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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-12-25 · Heft 52 (25.12.1914) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 52 (25.12.1914)
Date
1914-12-25
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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tckfinnerlicher Frömmigkeit fönncu sich nicht zur Erklusivität eiiwr Partei bekennen; er empfand das Bedürfnis, für die Gesamtheit zn lvirken, die gemeinsamen Ideale des Judentums zu fördern, und er fand in unserem Verein den Zusammenschluß alter Richtuügen in so einträchtit'fer, harmonischer Weise, die seinem friedfertigen Wesen-, seinem edlen Herzen entsprach. So fühlte er sich denn in unserem Kreise heimisch; er war uns im Vorstand nicht nur ein Mitarbeiter, sondern ein Freund. Wir verlieren in ihm einen aufrichtigen, warmherzigen, treuen und liebevollen Freund, der uns in schlichtester Natürlichkeit und Güte sein Herz entgegenbrachte, dem wir freudige, erhebende Stunden edelster Gemeinschaft verdanken. Dafür wollen nur ihm an dieser Stätte und in dieser Stunde noch besonders ans tiefster Seele danken; wir werden Dir Treue halten, teurer Freund, über das Grab hinaus. Unser Verein wird den Namen Moritz Levin für ewige Zeiten in dankbarer Erinnerung bewahren, und wir, die wir seiner Freundschaft gewürdigt wurden, wir werden, so lange wir leben, nicht vergessen den edlen, liebevollen Menschen, den vortrefflichen Freund. Und so rufen wir ihm denn das alte Abschiedswcrt aus treuem Freundesmunde zu: Ziehe hin in Frieden, wir wollen die ungeschworene Treue halten Dir und den Deinen für und für. — Sodann sprach Prediger Dr. Lehman n das übliche Gebet, worauf die Beisetzung in der Ehrenreihe erfolgte. Jamiach hcsclialam! 2XD Berlin, 22. Dezember. Die K r i e g s h i l f s k 0 m - m i s s i o n der I ü d i s ch e n G e m e i n d e, Abteilung Frauen- und Kinderfürsorge, unter Leitung von Frau Justizrat Meyer, hat ihre segensreiche Tätigkeit noch erweitert, indem die von ihr eingerichtete „bürgerliche Küche", die von der Brandenburgischen Strafte in die schönen, weiten Räume in der Bismarckstrafte, Ecke Weimarer Straße, verlegt wurde, durch die Einrichtung eines „Abendheimes" eine treffliche Ergänzung erfuhr. Zur Einweihung der neuen Räume und des neugegründ-eten Abendheimes fand am Donnerstag, 17. d. M., eine Feier statt, die mit der Chanuckafeier verbunden wurde. Herr Prediger Tr. Lehmann hielt nach Anzüuden der (5hauuekalichter die Ansprache an die zahlreich Versammelten. Die Damen der Kommission entfalteten, gleich ihre Tätigkeit durch Bewirtung der Anwesenden mit den von Gönnern reichlich gespendeten Gaben. L2 Berlin, 22. Dezember. Am 13. d. M. fand in den herrlichen, großen Räumen des neuen Krankenhauses der jüdis che n G e m e i n d e zum erstenmal eine C h a n.u ck a f e i e r für die Kranken des Hauses statt, an der außer den Kranken mit ihren Angehörigen, die verwundeten Soldaten mit ihren Familien, Mitglieder des Vorstandes, die Aerzte, Schwestern und Angestellten des Hauses teilnahmcn, so daß die groften Räume die Zahl der Teilnehmer kaum fassen konnten. Nachdem von dem Schüler E r n st Z u ck e r m a n n ein Prolog vorgetragen war, bestieg Herr Verwaltungsdirektor Zucker mann die Kanzel und schilderte in zu Herzen gehenden Worten die Bedeutung des Chanuckafestes tut Hinblick auf die Jetztzeit. Darauf wurde von sämtlichen Anwesenden das Chanuckalied gesungen und Kinder und Soldaten mit Geschenken reichlich beschert. An diese religiöse Feier schloß sich dann eine von Herrn Adolf S l i w i n s k i wohldurchdachte und ganz vorzüglich gelungene Veranstaltung von humoristischen und Gesangsvorträgen der ersten Künstler, ausgeführt von den Damen Käthe Dorsch und Frieda L a n g e n d o r s s und den Herren Felix Robert Ni e n d e l s s o h n , M a x L a u r e n c e, Karl Stephani, Albert K u tz n e r , P o l d i Deutsch, die sich in uneigennützigster Weise der guten Sache zur Verfügung gestellt hatten. Den Damen, und Herren, die auf diese Weise das Fest verschönert und den Krauten manch schöne Stunden bereitet hatten, wurde ungeteilter Beifall gezollt. Ihnen allen möge noch an dieser Stelle öffentlich gedankt sein. Nachdem Herr Verwaltungsdirektor Zucker m a n n allen Damen und Herren, insbesondere Herrn Adolf S ti Minsk i,, für ihre Mühe den innigsten und herzlichsten Dank ausgesprochen hatte, endete die wohlgelungene Feier, die allen, die an ihr teilnahnren, noch lange im Gedächtnis bleiben wird. 2X2 Gleiwitz, Id. Dezember. Auf Anregung des Rabbiners Dr. Münz fand hier für die jüdischen Mannschaften der Garnison eine Chanuckafeier statt, zu der auch Vertreter des Vorstandes und der Repräsentanten der Synagogengemeinde erschienen waren. Nachdem der Rabbiner die Weihlichter des Chanuckafestes angezündet und den Segen gesprochen hatte, wurde vom Kantor Rosenfeld das stimmungsvolle Lied der Tempelweihe vorgetragen. Hierauf erläuterte der Rabbiner in einer längeren Ansprache die geschichtliche Bedeutung des Channkafestes, das als vorbildliches Siegesfest der Makkabäer über eine feindliche Uebermacht, als der Sieg des Idealismus über den Materialismus in den Jahrbüchern der 'Weltgeschichte in unvermindertem Glanze sortlenchtet. Der Redner betonte, daß and) wir in ernster, großer Zeit von den: Heldengeiste der Makkabäer beseelt sein müssen; er wies darauf hin, daß das heilige Oelkrüglein der Makkabäer noch nicht versiegt sei, daß jeder von uns mit dem heiligen, hohenpriesterlichen Oele der Begeisterung und des unerschütterlichen Gottesvertrauens gesalbt sei, und daß wir darum gleich der Heldenschar der Makkabäer über eine Welt von Feinden einen glorreichen Sieg davontragen werden. — An diese religiöse Feier schloß sich ein Abendbrot, zu dem die Synagogengemeinde die Mannschaften als ihre lieben Gäste geladen hatte. Eine Reihe anregender Tischreden verschönte die Stunden gemütlichen Beisammenseins. Sanitätsrat Dr. B er mann richtete namens der Synagogengemeinde an die Mannschaften Worte herzlicher Begrüßung. Rabbiner Tr. Münz brachte das Hoch auf den obersten Kriegsherrn Seiner Majestät den Kaiser und König aus, in das die Versammelten begeistert einstimmten. Kaufmann Rund sprach über den Heldenmut und das Pflichtbewußtsein der Krieger. Jnstizrat Kochmann warf einen Blick auf unsere tiefbewegte Zeit und widmete sein Glas dem Rabbiner Dr. Münz. Rechtsanwalt Keiler überbrachte den liebenswürdigen Gastgebern den Dank der Mannschaften, denen durch diese Veranstaltung schöne, erhebende Stunden bereitet worden wären. — So nahm das Fest, um das sich Kaufmann Grätzer besonders bemüht hatte, einen wohlgelnngenen Verla,us und wird in der Erinnerung der Teilnehmer als ein Lichtstrahl aus ernster Zeit fortleben. L2 Hohensalza, 18. Dezember. Der Sanitätsgefreite der Reserve Oskar Brieger von hier erhielt kürzlich das Eiserne Kreuz erster Klasse, llcbn die Veranlassung zu dieser ganz besonders ehrenvollen Auszeichnung wird folgendes bekannt: Bei der Erzwingung des slser-Ueberganges hatten sich mehrere Soldaten seines Regiments in einem Hause verschanzt und nahmen ein, am jenseitigen User stehendes Maschinenhaus unter Feuer. Hieraus beschoß sie der Feind mit Granaten, und kurze Zeit nachher stürzte das Gebäude teilweise ein. Es wurden fünf Mann verschüttet. Brieger drang ungeachtet des heftigen Feuers, das der Gegner auch weiter unterhielt, in das in Flammen stehende Gebäude ein, und es gelang ihm, vier seiner schwer verwundeten Kameraden in Sicherheit zu bringen. Für diese brave Tat erhielt Brieger die Auszeichnung. W. Posen, 18. Dezember. Um auch den hiesigen Soldaten die Gelegenheit zu bieten, das Weihesest im Kreise ihrer Glaubensgenossen zu feiern, hatte der jüdische li b e r a l e Jugendverein dieselben zu Sonntag abend nach dem vom Vorstand gütigst zur Verfügung gestellten Tempel der Brüdergemeinde eingeladen. Nach eurem weihevollen Orgelvorspiel des Herrn Barthel brachte der Chor in wohlgelungener Weise Psalm 100 von Mendelssohn- Bartholdy zu Gehör. Alsdann sprach Fräulein Herta Jacobs o h n den von ihr verfaßten Prolog mit tiefem Empfinden. Hierauf folgte Psalm 121, der von Herrn Oberkantor L i l i e n t h a l sehr eindrucksvoll vorgetragen wurde. Nicht unerwähnt soll hier der Komponist Herr Herbert Lilienthal bleiben, dessen Psalm reifes Können verriet. Für den erkrankten Herrn Rechtsanwalt Behr übernahm, Herr Simon das Biolinsolo. Bei dem „Hallelnjah" von Hummel kam das prächtig geschulte Stimmaterial der Frau Berggruen sehr zur Geltung. Im Mittelpunkt der Feier stand die Ansprache des Herrn Rabbiners Professor Dr. Bloch, der auch das Anzünden der Chanirckalichter vornahm. Ein gemeinsaurer Gesang des- Chanuckaliedes sowie ein volltönendes Orgelnachspiel schloß die erhebende Feier, und langsam zerstreute sich die nach vielen Hunderten zählende Menge. Tie Zahl der anwesenden Soldaten, die von der Kommandantur befohlen wurden, war eine sehr ansehnliche. m. Hamburg, 18. Dezember. Die Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland, Ortsgruppe H n m b u r g, hat sich entschlossen, auch während des Krieges eine

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