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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-12-17 · Heft 51 (17.12.1915) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 51 (17.12.1915)
Date
1915-12-17
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 Vorstände und den Genteindeangehvrigen. der regierende Bürgermeister und SenatsPräfidentDr. v. Melle, der k. u. k. österr.- ungar. Generalkonsul itnb viele hervorragende Persönlichkeiten. Höchst bemerkenswert ist ein Schreiben, das der Pfarrer von St. Pauli, Pastor A. D r e ch s l e r , an den Jubilar richtete.' Er schrieb: „Mitglieder der St.-Pattli-Gemeinde und des Gehilsenvereins kommen zu mir, ich müsse Ihnen notwendig gratulieren. Sie hätten gestern auf eine 40jährige gesegnete Tätigkeit zurückblicken dürfen. Ihr Name ist hier in St. Pauli unvergeßlich, wird oft in Verbindung mit meinem Amtsvorgänger P. Clemens Schultz genannt. So möchte ich Ihnen im Namen Ihrer vielen Freunde tu St. Pauli schreiben und Ihnen weiterhin unseres gemeinsamen Gottes reichen Segen wünschen." - Aus Anlaß des Chauukasestes fand im überfüllten Tempel eine große Kriegsandacht statt, zu der General Exzellenz v. Roehl die jüdischen Soldaten des neunten Arnteekorps Altona unter Führung hervorragender Offiziere abordnete. Es erschienen zahlreiche Mannschaften, die Jugend und Glieder aller Gemeinden.'- Rabbiner Dr. Leimdörfer sprach über das Thema „Alte und neue Makkabäer" und gab eine Pa- ' rallele der heutigen Zeit und ihrer Forderung mit der vou 164 vor der üblichen Zeitrechnung. Hieran schloß sich ein Krieger-Scetengedächtuis, das tiefe Ergriffenheit unvergeßlicher Art nuslöste. Reich flössen auch die Pietaisgabeu, insbesondere für die von ihm aut Versöhnungslage ins Leben gerufene Krieger-Gedächtnis- Stiftnng von 1 91 5. München, 10. Dezentber. Ter Privatier Hermann Gumbel hat zum Andenken an seinen nur 19. Juni 1915 auf dem Felde der Ehre gefallenen Sohn, den Infanteristen mit Einjährig-Freilvilligen- Berechtignng P a u l G u m b e l, 8. Armiernngstompagnie des Reserveinfanteriereginreuts Nr. 12, zugleich im Namen feiner Frau den Betrag von 5000 Mark zur Errichtung einer Stiftung mit der Bestimmung gewidmet, daß aus den Zinsen alljährlich am 19. Juni alt bedürftige Kriegsinvälide und deren Hinterbliebene ohne Ansehen der Religion einmalige Unterstützungen (nicht über 50 Mark und nicht unter 25 Mark) nach näherer Maßgabe der Stiftungsurkunde zu gewähren sind. Nach Ablauf von 60 Jahren soll das Kapital zu drei Fünfteln au die Stadtgemeinde München und zu zwei Fünfteln an die israelitische Kultusgemeiude zur Unterstützung bedürftiger minderjähriger Kinder überwiesen werden. Seine Majestät der König hat zur Entstehung dieser Stiftung die staatliche Genehmigung erteilt. L. Frankfurt a. M., 10. Dezember. Jur hohen Alter, voit 84 Jahren ist aut Abend des 4. Dezember der Geheime Sanitätsrat Professor Dr. Theodor N e u b ü r g e r gestorben, eine der bekanntesten Persönlichkeiten Frankfurts uitb einer der angesehensten, vielbeschästigsten Aerzte. Der Verstorbene stammte aus Düsseldorf, seine Eltern verzogen bald nach ihrer Verheiratung nach Frankfurt, allwo sich der Dahingeschiedene späterhin als Arzt niederließ. Seine Gattin war eine Tochter des angesehenen Frankfurter Arztes Dr. Emden. Bei seiner Tüchtigkeit erhielt er bald dauernde Anstellung bei der Israelitischen Kranken- und Permissionistenkrank'enkasse und dem französischen Konsulat, und in kürzer Zeit war er einer der gesuchtesten'Aerzte der Stadt. Verschiedene medizinifch-wtssenschastltche Aufsätze, von denen er einen zusammen mit Professor Edingcr herausgab,, ebenso wie eine Reihe' philosophischer Arbeiten -— so schrieb er u. a. mit seinem Freunde Lazarus Geiger gemeinsam über die Anwendung der Darwinschen Entwicklungslehre auf die Sprachforschung — lasten bedauern, * daß ihm so wenig Zeit für ähnliche Arbeiten vergönnt blieb. Auch als Stadtverordneter ist Neübürger reichlich tätig gewesen. Er wirkte mit Erfolg für die Uebernahme des Wasserwerks durch die Stadt Frankfurt, stellte sich der Erbauung eines besonderen Blatternhauses entgegen, trat aber energisch für die Errichtung eines allgemeinen Krankenhauses mit besonderen Abteilungen ein. Die israelitische Gemeinde verdankt ihm als Vorsitzenden ihres Ausschusses die Regulierung der Be h rer geh alter und in Verbindung mit dem verstorbenen B. H. Goldschmidt und Isaak Königswarter die Veranlassung zur Erbaüuüg des israelitischen Krankenhauses. Neubürger war einer von denjenigen, denen an äußerer Anerkennung nicht das geringste gelegen war; irgertdwelches Dazutun, sich Titel oder Orden zu verschaffen, die er mit Leichtigkeit hätte haben".können, lehnte er stets mit der größten Entrüstung ab. -Auf dem Markte der menschlichen Eitelkeiten trat er nie als Käufer auf; die Folge davon war, daß er erst aus Anlaß seines 50 jährigen Doktorjubiläums zum Sanitütsrat, kurz danach zum Ge- | Heimen Sanitütsrat und vor zwei Jahren erst zum Professor ernannt wurde. Theodor Neübürger starb in >den Sieten. Bis -in die letzten Wochen ging der alte Herr gewissenhaft seiner Praxis nach, obwohl er in den letzten Jahren viel persönliches Leid 311 tragen hatte. Vor zwei Jahren starb sein Sohn Sanitätsrat Dr. Otto Neubürger plötzlich an einem schweren Herzleiden, kürz daraus dessen Gattin, eine Tochter Charles Hallgarteus, und im letzten Jahre mußte der Greis auch die treue Bebensgefährtin verlieren. Bei Gelegenheit seines goldenen Doktorjnbilüuins setzte Neubürger 25 000 Mark für eine medizinische Stiftung aus. 2/D Ulm, 10. Dezember. Von einer eigenartigen Channka- Feier ist hier zu berichten, die vergangenen Sonntag, aut 5. Dezember, stattgefunden hat. Die Veranstalter der Feier waren der israelitische Militärstammtisch von Ulm' und seilt Beiter Unteroffizier Marks. Eingeleitet wurde die Festlichkeit durch einen Militärgottesdienst in der strahlendhell erleuchteten Synagoge. Durch Kommandobefehl war es sämtlichen jüdischen Soldaten in Ulm freigegeben, soweit sie nicht dienstlich behindert wareit, sich an dem Gottesdienst in der Synagoge und an einer sich daran schließenden gemütlichen Feier zu beteiligen. Von dieser Erlaubnis war lveitgehender Gebrauch geutacht worden. Ulm zählt einige hundert jüdische Soldaten, so daß das Gotteshaus im Zeichen des Militärs stand. Nachmittags y>o Uhr begann die religiöse Feier mit einem Orgelprälndinm und mit Gesang und Gebetsvortrag des funktionierenden Beamten, des Herrn Lehrer Adler. Der zeitweilige Rabbinatsvertreter, Herr Rabbiner Dr. Treitel aus Laupheim, hielt die Predigt, in welcher der Gedanke ausgesührt wurde, daß die diesjährige Channka-Feier sich weit über geschichtliche Erinnerung erhebt, sie bedeute vielmehr Gegenwartsleben, mit deur Wiederaufleben makkabäischen Geistes nach Art und Zielen den ts «her Kriegführung. Eng an die religiöse schloß sich die gesellige Abendseier im Hotel zttm Mohren. War schon im Gotteshause der Aufmarsch jüdischer Mannschaften, ihre stramme, militärische Haltung besonders beifällig ansgenommett toorden, so wirkte es bei der Abendfeier direkt erhebend, die bärtigen Männer an den mit unzähligen Chaunka-Kerzen besetzten Tis-ch herantreten und Licht entzünden zu sehen, zu hören, wie sie die Brocho sprachen. Den Mittelpunkt der Abendfeier bildete auch hier, in Anwendttttg der zurzeit beliebtett Patriotischett Nagelung, eine Magen-David-Nageltmg. Herr Unterofstzier Nt a r k s legte feierlich das aus Holzlverk hergestellte Wahrzeichen, luortntf in farbigen Buchstaben der Name „Ehanuka" prangte, ans den Tisch. Herr Dr. Treitel weihte dasselbe mit den sinnigen Worten ein, indem er ans die Bedenttt.tg des Magen-David hinwies, und alsdann begann die Nagelung, tvobei sehr hohe Geldspenden fielen: ein Zeichen der nimmermüden Gebefreudigkeit unserer Glaubensgenossen. Das ansehnliche Ergebttis wurde noch erhöht durch Versteigerung des Venschens, eilte in Snddetttschland eingeführte Sitte, die aitch noch mehr als.hundert Mark einbrachtc. Die Summen werden in echt kameradschaftlicher Weise für die Kameraden int Felde und für bereu Angehörige verwendet. Bei dem gemütlichen geselligen Zusammensein wechselten Klaviervvrträge mit Witz und humorvollen Reden ab. Die Herren Einstein und Marks waren unerschöpflich im Bortragen eigener geistvoller zeit- und ortsgemäßer Dichtungen, und Herr Lehrer S i l b e r nt a tt n brachte sogar ein selbstverfaßtes hebräisches Gedicht zu Gehör, das leider wenig verstanden worden ist. So gingen die fröhlich-ernsten Stunden wie im Fluge dahin. Alle Teilttehmer hatten den Eindruck, ein schütte8 Familienfest mitgemacht zu haben in echt Patriotischem und zugleich in echt jüdischem Geiste. Grstrrreich-Angam. K. Wien, 10. Dezember. Aus Anlaß der vor 67 Jahren erfolgten Thronbesteigung Sr. Majestät unseres erhabenen Monarchen fand im Tempel der Inneren Stadt (Seitenstettengasse) ein Festgottesdienst statt, an welchem der gesamte Vorstand mit dem Präsidenten Dr. Stern an der Spitze teilnahm. Tie Festrede hielt Rabbiner Dr. B ach, der auch den Besuch Sr. Majestät des deutschen Kaisers in Schönbrunn erwähnte und auf die innigste Freundschaft beider Monarchen in beredten Worten hinwies. Nach dem Festgotteddienste begaben sich die Anwesenden zn einer öffentlichen Festsitzung des Kultusvorstandes, bei welcher Präsident Dr. Alfred Stern eine gedankenreiche Rede hielt. Aehnliche feierliche Gottesdienste sandelt in allen Gemeinden der Monarchie statt. In ntanchen Gemeinden

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