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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-12-18 · Heft 51 (18.12.1914) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 51 (18.12.1914)
Date
1914-12-18
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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z/m 2 .- in Stügnfcn, unter gleichzeitiger Beförderung zmn Unteroffizier; Gefreiter d. R. Leo H i r s ch, Lohn des Glasermeisters Hirsch aus Obersitzko; -Heizer d. R. Bruno Selka, Lohn des in Posen verstorbenen Sekretärs der Synagogengemeinde Selka; Arthur Simon, Sohn des Herrn Isidor Simon-Göppingen; Rechtspraktikant Dr. Lewin- Freibnrg i. B.: Tr. Richard Hamburger-Breslau: Stabsarzt d. R. Tr. Fritz T a n z i g e r - Hamburg; Assistenzarzt Willi Wolfsh e i m - Königsberg i. Pr.; Kriegsfreiwilliger Truppenarzt Tr. Fritz B a u m - ruHn; Oberarzt d. R. Tr. Fritz Gold s ch m i d t - Hannover; der l7jährige Kriegsfreiwillige Wilhelm P o l l a ck - Chemnitz; Oberleutnant d. R. Tr. .Kurt Fränkel, Mitinhaber der Leinenfabrik S. Fränkel in Neustadt in Schlesien; Wilhelm H e i m a n n - Stettin; Oberarzt K i r st ein- .Königsberg: Oberarzt Tr. Ernst Sachs, früher am Bircholv-Krankenhans in Berlin, zuletzt Privatdozent in der Frauenklinik der Universität Königsberg: Bizewachtmeister d. L. Rudolf Kuh-Breslau: Tr. Beckhardt, Oberarzt d. N., Strastbnrg, Bizefeldwebel Robert Frank, Sohn des Gemeinderatsmitgliedes Frank-Straszbnrg; Unteroffizier Bernhard Levh, Sohn des Hopfenhändlers David Bleyer-Levy-Hagenau: Professor Tr. Leo B l n m und Tr. F o rot- Strastbnrg. y. Berlin, 1-"». Tezember. Als zweiter Redner in dem von den Berliner Logen U. O. B. B. veranstalteten Zyklus von Kriegsvorträgen sprach am 12. d. M. Kommerzienrat M a x i m i l i a n Stein vor den außerordentlich zahlreich erschienenen Logenmitgliedern über das Thema „Ter Krieg als Erzieher". Ter Vortragende führte etwa aus: Tie von der Loge veranstalteten Borträge bezwecken, die Stimmungen widerzuspieaeln, die uns bewegen. Ueberwältiat von der Größe der Ereignisse im äußeren Weltgeschehen wie in unserer inneren Welt bedarf es der größten Anspannung, sich znrechtznfinden. Es ist nicht so sehr das Einzelgenie, ans dem unsere Stärke beruht, nicht die Gedankenarbeit eines Staatsmannes, sondern die Gedankenarbeit, das Zusammenwirken der ganzen Nation. Ties hat denn auch die Mobilisation aller militärischen und aller sozialen Kräfte bewirkt. Ein neu belebter Idealismus hat den krassen 'Materialismus, die Indifferenz znrnckgedrängt. Tie Menschen erkennen, was sie einander sein müssen uub können, sie rucken zusammen, alle Berufe reichen sich die Hände. Ter Krieg reißt Barrieren nieder, durch die die Menschen sich abgesondert hatten. Eine religiöse Stimmung gibt dem Leben sein Gepräge. Festgottesdienste werden abgehalten. An den Gräbern der Gefallenen ertönt neben den Gebeten der anderen Religionen das Kaddischgebet. Bei allem Leid dämmert die Erkenntnis, daß wir nur Teile eines Ganzen sind. Um das ethische Problem des Krieges vollständig klarzulegen, geht der Redner näher auf die politischen Zusammenhänge ein mtb fährt dann fort: Tie Wissenschaften standen stets in Blüte bei den Tentschen. Tie Welt kann Tentschland nicht entbehren, sie ist der geistige Schuldner Deutschlands. Es ist symbolisch, daß die Tentschen das Schießpulver und die Bnchdrnckerknnst erfunden haben; in England und Frankreich erscheinen jährlich etwa 10 000 Bücher, in Tentschland allein 2,5 000. Wir stehen jetzt nicht vor einem Weltuntergang, sondern vor einem Weltanfgang. Tie vornehmste Wirkung des Krieges ist das neue Bertrauen der Menschen zueinander, der Regierung znm Bolke und umgekehrt. Tiefe Stimmungen müssen sich als stabile Gesinnungen kristallisieren, die Solidarität muß zu einer solchen im Kriege führen, die Wohltätigkeit muß zur methodischen sozialen Arbeit werden. Es ist jetzt nicht die Zeit, an jüdische Probleme zu denken. Wir dürfen aber die Erwartung hegen, daß die neue Saat auch für die Juden, die goldenen Früchte der Freiheit zeitigen wird. Tie Anerkennung der jüdischen Arbeit muß auf die Juden selbst erzieherisch wirken, ein bescheidenes Selbstbewußtsein hervorbringen. Begeisterung und Hingabe, Liebe und Iicne überall, auch angesichts der schweren Verluste. Ter Krieg erzieht Mütter und Frauen zu Heldinnen im Erdulden. Ter Gewinn' an nationaler Größe ist teuerbezahlt. Niemand kann sagen, wann das Ringen, in dem 20 Millionen Soldaten sich gegenübersteheu, zu Ende sein wird. Deutschland muß durchhalten, bis es den Frieden vorschreiben kann. Wir vertrauen auf die Gerechtigkeit des Weltlaufes. „Ter Krieg ist kein Ehaos, der Zweck des Kampfes isk Sieg, aber der Zweck des Sieges ist Frieden." (Beifall.) Ter Glorienschein unvergleichlichen Ruhmes verklärt die Taten unserer Helden, Heister Tank gebührt ihnen. Gott schütze, Gott erhalte Deutschland. (Stürmischer Beifall.) Myslowitz, 11. Dezember. Aus der Tätigkeit unserer Gemeinde auf dem Gebiete der Kriegsßürsorge ist weiter zu berichten, daß auf Anregung unseres Rabbiners, Dr. Halpersohn, sämtlicher; Gemeindeangehörigen, die int Felde stehen, anläßlich des E h a u n ck a f e st e s Liebesgaben zugingen, die von den Mitgliedern der Gemeinde in reicher Zahl gespendet und von Borstandsdamen des Israelitischen Jungfrauenvereins gesammelt worden sind. Es wurden mehr als 25 Pakete fertiggestellt, von denen jedes außer notwendigen und nützlichen Gegenständen auch Ehanuckakerzen und ein zu dem Zwecke verfaßtes Ehanuckagedicht enthielt. Hoffen und wünschen wir, daß nufere Krieger, die der alte Makkabäergeist beseelt, die Makkabäerlichter draußen erstrahlen lassen als blinkende Feuerzeichen der Siegesfreude und der Siegeszuversicht! — Auch für die vom Vaterländischen Frauenverein veranstaltete Sammlung von Weihnachtsliebesgaben haben die Mitglieder der hiesigen Gemeinde reiche Mittel zur Verfügung gestellt. Am Bet- und Bußtage fand, in Gegenwart österreichischen Militärs, ein Kriegsbetgottesdienst statt, nunmehr der dritte seit Beginn des Völkerkampfes. Bor kurzem wurde eine gleiche Andacht in unserer Filialgemeinde, Virkental O.-S. abgehalten, eine solche soll demnächst in unserer anderen Tochtergemeinde Rosdzin-Schoppinitz folgen. Endlich sei noch erwähnt, daß ans unserem Gemeindebezirk noch zwei Krieger des Eiserne Kreuz sich errangen, im ganzen also vier Herren .'diese Auszeichnung bis jetzt empfangen haben. W. Posen, 11. Tezember. Seitens der Frau Rosa Brodnitz, der Gemahlin des verstorbenen Stadtverordneten Hugo Brodnitz, sind der Stadt Posen für Arme, unter besonderer Berücksichtigung der durch die Kriegslage entstandenen Not, dreitausend Mark überwiesen worden. - Ter hiesige Zigarrenfabrikant M. Nosenberg hatte für unser wackeres 5. Armeekorps 100 000 Zigarren und 2500 Pfund Pfeifentabak gespendet, die freundwillige Abnahme gefunden haben, wie aus folgender, dieser Tage bei der Firma eingetroffenen F-eldpi sttarte, die mit zahlreichen Unterschriften bedeckt ist, hervorgeht: „Heute empfing unsere Munitionskolonne, nachdem sie vier' Wochen das Polenland kreuz und qua* durchfahren, als Liebesgabe von Ihnen Zigarren. Wie das bei uns allen gleich die Stimmung belebte, zumal wir seit unserem Ausrücken kaum mehr eine deutsche Zigarre geraucht haben. Seien Sie von uns alten herzlich bedankt!" — Ter Finneninhaber hat nun neuerdings fünfzig Paar Strümpfe anfntigeu lassen und jedes Paar mit einer Karte des Inhalts versehen, daß der Empfänger, meint er auf einer Fel dp v sttarte seine Adresse angibt, von der Firma 100 gute Zigarren erhalten wird. Tie Firma lvird zweifellos 5000 Zigarren abznsenden haben, da mit verschwind.nden Ausnahmen das Verlangen nach einer guten Zigarre den Kriegern eigentümlich ist. — Unter überaus zahlreicher Beteiligung fand die Beerdigung des Jnstizrats Siegfried Michaelsohn statt. Bor nehme Gesinnung und peinliche Gewissenhaftigkeit .waren die Grundpfeiler, auf denen er viele Jahre die Anwalts-Praxis am hiesigen Landgericht ausübte, hochgeschätzt von allen, die ihm beruflich nahe traten. Den Rechtsanwälten am königlichen Landgericht war er durch den nie versagenden Quell seiner großen Herzensgüte, seine unbeirrbare Geradheit und die zu allen Zeiten betätigte kollegialische Liebenswürdigkeit und Hilfsbereitschaft ein lieber Freund, dessen Hinscheiden alle tief ergreift. — Zum Gerichtsassessor ist der Referendar Tr. E o btrner im Bezirke des Oberlandesgerichts Posen ernannt worden. sk. Leipzig, 11. Tezember. Ein seltsamer Fall des Aberglaubens im 20. Jahrhundert beschäftigte am 1. d. M. das Reichsgericht: Am 28. Mai 1914 hatte man in Zempelbnrg bei Könitz das christliche Dienstmädchen Jda Schmidt, das bei einem jüdischen Viehhändler angesteltt war, am Morgen in ihrer Kammer tot aufgefunden. Die sofortige Obduktion der Leiche, eine chemische Blutanalyse und die Lokalbesichtigung ergaben Zweifelsfrei, daß die Schmidt in der Nacht an Vergiftung durch ausgeströmtes Leuchtgas infolge versehentlichen Ofsenbleibens eines Gashahnes gestorben war; obwohl also die Sache ganz klar stand, verbreitete sich bald nach dem Tode des Mädchens in Zempelbnrg das Gerücht, sie sei das Opfer eines „Ritualmordes" geworden. Tie Behörden sorgten zwar für Aufklärung, dennoch aber war die jüdische Bevölkerung sehr beunruhigt, da die Ritualmordlüge noch einige Wochen lang das Tagesgespräch bildete. Schließlich griffen die Gerichtsbehörden gegen die Verbreitung des Gerüchtes in folgendem Falle ein: Als eines Abends Ende März 1914 mehrere Personen in der W.'scheu Gastwirtschaft beisammen saßen und auch vom Tode der Schmidt die Rede war, sagte der Schneidergeselle Aloysius

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