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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-01-14 · Heft 2 (14.1.1916) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 2 (14.1.1916)
Date
1916-01-14
Page
– (sequence 13)
Language
German
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80. Jahrgang Nr. 2 Berlin, 14. Januar 1916 Der Gemeindebote. Vrllsge zur „Allsemelnen Leitung drK IudentumK". korrrlpondMHM und Aachrichten. SkllllchlsnL. F. Berlin, 11. Januar. Unter dem Titel „B ibLif che Poesie in Wort und Ton" hatten die Berliner U.-O.-B.-B.-Logen am 8. d. M. in der „Philharmonie" ein Konzert zum Vesten ihrer Kriegshilfe, des Mütter- und Kinderheims ihres Frauenvereins und der Hinterbliebenen gefallener Krieger veranstaltet. Das reichhaltige Programm bot nach einem virtuos gespielten „Orgelvorspiel" von Hans L u e d t k e (an der Orgel Herr L u e d t k e in Feldgrau, an der Harfe Frau Anna Hopf) den „23. Psalm" von Franz Liszt, den Herr Oberkantor Magnus D a v i d s o h n mit prachtvoller Stimme sang, während Herr Luedtke und Frau Hopf die begleitende Instrumentalmusik ausführten. Herr Kapellmeister A. K ellermann brachte mit seinem verstärkten Chor der Neuen Synagoge den „84. Psalm" für gemischten Chor und Orgel von Karl N h e i nthaler sowie seine musikalisch sehr charakteristischen Kompositionen „Ruth und Nuomi", dessen Solo Frau Grete Zolles trotz einer Indisposition mit weichem Ton und warmer Empfindung sang, und seine Hausmusik „Schir hamaaloß" (Psalm 126) und „Jom seh m'chubod", die sich durch gefällige Melodik auszeichnete. Ter Chor war mit großem Eifer und Fleiß einstudiert und erfreute unter der bewährten Führung seines temperamentvollen Dirigenten durch schönen Stimmklang, besonders bei den Tenören, und dynamisch nuancierten Vortrag; der Orgelpart war bei Herrn Professor H e r - mann D e ck e r t wie immer sehr gut aufgehoben. Herr Wittenberg spielte mit Herrn Luedtke und Frau Hopf die vor Jahresfrist hier zum erstenmal gehörte „Psalmodie" für Violine, Orgel und Harfe von Bogumil Zepter sowie das „Kol Nidro" in der bekannten — sagen wir „christlichen" — Bearbeitung von Nt a x Bruch mit gewohnter Meisterschaft und hinreißender Tonschönheit. Don . den Borträgen der Frau Frieda L a n g e n d o r f f seien „Talismane", von Robert Schumann und die „Allmacht" von Franz Schubert erwähnt, die mit voluminösem Ton, vorzüglicher Textaussprache und virtuoser Atemtechnik gesungen wurden. Frau Tilla Durieux las drei Dichtungen, deren Themen der Bibel entnommen waren. Drei Melodramen: „Fest der Gesetzgebung" von L e w i s e u r, „Eines Dichters Bestattung" von Emil Kuh und „Abraham" von Nt a r t i n Wiel a n d, wurden noch» von Herrn Oberkantor D a v i d s o h n mit dramatisch beseeltem Schwung und gewaltigem Organ vorgetragen. Die zugehörige, von Hans L u e d t k e nach traditionellen Melodien zusammengestellte Begleitmusik wurde in diskreter Weise von Herrn Luedtke und Frau Hopf ausgeführt. 22 Berlin, 11. Januar. Seinen 70. Geburtstag feiert heute der israelitische Gefängnisseelsorger und Schuldirigent Abraham Levy. Der Jubilar übt seit fast einem halben Jahrhundert eine segensreiche Tätigkeit in seinem Berufe als städtischer Lehrer, als Prediger und Seelsorger an den königlichen Gefängnissen Groß- Berlins, als Dirigent der I. Religionsschule der Berliner jüdischen Gemeinde und in einer Reihe von Ehrenämtern aus. Seine rastlosen Bemühungen in der Fürsorge für entlassene Strafgefangene haben hervorragende und viel beachtete Erfolge gezeitigt. Die weiteren Kreisen bekannte wissenschaftliche Tätigkeit des Jubilars, dem auch die „Allg. Ztg. des Judentums" eine Reihe wertvoller Beiträge verdankt, bewegt sich vornehmlich auf dein Gebiete jüdischer Literatur und der Erforschung des altisraelitischen Staats- und Familienlebens. Der Jubilar, der seiner Ntilitärdienstpflicht tm Kriege 1870/71 genügt hat, hat heute die Genugtuung, daß fünf seiner Söhne dem Vaterlande als Soldaten dienen. Mögen dein verehrten Jubilar noch recht viele frohe und glückliche Lebensjahre ibeschieden sein. &&& Berlin, 11. Januar. Das Eiserne Kreuz zweiter Klasse erhielten: Kriegsfreiwilliger Unteroffizier S ch l o ch a u e r, Unteroffizier Heinrich L i p p m a n n , Geheimer Medizinalrat Professor Dr. Landau, Leutnant d. R. Fritz Bernhardt, Unteroffizier Kaufmann Kurt Li eben au, Landsturmarzt Dr. I. W. S a m s o n, Kriegsfreiwilliger Rudi Krotoschi n, Kriegsfreiwilliger Unteroffizier Otto I o s e p h, der zum Oberstabsarzt beförderte Sanitätsrat Dr. Max Sehe i er, Feldwebel Franz P i uth u s, Unteroffizier Erich Loe wen heim, Unteroffizier Hugo Gerson, Kriegsfreiwilliger Augenarzt Dr. Georg S p i r o, Unteroffizier Albert W n n d e r l i ch, Offizierstellvertreter Siegfried H a u P t, Kriegsfreiwilliger Artur B o n n e t, Unteroffizier Erich L o e w e n st c i n, Proviant-Magazin-Jnspektor Curt Nelson, die Offizierstellvertreter Carl I oachi m sthal und Bankbeamter Walter I o e l, Stabsarzt Dr. B l u m b e r g, Kriegsfreiwilliger Gefreiter Paul Plaut-Groß- Berlin. Die gleiche Auszeichnung erhielten: Assistenzarzt Dr. W. Heß- Dessau, Kriegsfreiwilliger Gefreiter Arnold Cohn- Linde (Westpreußen), Marineflieger Obermaschinistenmaat Max N n n d - Gleiwitz, Offizierstellvertreter H. B e r l i n - Neustettin, Infanterist Nathan B amb e r ge r - Kissiugen, Sohn des Rabbiners Dr. Bamberger, Bad Kissingen, Sauitätsvizefeldivebel B u ko f z c r - Neidenburg, Veterinär Eugen Nt o ritz- Sulmirschütz (Prov. Posen), OffizierstellVertreter Siegmund N e h fe l d-Frankfurt a. N!:., Unteroffizier Referendar Rudolf Nt o s h e i m - Eldagsen (HannoveJ, Kriegsfreiwilliger Gefreiter Fritz Le w i n - Kolberg, Unteroffizier Siegfried L e i b h o lz - Pr.-Friedland, Unteroffizier Julius N a t h a n s o h n - Karlsruhe i. B., Ncusketier Bruno A u e r - bach, Sohn des Tr. Carl Auerbach-Stockholm, Offizierstellvertreter Martin Herrn st adt - Breslau, Unteroffizier Robert Kober-Krone a. d. Brahe, Unteroffizier Ernst Cohen-Bremen, Unteroffizier Hans Crohn-Stettin, Unteroffizier Ludwig S ch u st e r - Köln, Unteroffizier Hans D o b r i n - Wangerin (Pommern), Veterinär G o 1 d b e r g e r - Krojanke, Kriegsfreiwilliger Gefreiter Martin Fischer, Sohn des Herrn Abraham Fischer-Posen. — Berlin, 11. Januar. Folgende interessante Notiz findet sich in der .,Bossischeu Zeitung" vom 9. Dezember 1913: „Luise Grafemus (eigentlich Esther Manuel, aus Hanau gebürtig, 30 Jahre alt, jüdischer Abkunft und Religion), Witwe des Wachtmeisters Grafemus im Regiment Konstantin Garde- Uhlanen, wollte ihrem Manne, der sie und zwei Kinder (ein Mädchen, jetzt 19 Jahre, und einen Knaben, 8 Jahre alt) verlassen hatte, im Jahre 1813 nach Schlesien nachziehen, entschloß sich aber, in der Hilfslosigkeit, worin sie sich befand, als sie Berlin erreicht hatte, selbst Kriegsdienste zu nehmen, welches ihr um so leichter ward, da sie in Manneskleidern reifete. Sie trat daher in das Königsberger Zweite Landwehr-Uhlanen-Regiment, unter dem Major von Hermann, machte die Feldzüge 1813 und 1814, erst als Freiwilliger, zuletzt als Wachtmeister, mit, wurde zweimal verwundet, bei Jüterbock am Fuße und in der Gegend von Metz, erhielt auf dem Marsche durch Holland 1814 im Armeekorps des Generals Grafen Bütow von Dennewitz das Eiserne Kreuz, traf nnvermuthet am 29. März 1814 mit ihrem Manne (der noch immer in Russischen Diensten stand) bei Montmartre zusammen, verlor ihn aber schon am folgenden Tage durch eine Kanonenkugel. Mit ehrenvollen Wunden und Auszeichnungen bedeckt, mit den ehrenvollsten Zeugnissen des Wohlverhaltens entlassen, ist sie seitdem vom Regiment abgegangen und kehrt nun, nach einigem Aufenthalte in Berlin, nach Erfurt oder Hanau, ihrer Heimath, zu ihren Kindern Zurück. Möge sie dort ihre Mutterpflichteu mit eben der Treue erfüllen, die ihr als Krieger den Beifall Sr. Maj. des Königs und des Preußischen Heeres erwarb!" H. Posen, 7. Januar. Zum Besten der Kriegsfürsorge fand hier gestern in der Synagoge B (Jsraelitische Brüdergemeinde) ein Synagogentönzert statt, welches ein reichhaltiges, gut gewähltes Programm cuffwies. Mtwirkende waren Frau B e r g g r n e n - K r i st e l l e r , Konzertsängerin, Herr A. S i t t a r d - Hamburg (Orgel), Herr Zdislaw Jahnte (Violine), Herr Peter Lambertz- Köln, Konzertsänger, der verstärkte S y u a g o g e u ch o r der Israelitischen Brüdergemeinde. Tie Leitung des Konzerts hatte Herr Oberkantor L i l i e u t h a l - Posen. Zum Konzert waren außer den Gemeindemitglioderu die Spitzen der Militär- und Zivilbehördeu sowie viele Gäste von auswärts erschienen. Die andächtige Stimmung hielt bis Ende au, und im Besitz des besten musikalischen Eindrncks verließ inan das Konzert. Wie wir

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