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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-12-25 · Heft 52 (25.12.1914) · p. Seite (621)

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 52 (25.12.1914)
Date
1914-12-25
Page
Seite (621) (sequence 9)
Language
German
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der Schreiber deutete an, daß es mir an dem rechten christlichen Glauben fehle. Mir wurde der Artikel zugeschickt! ich erwiderte nicht. Es dauerte aber nicht lange, da las ich in der Zeitung eine Erklärung meines Kuratoriums, von allen seinen Mitgliedern unterzeichnet, worin gesagt war, daß die in jenem Zeitungsartikel mir nachgesagten Aeußerungen über die Glaubwürdigkeit der biblischen Bücher erfunden seien, mein ganzes Auftreten als durchaus richtig und angemessen bezeichnet und meiner gesamten Amtswirksamkeit volle Anerkennung ausgesprochen wurde." Der Artikel rührte von einem Kaplan her, der auch eine Pvlizeistrafe erhalten hatte. Wendt erzählt nein von seiner Berufung nach K a r l s r u h e als Gymnasialdirektor und Mitglied des Oberschulrates, wo es vorzugsweise seinem Bemühen gelang, „daß in bezug aus die Konfession der Lehrer ausdrücklich ausgesprochen ist, daß an den Gclehrtenschulen Lehrer jeder Konfession angestellt werden können". Gegen Ende des Buches spricht Wendt von der musikalischen Bedeutung des Kapellmeisters Levi (siehe meine Abhandlung über Samuel Levi in Nr. 17, Jahrgang 1912 dieser Zeitung). Er erzählt von einer Auseinandersetzung Levis mit Wilhelm Lübke, Professor der Kunstgeschichte, über Wagnersche Musik. „Später," schreibt Wendt, „ist freilich Levi schon dadurch, daß er 1873 eine Berufung nach München annahm und dann in persönliche Berührung mit Wagner kam, einer der entschiedensten Verfechter der neuen Richtung geworden, während Lübke auf seiner ablehnenden Stellung verharrte. Levis Abschied aber wurde durch ein besonderes Konzert gefeiert, zu dem sich außer Brahms auch Frau Klara Schumann eingefunden hatte." Wendt erzählt nun von wichtigen Bekanntschaften, die er im Engadin gemacht und fahrt fort: „Als meine Frau einmal im Dorf St. Moritz ein Quartier gemietet hatte, erschien bei ihr ein Wanderer aus Samaden, der sich mit den Worten einführte: „Ich bin der Auerbach." Dort lernte auch ich ihn kennen, als ich etwas später eintraf, und er hat uns dann auch in Karlsruhe besucht, wo er sich einmal längere Zeit aushielt. Es war gerade das Jahr 1879, wo wir unsere silberne Hochzeit feierten, und er schenkte uns dazu die neue Folge seiner „Deutschen Abende" mit der Inschrift: „Dem goethereifen Jubelpaare Gustav und Anna Wendt. Zum 14. Oktober 1879. Ein Freundesgedenken von Berthold Auerbach." Später hat er noch einmal längeren Aufenthalt in unserer Stadt genommen, und es schien ihm auch damals der Verkehr in unserem Lause behaglich zu sein. Es war ja auch kein Zweifel, daß seine Dorfgeschichten mit vollem Recht wegen ihrer Lebenswahrheit und Gemütstiefe beliebt waren und einen erfreulichen Gegensatz zu den meisten Erzeugnissen des jungen Deutschlands bildeten." Damit schließen in dem nicht umfangreichen Buche Juden und Judentum betreffende Notizen, wovon letztere durch eine, wenn auch kurze, Charakteristik von Auerbachs „Schwarzwälder Dorfgeschichten" ganz besonders interessant erscheinen dürften. Der Stern im herligtume. Von Rabbiner Dr. T. F r i c d m a n n , Lublinitz. er zweite Tempel zu Jerusalem barg nicht mehr die alte Bundeslade mit den Tafeln des Zeugnisses, denn sie wurden entweder bei der Eroberung Jerusalems durch Nebukadnezar zugleich mit dem Tempel verbrannt oder — wie ein apokryphischer Bericht meldet — unmittelbar vor dieser Eroberung vom Propheten Jirmejah in einer Höhle des Berges Pisga verborgen. An ihrer Stelle im Allerheiligsten des zweiten Tempels befand sich ein Stein, woselbst der Hohepriester am Versöhnungstage die gesetzlichen Funktionen verrichtete. Dieser Stein wird Talmud Joma 33b als eine Einrichtung „der ersten Propheten", also der Zeit Samuels und Davids, bezeichnet. Doch ist diese Bezeichnung wohl nicht buchstäblich und genau zu nehmen, denn sonst müßte auch gesagt sein, welchen Zweck der Stein im ersten Tempel gehabt haben sollte. Der Ausdruck bedeutet vielmehr allgemein so viel wie „seit alter Zeit", d. h. wohl seit einer Zeit, die nicht mehr genau fixiert werden kann. Der Stein im Tempel war vielleicht eine Anordnung der Synagoga Magna, die sich um die Ordnung und Festsetzung des Kultus große Verdienste erworben hat. Daß übrigens die Bezeichnung „seit den Tagen der ersten Propheten" nicht buchstäblich und g e n a u gemeint sein kann, geht auch aus der Erklärung Talmud Joma 54b hervor, daß von diesem Stein die Weltschöpsung ausgegangcn sei, daß er der Grundstein der Welt sei und deshalb auch „Scheßijah" heiße. Diese Erklärung ist nur einleuchtend, tuen» sie auf die religiös-geistige Weltschöpsung und ans den Umstand bezogen wird, daß eben der Ort dieses Steines derselbe war, wie der Ort der gevffenbarten Bundestafeln, von denen die Erleuchtung der Kulturwelt ausgegangen ist. Es war der Stein, welcher als Symbol der Bundeslade, als Symbol der in ihr befindlichen beiden Tafeln aus Stein, welche Mose vom Berge Sinai brachte, alles in der Welt in Bewegung setzte. Es war gewissermaßen der Stein, der sich einst vom Berge Sinai losgelöst hat, um alle Götzenreiche zu zermalmen, um selbst in Ewigkeit zu bestehen. Der Stein „Scheßijah" im zweiten Tempel zu Jerusalem erweckte so dieselbe Vorstellung, wie der Stein im Traumbilde Nebukadnezars von Daniel (2, 45) gedeutet wird: „Deshalb hast du gesehen, daß sich ein Stein vom Berge loslöste, nicht durch Menschenhände, und zermalmte Eisen, Kupfer, Ton, Silber und Gold." Auch im Heiligtum der Mohammedaner befindet sich ein Stein, aber nicht i m Allerheiligsten, sondern als das A l l e r h e i l i g st e. In der Mitte ihrer Mutterstadt Mekka ist ein freier Platz, auf welchem die Moschee El-Haram liegt. Diese Moschee hat einen Vorhof, in dessen Mitte ein nahezu würfelförmiger, mit einem schwarzseidenen Ueberzug überdeckter Bau steht. Der Bau trägt den Namen „Kaaba", Würfelhalle. In der Nördostecke dieser im Innern reich geschmückten Halle nun ist ein s ch w a r z e r, mit Silber eingefaßter Stein eingemauert, und er gilt den Mohammedanern als das Allerheiligste. Wie kam man dazu, einen Stein als das Allerheiligste zu bezeichnen und zu verehren? Der Sage nach ist die Kaaba schon von Adam errichtet, der Stein aber erst von Abraham, dem der Engel Gabriel einen Rubin(Meteor?)stein vom Himmel gebracht hätte, der aber seitdem von den Sünden der .Menschen schwarz geworden wäre. Bemerkenswert ist diese Sage nur insoweit, als nach ihr der Stein jünger ist wie die Kaaba selbst, welche bereits Mohammed angetroffen hat und vor seiner Zeit ein Götzentempel gewesen ist. Der Stein selbst aber scheint eine Einrichtung Mohammeds selbst zu sein. Mohammed hat vieles dem Judentum entnommen. Daß das Beste, was der Koran, die heilige Schrift der Mohammedaner, enthält, der Bibel und dem Talmud entlehnt ist, hat längst Abraham Geiger mit der Beantwortung der Frage: „Was hat Mohammed aus dem Judentum genommen?" nachgewiesen, und es kann zu dem von ihm Ausgeführten noch mehr hinzugefügt werden. So namentlich die Einrichtung des heiligen Steines. Als sich nämlich Mohammed, welcher in der ersten Zeit zu den Juden freundschaftliche Beziehungen unterhielt, plötzlich entschloß, mit ihnen vollständig zu brechen, da verordnete ec, daß sich die Gläubigen nicht mehr beim Gebete, wie er früher bestimmt hatte, nach Jerusalem, sondern nach Mekka und der Kaaba wenden sollten. Diese Aenderung in der Gebetrichtung hat ihn wahrscheinlich auch veranlaßt, in Nachahmung des „Scheßijah" im Allerheiligsten

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