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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-01-07 · Heft 1 (7.1.1916) · p. Seite 11

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 1 (7.1.1916)
Date
1916-01-07
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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11 „Küsse mich! Küsse deines Mundes, deine Liebe ist süßer als Wein!" So muß man auch den Sabbat lieben, dann ist er ein Oneg, eine Wonne. Sabbat ist unsere Prinzessin und junge Königin. - Bei Mnssaph wieder wird die Melodie ernster, getragener. Aus dem jungen Ehemann ist der besorgte Hausvater geworden. Mann und Weib tragen gemeinschaftlich Leid und Freud. Da gilt nicht mehr Hüpfen und Springen und Tanzen, man ist ja älter und ernster geworden, dafür ist aber die Freude inniger und tiefer. Mann und Weib sind ganz eins geworden. Und die Prinzessin, die Königin? Nun, Sabbat ist die Königin, wie das Weib die Königin des Hauses ist. Um den Tisch sitzen Kinder herum, die kichern und schäkern, wie die Frau früher einmal als Mädchen. Nur kurze Zeit noch, die Sabbatsonne neigt sich nach Westen, das Mischnagebet am Nachmittag naht heran mit seinen schwermütigen Tönen. Mann und Weib haben ja nicht mehr viele Jahre auf Erden bcisammenzubleiben. Ter Abschied rückt näher; bald wird der Vorhang niedergehen, und das Schauspiel auf Erden wird zu Ende sein. Noch einmal laßt uns fröhlich sein und alles in der Erinnerung durchleben. Schön war's und hell und dankerfüllt klingt's beim Ausgang des Sabbat: „Ledowid borucli adonay zuri.“ „Gepriesen sei Gott, der immer hilft!" Das, mein Lieber, singen wir an jedem Sabbat. Das Leben des Inden mit seiner Gemütstiefe, seiner Familieninnigkeit, seiner treuen Gattenliebe. Und das gibt Kraft und Frische für die ganze Woche, wenn der liebe, heilige Sabbat auf sechs Tage fortgeht. Nun antwortet mir einmal: Versteht das Euer neuer Oberkantor?" Und der alte Ehasan ging fort und wartete gar nicht meine Antwort ab. 8. 8. Glaube. as ist der Glaube? Glaube ist Vertrauen Auf eine Kraft, die keiner je geschaut. Was ist der Glaube? Glaube ist ein Schauen Aus inn'rer Kraft, auf die man fest vertraut. Was ist der Glaube? Tiefes Sinnverlangen Für eine Welt, die nebelhaft zerfließt. Was ist der Glaube: Einer Welt Uinfangen, Die ihren Sinn der Liebe nur erschließt. Emil Spiegel. Morgensndscht. rüh am Morgen; Nebel zwängen Durch die Gassen sich, die engen, Rings die Häuser stehen stumm; Nur aus einem winkt herüber Schon ein Lichterschein, ein trüber. Und man hört ein leis Gesumm. Jetzt verhalltes auf eine Weile, Lauten Schrittes naht in Eile Noch ein später Gast dem Haus. Dann ertönt das Summen wieder, Alte, weltenferne Lieder Klingen in die Nacht hinaus. Während all' die andern träumen, Beten in beengten Räumen Männer da bei Kerzenlicht; Bor des Tagewerks Beginnen Ihres Gotts sich zu besinnen Wachen Geistes, heischt die Pflicht. Emil Spiegel. Der gute Ort. Bie nannten ihn den „guten Ort", Den Ort der letzten Ruh, Fürwahr ein seltsam eigen Wort, Wie kamen sie dazu? Was soll der Name, allzu kühl Für jene Trauerstatt, Wo alles, was zu früh verfiel. Sein Grab gefunden hat? Denkt nicht der eignen Seelenpein, Wollt ihr das Wort verstehn, Denkt jener, die zum Frieden ein An dieser Stätte gehn! Das Böse, dessen Erdgewicht Sie hier noch niederzwang, Es tritt durch diese Pforte nicht, Verweht beim letzten Gang. Doch alle Güte, die ihr Herz Am stnten Tag gehegt. Sie lebt, verbunden mit dem Schurerz, Den uns ihr Tod erregt. Es speicht ein jedes gute Wort Vom Grab noch her und wirkt; Wie hieße nicht ein guter Ort, Der nichts als Gt'lte birgt? Emil Spiegel. Der Brautschleier. er Fittich des Todes rauscht und rauscht. Die Farben der Welt sind alle vertauscht: Verändert, erloschen, verdorben. Im Jammer des Krieges gestorben. Mißtönig gewandelt das Grün der Au, Verdunkelt des Himmels strahlendes Blau Und blutig rot geworden Der Erde Braun vom Morden. Doch ach, selbst der schneeige Schleier der Braut, Bon seligen Tränen sonst nur betaut, Schwarz deckt er nun die Schmerzen Der jäh gebrochnen Herzen. Wohl wird wieder grünen die liebliche Au, Wohl wird wieder strahlen des Himmels Blau, Wohl wird wieder fruchtbar werden Der Schoß der Mutter Erden. Nur du, der dein Hoffen ward geraubt, Bon Schmerz verhangen bleibt dein Haupt, Bis einst in weißen Linnen Man still dich trägt von hinnen. Ottilie Franzos. Du wirlt den Lindern heut die Lichter zünden. u wirst den Kindern hent die Lichter zünden Und dich am stillen Glanz des Festes fren'n. Durchs Fenster fällt ein milder Abendschein. Hent sollst ölt ihnen unsre Wunder künden; Heut ist die Nacht, da all die zauberbunten. Die Träume unsrer Kindheit auferstehn. Mit leisen Schritten durch das Zimmer gehn Heut alle Märchen unsrer Dämmerstunden . . . Lehr' deine Kinder unsre Märchen lieben. Sag' ihnen: Jakob diente zweimal sieben

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