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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-12-24 · Heft 52 (24.12.1915) · p. Seite 624

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 52 (24.12.1915)
Date
1915-12-24
Page
Seite 624 (sequence 12)
Language
German
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t;cu*imicu. v\u dieser C'hc, die Mich mit einem Kinde gesegnet ist, muß er in ganz anderer Weise, als in der ersten, sich Weit) und Kindanschließeu. Di-e Eharatteristiken der genannten Personen: der beiden Frauen Mand und Ortliel, des Hanpthelden, des genannten Lloyd und eines Freundes Allans, -Hobby, eines Mcrmeltmannc*, der durch {eine tollen Streiche ebenso wie durch sein geniales künstlerisches Wirken. Amerika stets von neuem in Erstaunen seht, eim's Mannes, der im Augenblick der Gefahr feinen -Heroismus bewährt, schließlich aber in halber Verblödung seine letzten Lebensjahre zubringt, sind wunderbar. Ebenso ausgezeichnet die Schilderung des ganzen amerikanischen Lebens: der Volksmasseu, der Finanzlente, der Photographen und der Kinematographennnternehmer. Alles sprüht von Leben, es ist eine so glanzende Darstellung des Landes der unbegrenzten Möglichkeiten, loie man sie bisher noch niemals gesehen hat. Gewiß gehört derartiges auch in das Gebiet der surrst: wir Aelteren jedoch können uns nicht enthalten, diese ganze Art weniger als ein wahrhaftes Kunstwerk denn als ein reizvolles Kunststück zu bezeichnen. Mancher Leser wird verwundert fragen, wenn er das Vorstehende aufmerksam gelesen hat, aus welchem Gründe ich einem solchen Werke, zumal es keine Neuerscheinung, sondern ein Roman älteren Datums ist. in diesen Blättern eine Besprechung zuteil werden lasse. Die Antmort ist, daß in freut Roman auch ein Jude vorkommt, und zwar nicht bloß als eine episodische Figur, sondern als eine wuchtige, in die Handlung eingreifende Persönlichkeit. Es ist Salomon Wolssohn aus einem kleinen ungarischen Crt. Das ist ein Mensch von nngebändigtem Ehrgeiz, voll Vertrauen ans seine Kraft, der es, nachdem er jahrelang in bitterster Armut gelebt und die erniedrigendsten Demütigungen ertragen hat. fertigbringt, zu hoher Stellung auszusteigen. Er wird der eigentliche finanzielle Leiter, nicht zwar der Gelfrspmfrer, aber der Verwalter der Milliarden des Tunnelmtternehmens, erwirbt ungeheure Lummen, verliert sie, sticht den Verlust durch wahnsinnige Lpetn- Intiimcn zu ersetzen, wird in diesen schwindelhasten Unternehmungen von Unglnckssällen verfolgt und muß sich, nachdem seine Verfehlungen entdeckt worden sind, ums Leben bringen, mn der drohenfreu Verhaftung zu entgehen. Dieser Jude, der jreilich seines Fortkommens halber zum Ehriftentnm übergeht und seinen ehrlichen Namen Wolssohn in Wvolf verändert, ist einer der widerwärtigsten Burschen, die je gejchildert worden sind, denn er ist ein Schleinincr und Prasser der ekelhaftesten Sorte. ein Mädchenjäger, der seinen Lüsten in der Art eines orientalischen Paschas frönt, ein Tyrann und ein Tespot, der sich durch Rücksichtslosigkeit imfr Gervaltkätigkeit für Die Demütigungen seiner Jugendzeit entschädigt. Der einzig versöhnende Zug bei diesem mit wahrhaft erstaunlicher Kunstfertigkeit geschiwerten Verbrecher ist die Pietät zu seinem Vater. Denn Lalomvn bringt cs fertig, trotz seiner kolossalen Unternehmungen, die jede Le tun de seiner arbeitsreichen Tage in Anspruch nehmen, in verhältnismäßig kurzen Znnschenrämneir seinen alten Vater iix dem ungarischen Neste zu besuchen und mehrere Tage bei ihm zu verweilen. Diesem Vater, der vor dem rapiden Ausstieg des Lohnes in äußerster Dürftigkeit gelebt, hat er ein glänzendes Dasein verschafft, er kann es aber nicht hindern, daß der Alte, nachdeut er durch freu Umschwung der Verhältnisse überrascht worden ist, gleichfalls Lelbstmord begeht. Das Verhältnis des Lohnes zum Vater u'irrt einen verklärenden Schimmer ans das verbrecherische Treiben des migarisch-amerikanischen Inden: es ist eine der wenigen Idyllen, einer der nicht zahlreichen Rnhepnntte in Dem hastigen, neroenerregenden Treiben, das dieser Roman mit einer grandiosen Geschicklichkeit und unvergleichlichen Virtuosität vorführt. L. G. * --- Menschenliebe, Gerechtigkeit u n d Duldsamkeit als Grundpfeiler der menschlichen Gesell - s ch a f t. Vier Preisarbeiten der Großloge für Deutschland von Robert Richter, August Messer, Paul Eberhard und Engen Wo-Lfsdorf. Preisgekrönt von der M o r itz- N l anheim er - Skis tu ng der Großloge für Deutschland. Friedrich Andreas Perthes A.-G. Gotha 1915. Es zeugt von einer Stärke des idealen Sinnes, der bei uns existiert, daß eine deutsche Verlagsbuchhandlung (ob mit oder ohne Unterstützung der Loge bleibe dahingestellt) es wagt, mitten in dem furchtbaren Kriege ein so eminentes Friedensbuch herauszugeben. Die Großloge hat Recht, wenn sie in der Einleitung bemerkt, „nach allsten hin ist es ein Dokument unseres Barbarentums, nach innen em Wegweiser zu höchsten, unverlierbaren Gütern, für jeden ein Spiegel, in dem er erkennen kann, was an ihm ist an Werten, die von Motten und Rost nicht zerstört werden können." Die Arbeiten sind llach meinem Ihieij-kiuc unvergänglichen Mnsterleninngew Man lamt in ihrer Schätzung sehr verschiedener Meinung sein, unter den eingelaufenen Bewerbt! ngsschriften werden sie - das wird man den Preisrichtern wohl zugeben können — die besten gelvesen sein. Ich persönlich halte die Studie Augnsi Messers für weitaus die bedeutendste. Sie ist nicht nur sachliches,. nnpathetischer geschrieben als die anderen, sondern hat lv.srktich^^groste Gesichtspunkte, öehandelk namentlich die Erziehung.sfräKu mit Pädagogischer Tiefe und geht auf die Zeitsragen in sehr hübscher Weise ein. Dagegen ist Paul Eberhards Erklärung recht seltsam, ziemlich Pastoren Hafk. Merkwürdig ist darin die nicht unsympathische Deutung des Werkes: Liebet eure Feinde! Die Schlnßnbhandlung. von Eugen Wolfsdvrf ist so nnbedenkend, daß rnau lvirtbich nicht weiß, aus welchem Grmnde sie mit freut, wenn auch vierten, Preise gekrinit lvnrde. Kann ich also auch die Arbeiten nicht als wesentliche Bereicherung unserer Literatur betrachten, so begrüße ich doch freudig das Streben, das dem Preisausschreiben zugrunde liegt und den Versuch, gerade in unserer Zeit derartige Fragen zu behandeln. I.. G. # . : K riegstochbll ch s ü r die rituelle K ö ch e. Herausgegebeu von der Frauenvereinigung der Frankfurt-Loge, unter Benutzung des Kochbuchs der Lebensmittel-Kommission der Stadt Frankfurt a. M. Begutachtet und mit einer Einleitung versehe»! von Hof rat Professor v. Noorden. Druck und Verlag voll Engelbert irnd Schlosser in Frankfurt a. M. Dieses Kriegskochbnch gibt schätze uslverte diätetische Ratschläge, die nicht nur für die rituelle, sondern für jede Küche Geltung haben. In seiner Einleitung betont Professor v. Noorden, der berühmte Wielter Arzt, daß für die Wohlhabenden das Sparen mit Lebensmitteln und das Meiden jeglicher, auch der kleinsten Vergeudung zwar Pflicht und Gebot [ein soll, daß sie aber nicht die Konkurrenten der kleinen Leute werden sollen, indem sie teure, noch in größeren Bestünden vorhandene, meist aus den: Ausland stammende und teilweise von dort auch noch zustiehende Nahrungs- und Genußmittel aus Sparsamkeit ablehneu und dem Verderben aussetzeu. Im allgemeinen drängt die jetzige Lage zur Bevorzugung der Milch- und Pflanzentost, und dies begegnet keinerlei Bedenken des Hygienikers. Die Boltsgesundheil tutvb darnnter nicht leiden, und viele müssen mit mancher lieben alten Gewohnheit brechen. Es gibt jüdische Familien, die den Sabbatstriezel entbehren müssen, weil das Weizenmehl in den Bäckereien knapp geworden ist, und die Welt geht doch weiter. So fyat man sich an das K-Brot und das KK-Brot gewöhnt, und so. mancher hat sogar seine schwere Verdauung dadurch sich bessern gesehen. Die Kriegsverhältuisse haben and) vielfach mit dem Vorurteil allfgeränmt, daß weißes Fleisch bekömmlicher sei als dunkles. Es kontmt, wie so oft im Leben, nur auf die „Behandlung" an, und bei entsprechender Zubereitung wird das dunkle Fleisch ebenso zart wie das weiße der Kälber und des Geflügels. Natürlich geht es in der Ernährung der Kranken ohne gewisse Einschränkungen nicht ab. Aber die Krankenküche arbeitet mit sehr einfachen Mitteln. Sie benutzt im wesentlichen solche Stoffe, mit denen wir zwar wie mit allem sparsam umgehen müssen, die uns aber doch in genügender Menge zur Verfügung bleiben. Noch wichtiger als in Friedenszeiten ist es, bei der Krantenernährnng den ärztlichen Ratschlägen strengstens zu folgen. In dem Buche wird noch im einzelnen gezeigt, daß auch bei der rituellen Küche die Hausfranem ihrem und ihrer Familie gewohntem Geschlnack folgen und doch kriegsmäßig kochen können, und wie sie, (ei aller Sparsamkeit uub Einschränkung, doch mit zwar wenigen, aber kräftig gekochten Speisen nicht nur den „Tisch des Hauses" zieren, sondern auch ihre Lieben ernähren und sättigen können. Das treffliche Büchlein ist bestens zu empfehlen. Sanitätsrat Dr. Scher b el, Lissa. Sprrchssal. Eine vollständige Zlsiauunenstellung aller jüdischen Kriegsschristen. deren eine sehr große Anzahl veröffentlicht lvnrde, wird die Buchhandlung Louis Lamm, Berlin G 2, veröffentlichen. Die Buchhandlung bittet alle Rabbiner, Gelneindon uub Vereme, ihre aus den Krieg bezüglichen Druckschriften in je einem Eremplar zu überlassen. Es wäre 'ehr zu lvünschen, daß dieses Verzeichnis.möglichst vollständig lvnrde.

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