Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-12-24 · Heft 52 (24.12.1915) · p. Seite 620

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 52 (24.12.1915)
Date
1915-12-24
Page
Seite 620 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3224737-3229177-3229230--71864-3284283
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

<J20 In ^dnttguiuj bte|ev Cn^tnhir, welche imfm'n herein erfüllen für ben Mann, der außer aus vielen anderen Gebieten um unser Schulwesen ungewöhnliche Verdienste sich erworben hat -- in Betätigung dieser Gefühle wurde in der Jahressitzung am 20. November dieses Jahres der Antrag des Vorstands, Sie, hochgeehrter Herr Geheimrat, zum Ehrenmitglied unseres Vereins zu ernennen, mit hellem Jubel begrüßt und einstimmig angenommen. Tenn: immm/oll koseh iseld Finden nur wohl noch einen Mann, der in so nachdrücklicher und hingebungsvoller Weise des jüdischen Schulwesens und seiner Lehrer sich angenommen hat, wie Sie, Herr Geheimrat? Wird ja doch um nur das eine zu erwähnen - - - die Versammlung der Abgeordneten aller deutsch-jüdischen Lehrervereine morgen unter Ihrer Aegide tagen, um den langersehnten Lehrerbund zuwege zu bringen! Wir wissen, welche Schwierigkeiten zu überwinden waren, ehe Sie mit uns sagen konnten: ad lieno asorunu adonaj. Wir werden aber auch nie vergessen, w e s s e n hingebungsvoller und selbstloser Arbeit wir das Zustandekommen dieses Einigungswerkes zu danken haben. Darum ivollen Sie, hochverehrter Herr Geheimrat, es lediglich als den schuldigen Tribut der Dankbarkeit betrachten, wenn unser Verein den einmütigen Beschluß gefaßt hat, den hochverdienten Vorsitzenden des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes, den lelbstloieu Schöpfer des Delitsch-Jsraclitischeu Lehrerbundes, zu seinem Ehrenmitglied zu ernennen. Mit der herzlichen Bitte, diesen Beschluß genehmigen zu wollen, überreichen nur Ihnen die Urkunde über Ihre nunmehrige Zugehörigkeit zu uns als Ehrenmitglied. Möge der Allmächtige Ihnen der Jahre noch recht viele schenken, möge er Ihres Leibes und Geistes Irische und Rüstigkeit stets erhalten, damit des Psalmisten Ansspruch: and simnvuu bszdnvo d’sclionim wYa’iiaviim jih’ju aus Sie recht lauge noch angewendet werden darf, auf daß Deutschlands Lehrer lauge, lange noch in Verehrung und Dankbarkeit zu Ihnen aufschauen können. Das lvalte Gon!" Der so Gefeierte war gesundheitlich nicht in der Lage, den Verhandlungen an den beiden kommenden Tagen bei.zuwohnen, und wurde durch den damaligen Syndikus, jetzigen Direktor des Berliner Pfandbriefamtes, Herrn Dr. Minden, in würdiger Weise vertreten. Mir hatten seinem hochverständigen Rate mancherlei zu danken. Lifsa i. P. H e r b st. Die Flüchtlingstürlorge in den Milchen Gemeindend Von Rabbiner Dr. Vogel sie in, Königsberg i. Pr. ie Flilchtlxwegung als solche weift für alle Kreise der Bevölkerung in den betroffenen Gebieten Ostpreußens im wesentlichen das gleiche Bild ans. Die folgende Darstellung wird sich darum im allgemein-en darauf beschränken können, zu berichten, was in der Fürsorge für die jüdischen ,Flüchtlinge besonders geleistet ivorden ist, und ivie die jüdischen Gemeinden durch den Russeueiilfall gelitten haben. Es ist nur .zu begreiflich, daß die jüdische Bevölkerung Ostpreußens dem Einfalt der Russen mit ganz besonderer Sorge entgegensah. Man mußte mit Recht voranssetzen, daß die russischen Behörden, da sie die ^nden des eigenen Landes als rechtlos behandelten, auch die Juden eines eroberten Gebietes differentiell behandeln ivürden. In der Tat ist in dieser Hinsicht bezeichnend die Bekanntmachung, die bei dem zweiten Einfall der Kommandierende der 10. russischen Armee, General Sievers, erließ, die ausdrücklich von Deutschen und Juden sprach. Die jüdischen Bewohner Eydtkuhnens flüchteten daher zürn großen Teil bereits vorder Mobilmachung, überall aber, auf dem Lande wie in den Trabten, ') In dem -. Pest der von Professor Tr. B r a ek m a n n berausoctfebenen „€ ft p v e u ß i f ch (' n K v i e a s beit e" finden wir bcu fvlaein den intercifanten Aufsatz, den wir mit Erlaubnis des Verfassers beifolgend im Ansmge wiedergebein eriaßtc später die allgeni-eine Jlndübeivegnug gast ansnalpuslvs die gesamte jüdische Bevölkerung. Die Hilfeleistung war noch nicht organisiert, aber die Katastrophe fand uns nicht unvorbereitet. Bereits am 5. August waren unmittelbar nach Beendigung des Gottesdienstes am Kriegsbettage die Vätgliederbes Vorstandes und der Nepräsentantenversammlung der Synagogengemeinde, die Rabbiner und Vorsteher von Wohltätigkeitsvereinen zu einer improvisierten Besprechung über Maßregeln zur Hilfeleistung zusammeugeLreten. Damals dachte man an die Hilfeleistung innerhalb der Gemeinde, die wenige Tage später durch Begründung des „I ü d i - s ch ch Hilfskomitees 191 4" geregelt wurde. Tic Synagoge ngemeinde und die zahlreichen hier bestehenden jüdischen Wohltätigkeitsvereine beloilligten größere Beträge, eine Anzahl Damen und Herren stellte sich zur Persönlichen Arbeit zur Verfügung. Aber gleich zu Beginn griff die Hilsstätigkeit über die Angehörigen der Gemeinde hinaus. Zahlreiche russische Staatsangehörige jüdischen Glaubens, Kranke, die ln hiesigen Kliniken nntergebracht ivaren, Kurgäste aus den ostprenhischen Seebädern oder solche, die, ans dem Lasten heimkehrend, die russische Grenze versperrt gesunden hatten, waren zu Hunderten auf dem Schloßhof interniert und harrten des Abtransportes. Verpflegung und sonstige Hilseleistung, vielfach auch Unterstützung mit Geldmitteln, da der Rubel unverkäuflich war, wurden gewährt. Es war die erste Ftüchtliugssnrsorge, ehe noch die ostprenßische Bevölkerung hatte flüchten müssen. Roch ernster wurde das Bild, als militärische Rücksichten zur Evakuiernng unserer Festung von allen nur zu entfernenden Personen nötigten und zahlreiche Gemeindemitglieder, die zum Teil seit Jahrzehnten vergeblich versucht hatten, die preußische Staatsangehörigkeit zu erwerben, am 1-1. und 14. August die licbgewordene ziveite Heiiuat verlassen mußten. Der Krieg duldet keine iveit gesteckten Fristen. Manche mußten binnen ivenig Stunden mit ihren Familien fort. So hatte sich die Hilsstätigkeit ans hiesige Flüchtlinge ausgedehnt. Da kamen die f l ü ch t i g e n L a n d s l e u t e n n s d e r P r o v i u z. Während die allgemeine Fürsorge vrganisiert wurde und die private, sreiivillige Fürsorgetätigkeit in den ersten Tagen Großes leistete, erschienen täglich in der Sprechstunde unseres Hilfskomitees die jüdischen Flüchtlinge ans der Provinz. Hier war für Weiterbeförderung zu sorgen, dort Unterstützung für den Ansenthalt in Königsberg zu geroähren, Unterkunft oder Pflege für die Kranken vder für Greise und Kinder zu beschaffen, Kleider und Wäsche zu'besorgen, nsw. Gleich nach den erskert Tagen haben wir grundsätzlich alle Hilfesuchenden zunächst an die allgerneine Für sorge stelle für Flüchtlinge gewiesen. Das erwies sich als notrvendig, nicht nur, rveil die Mittel unseres Komitees andernfalls binnen kürzester Frist ansgeb raucht gewesen wären, sondern auch, rveil so allein eine Uebersicht und Kontrolle möglich war. Dabei ergaben sich aber sehr bald neue Schwierigkeiten. Die Flüchtlingssürsorge gab in der Mehrzahl der Fälle für Bespeisnng nicht Geld, sondern Anweisung ans Mittagstisch. Den jüdischen Flüchtlingen war damit nicht geholfen, da sie fast ausnahmslos ans religiösen Gründen ans rituelle Verpflegung Wert legten. Die Schwierigkeit war meist rasch beseitigt, sobald die Sache klargestellt rvar. Die Flüchtlingssürforge bewilligte in diesen Fällen an Stelle der freien Verpflegung einen entsprechenden Varbetrag, der freilich, da eine jüdische Volksküche hier nicht besteht, zur Bestreitung der Kosten nicht ausreichend sein konnte. Unser Konütee gewährte den erforderlichen Rest als Beihilfe. Am 21. September begann der Festmonat (Neujahr, Versühnungstag. Laubhütten- und Schluß-fest). Diesen Aermsten, die durch den feindlichen Einsall von Hans und Hof vertrieben ivaren, sollte ebenso wie den Soldaten, die hier standen, iu der Festzeit wenigstens ein Schimmer häuslichen Behagens geboten werden. Die nimmermüde Gebefreudigkeit stellte neue Mittel zur Verfügung. Für die Feiertagszeit wurden die Räume eines Pensionatsin der Kaiserstraße gemietet, tüchtige Kräfte angestellt-. unsere Damen übernahmen die Leitung und Aufsicht sowie die bei den immerhin recht beschränkten räumlichen Verhältnissen nicht einfache Regelung der Lrdnung: unsere Töchter haben die Festtage gefeiert, indem Pie dort bei Tische bedienten. Es war eine Freude zu sehen, wie festtägliche Weihe und Freude sich ans den- Gesichtern dieser Vertriebenen spiegelte. Mit dein Abschluß der Festtage lMitte Oktober) mußte ans äußeren Gründen dieser Betrieb eingestellt ivorden. Aber die große Anzahl der Flüchtlinge erheischte gebieterisch Einrichtungen für ihre Beköstigung. Das war ebensosehr im Interesse der Flüchtlinge selbst wie ans finanziellen Rücksichten erforderlich, weil die dauernde Zahlung sehr erheblicher Zuschüsse unsere Kasse sehr rasch erschöpft haben würde, ohne daß

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.