Edelstein (Budapest). Kontrolleur: Dr.'Arnold Kiß (Budapest). — Nach einem hebräischen Eröffnungsgebet des Vorsitzenden folgte seine ungarische Ansprache, in der er mit rührenden Worten des Hingeschiedenen Vorsitzenden und seiner emsigen Arbeit zum Wohle seiner Gemeinde und des Rabbinervereins gedachte. Sodann beweinte er die -im letzten Jahre verblichenen ungarischen Rabbiner und würdigte ihre

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