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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-01-14 · Heft 2 (14.1.1916) · p. Seite 20

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 2 (14.1.1916)
Date
1916-01-14
Page
Seite 20 (sequence 8)
Language
German
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20 Von der alten Gemeinde waren immer noch Spuren vorhanden, denn im „Schrannenhofe", in der Judengasfe, in der Burgmauer findet man vielfach jüdische Grabsteines eingemauert. Diese Steine waren offenbar der Zerstörungswut zum Opfer gefallen und sie sind einfach als Bausteine verwendet worden. In der Judengasse zum Beispiel steht ein im Jahre 1784 erbautes Haus „Zum schwarzen Adler", inmitten dessen Vorderfront ein Grabstein mit deutlich erhaltener Inschrift eingemauert ist. der die Jahreszahl topp (1379) trägt, also 536 Jahre alt ist. Inmitten der Burgmauer trägt ein Stein den Rest einer Inschrift: das Wort und die beiden Buchstaben xp, Viele Decksteine der Burgmauer sind jüdische Grabsteine mit nach oben gekehrter Inschrift usw. Da — im Mai 1914 — wurde ein aufsehenerregender Fund gemacht. Auf einem Platze vor dem Würzburger Tor, der den Namen „Judenkirchhof" trägt, wurden anläßlich vorgenommener „Einebnungsarbeiten" tief in der Erde 33 Grabsteine mit gut erhaltenen jüdischen Inschriften aufgefunden. Diese umfassen die Zeit von 1297—1399, ehrwürdige Zeugen einer traurigen Vergangenheit. Die Steine stehen einstweilen in dem erwähnten „Schrannenhofe". Hoffentlich werden sie vom Stadtmagistrat bald in einem Museum untergebracht. Herr Lehrer Hofmann hat die Inschriften ins Deutsche übersetzt. Herrn Hofmann verdanke ich die Photographien dreier aufgefundener Steine; ich füge diese Abbildungen bei. Der mit I bezeichnete Stein , ist ein Denkstein. Die Inschrift bezieht sich, wie ich las, ohne Zweifel auf die im Jahre 1298 durchRindfleisch ausRöttingen hervorgerufene Judenverfolgung, die sich durch ganz Franken zog. Diese Inschrift stimmt im allgemeinen überein mit dem, was die Chroniken über die zu jener Zeit vorgefallenen Gräuel berichten. Sie lautet: „Mit bitterer Seele eine bittere Klage. Weil wir vergessen könnten die Leiden der früheren, habe ich um ihrer zu gedenken, in steinerne Tafeln eingegraben die Märtyrer Rothenburgs, die gemordet und verbrannt wurden für die Heiligung des göttlichen Namens im Jahre 58 am 19. Tamus, und in der Feste außer der Stadt haben sie die Vernichtung vollzogen, Feuer angelegt und getötet die Söhne der Stadt. Da schwand von uns alt und jung. Am 12. des Monats im sechsten Tausend hörte auf meine Wonne, und am 3. Tage möge er uns in die Freiheit entsenden, dann wird kommen mein Erlöser und mein Heiliger. Amen." Die mit II und III.bezeichneten Steine sind Grabsteine. Möge die vor 40 Jahren neu erstandene Gemeinde blühen, wachsen und gedeihen, zur Ehre des Judentums, und möge I I. Denkstein, aufgefunden in Rothenburg o. d. T. im Mai 1914. durch sie die Schmach ausgelöscht werden, die ihrer ehrwürdigen, großen Vorgängerin durch wilden Fanatismus und blinden Glaubenshaß angetan worden ist. tzrmrltudikn. Von Ludwig Geiger. IX. Heine und Rothschild. II* 1 2 3 4 5 6 7 8). n dem ersten Aussatz, der diesen Titel führt, wies ich auf einen neuen Brief Heines an den Baron Anselm v. Rothschild in Paris hin und bemühte mich, dem von dem Herausgeber Fr. Hirth versuchten Nachweis entgegenzutreten, daß Heine für die Gemahlin des Pariser Geldfürsten, Betty v. Rothschild, eine hübsche, geistig angeregte Frau, wärmere Gefühle gehegt hätte. Nun läßt der genannte Wiener Heine-Forscher (in der „Deutschen Rundschau", November 1915) elf weitere Briese Heines folgen, die er Wiener Quellen entnommen hat. Ich hebe aus dieser gehaltvollen, an neuen Mitteilungen reichen Publikation einige wichtige Notizen hervor, die sich nicht bloß auf das persönliche Verhältnis Heines zu der mächtigen Bankierfamilie beziehen und auch nicht bloß jene schon widerlegte Neigung Heines zu der schönen Frau zum Gegenstand haben, sondern die jüdische Dinge behandeln. Zunächst wird auch aus diesen Schriftstücken, die allerdings gelegentliche gesellige Verbindungen Heines mit 'den Mitgliedern des mächtigen Bankhauses konstatieren, bis zur Evidenz klar, daß der Dichter seine Finanzen durch die Vermittlung des Geldhauses aufzuhelfen suchte. Zeugnis' dafür ist ein vom 16. Dezember 1855, also aus den letzten Lebensjahren des Dichters stammendes Schreiben an den Wiener Bankier, in dem Heine die Bitte ausspricht, „bei der österreichischen Kreditbank, die sürnehmlich unter Ihren Auspizien errichtet wird, mir die Gunst einer Beteiligung zu gewähren. Ich limitiere dieselbe durch keine bestimmte Aktienzahl, um nicht einer Generosität vorzusprechen, hie vielleicht diese Gelegenheit gern benutzt. h Ueber einen jüdischen Grabstein in Rothenburg vergleiche „Allgemeine Zeitung des Judentums" 1913, Nr. 2, S. 29. h Der Aussatz „Heine und Rothschild" l findet sich in Nr. 33 dieses Blattes. Ich erwähne bei dieser Gelegenheit, da ich nach den einzelnen Aufsätzen mehrfach gefragt worden bin, daß die bisher erschienenen Heinestudien die folgenden Titel führen (in Klammern werden die betreffenden Nummern hinzugesetzt): 1. (Jahrgang 1911, Nr. 14.) 2. (Jahrgang 1911, Nr. 19.) 3. (Jahrgang 1911, Nr. 42.) 4. Heines Duell. (Jahrgang 1915 Nr. 29.) 5. Heine und Rothschild (das. Nr. 33). 6. Heine und Felix Mendelssohn-Bartholdy (das. Nr. 37). 7. (Das. Nr. 41.) 8. Heine und Leopold Zunz (das. Nr. 42).

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