Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 80 (1916)
- Issue
- Heft 3 (21.1.1916)
- Date
- 1916-01-21
- Page
- Seite 27 (sequence 3)
- Language
- German
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27 Die Woche. Berlin, den 18. Januar 1916. eute vor 45 Jahren wurde das deutsche Kaisertum errichtet. Es hat sich glorreich bewährt, nicht wie das alte Kaisertum römisch-deutscher Nation als ein glänzender Name, nicht wie jene Verbindung geistlicher und weltlicher Macht als ein Symbol und zugleich als eine Fiktion der Weltherrschaft, sondern als eine Festigung deutschen Namens, eine Stärkung deutscher Macht und als großartiges Friedenswerk. Vierzig Jahre und länger hat dieses deutsche Kaisertum der Welt imponiert, ohne den Anspruch zu erheben, die Welt zu beherrschen; es hat dazu beigetragen, den deutschen Namen zu Lande und auch zu Meere ehrsurchtgebietend zu machen. Nun soll dieses deutsche Kaisertum, von der ganzen Welt bekämpft, sich aufs neue glänzend bewähren. Fast 18 Monate lang steht es im siegreichen Vordringen den östlichen und westlichen Mächten gegenüber, und wenn es bisher auch noch nicht den glorreichen Frieden erzwungen hat, so bleiben wir fest bei der Hoffnung, daß es ihm gelingen wird, dem deutschen Namen und der deutschen Ehre neuen Ruhm und neuen Glanz zu verschaffen. Von K r i e g s n a ch r i ch t-en ist in der abgelaufenen Woche wenig zu melden. Die österreichisch-ungarischen Truppen haben in ihrem Kampfe gegen Montenegro glänzende Erfolge errungen. Sie haben nach Ueberwindung des schwierigen Lowtschen, eine Heldentat ersten Ranges, die jetzt natürlich von den zuerst ganz verwirrten Gegnern als etwas Unbedeutendes und Unwichtiges hingestellt wird, die Hauptstadt Montenegros, Cetinje, eingenommen und fahren, in ihrem Siegeszuge fort. Die Montenegriner werden auf ihrer Flucht verfolgt, und es ist zu hoffen, daß auch dieses ganze Räuberland bald in den Händen unserer Bundesgenossen sein wird. — Soeben trifft die Nachricht ein, daß Montenegro um Frieden gebeten und die unbedingte Waffenniederlegung angenommen hat. Die österreichischen Truppen haben ferner heldenmütigen Widerstand gegen die Russen geleistet, die mit unerhörten, stets von neuem unternommenen Anstrengungen versuchten, durch ihre Scharen durchzubrechen und sich wiederum in den Besitz der Bukowina zu setzen. Sie hofften dadurch einen Einfluß auf die Vorgänge in Montenegro auszuüben. Diese Versuche sind ihnen jedoch gänzlich mißlungen. Alle ihre Lügen, in denen sie von ihren Verbündeten Unterstützung erhalten die einzige, die sie wirklich finden —, helfen ihnen nichts, um die Wahrheit zu verschleiern. Auf den übrigen Kriegsschauplätzen, namentlich in Italien und im Westen, ebenso in Kurland, ist es still. Die verbündeten Feinde setzen sich in der Gegend von Saloniki immer weiter fest und leben der Hoffnung, dort ein neues Npern zu schaffen; sie haben Korfu besetzt und werden vermutlich an der schönen Besitzung des Kaisers ihr schnödes Räuberhandwerl zu üben versuchen. Sie sind auch in den -letzten Tagen im Piräus gelandet und wollen durchaus Griechenland zum Anschluß an sie zwingen. Unterdessen sind die parlamentarischen K ö r p e rschäften in Deutschland, hauptsächlich der Deutsche Reichstag und der Preußische Landtag, zusammengetreten. In ihren Verhandlungen zeigt sich eine schöne Einigkeit, eine starke Zuversicht bekundet sich in den Reden der Vertreter der Negierung und der Abgeordneten des Volkes. Die Bewunderung für die Großtaten unserer Armeen erklingt in berechtigtem Stolze, und in ernsten Mahnungen wird die Aufforderung an die zu Hause Gebliebenen laut: zum Ausharren, zur mäßigen Lebensführung und zur Bereitwilligkeit, die Schäden zu bessern und die Wunden zu heilen, welche der Krieg geschlagen hat. Die erste Aufgabe der Volksvertretung besteht darin, die Summen zu bewilligen, welche die Kriegs- und Friedensaufgaben fordern. Starke Steuerzuschlä-ge sind notwendig; an jeden einzelnen tritt die Notwendigkeit heran, sich Opfer aufzuerlegen, um denn Vater'lande zu helfen. So schwere Lasten jedem einzelnen, namentlich dem schwer bedrückten Mittelstände, damit auferlegt werden, wir werden sie frohgemut tragen, denn in ihnen liegt allein die Möglichkeit, die Gegner niederzuring-en und eine schöne große Zukunft zu begründen. Zur Charakteristik dieses Geistes, zur Kennzeichnung der Gesinnungen und der Hoffnungen, mit denen wir der Zukunft entgegensehen, sei folgender Passtls aus der Thronrede abgedruckt, mit der der preußische Landtag eröffnet worden ist: Meine Herren, Seine Majestät der Kaiser und König weiß, daß Ihr Wirken und Schassen wie bisher so auch in dem neuen Abschnitt der parlamentarischen Arbeiten von dem Geist der Opfer- Willigkeit Nttd E n t sch l v s s e ii 1} e i t getragen sein wird, von dem tapferen Geist, der allein unserem Volte die Kraft gibt, diesen gewaltigen Krieg siegreich zu bestehen. In dein ungeheuren Erleben dieses Krieges wird e i n n e n e s G e s ch l e ch t g r o ß. Die ganze waffenfähige Mannschaft, geeint durch kameradschaftliche Treue bis in den Tod, schirmt Staat und Volt. Der Geist gegenseitigen V e r sie h e n s itnb V e r t r a u e n s wird nud> int Frieden fortwirken in der gemeinsamen Arbeit des ganzem Volkes im Staate. Er wird u n s e re ö s f e n t 1 i ch c n .E i n r i ch t u n g c tt d u r ch drin g e n und l e b e iid i g e n A u s d r u cf finden in n ns e r e r V e r lv a l - t n n g , u n s e r e r G e s e tz g e b u it g und in der G e st a l t u tt g d e r G r tt u d l a g e n für die V e r t r e t u n g d e s V o lkes in den g e s e tz g e b e n d e tt K ö r p erschaffe tt. Die geschlagenen Wunden heilen nttd neues Leben hervorwachsen lasset! aus den gewaltigen Daten und Opfern unseres Volkes wird unser aller größte Aufgabe sein, sobald der Frieden siegreich erstritten ist. In Stürmen ist der preußische Staat groß geworden, im Sturme steht er -auch honte unerschütterlich da. Was Feindschaft als Zwang ausgibt, ist Freiheit a it f O r d tt tt tt g gebaut. Das Band, das die Preußen an ihren König bittdet, haben diese Zeiten des Kampfes und Sieges, wenn -es möglich war, nur noch fester geschmiedet. Gott schütze Preußen auch in Zukunft und bewähre es als starken Träger des Reichs. Darauf bauen nur mtb führen unseren guten Kampf zilm guten Ettde. * Heber Lord R o t h sehild it n b d i e r u s s i s ch e A uleih-e schreibt „Die Standarte" in Berlin: Als der russische Fiuanzminister Bark London verlassen hatte, toar er um eitte Hoffnung ärmer ttud um eine Erfahrung reicher; Lord Rothschild hatte es abgelehnt, mit ihm über die Gewährung einer Anleihe an Rußland zu verhandeln. Der große Weltkrieg spielt sich nicht nur auf den Schlachtfeldern ab, sondern auch in den Kontoren der Banken und der großen Geld Magnaten, mtd wie anders sähe es henke im Bierverbande ans, liehe tticht Morgan mit seinen Millionen und feinet! gewaltigen Hilfsquellen den Westmächteu seine Unterstützung. Das Hatts Morgan hat noch keine Tradition: als der Großvater und der Vater des heutigen Chefs der Firma I. P. Morgan tt. E o. noch natnenlose Leute waren, besaßen die Rothschilds bereits europäische Berühmtheit, waren sie bereits die größte, damals sogar die einzige europäische Finanzdhnastie. Eine Dynastie hat ihre Tradition: eine Spekulatttenfamilie wie die Morgens nicht; sie will nur Geschäfte machen. Ganz genau so wie die verschiedenen anderen Bankiers deutscher Abkunft, die -sich an der großen Anleihe der Westmächte in New?)ork beteiligt haben lmd denen auch noch das nötige Verständnis dafür fehlt, daß es Geschäfte gibt, die Zwar gewinnbringend sind, die aber ein anständiger Mensch nicht macht. Lord' Rothschild fühlt als Engländer, und das ist sein gutes Recht, da er von englischen Eltern in England gehöret! und erzogen worden ist und sein ganzes Leben bisher in England zugebraelst hat. Aber Lord Rothschild hat zugleich niemals aufgehört, Jude zu sein und als Jude zu empfinden. Er, der Träger zahlreicher Ehret! und Würden, Mitglied.des Oberhauses, hat niemals den Gedanken erwogen, den Glauben seiner Väter abzulegen, und an die Spitze des großen Hilfswerkes für die aus ihren Heimstätten vertriebenen russischen Juden hat sich Lord Rothschild gestellt. Ihnen sind seine Millionen zugute