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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-01-07 · Heft 1 (7.1.1916) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 1 (7.1.1916)
Date
1916-01-07
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 deutscher Patriot". Wie das Gelieralkomulando sofort durch genaue Untersuchung seststellte, entbehrte dir schwere Anschuldigung auch nur der geringsten Begründung. Den Berleumderbries hat Wagner geschrieben. Er will das Gerücht in einer Gastwirtschaft von einem unbekannten Soldaten gehört und es sür feine patriotische Pflicht gehalten haben, sofort die Alilitärbehörde davon in Kenntnis zu setzen. Der Schutz des 8 193 des Strafgesetzbuchs (Straffreiheit wegen Wahrung berechtigter Interessen) kommt ihm nach Meinung, der Strafkammer nicht zu, vielmehr ist sein Beweggrund die Beleidigungsabsicht gewesen; denn Nwllte er ein Förderer der Wahrheit sein, so hätte er sich nicht hinter dem Deckmantel der Anonymität verstecken und nicht schimpfen dürfen. Wagners Revision, die seine Anonymität mildernd zu erklären suchte, wurde vom Reichsgericht am 2. Dezember 1915 als unbegründet verworfen. CA) Hannover, 31. Dezember. In der letzten Sitzung des Kurator iums der I s r a e 111 i \ ch e n Erzi e h u n g s a n st a l t A h l e m gedachte der Vorsitzende, Herr Justizrat Dr. Verend, vor Eintritt in die Tagesordnung der beiden Lehrer und der zehn ehemaligen Zöglinge der Anstalt, die in der Verteidigung des Vaterlandes den Heldentod erlitten haben. Herr Landrabbiner Dr. Gronemann schloß sich den Worten des Vorsitzenden an durch besonderes Hervorhebeu der Verdienste der beiden gefallenen Lehrer, und Herr Direktor S i l b e rb e r g berichtete Näheres über den gefallenen ehemaligen Zögling Fritz Meyer, der für seine Tapferkeit vor dem Feindeschon im Anfang des Krieges durch das Eiserne Kreuz 2. Klasse und später auch durch das Eiserne Kreuz 1. Klasse ausgezeichnet worden war. Im Anschluß au den Bericht des Vorstandes sprach der Vorsitzende dem Herrn Direktor S l l b e r b e r g besondere Anerkennung aus sür seine erfolgreichen Bemühungen, die Verbindung mit den ehemaligen Zöglingen aufrechtzuerhalten. Der Bericht des Vorstandes wurde sodann genehmigt, ebenso die Rechnung des Jahres 1914 und der Borauschlag für 1916. Der letztere ist wiederum mit Rücksicht auf eine etwas eingeschränkte Tätigkeit der Anstalt ausgestellt, zu welcher der Mangel an Geldmitteln und mt Lehrkräften zwingt. Dafür ist — wie bekannt — das Mädchenhaus der Anstalt als Reservelazarett der Heeresverwaltung zur Verfügung gestellt; die weiblichen Haushaltuugszöglinge lernen bei dessen Bewirtschaftung obendrein mancherlei, was sie beim Friedensbetrieb nicht lernen würden. Tie nach der Reihenfolge ausscheidenden Mitglieder des Kuratoriums wurden einstimmig wiedergewühlt; als neue -Mitglieder wurden zügeln äh lt die Herren Berthold K i r st e i n , Königlicher Handelsrichter, Berlin, ltnb Herr Max Rose n b a n ut, Berlin, die beiden geschästsführenden Mitglieder des Berliner LokalkomiteeZ. 0. A. Bad Nauheim, 31. Dezember. Die israelitische K i n> d e r h e i l st ä t t e in Bad Nauheim blickt mit Schluß der diesjährigen Kurzeit auf eine 25jährige segensreiche Tätigkeit zurück. Die Anstalt wurde im Jahre 1891 von einigen Frankfurter Wohltätern gegründet, von denen der bekannte Menschenfreund, Herr Michael Mos. Mainz, heute noch an der Spitze der Verwaltung steht. In den letzten Jahren wurde er wegen Arbeitsüberhäusung (er hat in Soden, Baden-Baden, Nordrach usw. ähnliche Anstalten gegründet) von Herrn Josef Bender, Frankfurt, wirksam unterstützt. Im Jahre 1898 erhielt die Anstalt, die mit einer ganz kleinen Bettenzahl begonnen hatte, durch die hochherzige Stiftung der Frau Baronin M a t h i l d e v. Roths ch i l d ein eigenes, schönes, praktisch eingerichtetes Heim in der Frankfurter Straße, das in den letzten Jahren während der Kurzeit nahezu 300 Kinder verpflegte. Für die Kriegsdauer hat die Anstalt ihre Räume einschließlich des Jsolierhanses in selbstloser Weise dem Reservelazarett überlassen. Um ihrer übernommenen Pflicht, armen, kranken Kindern zu Helsen bzw. ihnen eine Badekur zu ermöglichen, Nachkommen zu können, hat die Anstalt diesmal einen Teil des Frauenheims zur Unterbringung der Kinder benutzt, und es konnten daher in diesem Jahre die Kinder nur in beschränkter Anzahl ausgenommen werden. Es wurden 97 Kinder verpflegt, meistens Herzkranke, skrofulöse nnd blutarme, die sich gut erholten und kräftigten. Die ärztliche Behandlung war auch diesmal in den Händen des Herrn Dr. Hirsch, der schon 22 Jahre als ärztlicher Leiter der Anstalt vorsteht. 22 Frankfurt a. M., 31. Dezember. Bekanntlich wird in btcfcin Jahre der gesamte Akehlbedarf für die Herstellung von Mazzoth den Bäckereien durch die „Freie Bereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums, C. B." geliefert. Hierbei ist, wie die genannte Bereinigung mitteilt, gemäß Bcrsügung der R'eichsgetreidestelle auch die Preisfrage in einer Weise geregelt worden, die einen billigen Ausgleich zwischen bat berechtigten Jnteressai der Bäckereien und denjenigen des konsttmieren'deu Publikums schafft. Die Bäckereien dürfen hiernach auf Grund des mit der „Freieil Bereinigung" abgeschlossenen Lieserllngsvertrages die Mazzoth an das Publikum nicht teurer als bis zu 1214 Prozent über ihrem vorjährigen durchschnittlichen Verkaufspreis, keinesfalls aber über 65 Pfennig pro Pfund verkaufen. War also beispielsweise der Durchschnittspreis einer Bäckerei im Vorjahre 48 Pfennig, so darf indiesem-. Jahre nicht mehr als höchstens 54 Pfennig genommen loerden; lvar der vorjährige Preis 60 Pfennig, diesmal dennoch nicht mehr als 65 Pfennig. Die Erhöhung von V2XÄ Prozent entspricht nach gewissenhafter Schätzung der in diesem Jahre naturgemäß eingetretenen Steigerung der Gestehungskosten. L. Mainz, 31. Dezember. Das Leichenbegängnis des im Osten gefallenen hiesigen. Rechtsanwalts Tr. Hugo Mattes, der es während des Krieges zum Ofsiziersteltvertreter gebracht hatte u-nd mit dein Eisernen Kreuz ausgezeichnet worden lv>nr, gestaltete sich zu einer überaus eindrucksvollen und erhebenden Tranerkllndgeblmg. Es beteiligten sich an ihln fast vollzählig die Richter des Landgerichts der Provinz Rheinhessen, die Reichsnnd Landtagsabgeordneten der verschiedenen politischen Parteien, Vertreter des städtlschen Magistrats und verschiedene andere. In ergreifender Rede schilderte Professor Rabbiner Dr. Snlseld das tragische Schicksal des so früh Dahingegangenen. „Auf der Höhe des Lebens, mit den glänzendsten^ Aussichten in seinem Berufe, in Staat und 6k'nu'inbo ist er uns entschwunden. Aber er ging nicht nur für das über alles geliebte Vaterland in den Tod, er besiegelte auch mit seinem Blute die Ideale, für die er sein Leben lang so mutig und rücksichtslos eintrat, für die Gleichberechtiglmg seiner Ekaubensgcnosseu, die hkeichberechtigllng, die ja dem geringsten nichtjii di scheu Bürger nicht versagt wird." Stadtverordneter Justizrat Dr. Mayer legte namens der Fortschrittlichen Bolkspartei, deren Vorstand der Verstorbene angehörte, eilten Kranz an der Bahre nieder; auch er rühmte die Lauterkeit von des Heimgegangenen Charakter, seinen aufrechten Sinn und seinen scharfen Verstand. Im Namen der hessischen Rechtsanloaltskammer spendete Herr Geheimer Justizrat Dr. Cause einen Prächtigen Kranz, mban er den Entschlafenen als einen Alaun bezeichnete, der sich durch seine Geistes^ und Herzensgaben die Hochachtung seiner Berufsgenossen zll verschaffen wußte; er sei nicht ein Rechtsauwalt im landläufigen Sinne gewesen, sondern ein wirklicher Anwalt des Rechts. Für die Rhennsloge, bereu Vorsitzender Herr Dr. Mattes war, redete Herr Bantier K r o n e n b e r g e r, Vorstandsmitglied der Israelitischen Gemeinde, der die stete Hilfsbereitschaft des Da Hingeschiedenen bei zu vollbringenden Liebeslverken rühmte; er habe auf viele Annehlnlichkeiten des Lebens gern verzichtet, -umseiner alten Alu tter einen heiteren Lebensabend zu bereiten. Während der Reden umstand eine Kompagnie des brandenburgischen Artillerieregiments Nr. 5 die ulit Kränzen übersäte Bahre; eine Alilitärmnsittapelle geleitete diese an das Grab, das mm un'ter kurzem Gebete des Rabbiners das, loas sterblich war an Tr. Mattes., in sich barg. Er ruhe in Frieden! Geslrrrrich-Angam. O. W. Wien, 31. Dezember. Am 24. dieses Monats starb hier in Wien im 71. Lebensjahre der langjährige Oberrabbiner von Lemberg, Dr. Joches kiel- C a r o. Der Hei-ulgegangene, geboren am 26. November 1844 zu Pinne in der Provinz Posen, besuchte das GyllmasllkNl zll Bromberg, absolvierte das Jüdisch-theologische Seminar in Breslau lind wurde zum Doktor promoviert au der Universität zu Heidelberg. Seine erste Stellung, -erhielt er bei der deutschjüdischen Elemeinde in Lodz; 1870 bis 1879 war er Rabbiner in Dir schau, 18 79 bis 1882 in Erfurt, von 18 82 bis 1891 in Pilsen (Böhmen); seither wirkte er als Prediger am Tempel in Lemberg. Bon ihm sind erschienen: „Aus-gewählte Gelegettheitsreden" (Danzig 1874); „Ein Bierteljahrhnndert städtischer Verwaltung" (Dirstbau 1880); „Geschichte der Juden in Lemberg bis zur Teilung Polens" (Krakau 1894). Der Verstorbene war ein ungemein wirksamer Redner und hat sich in Lemberg eine einflußreiche Stelle zu schaffen gelvußt. Er loirkte auch Jahre hindurch als Mitglied des Leuo berger Gemeinderates. In den letzten Jahren allerdings war sein Gesundheitszustand ein sehr ungünstiger, was ein wirksames Auftreten in der Oeffentlichkeit ihm erschlverte. Die irdischen

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