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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-12-18 · Heft 51 (18.12.1914) · p. Seite (603)

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 51 (18.12.1914)
Date
1914-12-18
Page
Seite (603) (sequence 3)
Language
German
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Entschiedenheit seines Parteistandpunktes durch die Reinheit seiner Ueberzeugung auch bei seinen Gegnern sich Achtung zu verschaffen wußte, und der die Ausbildung und Fortentwicklung der Religion und nicht bloß die Fortführung der Reform als höchste Aufgabe, als das Ziel seines Lebens betrachtete. Er hat durch sein mächtiges Wort in weiten Kreisen gewirkt, durch den Zauber seines Wesens Unzählige zu gewinnen gewußt; inmitten einer reichen Tätigkeit, scheinbar ungebrochen, von einer geradezu jugendlichen Frische, die seine hohen Jahre kaum ahnen ließ, ist er schmerzlos dahingesunken. Sein Andenken bleibe gesegnet! Mit einer überaus' schmerzlichen Nachricht hat die diesmalige Uebersicht zu beginnen: drei deutsche Kreuzer „S ch a r n h o r st", „G n e i s e n a u", „N ü r n b e r g", die so lange Zeit der Schrecken der Meere waren, den feindlichen Schiffen vielen Schaden zugefügt und vor einiger Zeit einen glänzenden Seesieg errungen hatten, sind endlich der feindlichen Uebermacht (28 gegen 3) erlegen. Die Schiffe sind zugrunde gegangen, die Mannschaft, einschließlich des tapferen Führers, des Admirals v. Spee, ist größtenteils ertrunken. Wir beklagen in tiefer Trauer außer dem Untergang der herrlichen Schiffe den Verlust so vieler wackerer Krieger, die bis zum letzten Augenblick bewundernswerten Heldenmut bewahrten. Sie bleiben leuchtende Beispiele mannhafter Pflichterfüllung und herrlicher Vaterlandsliebe. Leider kann man diesem schmerzlichen Ereignis keine große erfreuliche Botschaft entgegensetzen. Zwar lauten die Nachrichten aus dem Hauptquartier gut: sie melden von der Ausnutzung des großen Sieges im Osten, von Fortschritten, die an verschiedenen Stellen im Westen gemacht sind, sie verkünden Siegesbeute und Gefangennehmungen, aber nirgends wird von einem ausgreifenden Schlage berichtet, der uns der Entscheidung näher bringt. Wann endlich wird die frohe Botschaft kommen? * Die vor kurzem ausgegebene September-Oktober-Nummer der „K. E. Blätter" füllt fast das ganze Heft mit einer Liste der Kriegsteilnehmer aus. Danach nehmen - etwa 470 Mitglieder am Kriege teil, darunter drei Oberleutnants, mehrere Oberärzte (auch drei Stabsärzte), viele Vizewachtmeister und Offizierstellvertreter. 32 von den Kriegern haben das Eiserne Kreuz erhalten, 8 sind den Heldentod gestorben, 24 verwundet oder gefangen. * Die „Posener Zeitung schreibt: Vorn Ausschuß des Verbandes der deutschen Juden wird uns geschrieben: Einer der großen Tageszeitungen sind von privater Seite statistische Angaben über Auszeichnungen und Beförderungen von Jlldeu im Kriege zugegangen. Wir bemerken hierzu, daß die Unterlagen für eine zuverlässige und vollständige Statistik über die Beteiligung der Juden am Kriege nod) fehlen. Abgesehen hiervon halten aber auch die großen jüdischen Organisationen in Deutschland Veröffentlichungen konfessioneller Kri-egsstatistiken während des Krieges nicht für angebracht. * Der „Frankfurter Zeitung" entnehmen wir folgende Notiz: Die I u den i in c ngli s ch e n H e e r e. London, 4. Dezember. sPriv.-Tel., indir. Etr. Frkft.) Die „Times" sagen über die Teilnahme der I u d e n b e i m e n g l t f cf) e u H e ere, daß, während früher etwa 500 Juden beim Heere Dienst genommen Hütten, ihre Anzahl, augenblicklich 5000 betrage und stets zunehme. Ungefähr 450 Hütten den Rang eines Offiziers bei dem Heere oder der Marine. Anfänglich hatte man die Absicht, jüdische Bataillone zu bilden, aber diese Idee wurde rasch wieder aufgegebeu. Unter den kanadischen Regimentern bcftubeit sich 200 Juden, vor allen Dingen solche aus Rußland und Armenien, die nach Kanada ausgewandert sind. Die Söhne der vornehmsten englischen jüdischen Familien, so die der Rothschilds, seien im Heere. * Manche Zeitungen hatten folgende seltsame Notiz verbreitet: Israelitische Kriegergräber. Ter Oberrat der badischen Israeliten hat ein Verbot der Beerdigung israelitischer Soldaten auf dem gemeinsamen Kriegerfeld der Gemeindefriedhöfe erlassen. Eine israelitische Gemeinde des Landes war anfangs nicht abgeneigt, ihre Zustimmung zu der Beerdigung israelitischer Soldaten bei den Kriegergräbern zu gestatten, sie bekam aber nachträglich Bedenken und stellte eine Anfrage an den Oberrat in Karlsruhe. Ter Oberrat der Israeliten erkannte, wie der Heidelberger Mitarbeiter der „Straßburger Post" schreibt, die edle Menschlichkeit, die in der Absicht liegt, alle Krieger ohne Unterschied des Glaubens und Standes auf einem gemeinsamen Ehrenplatz zu beerdigen, an, er konnte sich aber aus religiösen Gründen nicht dazu entschließen, die Genehmigung zu geben, daß auch israelitische Krieger auf' diesem gemeinschaftlichen Friedhossplatz zur Ruhe bestattet werden. Verlangt ein israelitischer Krieger dagegen zu Lebzeiten ausdrücklich die Beerdigung mit dem gemeinschaftlichen Kriegerfriedhose, dann hat der Oberrat nichts dagegen einzuwenden. Dagegen richtet sich folgende Notiz des „Badischen Beobachters": Karlsruhe, 4. Dezember. Nach dem uns vorliegenden Verordnungsblatt des Oberrates der Israeliten Nr. 7 ist dessen Ausspruch über die Bestattung israelitischer Kriegsteilnehmer auf den Friedhöfen von dem Mitarbeiter der „Straßburger Post" unrichtig wiedergegeben worden. Der Oberrat hatte einen Stadtrat, der in anerkennenswerter Weise auf dem Ehrenplatz des städtischen Friedhofes auch die verstorbenen israelitischen Krieger bestattet zu sehen wünschte, bitten taffen, von weiteren Verhandlungen hierüber mit dem Rabbiner abznsehen, da die Israeliten den christlichen Charakter der allgemeinen Friedhöfe, wie er durch die christlichen Zeichen, sowohl bei den einzelnen Gräbern als im ganzen (große Friedhofskreuze, Ausstattung der Friedhofskapellen) in die Erscheinung trete, weder ändern könnten noch wollten, andererseits aber die Bestattung der verstorbenen israelitischen Kriegsteilnehmer auf dem allgemeinen Friedhof um so schmerzlicher empfinden würden, als dadurch der israelitische Friedhof der hohen Ehrung, Kriegergräber aus dem weltgeschichtlichen Bölkerkamps unserer Tage aufzmoe'isen, verlustig /fuge. Uebrigens stehe dem einzelnen und ebenso seinen Angehörigen selbstverständlich frei, das Begräbnis auf dem allgemeinen Friedhof zu wählen. Von einem Verbot hiergegen ist also keine Rede. # Der „Staatsbürger-Zeitung" ist folgendes Schreiben des Oberkommandos in den Marken zugegangen: „Die Nr. 174 vom 6. d. M. beweist, daß die „Staatsbürger- Zeitung" die Bekämpfung bestinnnter Kreise deutscher Staatsangehöriger auch während des Krieges sortzujetzeu gewillt ist. . Es ist Ihnen schon unter dem 21. August d. I. eröffnet worden, daß eine solche Haltung mit den während des Krieges zu beachtenden Politischen Notwendigkeiten unvereinbar ist. Ferner verstößt die Nr. 184 in den Artikeln „Was werden nur fordern?" und „Was wird mit Luxemburg?" gegen den der Presse mehrfach vorgeschriebenen Grundsatz, daß alle Erörterungen über etwaige spätere Gebietserwerbungen aus politischen Gründen zu unterlassen, sind. Unter diesen Umständen wird hiermit das Erscheinen dexZSßiatsbürger-Zeitung" für die Dauer des Krieges untersagt." /' Wann werden sich andere deutsche Staaten zu ähnlicher Energie ausrasfen? * Die „Bossische Zeitung" veröffentlicht folgenden Brief: Kopenhagen, SO. November. Tie Zeitung „Sozialdemokraten" veröffentlicht die folgende Kundgebung des Allgemeinen jüdischen Arbeiterverbandes in Rußland: „In einem Artikel, den die „Hnmanito" über die Pflichten der Sozialdemokraten in den neutralen Ländern brachte, wird dem russischen Zarismus auf innerpolitischem Gebiet die Absicht zu geschrieben, er wolle sich „auf den Boden der Gerechtigkeit und der Zivilisation" stellen. Es wird

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