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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-01-07 · Heft 1 (7.1.1916) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 1 (7.1.1916)
Date
1916-01-07
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 Ueberreste des Verblichenen wurden Provisorisch Montag, den 27. Dezember 1915, in der israelitischen Abteilung des Zentralsriedhofes beigeseht. Bei der Beerdigungsfeierlichkeit hatte sich eine zahlreiche Trauerversammlung eingefunden. Insbesondere ausden vornehmsten Lemberger Flüchtlingsfantilien sah man zahlreiche Vertreter. Der Präsident Dr. Schaff mit den Mitgliedern des Lemberger Kultusrates, Spitalspräsident R u ß m ann, die Abgeordneten v. Löwen stein und Dr. Koli scher, Rabbiner (?>. S ch m elkes aus Przemysl, die Vertretung der Tempelverwaltung waren erschienen, um dem verewigten Prediger das letzte Ehrengeleit zu geben, Ferner waren anlvesend: Kllltusvertreter Dr. j Markus Spitz e r , der Vorsteher der Ehewra Kaddischa Karl L e m - j berger, von der ,,Bne Brith"- Loge Dr. Edm. Kohn. Ober-! kantor Don Fuchs mit dem Gesamtchor versah trefflich die katz^! toraleu Funktionen. Oberrabbiner Dr. Gü deman n widmete dom Verblichenen herzliche Worte des Nachrufes; dann sprach Advokat Dr. Grude r aus Lemberg und würdigte die kulturellen Bestrebungen des Verstorbenen. Nach ihm ergriff das Wort der Präsident der Tempelverwal.tung Dr. O. Wasser, um von dem verewigten Prediger Abschied zu nehmen. Der Lemberger Obcrkantor o a i tz sang ergreifend das „El urole rachamim", worauf die irdische Hülle zu Grabe getragen lvurde; hier sprachen im Namen des Verbandes mosaischer Religionslehrer Universitütsprofessor Dr. Scharr und im Namen der engeren Freunde Abgeordneter Dr. v. L ö w e n st e i n.^Die „Allgem. Ztg. des Juden t-ums" verliert in dem Heimgegangenen einen langjährigen treuen Freund u-nd Nti-tarbeiter. Ehre seinem Andenken! Von Kah und jfern. - Das Programm des Wohltätigkeitskonzertes „Biblisehe Poesie in Wort und Ton" der Berliner L o g e n U. O. B. B. am Sonnabend, den 8. Januar, in der Philharmonie, bringt als Hauptchorwerk „Ruth und Nuorni" von Albert K-ellermann, mit Grete I o l l e s als Solistin. Tilla D u r i e u x spricht zum erstenmal historische Dichtungen von Michael Sachs, Schleez und dem Holländer de H o a r. Frieda L a n g e n d o r f f singt aus „Elias" und Werke von Schumann und Schubert, Alfred Wittenberg spielt die „Psalmodie" für Violine, Orgel und Harfe von Bogunnl Z e p l e r, während Oberkantor Magnus D a v i d s o h n den 23. Psalm und drei Melodramenmit Orgel- und Harfenbegleitung. bringt. An der Orgel sind Professor Deckert und Hans Luedtke tätig, Harfe spielt Frau Anna Hopf vom Deutschen Opernhaus. — Den 80. Geburtstag beging am 1. d. -De. in geistiger und körperlicher Frische der Oberstabsarzt erster Klasse a. D. Sanitätsrat Dr. Josef Herz selb in Berlin-Wilmersdorf, ein Veteran der Kriege 1864, 1866 und 1870/71, durch das Eiserne Kreuz und zu seinem fünfzigjährigen Doktorjubiläum durch den Kroueuordeu zweiter Klasse allsgezeichnet. — Der stellvertretende Direktor des Vereins junger Kallfleute von Berlin, Herr Alfred Sachs, beging am 1. d. M. das Jubiläum seiner 25jährigen Tätigkeit in der Nationalbank für Deutschland. Für den Verein junger Kaufleute hat er sich besonders nach Ausbruch des Weltkrieges als Leiter der Kriegshilfeabteilung große Verdienste erworben. — Im ehrenvollen Alter von fast 83 Jahren ist am 1. d. Nt. der Lehrer und Prediger Louis Frankens stein verschieden. — Das Vokalkonzert von James Roth stein am 13. Januar 1916 (Philharmonie) zum Besten der Kricgsfürsorge des V c r e i n § s e l b st ä n d i g e r H a n d \x> c r k e r j ü d i s ch e n Glaubens bringt fast ausschließlich neue Kompositionen des Konzertgebers, darunter einen Psalm (in hebräischer Sprache), ein Duo für Kunstharmonium und Pianoforte, „Neue Volkslieder", Stimmungslieder für eine Singsiimme, und Kriegslieder sowie „Eine neue Kaiserhymne" für Männer- und gemischten Chor (Worte und Musik von James Roth stein). — Aus Posen wird uns geschrieben: Ter Kaufmann Abraham Brasch beging in diesen Tagen in voller Rüstigkeit seinen achtzigsten Geburtstag. Rabbiner Tr. Silberberg, der Vorstand und die Kultusbeamten des Tempels der wohltätigen Freunde überbrachten die herzlichsten Glückwünsche seitens des Verbandes. Auch viele Bürger der Stadt feierten auf mannigfache Weise den allseitig geschätzten Jubilar. — Herr Stadtrat Abraham 3 affe, einer der geachtetsten Bürger der Stadt Schrimm, vollendete sein 75. Lebensjahr. Magistrat und Stadtverordnete übermittelten dein Jubilar ihre herzlichsten Glückwünsche. Von nah und fern liefen viele Gratulationen ein. Ein großer Verwandtenkreis versammelte sich itm den wertgeschätzten Verwandten, nur ihn nach Gebühr zu feiern. Der Sohn, der seit Beginn des Krieges zum 'Heere einberufen ist, ließ sich direkt zu dem Familienfest beurlauben. — Im hohen Alter von 102 Jahren verschied Rentner Manns Katze nst e i n in Gelsenkirchen, wo er bei einer Tochter lebte. Er stammte ans Hofgeismar und war später nach Kassel verzogen. — Der Leutnant der Reserve Otto Beer aus St. Ingbert hat den Bayerischen Militürverdienstorden erhalten. — Ans Wien wird gemeldet: Oberstabsarzt Dr. Theodor Feßler, Sanitätschef in Mostar, wurde von Seiner Majestät durch Verleihung des Ritterkreuzes des Kaiser - Franz - Josef - Ordens am Bande der Tapferkeitsmedaille mit der Kriegsdekoration ausgezeichnet. -- Laut „Verordnungsblatt der k. u. k. Landlvehr" vom 18. Dezember hat Seine k. u. k. Apostolische Majestät allergnädigst geruht, den Seelsorger der israelitischen Kultusgemeinde Aussig, Rabbiner Dr. Artur R o sen - zweig, zum k. k. Feldrabbiner zu ernennen. Er wurde dem Landlvehrinfanterieregiment Nr. 9 (Leitmeritz) zu geteilt. Der neue Feldrabbiner ist ein Sohn des Rabbiners Dr. Adolf R o s e n z lv e i g in Berlin. — Aus Brünn wird uns geschrieben: Unserem Rabbiner Dr. Ludwig Le VH ist in seiner Eigenschaft als Militärseelsorger der hiesigen Garnison und Lazarette das Ehrenzeichelr zweiter Klasse vorn Roten Kreuz mit der Kriegsdekvration verliehen worden. - Ter Großindustrielle Manfred Weisz in Budapest lvurde für seine hervorragenden Dienste zur Hebung der Wehrhaftigkeit der Armee zum Magnatenhausmitglied ernannt. Er zeichnete sich ganz besonders auf dem Gebiete der Humanität aus. Außer ihm bekleideten noch fünf Juden diese hohen Würde. Bisher waren die Juden Salonikis noch nicht zum Militärdienst int griechischen Heere verpflichtet. Nach Berichten aus Athen, welche der Konstantinopler „Hilal" bringt, beschäftigt sich jetzt die griechische Regierung mit der Frage der Heranziehung der Juden zum Heeresdienst. Griechische Zeitungen berichten, die griechische Negierung hätte bereits bestimmt, demnächst die Einberufung der militärdienstfähigen Juden Salonikis vorzunehmen. — Das Komitee der Pariser Akademie für Medizin ernannte den bekannten jüdischen Arzt Tr. Simon F l e r n e r , Direktor des Rockefeller-Jnstituts in New Jork, zürn Ehrenmitglied. — Wie aus Madrid gemeldet lvird, ist der frühere Dozent an der Berliner Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums, Tr. A. S. P a h u d a, zum Professor für jüdische Literatur an der dortigen Universität ernannt lvorden. Ein bedeutsames Ereignis für Spanien, lvo seit 1492 die Juden überhaupt keine öffentliche Rolle mehr spielen. — Die rumänischen Juden in Frankreich haben sich an die große Oeffentlichkeit gewandt, um für ihre längst versprochene Emanzipation in ihrer Heimat Propaganda zu machen. Der Aufruf, der in der Tagespresse veröffentlicht wird, weist darauf hin, daß der gegenlvärtige Weltkrieg die Lage und die Znkunft Europas entscheiden wird, und Rumänien könne nur Hilfe von Frankreich (?) erwarten, das überallhin die Prinzipien der Freiheit und der Gleichheit verbreite (?). Die Moskauer jüdische Gemeinde bat au die Negierung das Gesuch gerichtet, mail möge den galizischen Juden erlauben, sich ntit Handel und Handwerk zu befassen. Das Gesuch wird mit dem Umstand begründet, daß die Massen verschickter galizischer Juden den arnren Gemeinden zur Last fallen, während sich unter den Verschickten zahlreiche gute Handwerker und Gelverbetreiben.de befinden, die gern arbeiten wollen. Auch haben sich zahlreiche jüdische Geschäftsinhaber bereit erklärt, galizische Juden in ihren Geschäften zu beschäftigen. — Herr L e v i n - E p st e i n , der Schatzmeister des amerikanischen Hilfskomitees für die jüdischen Opfer des Krieges, ist in Warschau eingetrosfen. Tie ganze jüdische Presse begrüßt ihn freudig. Herr Levin-Epstein hat den Auftrag, sich über die Verteilung der von dem amerikanisch-jüdischen Hilfskomitee kürzlich an ein Warschauer Komitee überwiesenen 500 000 Mark zu orientieren und über die ökonomische Lage der Juden in Polen einen Bericht an das jüdische Hilfskomitee in den Vereinigten Staaten zu erstatten. Herr Levin-Epstein ist der erste amerikanische Jude, der, mit ausreichenden Vollmachten ansgestattet, während des Krieges nach Polen gekommen ist. — Der Premierminister Botha des Südafrikanischen Staatenbundes hat dem Parlamentsmitglied Harry G r a u m a n n das Amt des Finanzministers angeboten. — Wie aus New Jork berichtet lvird, lvurde zum Mayor von South Bancouver (Britisch-Kolunrbia) der Jude Edward Gold gewählt. Verantwortlicher Redakteur: AlbertKatzin Berlin-Pankow, Florastrabe 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max I n n g e. Berlin-Friedenau. - Druck und Verlag von Rudolf Mosse. *

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