Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 79 (1915)
- Issue
- Heft 51 (17.12.1915)
- Date
- 1915-12-17
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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79. Jahrgang Nr. 51 Berlin, 17. Dezember 1915 Der Gemelndevate. Beilage zur „Allgemeinen Leitung deK Judentums". lkorrkspllnden?rn und Kschrichtm. Lrutschland. Berlin, 14. Dezember. Die K ö n i g l i ch e B i b l i o t h e k in Berlin ist schon seit Anfang des -Krieges bemüht, eine möglichst vollständige Sammlung der die Zeitereignisse betreffenden Drucksachen anzulegen, um der Nachweilt ein lebendiges Bild der -großen Zeit zu übermitteln. Sie ist überzeugt, daß ihre Bestrebungen nur dann Vau Erfolg gekrönt sein können, wenn sie die Unterstützung und Mitwirkung der weitesten Kreise findet. Sie richtet deshalb an alle, die dazu in der Lage sind - die Militär- und Zivilbehörden, darunter auch unsere Vertretungen im Ausland. Kommmmlverwaltmraen und Bereiusvorstände, Mitkämpfer, Privatpersonen jeder Art daheim und im Anstande , die herzliche Bitte, ihr bei der Sammlung von Drucksachen über den Weltkrieg behilflich zu sein und ihr geeignetes Material zugehen zu lassen. Insbesondere sind für die Sammlung von Wert: Bekanntmachungen, Erlasse, Plakate, namentlich auch ans den Grenzbezirten und von unseren Truppenkommandos und Behörden im Ausland; im Ausland von deutscher Seite herausgegebene Zeitungen sowie die für unsere Truppen bestimmken Kriegszeitungen; Aufrufe und sonstige Drucksachen der Hilfsvereine und verwandten Organisationen: Kriegsjahresberichte und Kriegsnachrichten von Behörden, Vereinen, Firmen nsw.; Proklamationen, Aufrufe, Bekanntmachungen der feindlichen Behörden und Truppen sowohl im Ausland wie in vorübergehend besetzten deutschen Gebieten; Zeitungen seit Kriegsbeginn, insbesondere solche aus dem feindlichen und neutralen Ausland; Propaganda-Literatur für das Ausland; Flugblätter, Lieder, Gedichte, illustrierte Postkarten, Bilderbogen, Karikaturen, sowohl inländische wie ausländische, vor allem auch feindliche; Kriegskarten aus den feindlichen Ländern; Photographien und sonstige Mbildungen von Orten, Personen und Begebenheiten, die mit dem Krieg zusamnlenhängen; künstlerische Darstellungen von Kriegsereignissen, Gedenkblätter und ähnliches; ausländische Broschüren politischen, militärischen, sozialen oder wirtschaftlichen Inhalts; handschriftliche Kriegsberichte und Kriegsschilderungen, auch von gegnerischer Seite, Feldpostbriese in Original und Abschrift, Autographen von bemerkenswerten Persönlichkeiten. Für Zusendung derartiger Sachen wird die Königliche Bibliothek jederzeit sehr dankbar fein, auch etwaige Porto- und sonstige Kosten gern vergüten. — Für Druckschristen, die von jüdischer Seite herrühren oder auf Juden Bezug haben, betrachtet sich der D e u t s ch - I s r a e l i t i s ch e Gemeinde b u n d als Sammelstelle im Interesse der Königlichen Bibliothek und bittet, ihm, lvenn möglich, je drei Exemplare der Druckschriften zuzu senden. E. S. Berlin, 14. Dezember. Am 9. d. M. sprach Frau Johanna Bl e h e r im B e r e i u f ü r j ii d i s ch e G e s ch i ch 1 e und L i t e - ratur über das Thema „Der Jude im Lichte christlicher Dichter". Weniger sich selbst als zahlreiche Dichter ließ die Vortragende zu Wort kommen. Während das Schrifttum des 16. und 17. Jahrhunderts eine fast ganz judenseiudliche Richtung zeigt, machen sich seit Klopstock, Herder und Lessing die Humanitätsideen auch gegen die Juden geltend. Ter neu erlvachende Sinn für Geschichts- und Altertumsstudien lehrt auch die Eigenart der Juden verstehen und würdigen. Aber' durch die Romantik entsteht lvieder eine Gegenströmung. Das deutsche Volk mußte selbst erst geläutert werden, ehe seine Dichter über Juden als Akeusch zu Menschen sprachen (nach 1848). Der sonst so universale Rückert ist zu keinem Verständnis der jüdischen Psyche gelangt. Bei Hauff („Jud Süß" und „Memoiren des Satans") überwiegen die schlechten Seiten; andere Töne vernimmt man schon bei Lenau und Chamisso. Gar anmutig wissen jüdische Art zu schildern Fritz Reuter und W. Raabe („Hungerpastor"). Vom Juden der Gegenwart absehend, haben Graf Schack, Prinz von Schönaich-Carvlath, Hartleben, G. Schüler die ewig alten und ewig jungen Schönheiten der Bibel in ihren Dichtungen nachklingen lassen. Bon ausländischen Dichtern haben sich in das Juden- Problem hauptsächlich Zola, Ibsen, Tolstoi, Striudberg und Selma Lagerlöf vertieft -und einen Leserkreis erworben, der weit über die Grenzen des deutschen Schrifttums hinausgeht. Die Auffassungen von Sudermann und H. Eulenberg über Judentum und Judenheit sind trotz mancher geistreichen Einzelheiten noch zu wenig geklärt. - Zum Bortrag kommen n. a. „Der Tod Mosis" (Herder), „Baal Jeschuba" von Ghamisso, „Zum Fünfuudsiebzigsteu" von Fontane lind das „Gymnasium von Lengolvo". Ferner Marie Luise Becker: „Die zwanzig Judenmädchen" (welche den Tod der Gefangenschaft durch die Kosaken vorzogen), Lord Byron: „Hebräische Melodien". Dann fanden noch Stellen ans Geryart Hauptmann, Otto Ernst, Liliencrou, Dehmel. R. H. Bartsch Erwähnung. Frau Al e h e r verstand durch ihre Packende Darstellung und ihr stimmungsvolles Organ die Zuhörerschaft zu stürmischem Beifall Hinzureißen. Berlin, 14. Dezember. Das Eiserne Kreuz zweiter Klasse erhielten: Unteroffizier Paul Nehab: Leutnant d. L. Walter G allmann; Tr. med. Hans Cohn; Vizefeldwebel Zahnarzt Julius H. Michaelis, Sohn des Herrn Siegmund Michaelis; Vizearzt Dr. H. S a ch s; Bö rseu-m aller Hans L i p P m a n u; Kaufmann Richard Brinitz e r und Infanterist Erich P i n n e r , Enkelsthn des Fabrikbesitzers Herrn Moses Heimann in Pankow; Vizefeldlvebel cand. jnr. Hans Berliner; Wehrmann Hugo W o l f s s e l d; Vizeseldwebel Franz A l t m a n u; Stabsarzt d. R. Dr. Ludwig Al e h e r; Gefreiter Moritz Golds ch m idt; Kriegsfreiwilliger Alexander Gähn; Musketier Ernst Bock; Bataillonsarzt Dr. Appel bäum; Unteroffizier Hugo Rosa, sämtlich in Groß-Berlin. Die gleiche Auszeichnung erhielten: Unterarzt Erwin I affe- Dresden; Osfizierstellvertreter Richard L ö w e n b e r g - Glogan; Hermann Wolfs- Oppeln; Dr. Erwin D r e s d n e r - Beuthen; Offizierstellvertreter Hermann Wollheim, Rudolf G l o g o w s k i , Dietrich Al a tz e n d o r f, Mar L e v i n s o h n - Posen; Offizierstellvertreter Landgerichtsrat Tr. A. R' o s e n t h a l - Aachen; Siegfried und Norbert Go hu, Söhne des Herrn Hermann Cohn-Ballenstedt; Oberstabsarzt Dr. Ludwig Kantorow i c z, Vizewachtmeister Walter P e t e r s d o r s - Posen; Landstur marzt Dr. Nathan B r a s ch - Gnesen; Stabsarzt Dr. N. Sok o l o w s k y - Königsberg i. Pr.; Referendar Alfred Wolff-Lissa; Unteroffizier Alfred L i l i e n t h al - Minden in Westfalen; Unteroffizier Rudolf H aa ^Stettin; Unteroffizier Richard Alexander und Sanitätsgefreiter Hans B e n j a m i n - Hamburg; Kriegsfreiwilliger Ala re ns R e i ch e r - H alberstadt; Osfizierstellvertreter Siegmund Adler-Halle a. S.; Hofbankier Leutnant der Landlvehr Alfred G o l d s ch m i d t - Gotha; Abraham K a tz - Fulda. W. Wreschen, 10. Dezember. Tie Beisetzung des aus dem Felde der Ehre ge falle neu Erich Peyser, Sohn des Herrn Justizrats Rechtsanwalt L. Peyser, fand auf dem israelitischen Friedhof hier statt. Außerordentlich groß war der Leichenzug der Leidtragenden. Bis aus weiter Ferne waren Angehörige, auch der Bruder des Verstorbenen, erschienen. Das Militär stellte die Leichcnparade. Herr Gemeinderabbiuer Tr. M. Lew in hielt die Trauerrede, in der er ein charakteristisches Lebensbild des Verewigten zeichnete. Atilttärmanuschasten trugen die Leiche zu Grabe. Mit der von der Abordnung des Bataillons abgegebenen drep maligen Ehrensalve fand die Tranerfeier ihr Ende. J. J. Exin, 10. Dezember. Am 30. v. Al. starb in Berlin, wohin er im Frühjahr 1913 wegen einer schweren Krankheit übergesiedelt war, im 54. Lebensjahre der Rentier Jakob Leiser, früherer Mitinhaber der Firma Neumann Leiser, des größten hier bestehenden Geschäfts. Der Verstorbene hat eine Reihe von Jahren als erster Vorsitzender im Dienste der jüdischen Gemeinde segensreich gewirkt und allen ihren Einrichtungen und Bestrebungen sein regstes Interesse und seine wärmste Fürsorge, gepaart mit seltener Pflichttreue und unermüdlichem Eifer, zngewendet. Den jüdischen Gemeindebeamten gegenüber hat er stets das größte Wohlwollen und tatkräftige Fürsorge an den Tag gelegt. Als Mitglied des jüdischen Schulvorstandes lvar er ein warmer Freund und Förderer der jüdischen Volksschule. Seinem tatkräftigen Eingreifen ist es vor allem zu verdanken, daß die hiesige jüdische Schule, die wegen zu .geringer Kinderzahl aufgelöst worden lvar, lvieder erössuet und mit einem jüdischen Lehrer besetzt lvurde. Auch im Dienste des städtischen Gemeinwesens hat sich der Verblichene jahrelang als Stadtverordneter erfolgreich betätigt. Ehre seinem Andenken!