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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-12-24 · Heft 52 (24.12.1915) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 52 (24.12.1915)
Date
1915-12-24
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 ^ii richten, die finanzielle Fundierung der „Union" in einem ihren großen Zielen entsprechenden Maßstabe noch vor Beendigung des Weltkrieges zu sichern. Noch seinem Ausgang soll zu der Gründung eines kommerziellen Instituts geschritten werden, das den jüdischen Einwanderern Erwerbsmvglichkeiten in Landwirtschaft, Industrie, Gewerbe und Handwerk schaffen soll. - Es folgte eine g e m e i u s a m e Mahlzeit der Konstreuzteilnehuier, woran sich ein Lichtbild e r dort r a g des kaiserlich Os manischen Ingenieurs Santo S e h de Se in o anschloß. Berlin, *21. Dezember. Am letzten Sonntag fand im Tempel der Jüdischen Neformaememde, verbunden mit dem Gottesdienst, die Iahrzeitseier für den am Ul. Dezember vorigen Jahres cm der Statte seiner dreißigjährigen Wirksamkeit so jäh aus dem Leben geschiedenen Prediger Dr. Moritz Lev in statt. Es uhu* eine Iahrzeitseier in echt jüdischem Geiste und ganz im Sinne des Berklärten, der für Israels Sitten und Bräuche ein feinsinniges Verständnis besaß und stets lebhaftes Interesse bekundete. Im Anschluß an die Tefilla verrichtete der Borbeter nach altjüdischem Brauch, wenn auch in deutscher Sprache, das Kaddischgebet, das so mancher andächtig leise mitbetete. Dann rezitierte Prediger Dr. Lehmann in eindrucksvoller Weise hebräisch und deutsch den üblichen 16. Psalm, woraus Prediger Dr. Jelski in einer formvollendeten Predigt über das Leben und den Tod des Patriarchen Jakob der zahlreichen Zuhörerschaft noch einmal das Lebensbild des Mannes vor Augen führte, dem diese pietätvolle Feier galt, die auf alle, die ihr beiwohnten, eine erhebende Wirkung ausübte. Erwähnt sei noch, daß der V o r st a n d der Jüdischen Reforingemeinde anläßlich des Todestages von M o r i tz L e v i n die an seiner Bahre im Gotteshause und aus dem Friedhof gehaltenen Reden zusammen als Druckheft herausgegeben und es den Mitgliedern der Gemeinde zum Andenken an ihren unvergeßlichen geistigen Führer überreicht hat. Es enthält die Reden von Dr. Georg M i n d e n , Dr. Joseph L e h m a n und Tr. Jsmar Elbogen sowie einen gehaltvollen Nachruf, den Geheimer Sanitätsrat Dr. Benno H o t z in einer Sitzung des Ropräsentantenkollegiums der Reformgemeinde dem Verewigten gehalten hat. Die Trauerrede des Tr. Jelski ist den Mitgliedern bereits vor einigen Monaten in seinem Herrn Rudolf M o s s e gewidmeten Predigtbuche „Aus großer Zeit" zngestellt worden. V. Z. Berlin, 21. Dezember. Das Wunderland der Pharaonen schilderte Geheimer Regierungsrnt Professor Dr. Penck in einem Vortrage zum Besten des Heimathauses für Töchter höherer Stände vor einer überaus zahlreichen Zuhörerschaft. So reizvoll seine durch viele Lichtbilder unterstützten Mitteilungen über die Bauwerke alter Kultur, über die Mischung von fast prähistorischen mit neuzeitlichen Zuständen waren, weit bemerkenswerter war seine eigenartige Darstellung über die Bedeutung des Nils für Aegypten. Ter große Geograph zeigt, wie Aegypten in seiner ganzen Ausdehnung Oase, wie seine Kultur Oasenkultlir ist. Wenn Leben im Lande ist, dann kommt es aus dem Herzen Afrikas, dessen Wasser den Nil speist. Penck vergleicht den „Baker der Flüsse" mit unserem Rhein und fährt dann fort: Denken wir uns anstatt Kairo, wo das Delta beginnt, Köln, dann liegt Alexandrien ungefähr dort, wo Rotterdam, Port Said, wo Bielefeld; der Suezkanal würde einer Wasserstraße von Marburg a. d. Lahn nach Bielefeld entsprechen. -Zwischen Rotterdam. Köln- Bielefeld würde sich also das fruchtbare Deltaland ausbreiten; hieran schließt sich ein 700 Kilometer langer Schlauch, dessen fruchtbares Tat ungefähr 15 Kilometer breit ist. Assuan käme nach diesem Vergleich nahe Genua zu liegen, Theben entspräche dem St. Gotthard, Khartum hätten wir dann in der Nähe von Tunis zu suchen. Bis Khartum hat der Nil Zuflüsse, dann erhält er in seinem Unterlauf nur noch einen einzigen Zufluß. Er befördert also tropisches Wasser in die Wüste. Dattelpalmen wie andere Gewächse gedeihen, soweit der Nil Wasser spendet. Das eigentliche Kulturland Aegyptens ist nicht viel größer als Belgien, nämlich 31 000 Quadratkilometer. Hier ernähren sich 11 Millionen Menschen, im dichtbevölkerten Belgien nur 7 Millionen. Im Altertum könnte Aegypten bei?y2 Millionen Bewohnern noch Getreide ausführen, heute muß es, da fast alles Land für die Baumwollkultur in Anspruch genommen ist, Nahrungsmittel einführen, hauptsächlich durch die Straßen des Bosporus und der Dardanellen. Aber nicht um das Baumwolland Aegypten geht der jetzt anhebende Kampf. Aegypten bedeutet für die Weltherrschaft weit mehr. Es hat eine unvergleichliche Lage, es gestattet ein Hinüber und Herüber von Afrika nach Asien, und zugleich vermittelt es den Weg zwischen Europa und dem südlichen Asien. Graudenz, 17. Dezember. Am erstell Ehanukaabend veranstaltete der hiesige Israelitische F -r a u e n v e r e i n eill Chanukasest, anläßlich dessen sämtliche inx Festungsgebiet dienenden jüdischen Soldaten eingeladen waren. Ter Ehanukafeier voraus ging ein Festgottesdienst in der festlich beleuchteten Synagoge, die die Zuhörer kaum 31t fassen vermochte. Nach Alizünden der Chanukalichter dllrch den ersten Kantor der hiesigen Gemeinde bestieg Rabbiner Tr. Loevy die Kanzel und schilderte in trefflichen und zu -Herzen gehenden Worten die Bedeutung des Ehnnukafestes, unter Hinweis ans die jetzige so ernste Kriegszeit. Gar manche Träne rollte aus dem Auge des einen, der in seine Kinderjahre versetzt wurde, wo er iln Hallse seiner Eltern das Ehannkalichttein entzündete, und durch die Seele des ailderen zuckte es„ lveil er hellte fern von der Gattin nlld den Kindern weilte, und int Herzen des dritten Kameraden flammte es von heiliger Begierde beim Allblicke der strahlenden Ehnnnkalichter, einen Blick zu werfen in die nebelumschleierte Zukunst. Wie erlösend klangen die herzlichen Worte in unser Gemüt, mahnend, stärkend und tröstend. Nie werden lvir diesen erhebenden Militärgottesdienst vergessen, der in dieser tiefernsten Zeit beruhigend und ermutigend auf uns wirkte. Nach Beendigung des Gottesdienstes versammelten sich ans Einladung des Frauenvereins zirka 250 jüdische Soldaten in den festlich geschmückten Räumen der Freimaurerloge zu Graudenz, woselbst die Damen des Frauenvereins in selten ausopferllder unb liebenswürdigster Weise in der Darreichung von herrlichen Speisen ulld Getränken wetteiferten. Es lvar alles bis ins kleinste bedacht; selbst Spezialwünsche der einzelnen wurden erfüllt. Ja, es lvar ein Familienfest im vollstell Sinne des Wortes; alle Hochachtung und Ehrerbietung den: jüdischen Frauenverein für dessen mllstergültige Fürsorge lind echt jüdische Gastfreundschaft den tvenen jüdischell Soldaten gegenüber. Manches treffliche Wort wurde lloch gesprochen, manch schönes Lied gesungen, manche gemütliche zwanglose Stunde int Kreise der edlen Gastgeberinnen vollbracht. Dankbaren Herzens lverdell lvir stets dieses wohlgelungenen Soldatenfestes gedenken, und uns des edleil Wöhltuns unb der erwiesenen Gastfreundschaft stets würdig zeigen. Im Aufträge meiner Kameraden: W.. Unteroffizier. Briefen, 17. Dezember. Bürgermeister Wi 1 h e l m Schulz hatte sich vor der hiesigen Strafkammer wegen Beleidigung und gefährlicher Körperverletzung zu verantworten. In einer Streitsache ließ sich der Angeklagte Hinreißen, den Ziegeleipächter Isidor M 0 s e s körperlich zu verletzen. Der Bürgermeister kaufte in einem Laden eine Hundepeitsche und suchte Moses in seiner Wohnung auf. Dieser lies; sich zweimal verleugnen. Als er ihn aber etwas später von außell ins Haus treten sah, eilte er die Treppe hinunter und schlug ihn int Flur mit den Worten: „Sie infamer Lümmel, da haben Sie den Lohn für Ihr Benehmen," drei- bis viermal über ben Kopf. Nach dem Attest des Medizinalrats Dr. Hoppmann hatte Moses in der Schlästugegend mehrere Anschwellungen und blutunterlaufene Stellen. Der Staatsanwalt stellte anheim, dem Angeklagten mit Rücksicht auf stille berechtigte Erregung mildernde Umstände zuzubilligen, andernsails könne die Geldstrafe nicht gering fein, da der Angeklagte durch die Benutzung einer Hundepeitsche dem Zeugen gegenüber seine ganze Verachtung zum Ausdruck bringen wollte und die Art der Züchtigung sich als hinterlistiger Uebersall qualifiziere. Er beantragte 500 M. Geldstrafe. Ter Gerichtshof verurteilte den Bürgermeister Schulz zu 300 M. Geldstrafe oder 30 Tagen Gefängnis. 6. K. Kottbrrs, 17. Dezember. Der Verein für jüdische G e s ch i ch t c u n d Lite r a t it r veranstaltete am 7. d. M. anläßlich des Ehanukaststes für seine Mitglieder und die jüdischen Soldaten der Garnison eine Feier, die einen ausgezeichneten Vwlauf nahm. Zirka 90 Soldaten, viele geschmückt mit dem Eisernen Kreuz, darunter ein Unteroffizier mit dem Eisernen Kreuz 1. Klasse, waren der Einladung gefolgt. Nach beut gemeinschaftlichen Gesang „Moaus zur Jeschuoßi" und nach dem Anzünden der Weihelichter sprach der erste Vorsitzende des - Vereins, Herr Gemeinderabbiner Dr. Posner, über „Mattathins und seine Heldensöhne". Der Vortrag, fesselnd durch Form und Inhalt, wurde mit lebhaftem Beifall ausgenommen. Sodann erfreuten Herr Vizefeldwebel Walter B v h m e, Opernsänger aus Berlin, zurzeit Ersatzbataillon Kottbns, und der jugendliche Held unseres Stadttheaters, Herr Max Falk, die Zuhörer durch die vollendete Wiedergabe mehrerer Lieder und Gedichte. Schließlich gab es noch eine „Damenspende",

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