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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-12-18 · Heft 51 (18.12.1914) · p. Seite (612)

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 51 (18.12.1914)
Date
1914-12-18
Page
Seite (612) (sequence 12)
Language
German
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beeilten sich mit dem Nachtessen, um von dein herrlicheuSchullfpicl irr fein Wort zu verlieren. ' ' '" ' Dann machten sie sich auf den Weg. Die Mütter" trugen die kleinsten Binder auf dem Arm, und die Väter führten div' größeren an der Hand, damit sich auch diese vergnügen sollten. Und von allen Richtungen kamen kleine Karawanen herbei.! Unter Lachen und Scherzen trabten sie auf den hartgefrorenen i Erdschollen zum großen Wirtshause hin. Unterwegs trafen > Bekannte zusammen, und die Fröhlichkeit wurde noch lauter, j Wenn sich ihnen hier und da eine lustige Maske anschloß, dann | nberqnollen sie vor lachender Glückseligkeit. lForts. folgt.) - Lulülches. Von Rudolf P r e s b e r. I. P r o g r o m. inder, still! Ter weiße Zar! Träumt auf seinem Thron von Golde;! Tenn ihr wißt, daß er es war, j Der den ew'gen Frieden wollte. Hat gesonnen manchen Tag,! Wußte Kön'ge zu entflammen;! Und es saßen dann im Haag Ein paar Männerchen zusammen. Meint ihr, sie soupierten bloß Für die „Spesen", die beschieden? Rein. Blau sang: „Ter Zar ist groß Und ein schönes Ting der Frieden!" Kinder, still! Ter weiße Zar Ruhend will die Glieder strecken; Weil er so beschäftigt war, Dürft ihr jetzt ihn nimmer wecken. Was denn? Seid ihr bei Verstand? Blut? . ... Ein Saft, nicht zu verachten! Trunkne taumeln durch das Land, Arme Inden abzuschlachten? Mütter schrei'n in Todesqual? Keiner will die Mörder strafen? Freilich, ja, das ist fatal,! Aber Väterchen null schlafen. Kinder, still! Ter weiße Zar Schläft und wünscht nicht, daß inan lärme. Reißt man ein paar Juden gar Aus dem Leibe die Gedärme; Schneidet man dem blinden Greis Mit dein Messer ab die Nase; Wirft man, müde des Geschreis, Kranke Kinder auf die Straße; Fließt des. Blutes roter Bach Heiß aus haus und Synagogen — Still es hat ins Schlafgemach Sich der Zar zurückgezogen! Kinder, still! Ter weiße Zar, Müde von verträumten Nächten, Weil er gar so fleißig war. Schläft den Schlummer des Gerechten. Laßt es gehen, wie es mag — Tote Juden sind geborgen, Und die Männerchen im Haag Können für die Witwen sorgen. Bringt die Särge uns zur Stell', Kinder fanden früh den Hafen So was repariert sich schnell . . . Still doch! - Väterchen null schlafen! j. " "" fl: ÜWt t e och e n Z er r er n s 41 uc i eb hi< I u d e 1K, < - Geliebte Juden! Ich bin euer Zar: Empfängt meiner Liebe Bekerlutnis. Und alles, was finstre Jahrhunderte war. Bleibt ein neckisches Mißverständnis. Euch Hab' ich die Knute, in Blut gelaugt, lieber die Rücken gezogen; ' Ihr habt meinen Sohlen zu-m Schemel getaugt - Hellt bin ich euch gnädig gewogen. Ihr allzeit Geliebten, nur furchtlos hervor Aus euren Kellern und Buden Und lest meine huldvollen Worte am Tor: „All meine lieben Inden!" Ihr zögert? Frellnde, das macht mich betrübt. Wie fang' ich euch doch, ihr Vrstockten? Ich Hab' selbst die Polen nicht so geliebt Wie euch, ihr Schwarzgelockten! Ich gab euch Beamte mit offener Hand, Die durftet in Demut ihr lecken; Ich ließ Sibirien, das herrliche Land, Von so manchem der euren entdecken. Ich schickt' euch ein bißchen in Hunger und Pest Und strich eure Kinder mit Ruten, Und all das gipfelt im Manifest: „An meine lieben Juden!" £ wißt, wie bang meine Sehnsucht brennt. Daß ich folch Briefchen euch schriebe. Euch schlottern die Knie, wenn ihr mich nennt? Das kommt von der zärtlichen Liebe. Was zagt ihr, in dunkle Ecken geduckt? £, fühlt meiner Worte Geschmeichel; Und Hab' ich euch oft ins Gesicht gesplickt, Es war doch f ü r st l i ch e r Speichel. Rafft rasch aus dem Schranke düs Festgewand, Ihr sollt euch kleiden und sputen; Es winkt eures Väterchens gnädige Hand:' „An meine lieben Juden!" Die Tore des Ghetto sperr' ich euch auf, So hübsch es auch ist, drin zu wohnen. Und gönne euch ruhmreichen Siegeslauf In die Preußischen Kanonen. Ich gab euch nicht Land, noch Recht, noch Brot (Nur Prügel und eiserne Schrauben), Doch sichrer als all das, den Heldentod Soll meine Huld euch erlauben. Zwei alte Stiefel, ein rostig Gewehr - Und eine Trompete zum Tuten — Hört ihr die Granaten vom Grenzdorf her - - An meine lieben Juden? ... Tie beiden vorstehenden Gedichte sind der Sammlung; Rudolf P r e 8 b e r, „D er Ta g £> e s D e u t s che ir", K r i e g s g e 'd i chte, Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart und Berlin, entnommen. Der. Ertrag ist vom Verfasser für die Zwecke des Roten Kreuzes bestimmt, Preis gebunden 2 Mark. Sie rühren von einem deutschen Dichter christlichen Glaubens her und sind dadurch besonders willkommen. Die Sammlung, der diese beiden Gedichte entlehnt sind, sei unseren Lesern bestens, empfohlen. Es sind nicht bloß Kriegsgedichte, Hurrarufe und Sehnsuchtsklagen, sondern auch-ernste'Mahnungen, gelegentlich satirische Wendungen, z. B. die Schlußapostrophe gegen die deutschen Diplomaten. Als besonders schön erscheinen mir folgende Gedichte: „An Oesterreich", „Das Eiserne Kreuz", „Brief des Grenadiers", „Eugenie", Thalatta". In allen diesen Gedichten und in vielen anderen herrscht neben erfreulichem Wohlklang der Berse echt patriotische und wahrhaft menschliche Gesinnung. L. G.

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