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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-01-07 · Heft 1 (7.1.1916) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 1 (7.1.1916)
Date
1916-01-07
Page
– (sequence 13)
Language
German
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80. Jahrgang Nr. I Berlin, 7. Januar 1916 Der Gemetndebote. Vellage zur „Allgemeinen Teilung deS Judentums". korrelponliknrrn und Machrichten. Deutschland. 22 Berlin, 4. Januar. Unter Zahlreicher Beteiligung der an der Wissenschaft des Judentums interessierten Kreise fand hier am 28. v. At. die M i t g l r e d e r v e r s a m m l u n g der Gesellschaft "zur Förderung der Wissenschaft des I u d e n t u m s statt. In Vertretung des an der Anwesenheit verhinderten Vorsitzenden, Professor Martin P h i l i p P s o n , erösfnetc der stellvertretende Vorsitzende, Rabbiner Professor G u t t m a n n (Breslau), die Versammlung mit einem Hinweis auf die hohe Bedeutung, welche dem Judentum als geistiger Gemeinschaft im Kulturleben der Menschheit zukomme, und leitete hieraus die Verpflichtung her, die Wissenschaft des Judentums zu pflegen und nach Kräften zu fordern. Er schilderte die Pflege, welche der Wissenschaft des Judentums in alter Zeit Zuteil geworden sei, und stellte sie als Ideal und Vorbild hin für unsere Zeit. Zu seiner Freude, fuhr der Redner fort, könne er mitteilen, daß ihm eben die Nachricht von einer neuen Spende zuaegangen sei, die Herr Moritz Wolfsehn (Berlin) anläßlich der Vollendung seines 70. Lebensjahres Zugewendet habe. Ter Redner erstattete sodann den Jahresbericht, aus dem er als besonders erfreuliche Tatsache mitteilte, daß demnächst von den beiden großen Nüssen sch östlichen Unternehmungen der Gesellschaft, dein Corpus T a n n a i t i - e u m und der Germania J u d a i c a je ein Band Zur Veröffentlichung gelangen werde. Im Anschluß an die mit lautem Beifall aufgenommenen Ausführungen des Redners ehrte die Versammlung das Andenken der um die Wissenschaft des Judentums hochverdienten Gelehrten Professor Sch echter (New Vork) und Leopold Cohn (Breslau) durch Erheben von den Sitzen. Tie Wahlen ergaben die einstimmige Wiederwahl des bisherigen Ausschusses und Vorstandes. Alsdann hielt Herr Professor Tr. B. P i ck (Gotha) einen durch viele vortreffliche Lichtbilder illustrierten Vortrag über die jüdischen Münzen. Ter Vortragende schilderte nach kurzen Bemerkungen über ältere Handbücher und die wichtigsten Sammlungen jüdischer Münzen Zunächst das Geldwesen der ältesten Zeit. Alsdann wurden die fremden Münzen vorgeführt, deren sich das jüdische Volk unter persischer und griechischer Herrschaft bediente, bis der Freiheitskampf der Makkabäer ihm mit der lluabhängigkeit auch das eigene Münzrecht brachte. Tie Lichtbilder zeigten, daß es zunächst nur eine sehr bescheidene und auf Kupfermünzen beschränkte Prägung war. Tie später zeitweilig dafür und daneben eintreteude Prägung der römischen Statthalter ist ebenso dürftig, aber beachtenswert durch die aus der Vermeidung des Kaiserbildes sprechende Rücksicht auf die religiösen Gefühle der Juden. Ter erste große Aufstand, unter Nero, bringt dann die ersten eigenen Silbermünzen, die dicken Schekel, deren viel bekanntere Nachahmungen am leichtesten daran zu erkennen sind, daß sie fälschlich die jetzt noch übliche Quadratschrist statt der althebrüischen zeigen. Tie Unterdrückung des Aufstandes durch Vespastan und Titus wird durch die zahlreichen zur Feier des Sieges geschlagenen römischen Münzen illustriert. In den nächsten sechs Jahrzehnten gab es keinen jüdischen Staat und daher auch keine jüdische Münzen, bis endlich unter Kaiser Hadrian der zweite Aufstand die reichste und mannigfaltigste Prägung brachte: sowohl große und kleine Silbermunzen, die meist aus römische und syrische Kaisermünzen übergeprägt sind, wie zahlreiche Sorten in Kupfer. Ein großer Teil der Münzen trägt den Namen eines Simeon, in dem vielleicht der unter dem Namen Bar-Cochba bekannte Führer des Aufstandes zu erkennen ist; vereinzelte nennen einen Priester Eleasar, während eine größere Zahl statt eines Personennamens nur den der Stadt Jerusalem angeben. Für manche noch zweifelhafte Fragen darf man Aufklärung, durch künftige neue Funde erhoffen. Ter Vortragende schloß, indem er der Erwartung Ausdruck gab, daß der kommende Friede mit der Erschließung des Orients auch der jüdischen Numismatik und der Wissenschaft des Judentums überhaupt neue Wege eröffnen werde. Tie zahlreiche Zuhörerschaft spendete dem Vortragenden reichen Beifall, und der Vorsitzende schloß mit Tankesworten für den Redner die Versammlung. ^2 Berlin, 4. Januar. Von der L e h r a n st alt f ü r •> i c Wissenschaft des I u dent n m s werden soeben die Prospekte über den dieswinterigen M o n> t a g s v orte s u n g s z y k l u s zur Versendung gebracht. Zum zweiten Male während der Kriegszeit. Und doch wie ganz anders geschieht es diesmal! Vor einem Jahre glaubte man sich gleichsam entschuldigen zu müssen, daß man an einen so kühnen Plan sich überhaupt noch heranwagte, und um die Sache recht anziehend zu machen, also gewissermaßen ans mildernde Umstände plädierend, wurde von vornherein dafür Sorge getragen, daß.wenigstens ein Teil der Vorträge „aktuell" war. So sprach man über „Krieg und Kultur", über „Tie Sinai-Halbinsel als Kriegsgebiet", verglich „alte deutsche Denkart mit den jetzigen Kriegszielen", wodurch man der Stimmung des Publikums am ehesten Rechnung zu tragen und damit sein Interesse in gesteigertem Maße gewinnen zu tonnen glaubte. Es verlohnt sich, all das sich ins Gedächtnis zurückzurufen, weil damit zugleich auch die Wandlung, die uür iuzvüscheu durchgemacht haben, uns zmn Bewußtsein kommt. Tenn wie wahr es auch sein mag, daß wir uns allmählich au den jetzigen Zustand gewöhnt haben und Krieg Krieg sein lassen, so ist es doch in erster Linie die Ueberzeuguüg von dem nicht mehr abzuweudeudeu erfolgreichen Ausgang des Völkerriugens, die in uns die alle Ruhe und Gelassenheit und damit die alte Interessiertheit und Empfänglichkeit von neuem hervorgerufen hat. So waren denn alle Bedenken bei der Veranstaltung der Montagsvorlesungen! von vornherein geschwunden. Auch bei der Auswahl der Themen glaubte mau sich diesmal nicht mehr so ans Stoffliche, wie es das Tagesbedürfms erzeugt, halten zu müssen, int Gegenteil, man sah darauf, sich möglichst von den Tagessorgen loszutosen und der Betrachtung allgemeiner Probleme zuzuwenden. Vorwiegend von diesem Gesichtspunkte ans ist auch die Aufstellung des Programms gelungen. So leitet am 10. Januar Herr Professor Tr. Emil M i l a u den Zyklus mit einem „Bibelabend" ein. Am 21. Januar spricht Herr Tr. Harry Torczyner, Privatdozent an der Wiener Universität, über den „Ideengehalt der hebräischen Sprache". Als dritter Redner kommt am 7. Februar Herr Bibliothekar Tr. Heinrich L ö \v e mit einem Vortrag „Jüdische Sprachen und Mundarten" zu Worte. In liebenswürdiger Weise hat sich der Dichter Georg Hermann in den Dienst der guten Sache gestellt und sich bereit erklärt, am 21. Februar „ans eigenen Werken" vorzulesen. Ebenso entgegenkommend zeigte sich Herr Rabbiner Professor Tr. Siegmund Salfeld aus Mainz, der für den 0. März einen Vortrag in Aussicht gestellt hat. Das von dem greisen Gelehrten gewählte Thema lautet: „Welt und Hans der deutschen Juden im Mittelalter". Ten Zyklus schließt dann am IR März Herr Professor Tr. Ernst E a s s i r e x mit seinem Vortrag: „Ter deutsche Idealismus und daH Staatsproblem". Tie Montagsvorlesungen, die geistig eine Förderung der Wissenschaft bezwecken, stehen materiell im Dienste der Wohltätigkeit. Ein Grund mehr, daß die Veranstaltung sich des Interesses weitester Kreise erfreut. — Tie Vorlesungen finden in der Aula der Lehranstalt, Artilleriestraße 14, Montags a b e u d s 8 U h r statt. Einlaßkarten zu 5 Mark für den ganzen Zyklus, zu 1 Mark für eine Vorlesung sind zu haben beim Hofjuwelier Herrn Engen Marcus, Unter den Linden 31, beim Sekretariat der Lehranstalt und aut Eingang in den Saal. Berlin, 4. Januar. Unter großer Beteiligung fand am 29. vorigen Monats in der alten Halle des jüdischen Friedhofes in Weißensee die Trauerseier für den Geheimen Sanitätsrat Tr. med. Oskar Roth mann statt. Es hatten sich namentlich zahlreiche Aerzte eingefunden, um dem Toten das letzte Geleit zu geben. Der Chor der Reformgemeinde leitete die Feier mit Gesang ein. Prediger Dr. Lehmann gab in der Gedächtnisrede ein Bild von dem Leben und Wirken des Verstorbenen. Nach einem SchJißgesang erfolgte die Beisetzung im Erbbegräbnis. Berlin, 4. Januar. Das Eiserne Kreuz zweiter Klasse erhielten: Bataillonsarzt Dr. James Pick, Eerichtsassessor Tr. Fritz C o h n, Unteroffizier Ernst Cohen, Kriegsfreiwilliger Arzt Dr. H. L. Wollenberg, Unteroffizier Referendar Kurt Steinitz, Arzt Dr. Kurt Si n g er , der zweite Sohn des verstorbenen Koblenzer Rabbiners Dr. M. Singer, der diese Auszeichnung erhalten hat.

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