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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-01-14 · Heft 2 (14.1.1916) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 2 (14.1.1916)
Date
1916-01-14
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 hören, war die Einnahme ziemlich bedeutend, auch flössen Spenden in reichlicher Menge zu, so daß die Proviuzialhauptstadt sich rühmerl kann, zur Verstärkung der Kriegsfürsorgekasse eine ansehnliche Summe beigetragen zu haben. Allen Mitwirkenden wurde reicher Beifall gespendet. W. Aus der Provinz Posen, im Januar. Posen. Zu einem gemütlichen Abend hatte der Magistrat gegen 200 Soldaten geladen. Zu Ende der Tafel erhielt jeder der Gäste nützliche Geschenke. Auch ein Fläschchen guten Ungarweins konnte dank des Entgegenkommens der Weinfirma Leopold Goldenring jedem Paket beigegeben werden. Für Posener Kriegerfamilien stifteten brauchbare Gegenstände die Firmen L. P l a c z e f , H e p n e r und Rudolf Petersd o r f f. — F r a u st a d t. Der Kreis hat der Firma Lewy u. Landsberger Hierselbst zunächst 200 Zentner Kleie zum Verkauf in Einzelmengen bis zu drei Zentnern an Viehbesitzer im hiesigen Kreise freigegeben, w e n n die Bezahlung in Gold erfolgt. — V o re k. Nach kurzem Leiden verschied hier der Vorsteher unserer Gemeinde, der Kaufmann Fabian Jaraczewfki. Mit ihm verliert die Synagogengemeinde einen treuen Berater, der jederzeit seine Kräfte voll und ganz dem Wohl der israelitischen Gemeinde widmete und bestrebt war, deren Bestes zu fördern und zu erhalten. — Schneidemühl. In diesen Tagen erhielt Frau Johanna Fränkel die Nachricht von dem am 30. Oktober erfolgten Heldentode ihres 34jährigen Sohnes. Nunmehr wurde ihr eine vom 25. November datierte Karte übermittelt, auf der ihr Sohn mitteilt, daß er sich in französischer Gefangenschaft befinde. Man kann sich die Freude der gramersüllten Mutter über diese Botschaft vorstellten. — Posen. Zu wiederholten Malen sind russi-sch-jüdifche Gefangene nach unserer Synagoge gebracht worden, dem Gottesdienste beizuwohnen. Sie sind meist Soldaten, die in der Masurenschlacht in Gefangenschaft geraten sind und sich bei uns überaus wohl fühlen. Es finden sich auch intelligente Leute unter ihnen. — Auf einem Gute bei Kostschin waren bis vor kurzem neun jüdische Gefangene; sie sind bis aus zwei dem Hauptlager zugeführt worden. Einer dieser beiden Gefangenen kam an einem Freitagabend in die Familie des Kaufmanns Paul Lew in in Kostschin. Als er die brennenden Lichter auf dein Sabbattische sah, konnte er sich der Tränen nicht enthalten und war kaum imstande, den Kidusch mit anzuhören. An der Abendmahlzeit konnte er nicht teilnehmen, so geriihrt war er, wieder einmal die Weihe des Schäbbos zu genießen. x. Liffa i. P., 7. Januar. Zu den L i t e r a t u r v e r e i n e n, die das geistige Leben in der Gemeinde auch während der schweren Kriegszeit aufrecht zu erhalten suchen, darf sich auch der nnsrige zählen. Das Winterhalbjahr im Vereine wurde mit einem Vortrage von Rabbiner Dr. Posner aus Kottbus über „Der Krieg im Lichte der Bibel" eingeleitet. Tann folgte eine erhebende Chanukäfeier mit Ansprachen von Rabbiner Dr. Gelles und Hauptlehrer H e r b st, Rezitation aus den „Hasmonäern" von Leopold Stein u. a., und das neue Jahr ist durch einen Vortrag von Fritz Scherbel über „Deutschlands Luftflotte" und von Mar Scheuselein über „Uriel Acosta" von Karl Gutzkow eiugeleitet worden. Es ist erfreulich, bei jeder Gelegenheit zu sehen, wie warm besonders bei den jüdischen Soldaten das Interesse für die jüdische Geschichte tmb Literatur ist. — Breslau, 7. Januar. Das von dem hiesigen Jüdischen Volksheim in seinen Räumen eingerichtete E r h o l u n g s h e i m für verwundete Krieger der Garnison Breslau erfreut sich nach wie vor außerordentlich regen Besuches. In der Zeit seit seiner Eröffnung am 4. Oktober vorigen Jahres bis jetzt ist es von mehr als 14 000 verwundeten Soldaten besucht worden, die unentgeltlich mit Kaffee, Tee, Gebäck, Zigaretten usw. bewirtet wurden. 275 bis 300 verwundete Krieger, häufig aber auch viel mehr, suchen täglich die gastlichen Räume auf, wo ihnen auch durch geistige Darbietungen, durch musikalische und deklamatorische Vorträge, durch ausliegende Zeitungen und Wochenschriften, durch zur Verfügung gestellte Brettspiele und Kartenspiele Gelegenheit geboten wird, ihre Sorgen zu vergessen. Vor kurzem besuchte der stellvertretende Kommandant von Breslau, Generalmajor v. P a c z e n s k y u n d T c uczi n, das Heim. Er besichtigte sämtliche Einrichtungen des Erholungsheimes, sprach alle anwesenden Soldaten an, erkundigte sich nach ihren Verhältnissen und Erlebnissen und sprach dem Vorstand seinen herzlichen Dank dafür aus, daß die verlonndeten Soldaten so gut aufgehoben seien. In den Abendstunden von 8 bis 10 Uhr steht das Volkshei»n, luic' in Ten früheren Jahren, ärmeren Mitbürgern zur Benutzung offen. 22 Guben, 9. Jänuar. Unser Glaubensgenosse Herr Oberleutnaut Brau n (Hersbruck bei Nürnberg) ist von S. M. dem Kaiser, laut Kabinettsorder vom 30. Dezember v. I., zum Hauptmann i>. L. befördert worden. Herr Braun befindet sich im Offizier,gefangenenlager in Wülzburg bei Weißenburg in Bayern. Der nunmehrige Hauptmann hat den Feldzug 1870/71 bei einem Preußischen Regiment mitgemacht und wurde bald nach dein Feldzuge zum Offizier befördert. Bei einer Hebung lourde er Oberleutnant und ging daun ab. Im Mai oder Juni voriger! Jahres, als Italien den Krieg gegen Oesterreich-Ungarn erklärte, meldete sich Braun freiwillig, er kam nach Wülzburg. Hauptmann Braun ist 68 Jahre alt und in preußischen Diensten. — Grevenbroich, 7. Januar. Kurz vor dem jüdischen Neujahrsfest am 9. September d. I. erschien ein Unteroffizier des Wachtkomrnandos der Kriegsgesangenenabteilung Elsen bei dem hiesigen jüdischen Religionslehrer und teilte ihm mit, daß einige russische Kriegsgefangene seines Kommandos, die jüdischen Glaubens seien, an dem israelitischen Gottesdienst im hiesigen Tempel an jenem Festtage teilnehmen sollten. Das wurde gestattet, und der Rabbiner, mehrere Kauften te und zwei Frauen bewirteten nach dem Gottesdienst ihre kriegsgesangenen russischen Glaubensgenossen, da zuvor der wachhabende Unteroffizier erklärt hatte, dem stünde nichts im Wege. Tatsächlich aber war es ein Vergehen gegen das Verbot des kommandierenden Generäls über den Verkehr mit Kriegsgefangenen. Auch nahmen christliche Bürger an der Bewirtung Anstoß, da unseren in die Gewalt der Feinde gefallenen Soldaten dort eine so freundliche Behandlung nicht zuteil werde. Der Unteroffizier wurde darauf mit drei Wochen Mittelarrest bestraft, weil er feiner Instruktion Zuwider unerlaubten Verkehr mit den seiner Obhut anvertrauten Kriegsgefangenen geduldet hatte; die Gastgeber aber hatten sich jetzt vor dem Außerordentlichen Kriegsgericht für den Bereich der Festung Köln zu verantworten. Dieses sprach sie jedoch frei, weil ihnen nicht bewußt gewesen sei, daß sie gegen die fragliche Verordnung verstießen, indem sie aus die Erlaubnis des wachhabenden Unteroffiziers vertrauten. .1. A. Nürnberg, 7. Januar. Herr Josef Hess elbe rg er, Großkaufmann aus Nürnberg, Leutnant der Reserve beim 5. bayerischen Reservekavallerieregiment, wurde als Oberleutnant zur deutschen Militärmission in die Türkei kommandiert. Derselbe wurde bei den Kümpfen an den Dardanellen mit dem türkischen Eisernen Halbnwndorden dekoriert. Die Auszeichnung wurde dem Genannten durch den Oberkommandierenden Exzellenz Liman v. Sanders Pascha persönlich überreicht. Das Eiserne Kreuz erhielten: Josef H e i l b r o n n e r, Vizewachtmeister der Artillerie, Sohn des Herrn Lederhäudler Julius Heilbronner in Nürnberg. Martin W e i l - heimer, Vizewachtmeister d. L. beim 8. Feld-Art.-Neat. Das b a y e r i s che M i l i t ä r v e r d i e n st k r e u z zweiter K l affe erhielten: Robert Ziegel, Vizefeldwebel im 20. bayerischen Reserve: nfa nterieregi ment, Sohn des Kunstanstaltsbesitzers Emil Ziegel; August Mainzer, Vizefeldwebel im 7. bayerischen Landwehrinfanterieregiment. Den bayerischen M i l i t ä r Verdienstorden vierter Klasse erhielt: Stabsarzt d. L. Tr. Albert Regensburger ans Nürnberg. Das Eifer ue K r e u z erhielt in Fürth: Offizierstellvertreter Josef K ö n i g sh ö fe r vom Grenadierregiment Nr. 3, Sohn des verstorbenen Waisenhausdirektors Dr. Königshöser (Fürth). Die R o t e - K r e u z - M e d a i l l e dritter Klasse erhielten: Praktischer Arzt Dr. Ferdinand Golds ch nr idt, königlicher Hofrat und Mitglied der israelitischen Geineindeverwdt11ng, Kaufmann Otto Strauß und Frau Bankdirektvr K u g l e r in Nürnberg. S2 Würzburg, 7. Januar. Den: kürzlich erschienenen Rechenschaftsbericht der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt in Würzburg für 1914/15 entnehmen wir folgende Mitteilungen: Nach dem vorjährigen Bericht verblieben der Anstalt 30 Schüler. Davon gehörten im Berichtsjahre 11 der 6. Klasse, 8 der 5. Klasse und 11 der 4. Klasse an. Von diesen Zöglingen bezahlten die Verköstigung 14 ganz und 14 teilweise; 2 waren extern. Hierbei muß jedoch bemerkt werden, daß auch von den Schülern, welche die Beköstigung ganz zahlten, nur der Verpflegungsbetrag erhoben wurde, welcher zu Anfang des

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