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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-12-18 · Heft 51 (18.12.1914) · p. Seite (602)

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 51 (18.12.1914)
Date
1914-12-18
Page
Seite (602) (sequence 2)
Language
German
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502 hervorgehen", all das hat sich an dem Volk der Mohammedaner erfüllt; man spricht in unseren Tagen nicht ohne Seelenwonne aus, unsere, neuen Waffenbrüder verfügen über 300 Millionen Seelen. Das ist q u a n t i t a t i v e Größe. Aber Tapferkeit, K ü h nheit und M w t bedeuten mehr, und in dem Worte der Bibel (Gen. 16, 12): „Er, Jsmael, wird wild im Kampfe sein, das heißt kühn und gefürchtet, seine and w i r d in a n f ü hl e n , wenn sich aller H and gegen ihn erhebt" — J a d o b a k o 1 w e j a d k o 1 a d a m b o — hat sich schon nach den ersten siegreichen Kümpfen zu Wasser und zu Lande geoffenbart. G r o ß sind und b e s i tz r e i ch die Sprossen Jsmaels, und ihr Gebiet umfaßt ein gewaltiges Stück Erde. Auch dies hat die Heilige Schrift sGen. 25, 18) dargetan, wenn sie spricht: „Die Völker Jsmaels wohnen von Ehawila, wo das Gold in Fülle wächst — ein goldenes Horn in Wahrheit —, bis S u r, das da ist von AeghPte n, bis bu kommst nach A s ch u r." Es ist ein großes Erdgebiet in Asien im d?l frika, befehligt von tapferen namhaften Fürsten, zu -denen Nebajot, Kedar usw., das heißt die arabischen Mächtigen, zählen. Zwölf Namen von Stämmen nennt die Bibel (Kap. 25), redet von ihren „Höfen", von ihren „Schlössern" und „Burgen" Ehazerot, Tirol —; von zwölf Fürsten des Morgenlandes ist an einer anderen Stelle (Kap. 17,20) die Rede: „Von Jsmael lasse ich dich, Abraham, hören, ich werde ihn s e g n e n, g r o ß - m a ch e n , v e r m ehren, ungemein sehr; zwölf Fürsten soll er zeugen, und ich werde ihn machen zu einer großen Nation." Sein Ilrwohnsitz war die a r a b i s ch e W ü st e „M i d b a r P a r a n" — aber er weitete sich durch e h e l i ch e Verbindung - „Jsmaels Mutter nahm für ihn ein Weib aus dem Lande Aegypten," auch durch Eroberungen, er war „Robe Kaschot" ein gewaltiger Bogenschütze (ibidem). Was hier von Jsmaels Person hervorgehoben ist, hat sich an seinen Namen geheftet bis zur Stunde, wo er die ersten Truppen hellte gegen das von Islams Herrscher beherrschte Aegypterland entsandt hat, das seinen Herrschern, Sultan und Khedive, dllrch Empörung.vorenthalten wird. Allein ein Moment betont die Bibel, das bei einer Betrachtllng über Jsmael noch besonders hervorgehoben werden mllß: die zweimalige Hinweisung auf „s eine B r ü d e r": „Bor dem Angesichte aller seiner Brüder wird er residieren oder seinen festen Wohnsitz behaupten" (Gen. 16, 12) und Gell. 28, 18 „vor dem Angesicht aller seiner Brüder fiel er". Letzteres wendet der rationelle spanische Erklärer Jbn Esra auf das Besitztu m I s m a e l s an, das in dem Sinne zil verstehen wäre, wie der Vers 16, 12: er fiel heißt: er w o h nt sicher; f e st ruht ll n d bleibt I s m a e t sein Gebiet vor allen Nachbar- und Brudervölker n. Andere alte Kommentatoren aber meillen: der erste Satz bezieht sich auf Jsmael beim Leben seines Vaters; solange Abraham lebt, wird er sicher wohnen, der andere Vers: er fiel oder fällt, wenn sein Vater nicht mehr am Leben ist. Ich stehe auf Jbn Esras Standpunkt; danach behält Jsmaels Reich seine Größe immer. Die traditionelle Auslegung aber stimmt anch, sofern die Völker des Islams treu bleiben dem Geiste ihres Vaters, das heißt: solange Abraham lebt, solange er in ihnen lebt, mit dem Beigedanken, daß sie stin T e st a m e n t der Gerechtigkeit Hochhalten als ein heiliges Ideal, solange findet er Brüder und behält seinen Bestand für immer. Jetzt hat sich diese Exegese glänzend bewährt in der Geschichte unserer Tage: die Türkei (oder Jsmaels Stamm) kämpft für Abrahams Testament, daß Gerechtigkeit sich ausbreite auf Erden, und darum ist sein Bestand gesichert, und seinem Schwerte werden Sieg uub Ruhm und Herrlichkeit werden; denn so sicher wir hoffen, daß die, mit denen er Hand in Hand geht und Schulter an Schulter kämpft, daß Deutschlands und Oesterreich-Ungarns Waffen, der gerechten Sache und der Kultur gelten, und so fest wir überzeugt sind, daß die Gerechtigkeit auf Erden siegen muß, so fest und sicher gilt uns der Sieg Jsmaels, des Verbündeten dieser Brüdervölker, die auf Abrahams Testament fußen und darin wurzeln. Groß war der Islam im Mittelalter, und ein Segen war er für Israel, das ihm seiner Literatur Glanzepoche verdankt im maurischen Spanien. Dort blühten unsere Größen, dort wurden die Sprößlinge Abrahams Pariotische Staatsmänner, tüchtige Minister und Staatslenker, anerkannte Meister der Wissenschaften, der Medizin, der Naturwissenschaft, der Mathematik, glänzende Vermittler der Philosophie der Griechen im Abendlande mit den arabischen Weisen des Orients, dort lebte unser größter Theologe Maimonides, der Gelehrte aller Fakultäten, der Hofarzt des Sultans Saladin, dort unser größter Poet Jehuda Halevi, dort Jbn Esra usw. Ein Segen ward Jsmael für unsere Wissenschaft und Dichtung, und der Deutscheste der deutschen Poesie hat auch in der Neuzeit einen weisen Sultan zum Segensquell für die göttliche Friedensidee gemacht, die das herrliche Toleranzdrama des deutschen Volkes „Nathan der Weise" geschaffen. Im Reiche Jsmaels fanden die Vertriebenen Israels zu allen Zeiten Schutz und Heimat, dort erblühen reiche Agrikulturen, die Juden bewirtschaften, Kolonien und Ackerbauschulen nnb sonstige Stätten der Bildung und Gesittung. Dort erhebt sich Israels altes Heiligtum Zion, dort die ehrwürdigen Trümmer der einstigen Größe Judas, dort reichen sich angesichts des strahlenden Geisteslichtes, das vom Sinai ausging, die verschiedenen Konfessionen die Bruderhand, Jerusalem ist ihnen allen die heilige Stadt. Nun Verb r ü d e r t sich die T ü r k e i mit Deuts ch - land und Oe ft erreich- Ungarn, beten die Mohammedaner für diese neuen Bruderstämme inihren Tempeln. Machen wir es ihnen nach, beten auch wir in Deutschland und Oesterreich, daß sich das Wort der Bibel erfülle: ..Weal pone kol Echow jiischkon.“ E r r e s i d i e r e u n d w o h n e s i ch e r u n d f e st, r u h m r e i ch i n alter Größe an de r Seite und vor b e u A u g c it seiner Waffengeführten, seiner in Liebe i h m verbundenen V ö I k e r b r ü d e r, daß w a h r werde M g l e a ch i tz Wort: „Groß ist Gottes ewiger Name unter allen Völkern", und der Segen dieses Gottes a n d e n V a t e r I s m aels u nd aller seiner B r ü - der: „D u r ch d i ch s o l l e n g e s e g n e t w e r d e n alle V ölkerfa m i l i e n der E r d e!" Sie Woche. Berlin, den 15. Dezember 1914. m 13. Dezember, während seiner Predigt im Tempel der Berliner Reformgemeinde, ist der Rabbiner und Prediger Dr. M. Lev in plötzlich gestorben. Er hielt eine Ehanuckapredigt, verglich die Makkabäerkämpfe mit den unserigen; nach den laut ausgesprochenen Worten: „Wir erstreben keine Weltherrschaft", sank er lautlos nieder. Wir haben Bild und Biographie des verehrten Mannes erst kürzlich, gelegentlich seines 70. Geburtstages in Nr. 14, Seite 157 dieses Jahrgangs gebracht und werden eine ausführlichere Würdigung wie einen Bericht über die morgen stattfindende Trauerfeier folgen lassen. Heute sei nur kurz des schmerzlichen Verlustes gedacht. Levin war seit vielen Jahren ein eifriger, treuer Mitarbeiter unseres Blattes. Er war ein vielseitig gebildeter, hochbegabter, gründlich unterrichteter Mann, ein glänzender Redner, ein treuer Seelsorger, ein aufrechter, charakterfester Mensch. Ein gläubiger Jude, der trotz aller

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