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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-12-17 · Heft 51 (17.12.1915) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 51 (17.12.1915)
Date
1915-12-17
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 wurde die Channkafeier mit der patriotischen Feier vereinigt. -- Am 3. d. M. wurde die im Alter von 81 Jahren verstorbene Frau Wanda Wo i st v. Wellen st ein, die Witwe des vor einigen Jahren verstorbenen Bankiers Max Ritter Weiß v. Wellenstein, auf dem israelitischen Friedhöfe in Mödling zu Grabe getragen. Bis in ihre letzten Lebensjahre hatte Frau Weiß v. Wellenstein unverminderte geistige Frische bekundet und starkes Interesse an künstlerischen und nnssenschaftlichen Fragen genommen. In früherer Zeit war ihr Salon die Sammelstätte künstlerischer Notabilitäten gewesen. Dort versammelten sich die ersten Maler, Musiker und Sänger, dort traf inan Canon, Makart, Pansinger, die Patti, die Lucca und viele andere. Die Verstorbene hinterläßt einen Sohn, den Generalsekretär des Bundes österreichischer Industrieller Dr. Gustav Weiß v. Wellenstein, und -eine Tochter, Frau Anna Feinberg. Ogigsting. 22 Jerusalem, im November. Anfang November, besuchte der Oberbefehlshaber in Syrien, General D j e m a l P a s ch a , die jüdischen Kolonien Rischon-le-Zion und . Petach-Titivah. In beiden .Kolonien wurde er durch, Deputationen begrüßt. In Aischon - le - Zion besichtigte Djemal Pascha das Gemeindehaus und den Park und spendete 10 Pfund für die armen Binder der Kolonie mit der Bitte, seine Spende als Zeichen seiner freundlichen Gesinnung entgegenzunehmon. In Petnch-Titwah, loa der General ebenfalls mehrere Stunden verweilte, stattete er der Schule, der Volksküche und der Synagoge einen Besuch ab, loa ihm ein feierlicher Empfang bereitet wurde. Djemal Pascha sagte wörtlich, „er freue sich über die gewaltige Kulturarbeit, die die Juden hier geleistet haben und deren Bedeutung er sehr hoch einschätze". Einige Wochen zuvor hatte Djemal Pascha mik seinem Gefolge die jüdische Knnstgewerbeschnte „Bezalel" und deren Museum in Jerusalem besucht, wobei er seiner Bewunderung darüber Ausdruck gab, daß in der kurzen Zeit von zehn Jahren so reichhaltige Sammlungen geschaffen werden konnten. Von Sah und Fern. Die diesjährige ordentliche Mitgliederversammlung der Gesell s ch a f t z ii r F ö r d e r u n g der Wisse n s ch a f t des Judentums findet Dienstag, den 2,8. Dezember, abends 8 Uhr, in der Aula der .Knabenschule der jüdischen Gemeinde, Berlin N, Große Hamburger Straße 27, statt. Die Tagesordnung lautet: 1. Bericht für die Jahre 1914 und 1915. Nachträgliche Genehmigung der Nichteinliernfung der Mitgliederversammlung im Jahre 1914. 2. Entlastung für die Jahre 1914 und 1915. 3. Wahlen. 4. Bortrag des Herrn Prof. Dr. B. Pick-Gotha: „Die jüdischen Münzen." Mit Lichtbildern. - Mit der Vertretung des erkrankten Direktors der Marbnrger Universitätspoliklinik für Ohren-, Nasen- und Halskrankheiten, Prof. Ostmann, wurde für das laufende Wintersemester der Berliner Privatdozent Pros. Dr. med. Jako b K a tz e n st e i n , Leiter der Abteilung für Stimm- und Sprachstörungen an der Klinik und Poliklinik für Ohren- und Nasenkrankheiten an der Charit« in Berlin, beauftragt. In Anerkennung für vaterländisches Wirken wurde Herrn Bankier Sieabert Sockel s oh n in Berlin vom Fürsten zu Lippe das Kriegsverdienstkreuz am weißgelben Bande verliehen. - Der bisherige zweite Kantor an der Alten Shnagoge, Herr Gustav K a ch a n o w s k i, ist von den Gemeindebehörden zum Hauptkantor der Synagoge Pestalozzistraße ernannt worden. Zum Rabbiner der Shnaaogengemeinde Briefen wurde Herr Dr. Siegbert Neustadt gewählt, der um 1. Dezember sein Amt antrat. Der neue Seelsorger hat seine rabbinische Ausbildung an der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin erhalten. . Ans Kat tonn tz wird geschrieben: In einer am 2. d. M. unter Vorsitz be* Baumeisters G r ü n f e l d abgehaltenen Sitzung der Stadtverordneten brachte der Vorsitzende zur Kenntnis, daß die Bestrebungen des Magistrats, einen gemeinsamen Ehrensriedhof für die im Kriege gefallenen Kämpfer -anzulegen, an dem ablehnenden Bescheide der evangelischen und der katholischen Kirchengemeinde gescheitert seien,-da ans den Friedhöfen dieser beiden Konfessionen bereits besondere Abteilungen zur würdigen Bestattung der Gefallenen bereitgestellt seien. Die jüdische Konfession dagegen habe ihr Einverständnis von der Zusage der beiden anderen Konfessionen abhängig gemacht. — Am 2. d. M. beging Herr Oberkantor a. D. Sara so hn in Hamburg, früher viele Jahre in angesehener Stellung in Stettin, seinen 70. Geburtstag in schlichter Weise, dem Ernst der Zeit entsprechend. Die Shnagogengemeinde Stettin ehrte bei dieser Gelegenheit ihren früheren beliebten Beamten durch eine seinen Namen tragende Stiftung. Der erste Vorsitzende des Allgemeinen deutschen Kantorenverbandes überbrachte persönlich die Glückwünsche des Verbandes. — Herr Rabbiner Dr. Car leb ach in Lübeck beging seinen 70. Geburtstag. Der Jubilar, eine talmudische Kapazität, erfreut sich der Liebe seiner Gemeindemitglieder und der uneingeschränkten Hochachtullg der christlichen Bürgerschaft. Während 18 Jahren gehörte er bent Stadtkollegium an. — Die jirdische Gemeinde in Lüneburg feierte am 1. d. M. den 70. Geburtstag ihres Vorstehers Herrn Kommerzienrat Moritz Jacobsohn. Der Jubilar hat sich sowohl um die Stadt wie um die jüdische Gemeinschaft sehr verdient gemacht. Die große Verehrung, die der Jubilar genießt, kam bei der Feier zum Ausdruck. In echt jüdischer, pietätvoller Art stiftete die Gemeinde zu Ehren des Jubilars eine kunstvoll ausgeführte Thorakrone. Das Landrabbinat Hannover verlieh ihm die Chowerwürde. — Der Offizierstellvertreter Dr. Felix K aufs m a n n in Frankfurt a. M. ist zum Leutnant befördert worden. - Aus Mainz wird gemeldet: Ter Großherzog von Oldenburg verlieh dein Generalbevollmächtigten des Deutschen Vereins für Sanitätshunde für Süddeutschland, Bernhard Goldschmidt, zurzeit F-eldwebelleutnant und Kompagniesühr-er. im Infanterieregiment 117, und dessen Sohn, dem Kriegsfreiwilligen Gefreiten Tr. Ernst Friedrich Goldschmidt, das Friedrich-August- Kreuz zweiter Klasse. - Rabbinatskandidat Tr. Arthur Weil aus Hatten ist vom Bezirkskonsistorinm in Straßburg (Elf.) zum Rabbiner von Bischheim gewählt und von dem Ministerium bestätigt worden. - Mehrere der in Wien weitenden galizischen Rabbiner haben unter Führung des Herrn Abgeordneten Tr. v. Loewenstein eine Aktion unternommen, um die Befreiung der von den Russen bei ihrem Abzüge aus Galizien verschleppten Rabbiner im Allstauschwege zu erwirken. Die Aktion hat bei den maßgebenden Kreisen vollen Anklang gefunden. — Aus Budapest wird geschrieben: Die vorn Hofrat Franz v. S z e k e l y angeregte Idee der Versorgung verwaister Kriegskinder jüdischer Helden ist auf fruchtbaren Boden gefallen. Es zeigt sich ein weites Interesse für dieses gute Werk, rrnd es haben sich viele Familien gefunden, die bereitwillig diese Kleinen adoptierten. — Ter englische Generalpostmeister Herbert S a nt u e l ist, wie ans Amsterdam gedrahtet lvird, als Nachfolger Churchills zum Kanzler des Herzogtums Lancaster ernannt worden. Er bleibt Generalpostmeist:r, erhält einen Sitz im Kabinett, ohne aber das Gehalt seiner neuen Stellung zu beziehen. — Tie Moskauer Polizei hat Anweisung erhalten, aus Moskau alle jüdischen Zahnärzte, Apotheker und Tierärzte auszuweisen, die dorthin als Flüchtlinge gekommen sind und nach einem Aufenthalt von zwei Wochen noch keine feste Beschäftigung Nachweisen können. — Die Kopenhagener „Jüdische Bolksstiutme" berichtet über eine in Kiew abgehaltene Konferenz der russischen Geistlichen im Kiewer Gouvernement, ans der der Beschluß gefaßt wurde, die Gleichberechtigung der Juden zu bekämpfen. — Ter Unterstaatssekretär int türkischen H a n del s m i nisteri u in Sasson Essen di, ein Jude, wurde in Bagdad zu nt Abgeordneten für das türkische Parlament gewählt. — Bor kurzer Zeit brachten die „Times" eine Depesche ihres New Porter Korrespondenten über eine Erklärung des amerikanischjüdischen Millionärs Jacob Schiff. Dieser soll gesagt haben, daß seine Firma eine Beteiligung an der von der Entente aufgenommenen Anleihe abgelehnt habe, weil ntan nicht die Zusage geben wollte, daß die russische Regierung von diesem Gelde auch nicht einen Pfennig bekommen werde. Nunmehr wird das Original von Schiffs Erklärung veröffentlicht, woraus hervorgeht, daß der Korrespondent der „Times" in der Erklärung einen Passus unterdrückt hat; dort heißt es nämlich nach den Worten die russische Negierung: „gegen deren Unmenschlichkeit alle Mitglieder meiner Firma schon seit langem ihre Stimme erhoben haben". Es wäre doch sehr interessant zu erfahren, wer diese Stelle unterdrückt und die russischen Gefühle so zärtlich geschont hat: der Korrespondent, der Zensor oder die Londoner Redaktion? Verantwortlicher Redakteur: Albert. Katz in Berlin-Pankow, Florastratze 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: MaxJunge, Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Mosse.

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