Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 78 (1914)
- Issue
- Heft 52 (25.12.1914)
- Date
- 1914-12-25
- Page
- Seite (624) (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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- 524 Manipulationen beim Schnapsbrennen und beim Tabakbau die Finanzwachleute auf ihn Hetzen, ja ihn sogar ganz zugrunde richten. Gott möge ihn vor so etwas bewahren. Dieser Gutlohn hat ihn ja auch nicht materiell geschädigt. Warum sollte er ihm so gehässig sein? Nein, er würde ihm aus eine Art weh tun, daß er es nachhaltig und schmerzlich suhlen soll, ohne jedoch irgendwelchen Schaden zu erleiden. Der Zorn macht erfinderisch. Littauer glaubte endlich etwas erdacht zu haben, was am besten dazu geeignet war, David Gutlohn zu kränken. Was ihm weh tun sollte, ohne ihn zu verwunden. Hat er ihn wegen seines Glaubensabfalls beleidigt, so wird er ihm gegenüber von der Waffe des Abtrünnigen Gebrauch machen. Und er begab sich in die bischöfliche Residenz und meldete seinem wohlwollenden Domherrn, daß er die Absicht habe, zum größeren Ruhme Gottes in seiner Gemeinde ein schönes Steinkrenz auszustellen. Er bitte um diesbezügliche Genehmigung, ferner um einige Zeiten an den Ortsrichter, worin diesem mitgeteilt werde, daß er, Littauer, berechtigt sei, den Platz fürs Kreuz selbst zu bezeichnen. Der Domherr war natürlich hocherfreut darüber, daß die christliche Religion in diesem braven Manne so rasch Wurzel gefaßt hatte, und bewilligte alles. Ter Richter nahm den Brief des Domherrn hochachtungsvoll entgegen und wußte bei der Repräsentanz den Willen Littauers durchzusetzen. Dort hatte man bald dessen Absicht begriffen, und das machte ihnen großen Spaß: dieser Littauer ist doch ein verteufelter Kerl. Tann kamen Tagelöhner und gruben vor dem Hause Gutlohns das Erdreich auf. Maurer bauten einen breiten Sockel, und darauf wurde ein herrliches Steinkreuz errichtet. Die Juden stoben erschrocken auseinander. Nur von weitem beobachteten sie das emsige Treiben der Handwerker. Sie ahnten, daß das kein gutes Ende nehmen werde. (Forts folgt.) Lelekrüchte. Zu einem neu erschienenen Werke: Schriften des Vereins für die Geschichte Berlins (Heft 48 und 49. Vom Berliner Hofe zur Zeit Friedrich Wilhelms I. Berichte des Braunschweiger Gesandten in Berlin 1728—1733. -Herausgegeben und erläutert von Tr. Richard Wolfs, Assistent am königlichen Geheimen Staatsarchiv, Berlin 1914. Verlag des Vereins für die Geschichte Berlins. In Vertrieb bei Ernst Siegfried Mittler u. Sohn, königliche Hofbuchhandlung, Kochstraß-e 08/71) finden sich auch ein paar Notizen über Juden. Man weiß, daß die Stellung der Juden unter Friedrich Wilhelm 1. eine sehr bedrückte gewesen ist, und daß es auch an willkürlichen Handlungen des jähzornigen Monarchen, der in seiner Erregung auch die Höchstgestellten nicht schonte, gegen einzelne Inden nicht gefehlt hat. Doch von den gesetzlichen Bestimmungen und den neuen Lasten, die während des in dem neuen Buche behandelten Zeitraumes den Juden auserlegt wurden, weiß der braunschweigische Gesandte nichts zu berichten. Dagegen meldet er von zwei kleinen Szenen, die, da sie des allgemeinen Interesses nicht entbehren, hier mitgeteilt werden sollen: Am 9. Juni 1731 teilt er seinem Hofe folgendes mit: „Ter zu Lnstig-Macherh angenommene Geheimbte Rath Faßmann hat sich entfernet, weiln er kein Bouffon de la Cour sehn will, und sagt man: er sey nach Engelland übergangen. Er hat letzt zu Potsdam mit einem Inden, Rahmens Marcus, welcher sich zu solchen Consiliis bey Hofe Mannigsmahl mitgebrauchen lüsset, eine Temelee gehabt und von selben unversehens eine derbe Maulschelle annehmen müssen, wie der Jude vermuthlich dazu von höherer Hand angereizet sein wird, worauf jener diesen zu Boden gcworffen mit Füßen getreten und ihm dergestalt die Haare gerissen und die Gurgel zugehalten, daß er bald crepiret wäre, wann er nicht von den umstehenden Lfficieren errettet worden. Faßtnann habe darauf zum Könige gesagt: er hätte sich einmahl ausbedungen, sich von Niemanden, er möchte auch so vornehm sehn, wie er wolle, vexieren lassen zu wollen, vielweniger müßte sich so ein infamer Jude dergleichen unterstehen, und ist also drausgeschieden und nicht wieder kommen." Der in dem eben abgedruckten Berichte erwähnte Faßmann war ein bekannter Schriftsteller und Gelehrter, der sich nicht immer gutwillig zu den am Hofe beliebten Gelehrtennarreteien brauchen ließ. Wer der gleichfalls angeführte Marcus ist, läßt sich — da nähere Angaben fehlen — nicht genau feststellen. Eine zweite Notiz findet sich in der Beschreibung einer fürstlichen Hochzeit vom 27. November 1731. Es handelt sich hier darum, daß Hosbeamte, Kaufleute nsw., die sich eingefunden hatten, „bei A u s w artung er n e r I n d c nband c" tanzten, und daß sie „unter aufgetönten Rc^lda der Hebräerzunft" dem König ein Vivat darbringen. Gemeint ist hier offenbar eine jüdische Musikbande, von der aber nichts weiter gemeldet wird. L. G. Mcheremlsuk. Bewrcchirng der Bücher Vorbehalten. Zurücksendung der Bücher findet in teiucnt Falle statt. Unsere Feinde, tute sie einander lieben. Kritische Aenßerungen berühmter Franzosen, Engländer, Russen, Belgier, Japaner über ihre Verbündeten. Herausgegeben von Dr. Werner Klette. Mit 75 Karikaturen. Erschienen zu Weihnachten des Kriegsjahres 1914 im Telphinverlag, München. Festschrift zum 50 jährigen Bestehen der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt zu Würzburg. 1864 bis 1914. Jubiläuursausgabe des Rechenschaftsberichts der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt in Würzburg für das fünfzigste Jahr ihres Bestehens 1913/14 von Nathan Bamberger, Distriktsrabbiner und Vorstand der Anstalt. Würzburg, November 1914. Judenfeindschaft oder Gotteslästerung? Ein gerichtliches Gutachten von v. Rudolf Kittel, Professor in Leipzig. Mit einem Schlußwort: Die Juden und der gegenwärtige Krieg. Leipzig. Verlag von Otto Wigand, 1914. Il Campo Verano. Dalla Nuova Antologia. Von Ermauno Loevinsou. Roma, Nuova Antologia. Piazza di Spagna (S. Sebastiano 3.) 1914. 1914. Der Deutsche Krieg im Deutschen Gedicht I. „Ausbruch und Aufgang." Ausgewählt von Julius Bab. Verlag Morawe u. Scheffelt, Berlin. 1914. Der Deutsche Krieg im Deutschen Gedicht II. „Zwischen den Schlachten." Ausgewählt von Julius Bäb. Verlag von Morawe u. Scheffelt, Berlin. The Session of the German Reichstag on August the fourth 1914. Sind wir Juden oder Israeliten? Von Rabbiner Tr. Armin Abeles. Separatabdruck aus: „Freie jüdische Lehrerstimme", dritter Jahrgang Nr. 3. Wien 1914. Im Selbstverläge des Verfassers. Vaterländische Reden in großer Zeit, gehalten von Dr. C. Selignumn, Rabbiner in Frankfurt n. M. Der Reinertrag ist für die Kriegsfürsorge in Frankfurt a. M. bestimmt. Preis 50 Pfennig. Truck von Voigt u. Gleiber, Frankfurt a. Nt. 1914. A. D. Colonna, Israele Piccolo Romanzo Moderno. Libreria Editrice Milanese, Milano 1915. In schwerer Zeit. Zwei Pved.ig.ten über den Krieg von Dr. M. Rosemnanu, Rabbiner und Prediger der israelitischen Kultusgemeinde in Wien. Wien 1914. Alfred Holder, kaiserlich und königlicher Hof- und Universitätsbuchhändler, I., Rotenturmstr. 25. Das Reinerträgnis fließt den Zwecken der Kriegsfürsorge zu. Kriegsbüchlein für das deutsche Haus. I. Heß, Verlag, Stuttgart. Herausgegeben von Dr. Georg Baum, Berlin. Feldpostbriefe 1870/71 von George Fontane, Preis 1 Mark. Berlin. F. Fontane u. Co. Die Profelhten der Stadt Zürich. Ein Beitrag zur Geschichte und Psychologie des Ueberläusers. Jnaugural-Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde der philosophischen Fakultät I der Universität Zürich, vorgelegt von Salomon Steinberg (aus Niederhallwill, Kt. Aargau). Von der philosophischen Fakultät I angenommen auf Antrag des Herrn Professor Tr. Gerold Meyer von Knonau. 1914, Truck von A. Schaufelberger, Zürich 2. Jakob Saloweicziks Jugend. Roman aus dem russisch-jüdischen Volksleben von I. Rabbinowicz. Dresden und Leipzig, E. Piersons Verlag.