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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-12-17 · Heft 51 (17.12.1915) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 51 (17.12.1915)
Date
1915-12-17
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 Breslau, 10. Dezember. Dem letzten Rechenschaftsbericht der-... Israelitischen Krankenverpflegungsanstalt und Beerdigungsgesellschaft zu Breslau, erstattet für die Jahre 1912, 1913, 1914, entnehmen wir folgende Angaben: „Als in den ersten Augusttagen des verflossenen-. Jahres, dem Anse des obersten Kriegsherrn folgend, die ganze wehr-.; fähige Jugend Deutschlands zu den Fahnen strömte und in opferfreudiger Begeisterung sich ein jeder dem Vaterlande zur Verfügung stellte, als insbesondere alle Humanitären Vereine und Anstalten ihre- Orgallifation der Betätigung der Kriegsfürsorge widmeten, da Win es auch für uns eine selbstverständliche Pflicht, unser Krankenhaus, auf dessen mustergültige Einrichtung unsere Gemeinde stolz feilt darf, der-, Heilung und Pflege unserer verwundeten und tranken Krieger soweit um' möglich dienstbar zu machen. Durch Vertrag mit dem Königlicheil Festnuaslazarett hier selb st vom 11. August v. I. haben wir in Erfüllung unserer Brrpflichtung und in gern geübter vaterländischer Ge-, siunung der Militärverwaltung von den 250 Betten nuferes Krankenhauses 150 Betten für die Blerwundetenpslege zur Verfügung, gestellt. Leit Anfang September v. I. ist die Lazarettabteilnug unseres Krankenhauses mit verwundeten und tranken Offizieren und 'Mannschaften stark belegt, und unser Bestreben, ben tapferen Helden, denen wir den Schutz, unseres Landes und unserer von den Feinden schlver bedrohten Heimatsprovinz verdanken, die liebevollste Fürsorge angedeihen zu lassen, tun allseitioe Anerkennung gefunden. Allerhöchste Ehrung wurde nnferer Anstalt durch den Besuch Ihrer ^Majestät der Kaiserin und . Königin Auguste Viktoria am 24. Oktober 1914 zuteil. Wie bereits bei . dem ersten Besuche Ihrer Majestät am H). September 1906, so dursten nur auch diesmal huldvolle Worte Allerhöchster Anerkennung über die mustergültigen Einrichtungen imseres Krankenhauses- und insbesondere den Dank der erhabenen Landesmntter für die den verwundeten Kriegern gewidmete Fürsorgebeglückten Herzens entgegennehmen. Gleiches Lob wurde uns durch Leine Fürstlichen Gnaden Herrn Fürsti bischof Dr. Bertram bei seinem Besuche der Verwundeten in unserer Lazarettabteilnug und ebenso bei den Besuchen von -Spitzen der Zivil-" und Militärbehörden in ehrendster Weise zum Ausdruck gebracht. Diese Auerkenuuu-g von Allerhöchster und hoher Stelle wie von seiten der Behörden, nicht minder jedoch die herzerfreuende Dankbarkeit der vec- ,rundeten Offiziere und Mannschaften sind nicht nur ein Ruhmesblatt für unser Krankenhaus, sondern auch eine Ehrung der im Judentum stets zllm Ausdruck gebrachten Bestrebungen, in der opferwilligen Betätigung vaterländischer Gesinnung sein Bestes herzngeben. Die Erfüllung dieser edlen Aufgabe, ist mit großen Lasten für unser Krankenhaus verbunden, da für die Berwundetenpslege zu den von der Militärverwaltung in gleicher Weise mit allen Krankenanstalten vereinbarten " B'erpslegungssätzen nach Maßgabe unserer Selbstkosten bedeutende Zuschüsse ans unseren eigenen Mitteln zu leisten sind. Wenn wir, ungeachtet der großen finanziellen Opfer, deren Bestreitung ans unserem : eigenen Berwattungsvermögen uns nicht möglich gewesen wäre, auch fernerhin den heiligen Pflichten gegen unsere tapferen Krieger wie bisher gerecht werden können, so verdanken Nur dies der hochherzigen ünLevstützung seitens der hiesigen Synagogengemeinde." Wie a:,e dem Bericht ferner zu ersehen ist, betrug die Ge- | samtzahl be£ Kranken in diesen drei Jahren 6340 mit 155459 Ber- ■: pslegurlgstagen, rvährend in den drei Jahren von 1909 bis 1911 ins- 7 gesamt 5550 Kranke mit 133 260 Berpflegnngstagen zu verzeichnen! waren. Die Zahl der in den Jahren 1912 bis 1914 unentgeltlich ber=:! Pflegten Kranken betrug 965 mit 20 391 Verpflegungstagen gegen *08 Kranke mit 23 365 Berpfleguugstagen in den Jahren 1909 bis 1911. Die Anzahl der unentgeltlich aufaenommeuen Kranken ist hiernach gestiegen, die Anzahl der Verpflegungstage für dieselben jedoch zurückgeaanaru: ein erfreuliches Zeichen :für die . dank der Knust unserer Herren Aerzte und der vorzüglichen Pflege in vielen Fällen rasch erfolgte Genesung der Patienten. Die für sämtliche Kranken ausgeweu- . beten Kosten (abzüglich der für besondere Leistungen erstatteten Be- , trüge) beliefen sieh in den letzten drei Jahren auf 936 629,38 Mark gegen, 777301,05 Mark in den drei Vorjahren 1909 bis 1911. Hiervon ent-,, fallen auf die in den Jahren 1912, 1913 und 1914 unentgeltlich aus-,, genommenen Kranken unter Zugrundelegung der durchschnittlichen . Selbstkosten 129 432,35 Mark und auf niedergeschlagene sowie voraus- - sichtlich nicht mehr einziehbare Restkosten bei Patienten dritter Klasse 12 231,78 Mark, in Summa also 141714,63 Mart , gegenüber 123 877,53 Mark in dendrei Jahren 1909 bis 1911. ■ Von den gegen Entgelt aufgenounneuen Kranken wurde in den Rech- I mmgsjahren in Anspruch genommen: die erste Klasse von 513 Kranken mit 10 965 Verpflegungstagen gegen 472 Kranke mit 9014 Verpflegungstagen in den Jahren 1909 bis 1911. In die zweite Klasse wurden in derselben Zeit aufgenommen: 1339 Kranke mit 28 573 Verpftegnngstagen gegen 1060 Kranke mit 25 013 Verpflegungstagen in den Jahren 1909 bis 1911. In den vier Abteilungen der Poliklinik, welche unbemittelten Kranken ohne Unterschied des Glaubens offen steht, wurden in den Jahren 1912/14 insgesamt 16 396 Personen behandelt gegen 11 869 Personen in den Jahren 1909/11. In der bei dem Krankenhause eingerichteten öffentlichen Unfallstation gelangten in den Jahren 1912/14 472 Unfallverletzte Personen zur ärztlichen Behandlunggegen 440 Personen in den Jahren 1909/11. Für unbemittelte Stadtkranke, denen freie ärztliche Behandlung, Arznei und andere Heilmittel sowie Geldunterstütznngen gewährt werden, wurden in den Jahren 1912, 1913 und 1914 38 954,62 Mark ausgewendet gegen .33942,51 Mark in den Jahren 1909/11. Die mitgeteilten Zahlen geben ein erfreuliches Bild der stets fortschreitenden Entwicklung der Anstalt und zeigen gleichzeitig, daß der Borstand auch in der abgelaufenen Berichtsperiode cs als seine vornehmste Aufgabe betrachtet hat, die Segnungen des Krankenhauses auch unbemittelten Kranken in ausgedehntestem Maße zuteil werden zu lassen. Aus dem interessanten . Bericht sei zum Schluß noch folgendes mitgeteilt: „Durch hochherzige Zuwendungen edler Wohltäter war es uns im Jahre 1914 möglich, 100 Milligramm Radium zum Kostenbeträge von zirka 39 000 Mark für unser Krankenhaus anzuschafsen und so auch dieses Hilfsmittel der modernen Heilkunst unseren Kranken dienstbar zu machen. Für diesen Zweck wurden uns die nachbezeichneteu Stiftungen beziehungsweise Geschenke überwiesen: von Frau Hedwig E n g e l geb. Bloch als „Stiftung Josef Engel" 15 000 Mark, von Herrn Louis S i m o n s o h n 12 000 Mark, von Frau Rosalie H a m bürgen geb. Kohn 10 000 Mark, von Herrn Eduard Mamlok 2000 Mark. Einen wichtigen Abschnitt in der Entwicklung des Krankenhauses bedeutet der in der verflossenen Berichtsperiode begonnene und fertiggestellte Reubau der gynäkologischen und Augenabteilung. Am 27. April 1914, elf Jahre nach der feierlichen Eröffnung unseres Krankenhauses, wurden durch eine schlichte Einweihungsseier, an der viele hochverehrte Gönner' des Krankenhauses teilnahmen, die neuer Abteilungen ihrer Bestimmung übergeben. Die in dem Neubau untercebrachtc gynäkologische Abteilung enthält im Erdgeschoß einen großen Krankensaal sowie eine Anzahl kleinerer Räume für Patienten dritter Klasse, im ersten Obergeschoß die Zimmer mit je ein oder zwei Betten für die Kranken erster tntb zweiter Klasse. Im zweiten Obergeschoß befindet sich ein Gebärzimmer mit Borbereitungsraum. Außerdem stehen der Abteilung ein septischer und ein aseptischer Operationssaal nebst den erforderlichen Nebenräumen sowie in allen Etagen ausreichende Behandlungszimmer zur Verfügung. Die Augenabteilung ist im zweiten Obergeschoß untergebracht und enthält neben einer Anzahl Krankenzimmer ein eigenes Operationszimmer nebst Nebenräumen. Im Dachgeschoß befinden sich die Röntgenabteilung, ein chemisches und bakteriologisches Laboratorium, ein Bibliotheksraum sowie Wohnungen für Aerzte und. Personal. Tor gesamte Erweiterungsbau ist mit einer Warmwasserheizung versehen. Die elektrische Beleuchtung erfolgt von der eigenen Zentrale aus. Gas ist nur für Arbeits- und Kochzwecke vorgesehen. Die Operations- und die Röutgenzimmer sind nach den neuesten Erfahrungen angelegt und ausgestattet. Bei der Einrichtung der Jnnenrüume ist den Grundsätzen der Hygiene entsprechend besonders auf Helligkeit und Wohnlichkeit Wert gelegt worden. Hierbei wurde unter Vermeidung jedes unnötigen Luxus auf möglichsten Komfort der Patienten in den Krankensälen und Krankenzimmern Bedacht genonnnen. Mit aufrichtiger Dankbarkeit heben wir in diesem Zusammenhänge die überaus reiche Stiftung von 200000 Mark hervor, die unser am 25. Juni 1912 leider dahingeschiedene Freund Herr Louis Burgfeld letztwillig für einen Erweiterungsbau unseres Krankenhauses bestimmt hatte. Der hochherzige .Wohltäter, der sich durch bedeutende Stiftungen in unserer Gemeinde ein unvergängliches Andenken in den weitesten Kreisen geschaffen, hat auch uns durch seine geschätzte Zuwendung in den Stand gesetzt, den Neubau der ghnäkologi- - scheu und der Augenabteilung zur Ausführung zu bringen. Der Name des edlen Mannes wird in unserer Anstalt für alle Zeiten fortleben." g/S Hamburg^ 10. Dezember. Anläßlich des 40jährigen Amtsjubiläums des Rabbiners Dr. Leimdörfer wurden dem Jubilar, trotzdem er allen Ehren aus dem Wege ging, zahlreiche Ovationen. und Aufmerksamkeiten bereitet. Es gratulierten außer dem

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